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Ausgabe:

1879 Nr. 25

Spalte:

588-589

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Simon, Jos.

Titel/Untertitel:

L’éducation et l’instruction des enfants chez les anciens Juifs d’après la Bible et le Talmud 1879

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 25.

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beabfichtigen, fofern fich irgend etwas für die ifraeli-
tifche Gefchichte daraus entnehmen läfst — was auch
bei rein lyrifchen Erzeugnifsen der Fall ift, wenn fie uns
z. B. Auffchlufs geben über den Charakter hiftorifcher
Ferfönlichkeiten. Nicht um die Dichtungen als folche
alfo ift dem Verf. zu thun, fondern nur ihre gefchicht-
lichen Ausfagen fcheinen das ihn eigentlich Intereffirende
zu fein. Das wird denn auch der immerhin befremdende
Titel bezeichnen follen. Es konnte indeffen nicht ausbleiben
, dafs die Frage nach der Abfaffungszeit der
Dichtungen, welche — wenn wir den Plan richtig ver-
ftanden haben — nur als vorbereitende in Betracht zu
kommen hätte, vielfach als die wichtigfte erfcheint.

Aus jenem Hauptintereffe ift die etwas feltfame
Folge der behandelten Dichtungen zu erklären, die fich
offenbar nach dem ,gefchichtlichen' Inhalte richten will.
An das Lamechlied am Anfang fchliefst fich fogleich
Pf. 105 an (den der Verf. mit Recht für fpät hält), le-

Simon, Instituteur Jos., L'education et l'instruction des
enfants chez les anciens Juifs d'apres la Bible et le
Talmud. 3. ed. Leipzig 1879, O. Schulze. (63 S
gr. 8.) M. 1. 50.

Dem Titel entfprechend behandelt der Verf. fein Thema
in zwei Abtheilungen, von denen die erfte (S. 11 — 24)
mit der biblifchen, die zweite (S. 25 63) mit der tal-
mudifchen Zeit fich befchäftigt. Der verfchiedene Umfang
darf nicht befremden, da in der Bibel (unter welcher der
Verf. als Jude natürlich nur das A. T. verfteht) über Erziehung
und Unterricht nur wenige und mehr gelegentliche
Bemerkungen gemacht werden. Doch liefs fich
ihr immerhin mehr entnehmen, als dem Lefer von Hrn.
Simon geboten wird. S. 12 fehlt die Notiz, dafs das
Neugeborene gewafchen und mit Salz abgerieben wurde,
ehe man es in Windeln wickelte (Ezech. 16, 4). Daf.
ift über die Namengebung, welche oft'von der Mutter

diglich deshalb, weil er die Patriarchengefchichte behan- 1 ausging, nichts bemerkt. Die Mütter nährten ihre Kinder
delt; nur auf diefe kommt es dem Verf. an, und es , keineswegs ftets felbft, vgl. fchon Gen. 24, 59. 35, 8.
nimmt fich eigentümlich aus, bei Gelegenheit diefes Dafs die männlichen oder weiblichen Erzieher (Wärter,
Pfalmes eine eingehende Unterfuchung über Glaubwür- «sjjVpjijh) toute Uur vie dans la faniille des enfants, qii ils
digkeit oder Unglaubwürdigkeit der Patriarchengefchichte 1 avaient eleves, geblieben feien, ift nirgends berichtet,
zu lefen, deren Züge der Pfalmift doch erft aus den'Ge- | Dafür dafs Vater und Mutter gerne infam für die gute

nefiserzählungen gefchöpft hat. Das Lied der Hanna wird
an der ihm in den Samuelisbb. angewiefentn gefchicht-
lichen Stelle ausgefchieden, um an feinem wirklich ge-
fchichtlichen Platze behandelt zu werden (S. 173), weil
es nach der richtigen Meinung des Verf. gar nicht ein
Lied der Hanna fein will, alfo auf keinen Fall Auffchluffe

Erziehung forgten, konnte z. B. Sprüche 6, 20 angezogen
werden. S. 13, Anm. 5 bezieht fich keine der
angeführten Stellen auf Unterricht im Schreiben und
Lefen; für die weite Verbreitung der Kenntnifs der
Schreibkunft vgl. Rieht. 8, 14. Jef 8, 1. S. 14, es ift fehr
zweifelhaft, ob die von Hieronymus zu Sacharja 12, 3

über diefelbe geben kann. — Diefes Verfahren war j erwähnte Sitte (f. die Stelle in Gefenius' Thef. p. 1045U
kaum confequent durchzuführen. Wie Hanna's Lied, fo ! fchon in der Zeit des Sacharja beftanden hat: Hierony-

hätte auch der Jakobfegen von feiner traditionellen
Stelle verrückt werden müffen; denn auch er, den der
Verf. in der Königszeit abgefafst fein läfst (S. 32 ff.),
wollte fchwerlich urfprünglichJakobsworte enthalten, alfo
nicht das Bild geben, welches dem fterbenden Patriarchen
von der Zukunft der Stämme vorfchwebte. Namentlich
aber bei den ,David:fchen' Pfaimen kommt der Verl. ins
Gedränge; er befpiicht fie, als er im Gefchichtsverlauf an

mus fpricht von rotundi lapides, dazu aber pafst aiit;
?CTi( nicht. S. 18, Z. 4 fehlt das Citat II Sam. 1, 17.
18, aus welcher Stelle fich fchliefsen läfst, dafs zu dauernder
Erinnerung an wichtige Ereignifse der Vergangenheit
Lieder auswendig gelernt wurden. — Die allgemeinen
Erörterungen über die biblifche Periode wären
gehaltvoller ausgefallen, wenn der Verf. den trefflichen
Auffatz Oehler's ,Die Pädagogik desA. T.' in Schmid's

David gelangt, lediglich um zu fagen, dafs fie nicht dorthin j Encyklop. des gefammten Erziehungs- und Unterrichts-
gehören, weil fie nicht von Lavid verfafst feien und j wefens, Bd. V, S. 653 -695) gekannt und benutzt hätte,
deshalb ein Bild von diefem Könige nicht geben könnten. ■ Weitere Literatur f. bei Dielt cl in Schenkel's Bibel-Lexi-

Diefe eingehenderen Bemerkungen über die Anlage

wären einem werthlofen Buche gegenüber unnöthig; Weiter beffer gelungen ift der zweite Abfchnitt,

Pleilprin's Arbeit ift aber recht nutzlich, nicht nur für
amerikanifche und englifche Lefer, fondern auch für
deutlche, da die grofse Belefenheit des Verf.'s eine forg-
fame Zufammenftellung der verfchiedenen in der eng-
lifclun, wie in der deutfehen, holländifchen und franzö-
fifchen Literatur vorgetragenen Anfchauungen bietet mit
häufig nur zu vieler Ruckfichtnahme auch auf werthlofes
Gerede. Der Verf. führt vielfach die Autoren mit ihren
eigenen Worten redend ein, um fich zuletzt in Kürze
einem derfelben anzufchhefsen. Eine erfte Autorität ift
ihm Kuenen. — Die Grenzen der Kritik find dem Verf.
nicht immer bewufst geblieben; fonft würde er nicht das
Deboralied für das Werk eines ,fpäten' Autors erklärt
haben (S. 160), David's unzweifelhaft echtes Lied auf
Jonathan's Tod nicht für das eines ,viel jüngeren' Dichters
, ,welcher die alte Gefchichte in den reinften Tönen
einer literary getieration befang' (S. 222). In ganz oberflächlicher
Weife wird die Davidifche Abfaffung von Pf.

kon II, 173.

welcher den Zweck hat, uns mit Dem bekannt zu machen,
was fich aus dem Talmud über Erziehung und Unterrichtung
der jüdifchen Kinder ergiebt. Doch mufs auch
an ihm die mangelhafte Bekanntfchaft des Verf.'s mit
der einfchlägigen Literatur gerügt werden. Arbeiten
wie J. L. Pacht, De eruditione Judaica (Göttingen 1742,

4. ), S. R. Hirfch, Aus dem rabbinifchen Schulleben
(Frankfurt a. M , Programm, 1871, 4.), Mo f. Jacobfon
(Verfuch einer Pfychologie des Talmud, Hamburg 1878,

5. 93-»-iOi) mufs Der kennen, welcher eine Monographie
über jüdifche Erziehung nach dem Talmud fchrei-
ben will. Ferner müffen in derartigen Schriften bei
den Talmudcitaten fo weit möglich Urheber und Zeit
des betreffenden Dictums oder Eactums angegeben werden
; denn für das Verftändnifs der culturgcfchichtlichen
Entwickclung ift es oft durchaus nicht gleichgültig, ob
etwas im zweiten oder fünften Jahrhundert n. Chr. getagt
(gefchehen) ift. Die über die Werthfehätzung des

18 abgelehnt (S. 228 f.). Die überaus problematifche j Griechifchen S. 55—57 gefammelten Stellen z. B. wür
Identificirung von Jabal und Jubal mit dem griechifchen den für den Lefer weit gröfseres Intereffe haben, wenn
Apollon (S. 2 f.) hätte nur als Vermuthung vorgetragen t fie in chronologifchen Zusammenhang mit den gegen das
werden dürfen. — Statt ,Dieterici' S. 171 ift wohl zu ; Studium diefer Sprache gerichteten Beftrebungen S. 57-58
lefen: Dietrich. j gebracht wären. Von Einzelheiten hat Ref. bei erftem

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin. i Durchlefen Folgendes notirt. S 30, Pensse /,■ Sanctuaire,

fa mais que les enfants aillent a lecole! ift keine genaue

; Ueberfetzung von: V?-en pn rv»3 ?o mpi"n y^tsaia --N
icipi:- rra r:3*? (Sabbath 119U. S. 31, Auf das Nicht-
; vorhandenfein von Kinderfcliuien ift nach einer alten