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Ausgabe:

1879 Nr. 21

Spalte:

491-492

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Berger, Samuel

Titel/Untertitel:

De glossariis et compendiis exegeticis quibusdam medii aevi sive de libris Ansileubi Papiae Hugotionis Guill. Britonis de Catholicon Mammotrecto aliis dissertatio critica 1879

Rezensent:

Gregory, Caspar René

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 21.

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ihrer jetzigen Geftalt fein wird — fö würde fie doch
erheblich gröfseren Nutzen ftiften, wenn der Herausgeber
das Erfcheinen des fechften Bandes des Codex Vaticanus
und die Möglichkeit der Benutzung einer genauen Col-
lation des Codex Amiatinus abgewartet hätte.

Von der fyrifchen und der chaldäifchen Columne
follen zur Verwendung an Univerfitäten befondere Ausgaben
veranftaltet werden.

Im chaldäifchen Texte find Buchftabenfehler nicht
feiten; indefs ift das bei der fchon oben erwähnten
grofsen Aehnlichkeit nicht weniger Buchftaben wohl ent-
fchuldbar. 3, 8 fehlt vor Ars.

Berlin. Hermann L. Strack.

r. Berger, Samuel, La Bible au seizieme siede. Etüde
sur les origines de la critique biblique. Paris 1879,
Fifchbacher. ([4] ff. 179 p. 8.) M. 3. 84.

2. Berger, Samuel, De glossariis et compendiis exegeticis
quibusdam medii aevi sive de libris Ansileubi Papiae
Hugotionis Guill. Britonis de Catholicon Mammo-
trecto aliis dissertatio critica. Parisiis 1879, Fifchbacher
. ([2] ff. 56 p. 8.) M. 1. 92.

Herr Samuel Berger, Secretär und Bibliothekar an
der proteftantifch-theologifchen Facultät zu Paris (nicht
zu verwechfeln mit feinem Bruder, dem Profeffor des
Hebräifchen an der genannten Facultät), fchildert in der
erftgenannten Schrift die Anfänge der biblifchen Kritik
im 16. Jahrh., und fchickt diefer Schilderung einen
Ueberblick über das Studium der Bibel am Ende des
Mittelalters voraus.

Das erfte Capitel zeigt, wie fchwer es damals war,
eine Bibel zu bekommen. Es werden gegen fünfundzwanzig
Preife einer Bibel in dem Zeitraum von 1173
bis 1471 zufammengeftellt, leider nicht chronologifch
geordnet. Wir ordneten mit einiger Mühe die vorliegenden
Angaben, aber ohne daraus einen die Preisabftuf-
ungen betreffenden ficheren Schlufs ziehen zu können.
Die Preife in den Jahren 1173, 1203, 1218 find nicht wie
die anderen im wirklichen heutigen Werth angegeben.
Folgende Preife find bemerkenswerth: im Jahre 1336,
für eine franzöfifche Bibel, 1725 fres. valeur actuelle;
— im Jahre 1284, für die lateinifche Bibel, an zwei ver-
fchiedenen Orten Frankreichs, 800 fres. v. a. — im
Jahre 1471, für die Mainzer Bibel vom Jahre 1462, auf
Pergament, 450 fres. v. a. Jedenfalls ift daraus erficht-
lich, wie unmöglich es einem Landpfarrer war, ein
Exemplar der Bibel zu befitzen. Indeffen trug doch
dreierlei dazu bei, den Bibelgebrauch auch damals zn
erleichtern: 1. waren doch auch einfachere Abfchriften
als diejenigen, deren hohen Preife verzeichnet find, vorhanden
, woraus fich manche dem Verfaffer unglaublich
niedrig erfcheinende Preisangaben (z. B. in den Jahren
1403, 1404, 60 oder 70 fres. val. act.) erklären; 2. gab
es doch auch Handfchriften, welche nur einzelne Theile
der Schrift enthielten und, befonders wenn einfach ge-
fchrieben, viel weniger gekoftet haben werden; und 3.
machte die grofse Zahl der Klöfter es leicht möglich,
ein Exemplar leihweife zu erhalten.

Das zweite Capitel befchreibt den biblifchen Lehr-
und Lern-Apparat. Das wichtigfte Hülfsmittel zur Erklärung
der Schrift, nach den Etymologien des Ifidorus,
war das in mannigfachen Geftalten vorhandene Gloffa-
rium, eine Art biblifchen Realwörterbuchs; Herr Berger
führt die Flaupt-Gloffarien auf: die des angeblichen
gothifchen Bifchofs Anfileubus (um 700}, des Papias (um
i°53)> des Hugotion und des Guilelmus Brito, das
Katholicon und den Matntnotreclus. Hier greift ergänzend
die Flabilitationsfchrift de glossariis ein, welche die
Literatur und die Handfchriften diefer Gloffarien ausführlicher
behandelt. Diefe Ueberficht über die mittelalterlichen
exegetifchen Hülfsmittel ift recht lobens-
werth; vieles findet fich fchon bei Guftav Loewe, Pro-
dromits corporis glossariorum Latinorum, Lipsiae 1876,
p. 222—253, und manches wird erft durch monogra-
phifche Behandlung, z. B. des Glossarium vetus und des
Mammotrectus befriedigend gelichtet werden können. Ein
Capitel über die Interpretationsweife fchliefst die Einleitung
.

Der Haupttheil behandelt die Bibel im fechzehnten
Jahrhundert, und zwar in zwölf Capiteln: die Bibel in
Frankreich, die Stellung des Cardinal Ximenes, Erasmus',
Luther's, Zwingli's, Calvin's, Beza's, des tridentinifchen
Concils und der lutherifchen Dogmatik des fechzehnten
Jahrhunderts zur Bibel, namentlich zum Neuen Tefta-
ment. Die Gruppirung läfst kein Theilungs- und Be-
wegungsprineip erkennen, und die Darfteilung bewegt
fich nicht chronologifch und genetifch vorwärts. So erfahren
wir z. B. S. 33, dafs im Jahre 1503 Jean Bouchet
die Bibel für das chriftliche Volk reclamirte, und am
Ende des Paragraph verfichert uns Herr Berger, dafs
die Bibel dem Volke auch wirklich bald gegeben werden
follte. Man follte hiernach meinen, dafs die Bibel im
Jahre 1504 ausgegeben werde, aber nein: ohne Ueber-
gang fängt der nächfte Paragraph an: ,1m Jahre 1487'
veröffentlichte Jean de Rely eine Bibel (aber nicht
eigentlich den Bibeltext, fondern eine Hiftorien-Bibel,
was nur angedeutet wird, und zwar auf S. 35). Hiernach
fcheint die erfte franzöfifche Bibel vom Jahre 1487 zu
datiren. Dies ift nicht der Fall: auf S. 35 erfahren wir
endlich, dafs die erfte franzöfifche Bibel im Jahre 1477 oder
1478 erfchien. Und auch das war eine Hiftorien-Bibel.

Die folgenden drei Capitel, über ,Erasmus und die
Bibel', ,Ximenes und Erasmus', ,Erasmus und die Kritik'
hätten füglich unter der einen Ueberfchrift ,Erasmus
und die Kritik' vereinigt werden, und vieler der langen
wörtlichen Citate entbehren können. Dasfelbe gilt von
den nächfter» drei Capiteln: ,Luther und die Bibel',
,Luther und Carlftadt', ,Luther und die Kritik'.

Auf S. 133 fcheint der Verfaffer anzunehmen, dafs
Beza im Jahre 1565 nur eine Octavausgabe des griechi-
fchen Neuen Teftaments veröffentlichte. Und auf S. 134
fagt er mit Rückficht auf den Commentar in Beza's
Ausgabe von 1582: ,Beze ne sait rien de la question du
dernier chapitre de saint Marc, que Von reconnait avoir
manque dans les anciens textes'. Aber das trifft nicht
zu, denn zu S. 204, Z. 32—39 findet fich dort folgendes:
,Hunc igitur nodum ut solvat [nämlich Hieronymus], re-
currit ad illam distinetionem de qua ante dixi: aut (inqiät)
Marci testimonium non reeipimus quod in raris fertur
Evangeliis, omnibus pene Graeciae libris hoc capitulum in
plne non habentibus. Haec Hieronym. Ego vero in hoc %
capite nihil animadverto quod cum caeterorum Evangelista-
rum narratione pugnet, vel diversi auctoris stylum arguat:
et testor in omnibus vetustis codieib. quae nobis videre
contingit, hoc caput invenirV.

Es ift ein ergiebiges und anziehendes Thema, wel-
1 ches der Verfaffer behandelt hat; aber feine zwei
! Schriften find nur ein Anfatz zur Löfung der geftellten
Aufgabe. Von befonderem Intereffe ift dabei, wie die
freieren Anflehten des fechzehnten Jahrhunderts allmählich
durch die ftrengeren des fiebzehnten verdrängt
wurden.

Leipzig. Caspar Rene Gregory.

Krause, Oberlehr. Dr. Carl, Helius Eobanus Hessus, fein
Leben und feine Werke. Ein Beitrag zur Cultur-
und Gelehrtengefchichte des 16. Jahrhunderts. 1. Bd.
Mit Portrait. Gotha 1879, F- A- Perthes. (XII, 416 S.
gr. 8.) M. 7. -

Der Verfaffer, der fich fchon durch ein Schriftchen
über Euricius Cordus und durch in Programmen nieder-