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Ausgabe:

1879 Nr. 4

Spalte:

82-83

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Clark, William R.

Titel/Untertitel:

Savonarola: his life and times 1879

Rezensent:

Möller, Wilhelm

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8i Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 4. 82

der Verfaüer in Oxford feiner Claffe auf Grund der betreffenden
Abfchnitte von Beda's Kirchengefchichte gehalten
hat; diefe find von ihm dann einer erweiternden
Umarbeitung unterzogen worden. Das einleitende Ca-
pitel handelt verhältnifsmäfsig kurz von der alten bri-
tifchen Kirche, in dem ganzen übrigen Buche wird unter
beftändiger Rückficht auf Beda ,das Zeitalter der Bekehrung
des altenglifchen Volks zum Chriftenthum' dar-
geflellt, ,eine grofse, obgleich verhältnifsmäfsig kurze
Periode, welche fich nur über wenig mehr als ein Jahrhundert
erftreckt, und ihren natürlichen Abfchlufs findet
mit dem Tode ihres gröfsten eingeborenen Bifchofs
.709), der felbft der Evangelift derjenigen unter den An-
gelfachfen wurde, welche in Folge befonderer Ifolirung
zuletzt erft den Glauben angenommen haben'. Diefe
Würdigung des von Ebrard ob feiner Feindfchaft gegen
die ,Culdeer' fo bitter gehafsten Wilfrid ift bezeichnend
für Standpunkt und Auffaffung des Verf.'s. Er erkennt
zwar bereitwilligft an (S. 192 f.), dafs Wilfrid bei Durchführung
feines Werkes keineswegs fich von den Flecken
der Herrfchfucht und des Egoismus freigehalten habe,
in der Sache felbft aber giebt er ihm Recht, alfo namentlich
auch in der Ueberzeugung, dafs ,der Schottifchc
Weg' zu roh und eng gewefen, um für immer der Weg
zu bleiben für die englifche Kirche mit ihren continen-
talen Verbindungen und ihren grofsen Ausfichten auf
weite Ausdehnung. Ebenfo bezeichnend für die Auf-
faffung der neuerlich unter uns befonders von Ebrard
zur Verhandlung geftellten Probleme ift die nachdrückliche
Geltendmachung der Annahme, dafs die Ordination
der fchottifchen Bifchöfe wie Aidan und Finan durch
,actna/ bishops' erfolgt fein müffe (S. 170 f. 165. vgl. auch
133), das heifst, dafs trotz der bekannten Stellung der
Abt-Presbyter an der Spitze der Kirchenleitung und Jurisdiction
[cuius Juri et omnis proinnäa et ipsi ctiam episcopi or-
dine inusitato debeant esse subiecti. Beda, Ii. e. 3, 4; die ihnen
unterftellten Bifchöfe wirkliche Bifchöfe, d. h. durch den
höheren kirchlichen ordo von den Presbytern unterfchie-
den gewefen feien, mit andern Worten, wie es Skene
in feinem verdienftlichen Werke Celtic Scotlaitd, 2. Bd.,
Edinb. 1877 (p. 43- 93 f. 227) ausdrückt, dafs in diefer
monastic ehiireh zwar die missio und diepotestas inrisdic-
tionis nicht im Bifchof beruhte, fondern im Klofter, durch
deffen Haupt, den Abt-Presbyter fie ausgeübt wurde,
dafs aber durch dies Verhältnifs der höhere geiftliche
ordo und die potestas ordinis des Bifchofs nicht berührt,
demfelben in keiner Weife derogirt worden fei. Auf Ebrard
, welcher dagegen die in der That fich nahe legende
Vermuthungin feiner Weife nur zu rafch alserwiefene Wahrheit
anfleht, jene Einrichtung kenne überhaupt einen
höheren geiftlichen ordo des Bifchofs nicht, fondern Bifchof
fei nichts als der mit der Leitung einer durch
Miflion gegründeten Gemeinde beauftragte Presbyter,
nimmt übrigens weder Bright noch Skene in diefer Frage
ausdrücklich Bezug. Letzterer berückfichtigt, foviel ich
gefchen habe, Ebrard nur was den Namen Culdccr und
feine Anwendung auf die alte iro-fchottifche Kirche betrifft
. S. 226 f., inJem er feine fprachlichen Verfuche,
den Namen mit der Columba-Kirche zu verknüpfen, als
irrig zurückweift., und fich überhaupt in Gegenfatz gegen
die in der fchottifchen Kirche von früher her herrfchenden
Vorftellungen aufs Nachdrücklichfte erklärt: ,there is
notlung utore enürely destitate of authority tlian the appli-
cation of this name to the Coluviban monks of the sixth
and seventh centuries, or morc utterly baseless tlian the
fabric, wliicli lias been raised lipon that assuvitioib (S. 226).
Auch Bright, der übrigens auf diefe Frage nicht eingeht,
enthält fich völlig der Anwendung jenes urkundlich erft
viel fpäter auftauchenden Namens auf die Männer der
alten fchottifchen Kirche. — Das Hauptverdienft der im
Uebrigen fehr ausfuhrlichen und, foweit Ref. zu urtheilen
vermag, gründlichen Darftellung des Verf.'s liegt jedenfalls
nicht in fcharfer Beleuchtung der Differenzen zwi-

fchen der alten fchottifchen Kirche und der angelfäch-
fifch-römifchen, fondern vielmehr in der fehr eingehenden
Unterfuchung der localen Gefchichte der Miflion und
kirchlichen Etablirung in den verfchiedenen angelfächfi-
fchen Territorien und Orten. Hier ift das gelehrte
Material und namentlich auch folches, was uns ferner
fteht und minder zugänglich ift, forgfältig verwerthet;
und fo bietet das Buch uns eine fehr werthvolle Handhabe
und wird uns ein fchätzenswerther Rathgeber. In
diefer Beziehung wird der Werth des Buches durch die
beigegebenen Anhänge noch wefentlich erhöht, nämlich
eine chronologifche Zufammenftellung der wichtigften
Ereignifse, Tafeln der Succeflion fowohl der Herrfcher
in den verfchiedenen Territorien als der Bifchöfe, genea-
logifche Tafeln und endlich einen brauchbaren Index.

Kiel. W. Möller.

Tauler, Johannes, Die Ehre des Herrn ist ewig! Erbauliche
Stellen. Hamburg (1878), Agentur des Rauhen
Haufes. (VIII, 224 S. gr. 8.) M. 2. —

Eine Sammlung erbaulicher Stellen aus Tauler, wie
die hier gebotene, ift in der That willkommen, und zwar
eben zum Zwecke erbaulicher Anregung. Eine gewiffe
Monotonie liegt zwar unvermeidlich auch über diefer
Blumenlefe aus den Predigten des gottinnigen Mannes.
Wer aber daran fefthält, dafs diefe Stellen nicht als
eine zufammenhängendc Leetüre hintereinander gelefen
fein wollen, dafs das Auge in ftillen Stunden auf diefe
oder jene Stelle fallen, diefer oder jener Satz fich dann
wie ein väterliches Wort in die Seele fenken foll, der
wird das Büchlein lieb gewinnen. Die Sprache ift natürlich
der heutigen angenähert, aber vorfichtig und fo,
dafs fie den Reiz des urfprünglichen Textes in höherem
Grade bewahrt, als dies in der Ausgabe von Kuntze und
Biefenthal der Fall ift. Vorangefchickt find einige Worte
über Tauler und einige rühmende Stellen Luther's u. a.
über ihn. In erfteren werden freilich die beiden Angaben
nunmehr zu beanftanden fein, dafs der Gottesfreund
im Oberland Nicolaus von Bafel gewefen fei, und dafs

| ,das ebenfo tieffinnige als erbauliche Buch von der Nachfolge
des armen Lebens Chrifti' Tauler angehöre ,als
die vorzüglichftc feiner Schriften'. Habe ich recht ge-
fehen, fo hat doch auch der ungenannte Herausgeber

I feine erbauliche Stellen alle nicht diefem Buche, fondern
den Predigten entlehnt. Die Hauptmaffe wenigftens
lammt ficher daher. Es hätte wohl das Buchlein nicht
zu fehr belaftet, wenn es dem Herausgeber gefallen
hätte, den Ort anzugeben, dem die einzelnen Stellen

| entlehnt find.

Kiel. W. Möller.

Clark, Prebendary Vicar William R., M. A., Savonarola:

Iiis life and times. London 1878, Society for Pro-
moting Christian Knowledge. (IX, 390 S. 8.) Cloth.

Diefe zu einer ,Hausbibliothek' gehörige, von der Ge-
I fellfchaft für Ausbreitung chriftlicher Kenntnifse heraus-
j gegebene Biographie Savonarola's macht, entfprechend
i diefer Abzweckung, nicht den Anfpruch, der Wiffen-
fchaft Neues zu bieten, fei es an Quellenforfchung oder
an durchgreifenden Gesichtspunkten der Beurtheilung.
Der Verfaffer hat fich berechtigter Weife ganz befon-
: ders an Villari angefchloffen; er erklärt felbft, dafs er
! ihm bei weitem mehr verdanke, als irgend einem an-
; deren, und dafs er kaum irgendwo gewagt habe, von
I ihm abzuweichen ohne die forgfältigfte Erwägung; der
1 aufmerkfame Lefer werde jedoch finden, dafs er ihm
nicht fclavifch gefolgt fei, fondern mit redlicher Bemühung
, in das Verftändnifs der Gefchichte und des Charak-
I ters des aufserordentlichen Mannes einzudringen. Dies
j ift richtig, wiffenfehaftlich aber ift er in der That völlig
von ihm abhängig. Ueber den fonftigen Umfang feiner