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Ausgabe:

1879 Nr. 15

Spalte:

355-356

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Couard, Herm.

Titel/Untertitel:

Das Neue Testament forschenden Bibellesern, insbesondere auch den Lehrern der evangelischen Jugend in Schule und Sonntagsschule, durch Umschreibung und Erläuterung erklärt. 2. Bd. Der Brief Pauli an die

Rezensent:

Wetzel, Paul

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355

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 15.

356

Zur populären Schriftauslegung.
Couard, Paft. Herrn., Das Neue Testament forfchenden
Bibellefern, insbefondere auch den Lehrern der evan-
gelifchen Jugend in Schule und Sonntagsfchule, durch
Umfchreibung und Erläuterung erklart. 2. Bd. Der
Brief Pauli an die Römer, mit fpecieller Einleitung,
fowie mit den nöthigen hiftorifchen, geographifchen
und antiquarifchen Anmerkungen verfehen. Potsdam
1878, Stein. (192 S. gr. 8.) M. 1. 50.

Die vorliegende Erklärung des Römerbriefs ift in
demfelben Geift und nach denfelben Grundfätzen bearbeitet
, wie die von uns früher in diefen Blättern (Jahrgang
1878 Nr. 17) befprochene Auslegung des Matthäus-
evangeliums. Was zum Lobe jenes erften Theils des
von dem Verf. geplanten ,Laiencommentars' gefagt (
worden ift, darf auch von diefem zweiten Theil gelten.
Er ift mit ebenfoviel Pleifs und Sorgfalt gearbeitet; und
die paraphrafirende Erklärungsweife erfcheint hier bei
dem gedrängten Gedankeninhalt des zu erklärenden Briefs
noch viel mehr an ihrer Stelle. Der Verf. hat nichts
verfäumt, nicht-theologifchen Lefern die ihnen unzugänglichen
Hilfsmittel für die Erklärung der heiligen
Schrift foweit möglich zu erfetzen. Eine fpeciellc Einleitung
, die unter Anderem den Lebensabrifs des Apo-
ftel Paulus und die nöthigen Notizen über die Abfaffungs-
zeit der paulinifchen Briefe enthält, ift dem Ganzen vor-
ausgefchickt, über geographifche und antiquarifche Fragen
wird in Anmerkungen Auffchlufs gegeben. Bei der Auslegung
ift zwar der Text der lutherifchen Bibelüberfetz-
ung, der überdies durch den Druck hervorgehoben
wird, zu Grunde gelegt und erfcheint von der umfchrei-
benden Erklärung wie eingerahmt. Indefs geht der Verf.,
wo die Ueberfetzung fehlerhaft oder ungenau ift, ftets
auf den Grundtext zurück und berückfichtigt denfelben
in nachfolgenden Erläuterungen mit aller nur wünfchens-
werthen Ausführlichkeit. Der Gedankenzufammenhang
wird durch forgfältige Abtheilung der einzelnen Ab-
fchnitte des Textes und hinzugefügte Ueberfchriften hervorgehoben
und noch befonders in längeren Ausführungen
, die den Gang der Einzelerklärung unterbrechen,
erklärt. Ueber einzelne Punkte, wie über die Erb-
fünde und über die Prädeftination bringt der Verf. auch
Dogmatifches und Dogmengefchichtliches bei. Auf die 1
Möglichkeit verfchiedener Auslegung geht er bei vielen,
itisbefonddre bei den fchwierigeren Stellen in längeren
Excurfen ein und führt die abweichenden Meinungen,
wenn auch ohne die Namen ihrer Vertreter, nebft dem
was fich zur Begründung derfelben fagen läfst, auf.
Allenthalben ift er freilich von confervativem und con- '
feffionellem Intereffe geleitet. So vertheidigt er in der
Einleitung die traditionelle Annahme einer zweiten rö-
mifchen Gefangenfchaft des Paulus, in dem Excurs über
die Prädeftination die Uebereinftimmung der paulinifchen
Lehre mit dem lutherifchen Bekenntnifs und entfeheidet
fich bei der Auslegung grundfätzlich für die kirchlichtraditionelle
Meinung. Ausgefprochener Mafsen fleht ihm
das Ziel vor Augen, ,bei der kirchlichen Auslegung zu
bleiben und dem Zeugnifse der gefammten, infonderheit
evangelifchen Kirche das ihm gebührende Gewicht beizulegen
'. Dafür mag fich wenigftens bei dem befonderen
Zweck, zu dem der Verf. fchreibt, Manches fagen laffen.
Zum mindeften follte dann aber auch die unnütze Polemik
gegen abweichende Anfchauungen wegbleiben. Zu
Rom. 9, 5 fagt der Verf. am Schlufs: Wir können in
dem Sträuben gegen die altkirchliche Beziehung der
Doxologie auf Chriftum nur den Widerwillen erkennen,
zuzugeftehen, dafs Paulus unumwunden und ausdrücklich
die volle Gottheit Chrifti gelehrt habe, denn eben diefe
Thatfache wird durch die hergebrachte Erklärung unferer
Stelle fo unzweifelhaft feftgeftellt, dafs fie nur durch eine j
neue gezwungene Deutung derfelben in Frage gezogen '

werden kann. Diefe Polemik ift ungerecht gegen Exe-
geten wie z. B. Meyer, den der Verf. genau genug kennt,
und bei dem Leferkreis, für den der Verf. fchreibt,
doppelt ungehörig. Diefe Ausftellung foll indefs die
Anerkennung nicht hindern, dafs die vorliegende Arbeit
eine verdienftliche, mit Gefchick und Sachkenntnifs ausgeführte
ift. Möchte fie auch in den Kreifen, für die fie
beftimmt ift, Freunde fich erwerben. Insbefondere evangelifchen
Volksfchullehrern ift fie zur Belehrung und
Fortbildung warm zu empfehlen.

Noch unmittelbarer wird das Bedürfnifs der evangelifchen
Volksfchule berückfichtigt bei

Mangold, Lehr. W., Populäre Auslegung sämtlicher
Gleichnisse Jesu Christi in katechetifcher Gedankenfolge.
Mit einem Vorwort von Prof. Dr. C. A. Gerh. v.
Zezfchwitz. 3. verm. Aufl. Leipzig 1878, Hinrichs.
(XXII, 304 S. gr. 8.) cart. M. 2. 50; geb. M. 3. 20.

Der Vcrfaffer will in diefem Buche eine Anleitung
dazu geben, die Gleichnifse Jefu katechetifch zu behandeln
. Er bietet eine Auslegung derfelben nicht in Frage
und Antwort zu unmittelbarer Verwendung beim kate-
chetifchen Unterricht, fondern in zufammenhängender
Darfteilung. Aber diefe Darfteilung foll fo gehalten fein,
dafs fie fich leicht in die fragend-entwickelnde Lehrform
umfetzen läfst. Treffend hebt der Meifter der Kateche-
tik, Prof. v. Zezfchwitz in feinem Vorwort hervor, eine
wie fchwierige Bahn der Verf. damit betreten hat. ,Soll
bei diefer Darftellungsform die katechetifche Beftimmung
doch eingehalten werden und erkennbar hervortreten,
fo gilt es nicht nur fort und fort klare Ueberficht über
den fchrittweis weiterführenden Lehrgang erhalten, die
nöthigen Einzclbegriffe durch fafsliches Vorftellungsma-
terial vorbereiten und, wenn fie genügend vorbereitet
find, als gefundene markiren; fondern vor Allem mufs
die ganze Sprachweife und Satzbildung durch ihre Veranlagung
von felbft die Möglichkeit gewähren und andeuten
, das pofitiv Ausgefprochene mühelos in Fragfätze
umzufetzen und den Inhalt auf Frage und Antwort zu
vertheilen'. Ob der Verf. diefer Aufgabe völlig gerecht
geworden? Prof. v. Zezfchwitz fpricht in dem Vorwort
feine Freude aus, bezeugen zu dürfen, welche Förderung
ihm felbft der hohe Ernft und lebendige Glaubensgeift
gewährt habe, der aus jeder Zeile des fchönen Buches
fpreche; er hebt hervor, mit wie anerkennenswerthem
Gefchick fich der Verf. auf der von ihm betretenen Bahn
bewege und glaubt, dafs feine Gleichnifsauslcgung gerade
als Anleitung zu der für jeden Lehrer fo wichtigen
Ucbung , pofitiv Gegebenes leicht in Fragen umzufetzen
, fich fehr nützlich für den praktifchen Gebrauch
erweifen werde. Diefem Urtheil kann Ref. doch nicht
ohne einige Einfchränkung zuftimmen. Die vorliegende
Gleichnifsauslegung bietet gewifs fehr viel Treffliches
und wird von jedem Lehrer mit Nutzen gebraucht werden
können. Bei jedem einzelnen Gleichnifs fucht der
Verf. zuerft den Zufammenhang darzuthun, den es in
der Rede des Herrn einnimmt, erläutert dann die finnliche
Bedeutung, um endlich fortzufchreiten zu der Deutung
des Bildes. Die Auslegung ift eingehend, fucht befonders
auch den Einzelzügen der Gleichnifse gerecht zu
werden und hält fich von Willkürlichkeiten und Abfon-
derlichkeitcn fern. Durch eingeltreute Citate fucht der-
felbe fein Buch auch für erbauliche Zwecke geeignet zu
machen. Aber dem Bedürfnifs des Lehrers, der nach
einer Anleitung für die katechetifche Behandlung der
Gleichnifse fucht, wird damit nicht völlig genügt. Von
der überreichen Fülle des Stoffs, den der Verf. bietet,
eignet fich doch Manches nicht für den Unterricht. Es
fehlt an Andeutungen, auf welche Punkte bei der kate-
chetifchen Befprechung das Hauptgewicht zu legen fei.
Dabei ift die Ausdrucksweife öfters dem kindlichen Ver-