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Ausgabe:

1879 Nr. 19

Spalte:

459-460

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Sartorius, E.

Titel/Untertitel:

Das Wort der Wahrheit. Heilsgeschichte alten und neuen Bundes im Gewande der Dichtung. Eine Poetenbibel als Begleiterin auf der Wanderung durch das Leben 1879

Rezensent:

Lindenberg, H.

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459

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 19.

460

thum hervor u. f. w. Der letzte Theil des Buches geht
aus dem Ton der Erzählung in den der Abhandlung
über und giebt unter der Ueberfchrift: ,Unfre Arbeit
und unfer Beruf Beiträge und Winke zur Löiung der
focialen Frage vom evangelifchen Standpunkt aus, nicht
als wollte der Verf. damit ,den Nationalökonomen ins
Handwerk pfufchen', fondern in der Abficht, die Grundgedanken
des Evangeliums über die Bedeutung der
Arbeit und die rechte Auffaffung des Berufswirkens darzulegen
. Dann folgt unter dem Titel: ,Gottes-Lieb und
Menfchen-Leid' ein Capitel aus der Paftoraltheologie, in
welchem der Verf. für mancherlei Trübfal feelforgerifche
Rathfchläge giebt und endlich find in einem Anhang
Winke über Krankenbefuch und Krankenpflege hinzugefügt
.

Ueber den Werth diefer zwanglofen ,Plaudereien',
wie der Verf. felbft einmal feine Ausführungen nennt,
mag das Urtheil verfchieden lauten. Der feuilletonartige
Ton, der auch hier wieder namentlich im erften Theil an-
gefchlagen wird, ift vielleicht nicht nach Jedermanns
Gefchmack. Auch kann man nicht behaupten, dafs vor-
zugsweife neue Gefichtspunkte für die behandelten Ge-
genftände aufgeftcllt wären. Was aber neu ift und
diefem Buche, wie den bisherigen des Verf.'s, einen ei-
genthümlichen Reiz verleiht, das ift die Art, wie der
Verf. alte Wahrheiten neu einzukleiden und auch den
dem Evangelium gleichgültig oder feindlich gegenüber-
ftehenden Lefer zu nöthigen weifs, darüber nachzudenken.
Dafs diefe Art, Apologetik zu treiben, einem vorhandenen
Bedürfnifs entgegen kommt, hat die weite Verbreitung
der Funcke'fchen Bücher zur Genüge conftatirt. Der
frifche unbefangene Sinn, das gefunde, von aller Engherzigkeit
freie Urtheil, die Gabe, die Menfchen zu nehmen
, wie fie find, verbunden mit tiefern Ernft und einer
auf innerer Erfahrung ruhenden praktifchen Lebensweisheit
wird auch diefem Buche ficherlich viele Freunde
erwerben.

Nuffe. H. Lindenberg.

Sartorius, F., Das Wort der Wahrheit. Heilsgefchichte
alten und neuen Bundes im Gewände der Dichtung.
Eine Poetenbibel als Begleiterin auf der Wanderung
durch das Leben. Leipzig 1879, Böhme. (X, 293 S.
gr. 8.) M. 4. —; geb. M. 5.50.

,Eine Poetenbibel' nennt der Verf. fein Buch. Nüchterner
, aber vielleicht treffender würde man dasfelbe
bezeichnen als eine Auswahl aus den biblifchen Büchern
des alten und neuen Teftaments in gebundener Rede,
überfichtlich zufammengeltellt. Der Stoff der bibl. Gefchichte
und Lehre ift in drei Hauptabfchnitte gegliedert:
l) Das Volk. 2) Der Sohn. 3) Das Reich. Der erfte
Abfchnitt behandelt unter der Ueberfchrift ,Aufsenleben'
die altteft. Gefchichte bis zur Rückkehr aus dem Exil,
indem Ruth, Efther und Hiob als .Epifoden' angefügt
werden, und giebt' dann unter der Bezeichnung »Innenleben
' eine Auswahl aus den Sprüchen, dem Prediger,
den Pfalmen und dem Hohenlied, fowie einzelne Ab-
fchnitte aus den Propheten. Der zweite Theil erzählt
die Gefchichte Jefu. Der dritte zerfällt wieder in drei
Unterabtheilungen: a) Vergangenheit (Erzählungen aus
der Apoftelgcfchichte), b) Gegenwart (Auszüge aus den
apoft. Briefen), c) Zukunft (apokalyptifche Bilder). Was
die Form betrifft, fo fagt der Verf. felber in einem
Nachwort: ,Ich durfte verwenden IIOO Oktaven, 600
Zwölfzeilen, 500 Sonette nebft drei aus den letztern geflochtenen
Kränzen'. Wenn auch nicht alle diefe Strophen
.köftliche Steine' find, fo ift nicht zu leugnen, dafs der
Verf. mit grofser Formgewandtheit den Vers handhabt,
dafs nur ganz vereinzelt fich Härten im Ausdruck oder
unreine und gefuchte Reime finden. Ob aber die bibl.
Gefchichten gewinnen, wenn fie in ein ihnen fremdes

Gewand gekleidet werden, ift eine andere Frage. Gerade
die Form der Octave, wie fie der Verf. vorzugsweife bei
den Erzählungen des alten Bundes anwendet und nicht
minder die von ihm gebildete Zwölfzeile, in der die Erzählungen
des neuen Teftaments fich bewegen, erfcheint
für die epifche Erzählung wenig günftig, weshalb auch
der Verf. vielfach nicht plaftifch darfteilt, fondern mehr
an Bekanntes erinnert. Ref. ift der Anficht, dafs die
bibl. Erzählungen in ihrem fchlichten Naturgewande weit
poetifcher find als in diefer glänzenden ihnen aufgenö-
thigten Saulsrüftung. Anders verhält es fich mit den
poetifchen Büchern des alten Teftaments, namentlich den
Pfalmen. Hier ift der Verf. freier verfahren, hat oft aus
längeren Pfalmen einzelne Hauptgedanken herausgegriffen
und durch gefchickte Verknüpfung und felbftändige
Geftaltung derfelben wirkliche Nachdichtungen gefchaffen.
für welche die gewählte Sonettenform fich vorzüglich
eignet. Dasfelbe gilt von einzelnen Abfc.hnitten am den
Propheten, in denen ebenfalls einzelne Hauptgedanken
frei feproducirt werden. Dagegen kann Ref. es nur als
einen Mifsgriff bezeichnen, wenn im dritten Abfchnitt
der Verfuch gemacht wird, die apoftolifchen Briefe
poetifch zu behandeln. Abfchnitte wie z. B. Gal. 3,15
—22, 4,21—31, Rom. 9 und viele andere widerftreben
ihrer Natur nach der gebundenen Rede, und wenn man
auch die Kunft des Verf.'s bewundern mag, mit der er
über manche Schwierigkeit in gefchickter Wendung hinwegeilt
, fo wird doch dadurch die Profa noch nicht zur
Poefie. Wer von diefen in der Sache felbft liegender.
Bedenken abfehen kann, wird dem Verf. die Anerkennung
nicht verfagen, dafs er den Stoff nicht blofs
gründlich durchgearbeitet, fondern auch mit »heiligem
Ernft' fich in denfelben verfenkt hat, fowie dafs er die
Form gefchickt zu handhaben weifs. Die äufsere Aus-
ftattung des Buches, das dem fächfifchen Königshaufe
gewidmet ift, läfst nichts zu wünfehen übrig.

Nuffe. H. Lindenberg.

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von Dr. Caspar Rene" Gregory.
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