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Ausgabe:

1879

Spalte:

379-384

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Caspari, C. P.

Titel/Untertitel:

Alte und neue Quellen zur Geschichte des Taufsymbols und der Glaubensregel 1879

Rezensent:

Harnack, Adolf

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379

Theologifche Literaturzeitung. 1879. -Nr. Ir->-

380

man in dem Folgenden noch eine fehr alte Vorlage und
eine Ueberarbeitung aus dem 5. Jahrh. unterfcheiden,
eine Vorlage, deren Inhalt lieh wefentlich mit dem alten
Tauffymbol und mit den chriftologifchen Vorftellungen
der alterten Heidenkirche deckt und ein dogmatifch rhe-
torifcher Auftrag. .Der Herr Jefus Chriftus ift der Sohn des
höchften Gottes, er ift durch den h. Geht geoffenbart worden,
er ift vom Himmel herabgeftiegen, er ift von einer Jungfrau
aus hebräifchem Gefchlecht geboren worden, er offenbarte
fich, nachdem er Fleifch aus ihr angenommen,
felbft in unferer menfehlichen Natur als Sohn Gottes.
Er ift aufgenommen worden von der ganzen Welt durch
feine Gutheit, die das Heil ankündigt und durch feine
Predigt, welche das Leben giebt. Er ift es, der geboren
ift aus hebräifchem Gefchlecht nach dem Fleifch von
der Jungfrau Maria (der Mutter Gottes,, der auserwählt
hat die 12 Apoftel, der belehrt hat die ganze Welt durch
die Ausfpendung feiner leuchtenden Wahrheit. Er ift
gekreuzigt worden durch die Juden, er ift auferweckt
von den Todten, er ift geftiegen in den Himmel, er hat
gefandt feine Jünger in die ganze Welt, er hat belehrt
alle Völker durch wunderbare und göttliche Zeichen.
Ihre Verkündigung fprofst und trägt Frucht bis auf den
heutigen Tag, rufend die ganze Welt zum Lichte'. So
ungefähr lauten die Worte. Ich mufs hier auf jeden
Commentar verzichten; nur foviel ift fofort deutlich, dafs
die Worte ,Mutter Gottes' ein armenifches Einfchiebfel
find. Das Fragment bricht hier mit dem Satze ab:
,Das find, o König, die vier Stämme, die ich Dir vor
Augen geftellt habe, die Barbaren, die Hellenen, die
Juden und die Chriften'. Die Bitte ift vor allem an die
der armenifchen Sprache Kundigen zu richten, dafs uns
das Fragment — oder ift die apologetifche Anfprache hier
wirklich zu Ende gewefen? — in Bälde in einer generierten
Uebertragung zugänglich gemacht und die Pland-
fchrift näher befchrieben wird. Vorher läfst fich ab-
fchliefsend nicht urtheilen. Die Frage aber, ob wir in
dem armenifchen Bruchftück wirklich einen Theil der
älteften Apologie für das Chriftenthum erkennen dürfen,
ift von dem höchften Intereffe. Später wird es auch
angezeigt fein, fich mit dem anderen Sermon näher
zu befchäftigen. Zur Zeit mufs die Behauptung, er
ftamme ebenfalls von Ariftides, als eine völlig grundlofe
bezeichnet werden.

Giefsen. Ad. Harnack.

Caspari, Prof. Dr. C. P., Alte und neue Quellen zur Geschichte
des Taufsymbols und der Glaubensregel. Herausgegeben
von der Gefellfchaft der Wiffenfchaften
zu Chriftiania. Chriftiania 1879, (Dybwad). (XVI,
318 S. gr. 8.) M. 6. —

Diefe neue Publication des Verfaffers fchliefst fich
den drei Bänden ,Ungcdruckte, unbeachtete und wenig
beachtete Quellen zur Gefchichte des Tauffymbols und
der Glaubensregel' (1866. 1869. 1875; f. diefe Zeitung
1876 Nr. 1) an. Ift auch der Titel ein etwas verfchie-
dener, fo darf fie doch als ein vierter Band der Sammlung
gelten, indem fie zugleich manche Unterfuchungen,
die in den früheren Bänden niedergelegt find, theils be-
ftätigt und weiterführt, theils berichtigt und ergänzt.
Wiederholte Forfchungen auf den europäifchen Bibliotheken
haben den Verf. wiederum in den Stand gefetzt,
fowohl bekannte Urkunden in geficherterer Geftalt vorzulegen
, als auch neue, wichtige Quellen mitzutheilen.
Rühmlich bekannt ift fchon aus den früheren Arbeiten
des Verf.'s die umfaffende, ja erfchöpfende Verwerthung
des Materials, die textkritifche Akribie, die gewiffenhafte
Methode, nach welcher er die Urkunden erläutert und
hiftorifch verwerthet. Wo Caspari gearbeitet hat, da
läfst er Nachfolgern keine Nachlefe mehr übrig und fein
Beweisverfahren ift ein fo mufferhaft gründliches, dafs

der Kritiker fchwerlich irgendwo auch nur eine Minutie
noch zu entdecken vermag, die der Verf. nicht felbft
fchon bemerkt und berückfichtigt hätte. Jenem fällt
daher ganz wefentlich nur die Aufgabe des Referenten
zu, der er fich um fo lieber unterzieht, als es
wirklich neue Erkenntnifse find, über die er zu berichten
hat.

Der Band zerfällt in 10 Abfchnitte. In dem erften
legt der Verf. zum Theil nach bisher unbenutzten Pland-
fehriften mit ausführlichem textkritifchen Commentar
ein Gregor von Nazianz beigelegtes Glaubensbekenntnifs
in fyrifcher Sprache, das Glaubensbekenntnifs des Grego-
rius Thaumaturgus im Original und in feinen beiden
altkirchlichen lateinifchen Ueberfetzungen, zwei Glau-
bensbekenntnifse aus der y.axu iiegog nloxig, den Glau-
bcnsdekalog des Gregorius von Nazianz und das Glaubensbekenntnifs
des apollinariftifchen Bifchofs Jobius
vor (S. 1—24). Hieran knüpfen fich mehrere hifto-
rifche Unterfuchungen, die zum Theil zu fehr über-

' rafchenden und werthvollen Refultaten führen (S. 25
—160). Erftlich weift der Verfaffer nach,, dafs das

i dem Gregor von Nazianz beigelegte Glaubensbekenntnifs
in fyrifcher Sprache eine Compofition aus der
Glaubensformel des Thaumaturgen und dem Anfang der
■natu Litgog niaxig ift, welche von einem Monophyfiten
angefertigt ift. Die Compofition mufs zu einer Zeit gemacht
fein, als diefe Schrift bereits für die des Nazian-
zeners galt. Sodann (S. 25—64) tritt der Verf. ein in die
Unterfuchung der Echtheit und Integrität der berühmten
und für die Vorgefchichte des Nicänums fo überaus wichtigen
Glaubensformel des Thaumaturgen. Bekanntlich
ift die Flchtheit ebenfo oft behauptet wie beanftandet
worden; aber ein pünktliches Beweisverfahren hat bisher
Niemand verfucht. C. hat den methodifch allein zu-
läffigen Weg betreten, indem er die Formel Satz für

: Satz an der Theologie des Origenes prüft, nachdem er
ihre äufsere Bezeugung zuvor conftatirt hat. Diefe ift
eine vortreffliche und jene Prüfung ergiebt, dafs der
Echtheit nichts im Wege fteht. Ein Bedenken erregt
eigentlich nur der Satz: ovie ovv y.xiaxov ti r] dovhov
ev zfj xgiudi, zumal da nach Bafilius der Thaumaturge

! in feiner verloren gegangenen Atäle^ig ngog Ailiavnv
den Sohn als ein xxtoiia bezeichnet hat und da Origenes
den h. Geift zu den nävxa rechnet, die nach Joh. 1, 3
durch den Sohn geworden find. Allein C. weift nach,
dafs -/.xiCeiv von Origenes felbft in einem weiteren und
in einem engeren Sinne gebraucht worden ift und dafs
er von y.xioiiaxa im eigentlichen Sinne im Gegenfatz
nicht nur zum Vater, fondern zur ganzen Trias geredet
hat. Hierbei ift noch nicht in Anfchlag gebracht, dafs
der Schüler in diefem Punkte über den Lehrer hinaus-
gefchritten fein kann, wozu der Streit der Dionyfe einen
Anlafs geben mochte. Das Bedenken wird fo auch an
diefem Punkte hinweggeräumt und da ein fefter Zufam-

l menhang der einzelnen Glieder die Integrität der Formel
verbürgt, fo entfeheidet fich der Verf. mit gutem

! Grunde dafür, dafs diefelbe von dem Thaumaturgen
flammt und zwifchen 260—270 verfafst ift.

Die folgende Unterfuchung (S. 65—161) bildet den
glänzendften Abfchnitt des Werkes. Der Verf. weilt
nach, dafs die ganze Schrift y,axä Liegog icLoxig
miti ihren 4 verfchiedenen Bekenntni fsf ormeln
fälfehlich den Namen des Nazianzeners trägt,
dafs fie vielmehr den Apollinaris von Laodicea
zum Verfaffer hat. Er conftatirt aber weiter, dafs
von den Apollinariften wie diefe Schrift dem
Gregor von Nazianz, fo andere ihrer eigenen
Producte dem Athanafius (der Tractat negi xtjg
aagy.o'jaxMg xov %eov loyov), dem Bifchof Julius
von Rom und dem Bifchof Felix von Rom
kurz vor der Mitte des fünften Jahrhunderts
abfichtlich und betrüglich untergefchoben worden
find, um ihre eigenen chriftologifchen