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Ausgabe:

1879 Nr. 16

Spalte:

372-375

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gesenius, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Hebräische Grammatik. Nach E. Rödiger völlig umgearbeitet von E. Kautzsch. 22. Aufl 1879

Rezensent:

Mühlau, Heinrich Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 16.

372

zifferungen durch die bilinguen (affyrifchen und aramäi-
fchen) Texte S. 73 ff.

Der fpecielle Theil behandelt eine Reihe von Fragen
zur Geographie und zur Gefchichte. Ich mufs mir
verfagen, auf alle Abfchnitte aufmerkfam zu machen.
Schräder bleibt bei der Gleichfetzung von Ur-Kas-
dim mit dem babylonifchen Ur-Mugheir S. 94 ff. Der
Ort Amgarrun wird mit dem philiftäifchen Ekron iden-
tificirt S. 119 ff. Befonders umfangreich und forgfältig
ifl die Abhandlung über das Land Kummuch S. 127—
246, welches nach wie vor für Kommagene erklärt wird.

— In den für die Chronologie fo wichtigen Eponymen-
liften wird ,an keiner einzigen Stelle' eine Unterbrechung
der Reihenfolge der Eponymen erkannt S. 356. In dem
von Salmanaffar II erwähnten Ahabbu mat Sirlai wird
noch jetzt Ahab von Ifrael gefunden S. 356 ff. Der neben
ihm genannte X-idri von Damask foll auch jetzt noch
Benhadad II des Alten Teftamentes fein S. 371 ff. Die-
fer X-idri ift ein Schmerzenskind der Affyriologie, welchem
, obgleich er nicht der geringfte Proteus auf diefem
Gebiete ift, die definitive Verwandlung in den Benhadad
noch immer nicht gelingen will. Er hatte bisher die
Gewohnheit, für das X feines Namens periodenweife mit
Bin oder Ban und Rimmon oder Ramman zu wech-
feln; jetzt offenbart er auch die Fähigkeit, das X in
Hadad zu wandeln S. 539; von der weiteren, eines Tages
Barku-idri zu heifsen, hat er bisher noch keinen Gebrauch
gemacht. Es liefse fich daran eine fehr ernfte Moral
knüpfen. Unter anderem ift diefem X-idri zu einer Zeit,
als er gerade Bin-idri oder Benhadar hiefs und ich
die unverbefferliche Perfidität feines Charakters noch
nicht kannte, leider eine Aufftellung meiner Abhandlung
über Hadad-Rimmon zum Opfer gefallen (f. demnächft
meinen A. ,Hadad-Rimmon' bei Herzog-Plitt). Auch in
dem vorliegenden Buche kann er nicht zur Ruhe kommen
, und feiner Wandlungsfucht mufste ein Nachtrag
gewidmet werden. Indeffen für den Werth des X ift
man nun einmal auf Combinationen angewiefen, und es
ift nicht fo fehr zu verwundern, dafs man dabei herum-
taftet. Auch mir bleibt die Identität des X-idri mit
Benhadad II wahrfcheinlich; höchft unwahrfcheinlich ift
jedenfalls Gutfchmid's Vermuthung, dafs er Benhadad's
Nachfolger war, in deffen Namen Hafael zunächft regierte
. Schräder hat Recht, dafs der Wortlaut des alt-
teftamentlichen Berichtes über Hafael's Regierungsanfang
dem entgegenftehe S. 374. Ebcnfo unwahrfcheinlich
aber finde ich die allerneuefte Auskunft S. 539, dafs Benhadad
ein irrthümlicher Name fei für Hadadezer und
X-idri = Hadad-idri eben diefen Namen repräfentire.

— Der Gott Idtdykog des Jofephus ift natürlich der
König Hafael, denn ein Gottesname kann dies nicht
gewefen fein; aber ich zweifle bei der Erwähnung des
^A'Qcuqlog neben 'iAöadng (ein unbeftreitbarer Gottesname)
daran, dafs es fich hier um ein ,vergöttertes menfeh-
liches Individuum' handelt (S. 388); wahrfcheinlicher ift,
dafs Jofephus einen wirklichen ähnlich lautenden Gottesnamen
mit dem Königsnamen verwechfelte. Sollte man
an das Prototyp des altteftamentlichen Afafel (ein
in einen Dämon umgewandelter Gott) denken dürfen
(vgl. bei Juftin die Namensform Azelus)1 — Hinfichtlich
des Affyrerkönigs Phul des A. T. bleibt Schräder bei
feiner Thefe, dafs er mit Tiglath-Pilefer identifch fei
fS. 460). — Weitere Abfchnitte find der Beurtheilung
des Werthes gewidmet, welcher dem Beroffus, Herodot
und Ktesias im Verhältnifs zu den Monumenten zukommt
. Der mindeftens ungenauen Befchuldigung, dafs
Schräder die Zeitangaben des Beroffus als ein der Affyriologie
unbequemes Moment einfach befeitige, wird
S. 462 eine gefchickte und gerechte Replik zu Theil.
Die Bemerkungen über ,die Culturmiffion der Affyrer',
mit welchen das Buch fchliefst, machen S. 526 nicht
unrichtig auf Graufamkeiten aufmerkfam, welche fich
auch andere hochgeftellte Völker des Alterthums zu

Schulden kommen liefsen; allein — von zweifelhaften
Infchriften ganz abgefehen — man braucht nur in den
untrüglichen Bilderwerken von Botta und Layard zu
| blättern, um immer wieder auf Darftellungen zu treffen,
in welchen mit unverkennbarer Wonne an der Detail-
j Zeichnung Gräfsliches an Graufamkeit abgebildet ift, wie
j wir es in derartiger Häufung kaum bei einem anderen
Volke des Alterthums nachzuweifen vermögen. Auch
kann ich nicht finden, dafs die fogenannten affyrifchen
Pfalmen folches Lob ihres religiöfen Gehaltes verdienen,
wie es ihnen S. 524 wieder gezollt wird; fie reden wohl
von Verfchuldungen — aber fo lange diefe nicht näher
benimmt werden, befagt dies fehr wenig; denn in wel-
i eher Religion würde nicht das Gleiche in irgend einem
Sinne zum Ausdruck kommen? — im Uebrigen enthalten
diefe Lieder nicht fo viel mehr als das einförmige fe-
mitifche .grofs ift Allah', eine Erkenntnifs, die auch im
Islam fich fehr wohl vertragen hat mit der gröfsten fitt-
lichen Barbarei und die nur durch die altteftamentliche
Erfüllung diefer leeren,Gröfse' mit fittlichemGehalte und
durch die Verbindung mit der fpeeififeh altteftamentlichen
Bundesidee jene Tiefe und jenen Ernft der Re-
ligiofität in Ifrael hervorzubringen im Stande war. Die
Apologetik diefes Schlufsabfchnittes will mir das nicht
ohne Grund als ,fcheufslich' bezeichnete Volk der Affyrer
nicht liebenswerther erfcheinen laffen. Der Werth
ihrer Infchriften bleibt von dem Erfolg diefer demonstratio
ad hominem unberührt. Möge diefe langwierige
Controverfe, auf welche viele Kraft verwandt worden,
dazu dienen, die Deutung diefer wichtigen Infchriften zu
fichern, ihre Verwerthung zu regeln.

Ergänzungen zu einigen Punkten diefes Buches enthält
die Abhandlung Schrader's ,Die Namen der Meere
in den affyrifchen Infchriften' aus den Abhandlungen
der k. Akademie d. Wiffenfch. zu Berlin 1877 (ausgegeb.
1878). Zugleich fei noch aufmerkfam gemacht auf einige
neuere kleinere Artikel des Verf.'s in der Zeitfchrift für
Aegyptifche Sprache und Alterthumskunde 1879: ,Das
elfte Jahr des Kambyfes' S. 39 ff. (vgl. die Abbildung
der betreffenden aus dem 11. Jahre des Kambyfes da-
tirten Thontafel in den Monatsberichten der k. Akad. d.
Wiffenfch. zu Berlin 6. Febr. 1879); ,Weitere Bemerkungen
zu der neugefundenen babylonifchen Nebucad-
nezar-Infchrift' S. 45 ff. (anfchliefsend an A. Wiede-
mann's Mittheilungen in derfelben Zeitfchrift 1878
S. 2. ff.: ,Der Zug Nebucadnezar's gegen Aegypten be-
ftätigt durch eine gleichzeitige hieroglyphifche Infchrift',
S. 87 ff.: ,Nebucadnezar in Aegypten'), ,Die Lika Ramfes
des Zweiten und das Land Laki (Laki) der affyrifchen
Infchriften' S. 47 f. Ferner in den Monatsberichten
der Akademie 17. März 1879: ,Ueber einen altbaby-
lonifchcn Königscylinder des Königl. Mufeums und einige
andere Cylinder und Gemmen'.

Strafsburg i. K. Wolf Baudiffin.

Gesenius, Wilhelm, Hebräische Grammatik. Nach E.
Rödiger völlig umgearbeitet von E. Kautzfeh. 22.
Auflage. Mit einer (lith.) Schrifttafel von J. Euting.
Leipzig 1878, F. C. W. Vogel. (VIII, 370 S.) M. 4. -

Gefenius' hebräifche Grammatik erfchien zuerft i. J.
1813. Dafs fie noch heute, nach 65 Jahren, trotz der
zahlreichen feitdem gedruckten hebräifchen Lehrbücher
die gebräuchlichftc und werthvollfte Grammatik für Schule
und Univerfität bildet, verdankt fie theils ihrer lichtvollen,
überfichtlichen, aufserordentlich praktifchen Anlage, theils
und vornehmlich dem Umftande, dafs nicht nur Gefenius
felbft das Buch fortwährend zu vervollkommnen beftrebt
war, fondern dafs auch Rödiger (der die Herausgabe der
14. bis 21. Auflage beforgte) dem Gefenius'fchen Werk
die geficherten Refultate der neueren femitifchen philologischen
Forfchungen einzuverleiben verftand. Freilich