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Ausgabe:

1879

Spalte:

25-30

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wellhausen, Julius

Titel/Untertitel:

Geschichte Israels. In 2 Bänden. 1. Bd 1879

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung,

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er in Giefsen.

Erfcheint Preis
"He 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 2. l8- Januar 1879. 4. Jahrgang.

We 11 h au fe n, Gefchichte Israels. IM. (Kautzfeh).
Robbert, Tit nna$ >.ey6(tcva Psalmorum ex-

plicata (Neftle).
Kohler, Das Hohe Lied, überfetzt und kritifch

neu bearbeitet (Wellhaufen).
Witte, Salomon Maimon (Ileinze).
Schlottmann, David Straufs als Romantiker

des Heidenthums (Thönes).
Morgott, Die Mariologie des heiligen Thomas

von Aquin (Kattcnbufch). Vernunft (Derf.k leute (Härtung).

Lange, GrundrifsderchriftlichenEthik (Lemme).
Heinfius, Die gegenwärtige religiöfe Krage
(Thönes).

Kant's Prolegomena zu einer jeden künftigen
Metaphyfik, hrsg. von Erdmann (Pünjer).

Die Württemberger Summarien, neu hrsg., I. Heft
(Sachfse).

Kratzenftein, Die Offenbarung St. Johannis
für das Verftändnifs der Gemeinde ausgelegt
(Sachfse).

Waldenftröm, Der Herr ift fromm, Retrach-

Kant's Kritik der reinen Vernunft, hrsg. von ; tungen über'(1en 25. Pfalm, überf.' aus dem

Erdmann (Derf.). Schwedifchen (Härtung).

Erdmann, Kant's Kriticismus in der erflen und Schneider, Der Schichtfegen, ein Gefang- und

in der zweiten Auflage der Kritik der reinen | Gebetbuch für chriftliche Herg- und Hütten.

Wellhansen 1 Geschichte Israels Tn 2 Bänden. 1. Bd. L. , Als die Grundgedanken des Werks laffen fich etwa
Wel hausen j. beschichte sraeis. in 1 a | folgcnde aufftellen: Die traditiünclk Auffaflfung des A.

Berlin 1878, G. Reimer. (VIII, 442 S. gr. 8.) JV1. 6. - Teft macht zum Ausgangspunkt des gefchichtlichen
Der Verfaffer bezeichnet das vorliegende Werk als Broceffes das mofaifche Gcfetz, fpeciell die grofse Haupt-
den i.Band einer Gefchichte Israels. In Wahrheit enthält , quelle über dasfelbe, die man bisher mit dem Namen
dasfelbe jedoch eine literar-gefchichtlicheUnterfuchung der des erften Elohiften oder der Grundfchrift zu bezeichnen
altteft. Quellen zur Gefchichte Israels. In der That kann gewohnt war (Wellh. bezeichnet diefe Quelle bekannt-
von einer wiffenfehaftlichen Conftruction der Gefchichte i lieh mit Q, als Abkürzung von quahior foederum Uber)

Israels fo lange keine Rede fein, als nicht jeder einzelnen
der vielgeftaltigen Ueberlieferungen, fo weit dies irgend
möglich, ihre fefte Stelle angewiefen ift. Nach den bisherigen
Arbeiten des Verf.'s auf diefem Gebiete, befon

Es ift jedoch ein vergebliches Bemühen, von diefer Vor-
ausfetzung aus die übrigen Quellen zu begreifen; die
letzteren widerfprechen vielmehr bis zum Exil dem Priefter-
codex (d. i. eben Q) in allen Punkten und die Priorität

ders den Auffätzen über die Compofition des Hexateuchs desfelben wäre nur durch die Annahme zu retten, dafs
in den Jahrbb. f. Üeutfche Theologie (1876 und 77), | er ca. 1000 Jahre völlig latent exiftirt hätte. Da diefe
fowie in der 4. Aufl. von Bleek's Einleitung ins A. Teft., Annahme unmöglich, vielmehr jedes für die Praxis bedurfte
man mit Recht von dem vorliegenden Werk einen ftimmte Gefetz nothwendig mit dem zeitgefchichtlichen
namhaften Beitrag zur Löfung der obfehwebenden Streit- Hintergrund in Einklang flehen mufs , fo bleibt als
fragen erwarten. Diefe Erwartung hat der Verf. nicht i frühefter Termin für die Entftehung von Q eben nur das

getäufcht. Auch der heftigfte Widerfpruch gegen feine
Refultate wird an der Thatfache nichts zu ändern vermögen
, dafs wir es hier mit einem Werke von tiefein-
fehneidender Bedeutung zu thun haben, wie fie nicht alle
Tage auf den literarifchen Markt kommen. Diefe Bedeutung
beruht keineswegs in erfter Linie auf der Neu-

Exil; in Wahrheit fällt die Einführung diefes Gefetzes
fogar erft in die Zeit Ezra — Nehemia's. Wenn nun
anderfeits für die Einführung des Deuteronoms die Cul-
tusreform des Jona als fefter Punkt gegeben ift, fo erhalten
wir drei grofse Schichten von religiöfen Anfchau-
ungen: die erfle repräfentirt durch die in der Haupt-

heit der Anflehten, die hier vorgetragen werden. Dafs , fache gefchichtliche und nur in fehr befchränktem Mafse
der Verf. ein Anhänger der fogen. Graf'fchen Hypothefe i gefetzliche Schrift von JE (d. i. der fogen. Jehovift, ver-
fei, war fchon feit länger bekannt. Zudem ift diefe { fchmolzen mit dem bisher fogenannten jüngeren Elohiften)
Hypothefe älter als Grafs .gefchichtliche Bücher des aus der Zeit nach der Theilung des Reichs; die zweite
A. Teft.' (1866). Auf ihr beruhen theilweife fchon die [ repräfentirt durch das Deuteronomium, die dritte durch
Werke von George über die älteren jüdifchen Fefte (1835) denPrieftercodex oder Q. Die Aufgabe, die fich der Verf.
und Vatke, die biblifche Theologie des A. Teft. (1835). , auf Grund diefer Vorausfetzungen geftellt hat, ift nun
Letztere bezeichnet Wellhaufen fogar als den .bedeutend- j eine doppelte. Erftlich gilt es zu zeigen, dafs nur in
ften Beitrag, welcher überhaupt je zur Gefchichte des der Reihenfolge JE, Deut., Q ein wirklicher Bhvtwickel

alten Israels geleiftet worden' fei (S. 4, Anm.) und bekennt
(S. 14), von ihm ,das Meifte und Belle' gelernt zu
haben. Endlich lagen bereits in Kuenen's fiodsdienst
van Israel' (1869), fowie in Duhm's .Theologie der Propheten
' (1875) namhafte Vertuche vor, den religionsge-
fchichtlichen Inhalt des A. Teft. unter Vorausfetzung
jener Hypothefe neu zu conftruiren. Während aber alle

ungsprocefs in den religiöfen Anfchauungen nachgewiefen
werden kann, und zweitens, dafs auch die fonftigen gefchichtlichen
Ueberlieferungen in den Propheten und
Gefchichtsbüchern nur zu diefer Reihenfolge ftimmen;
d. h. z. B.: die Propheten der affyrifchen Periode fpie-
geln den Standpunkt von JE wieder, die der chaldäifchen
den des Deuteronoms, die Chronik den von Q u. f. w.

jene früheren Arbeiten fammt dem Werke Kayfer's über ; Ift nun die wahre Reihenfolge jener drei grofsen Schichten

das vorexilifche Buch der Urgefchichte Israels (1874)
entweder nur eine fortfehreitende Analyfe der Quellen
boten oder die Richtigkeit der Hypothefe nur an einem
abgegrenzten Stück israelitifcher Gefchichte erprobten,
geht Wellhaufen hier in geiftvoller Synthefe auf eine Um-

einmal erwiefen, fo wird fie umgekehrt wieder zu
einem untrüglichen Mafsftab für die Einreihung folcher
Quellen, die an fich .nicht (wie die meiften Propheten)
chronologifch zu beftimmen wären. Durch die Anlegung
jenes Mafsftabs aber erhalten wir fall in allen

fpannung des gefammten Materials aus und diefer Um- | Fällen ein ficheres Refultat in Betreff der Priorität oder
ftand ift es, der dem Buche bei aller Uebereinftimmung Pofteriorität verwandter Ueberlieferungen. Wenn es trotz-
mit den Refultaten Vatke's, Kuenen's u. A. den Werth dem nicht immer gelingt, den wahren Hergang der
einer felbftändigen wiffenfehaftlichen That verleiht. Ereignifse felbft aus den Quellen zu abftrahiren, fo wird

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