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Ausgabe:

1879 Nr. 14

Spalte:

339

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Christlieb, Alfr.

Titel/Untertitel:

Was uns in der Religion Noth thut. Ein Weckruf an die Bekenner Jesu und an die Bekenner Mose 1879

Rezensent:

Köhler, Karl

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Seite 1

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339

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 14.

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der Pilger in das Heiligthum, das zuerft wohl als eine | Lange, Oberconfift-R. Prof. Dr. J. P., Grundlinien einer
kleine, enge Kapelle, bald aber als ein majeftätifcher kirchlichen Anstandslehre. Heidelberg 1879, C. Winter.

lernpel, ein herrliches Abbild des Weltalls fich darflellt. (48 S 8) M 1 _

Im Scheine der Herrlichkeit Chrifb leuchtet dann Alles, | " ' ''

was fchön und herrlich ift, mit neuer Klarheit, nicht nur Ohne ftrenge Sachordnung befpricht der Verfaffer

die Gegenftände des Chriftenglaubens und die Tugenden ein Anzahl von Auswüchfen des heutigen kirchlichen
des Chriftenlebens, fondern auch die Creaturen und was ' Lebens, welche, wie Mifsbrauch der Kanzel, Secten-
auf Erden grols ift, nunmehr in rechtes Vcrhältnifs zu hochmuth, ,Grobianismen' im Parteigefechte, Mafslofigkeit
dem Chriften geftellt, der als Bürger des Himmelreichs der Kritik, vorfchnell fertige Orthodoxie u. A., freilich
nun erft auch ein rechter Erdenbürger geworden ift, ftark, j auch unanftändig zu heifsen verdienen, aber doch noch
frei, genügfam, arm und doch reich. In diefem Sinn l mehr find als dies. Der Titel des Schriftchens erregt die
werden in 52 kurzen Artikeln die Hauptbegriffe der chrift- 1 Erwartung, dafs ein Capitel der praktifchen Theologie
liehen Glaubens- und Sittenlehre behandelt. Die Hülle 1 befprochen werden folle, welchem in der That dermalen
der Allegorie, vermöge deren der Verf. alles dies als i ernftc Beachtung gebührt. Der Anftand beim kirchen-
Geftalten in jenem oben genannten Heiligthum erblickt, amtlichen Handeln — dies nicht im Sinne einer tanzhängt
nur lofe über dem Ganzen und wir haben eine meiftcrlichenAnftandslehre, fondern im tieferen äfthetifchen
populäre Ethik im umfaffenden Sinn vor uns, in der und ethifchen Sinne des Wortes gemeint — gehört nicht
man es manchem Abfchnitt nicht anrieht, dafs er vor zu den ftärkften Seiten unferer kirchlichen Praxis. Bei
mehr denn 200 Jahren und nicht für die Gegenwart ge- der berechtigten Scheu vor äufserlicher Routine und der
fchrieben ift. gut evangelifchen Tendenz, die äufsere Haltung fich frei

Die Ueberfetzung in beiden Schriften ift correct und I aus dem Inneren geftalten zu laffen, haben wir vieler
fliefsend und läfst nur an einzelnen Stellen hinter dem ; Orten eine Form- und Regellofigkeit im gottesdienfllichen
deutfehen Text die Ausdrucksweife des lateinifchen Ori- 1 Handeln einreifsen laffen, welche nichts weniger als er-

ginals hervorblicken. Bei der Unbekanntfchaft, welche
meift noch mit den Schriften J. V. Andreä's herrfcht, hat
man dem Herausgeber entfehieden Dank zu wiffen, dafs
er weiteren Kreifen diefe beiden anziehenden Arbeiten

baulich wirkt. Mängel in dem Bildungsgang der meinten
jungen Theologen, auf welche der Verf. auch zu fpre-
chen kommt, wirken hier ein und fordern Abhilfe, nur
um Alles nicht in der Weife eines katholifirenden EinLeipzig
. Härtung.

zugänglich gemacht hat. ! exercirens. — In einer mit dem Hauptinhalt des Schriftchens
nicht in Beziehung flehenden ,Vorvcrhandlung'
fetzt fich der Verf. mit der Beurtheilung auseinander,
welche die zweite Auflage feiner Bearbeitung der Genefis
in diefer Literaturzeitung gefunden hat. Es kann nicht
die Aufgabe der gegenwärtigen Anzeige fein, in diefe
Controverfe hereinzureden.

Friedberg. K. Koehler.

Christlieb, Alfr., Was uns in der Religion Noth thut,

Ein Weckruf an die Bekenner Jefu und an die Bekenner
Mofe. Berlin 1879, Chun. (IV, 51 S. gr. 8.)
M. 1. —

Ein ernftes religiöfes Gemüth und tiefes Mitgefühl
mit der religiöfen Nothlage der Gegenwart haben den
Verf. getrieben, das Wort zu nehmen. Er ftrebt einer
Neugeftaltung des Chriftenthums zu, welche von der Art
fein müffe, ,dafs nicht allein alle Richtungen und Secten
der Chriftreligion, Katholiken wie Proteftanten, fondern

auch die Kinder Ifraels, die das heilige Erlöfungswerk Wunder, H., L. Annacns Seneca, quid de dis senserit ex

Bibliographie

von Dr. Caspar Rene" Gregory.
iBcutfcbc (Literatur.

Jefu immer noch verwerfen, daran mehr und mehr Theil
nehmen können'. Das Ganze ift ein vielfach recht be
zeichnendes Symptom unferer religiöfen Lage, —durch

ponitur. Programm, Grimma. (Leipzig, Teubner. 1879.
Progr. 450.] f2l S. 4.) — 80.

Popper, J., Der Urfprung d. Monotheismus. Eine hiflor.

und durch fubjectiv, dabei durchzogen von tiefem Ver- Kritik d. hebr. Alterthums, insbefondere der Offenbarungs

langen nach einem neuen Heile, das uns aufgehen müffe,
oder vielmehr nach neuer Erfahrung des in Chrifto längft
vorhandenen Heiles. Den Standpunkt des Verf.'s zu
claflificiren ift unmöglich: neben reicher Belefenheit in
der Bibel und buchftäblich gläubiger Auffaffung des
Schriftwortes gehen Schopenhaucrifche Anklänge, Citatc
aus Spinoza und dem ,hell erleuchteten' Magus aus Norden
, Hamann, dann aus dem evangelifchen Liederfchatz.
Sein Lieblingsgedanke ift eine innigere Verlchmelzung
der neuteftamentlichen Religion mit der des A. T., Mofes
komme neben Jefus (welcher mit Chriftus dem Logos
nicht unbedingt identifch fei) in der Kirche nicht
zu feinem Rechte. Seine Vorfchläge, welche man nach-
lefen möge, werden fchwerlich auf Erfolg zu rechnen
haben, ruhen auch zum Theil auf gefchichtlich irrigen
Vorausfetzungen; übrigens ift die Gefinnung, aus der die
Schrift entftanden ift, aller Ehre werth.

Friedberg. K. Koehler.

gefchichte. Kritik der Patriarchengefchichte. Berlin, C.
Heymann's Verl. (XI, 456 S. gr. 8.) 10. —

Hergenröther, J., Handbuch der allgemeinen Kirchenge-
fchichte. I. Bd. 2. Aufl. Freiburg i,Br., Herder. VIII,
IO08 S. gr. 8.) 12. —

Koffmane, G., Gefchichte d. Kirchenlateins. I. Bd. A.
u. d. T.: Entflehung u. Entwickelung d. Kirchenlateins
bis auf Auguftihus — Hieronymus. 1. Hft. Breslau,
Koebner. (IV, 92 S. gr. 8.) - 2. 40.

Caspari, C. P., Alte u. neue Quellen zur Gefchichte d. Tauf-
fymbols u. der Glaubensregel. Hrsg. v. der Gefellfchaft
der Wiffenfchaften zu Chriftiania. Chriftiania 1879 (Dyb-
wad). (XVI, 318 S. gr. 8.) 6. —

Wirth, H., Kirchengefchichte der Stadt Eppingen. Feflgabe
zur Einweihg. der neuen evangel. Stadtkirche am 23. März
1879. Karlsruhe, Braun. (III, 46 S. gr. 8.) 1. —

Denifle, H. S., Tauler's Bekehrung. Kritifch unterfucht.
[Quellen u. Forfchgn. zur Sprach- u. Culturgefchichte der
german. Völker. 3Ö.Hft.] Strafsburg, Trübner. (VIII, 147 S.
gr. 8.) 3. 50.

Jäger, Camill, Die Proteflation zu Speyer 19. April 1529.

Strafsburg, Druck v. Heitz. (28 S. 8.)
Galli, G., Die lutherifchen und calvinifchen Kirchenftrafe-
gegen Laien im Reformations-Zeitalter. Zugleich e. Bein
trag zur Culturgefchichte. Breslau, Koebner. (VII, 280 S.
gr. 8.) 7. -