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Ausgabe:

1879 Nr. 14

Spalte:

328-329

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Posse, Otto

Titel/Untertitel:

Analecta Vaticana 1879

Rezensent:

Müller, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 14.

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Lefefehler find fchon von früheren Auslegern angenommen
worden. Ich kann aber nach forgfältiger Prüfung keine
der angeführten Inftanzen für beweiskräftig halten, mufs
vielmehr nach wie vor mit Fritzfche die fliefsende griechi-
fche Diction des Abfchnittes 3, 9 — 5, 9 für einen Beweis
dafür anfehen, dafs das Griechifche hier Original
ih. Man vergleiche nur folche Wortftellungen wie 4, 9:
tt/v Mieldncoav ifiiv OQyrjv nagu xov treov (ähnlich 4,
25). Ein einziger folcher Satz wiegt alle Inftanzen
Kneucker's mehr als auf; und ich glaube kaum, dafs fich
etwas Aehnliches bei den LXX nachweifen läfst. —
Einen Hauptgrund gegen feine Anficht hat aber K. felbft
fehr entfchieden betont, nämlich die grofse Verfchieden-
heit des griechifchen Stiles in den beiden Hälften unteres
Buches (vgl. Kneucker S. 76 ff.). Um ihretwillen
nimmt K. an, dafs die zweite Hälfte von einem andern
Ueberfetzer herrühre als die erfte. Ift dies aber nicht
höchft unwahrfcheinlich? Wenn doch das Ganze zunächft
hebräifch vorgelegen hätte, dann würde die Ueberfetz-
ung des kleinen Büchleins wohl auch von einer Hand
herrühren. Umgekehrt erklärt fich die Stilverfchieden-
heit von felbft,'wenn die eine Hälfte griechifches Original
ift, die andere nicht.

Giefsen. E. Schürer.

Acta S. Pelagiae. Syriace edidit Prof. Joa. Gildemeifler.
Bonnae 1879, Marcus. (15 u. 12 S. fyr. Text. 4.)
M. 3. -

Profeffor Ufener, mit der Bearbeitung des noch ungedruckten
griechifchen Originals der Acten der h. Pe-
lagia befchäftigt — lateinifch finden fich diefelben in
den AA. SS. unterm 9. Okt. und fonft — wünfchte
eine oder zwei Seiten der in einer einzigen Londoner
Handfchrift erhaltenen fyrifchen Verfion kennen zu lernen
, um darnach ihr Verhältnifs zum griechifchen Text
zu beftimmen: davon hörte Profeffor W. Wright in
Cambridge, qui ad id natus videtur, ut omnium anivios
offieiis sibi devincat, fchrieb das ganze Stück ab und
fchickte es nach Bonn: durch Veröffentlichung desfelben
glaubt Gildemeifter mit Recht ihm am beften dafür zu
danken. Uies der Anlafs der Publication, ihr Inhalt ift
kurz folgender. — Der Erzbifchof von Antiochien verfam-
melte in einer kirchlichen Angelegenheit feine Bifchöfe,
acht an der Zahl, darunter den in egyptifcher Schule im
Klofter Tabennes gebildeten Nonnus. Während fie vor
der Kapelle des Märtyrers Julianus fitzen, kommt Pela-
gia mimadum urbis celeberrima in glänzendem Aufzug
vorüber, alle find darüber tiefbewegt, insbefondere Nonnus
, der beim Gottesdienft am nächften Sonntag, vom
Erzbifchof aufgefordert, die Predigt hält, über das zukünftige
Gericht der Gottlofen und die Seligkeit der
Frommen. Auch Pelagia ift unter den Zuhörern und erbittet
fich brieflich von Nonnus nach dem Gottesdienft
eine Unterredung und die Taufe. Als verfuchlicher
Mann und damit es nirgends Anftofs gebe, empfängt er
fie nur in Gegenwart feiner 7 Collegen, mit Genehmigung
des Erzbifchofs wird fie von Nonnus getauft, eine
Oberdiakoniffin Romana vertritt Pathenftelle. Als die 7
Tage der Tauffeier um find und Pelagia das Taufgewand
mit den Alltagskleidern vertaufchen follte, erbittet fie
fich heimlich von Nonnus einige feiner eigenen Kleider,
onyccoior' zoiytvov v.ai ßiQQtv zor/ivnv, (wie fie nach Pal-
ladius bcifpielsweife auch Athanafius trug S. 12), und
verfchwindet aus Antiochien. Nach 3 Jahren fühlt fich
des Nonnus Diakon Jakobus zur einer Pilgerfahrt nach
Jerufalem getrieben, wird von feinem Herrn aufgefordert,
dort auch nach dem monachus eunuchus Pelagius zu
fragen, findet denfelben, hochberühmt, fchwarz wie einen
Sack vor Faften und Arbeit, in einer kleinen, thürlofen
Zelle auf dem Oelberg, in der Nähe der Stelle, da
Chriftus feine Jünger das Vaterunfer lehrte, hat eine
kurze Unterredung mit ihm, ohne dafs der Mönch, natürlich
Pelagia, fich zu erkennen giebt. Während Jakob
noch in Jerufalem anwefend ift, ftirbt Pelagius; alle
Klöfter von Jerufalem, Jericho, dem Oftjordanland und
Nikopolis kommen zum Begräbnifs; wie der Bifchof und
alle anwefenden Frommen den Leichnam feierlich falben
wollen, ftellt es fich heraus, dafs es eine Frau war
und fie preifen Gott, dafs er auf Erden fo viele unbekannte
Heiligen habe, nicht blofs Männer, fondern auch
Frauen. Die Sache läfst fich vor dem Volke nicht verheimlichen
, denn was verborgen ift, mufs offenbar werden
und der Diakon Jakobus hat ihr Leben zu allgemeiner
Erbauung befchrieben; war er doch Augenzeuge

I bei ihrer Bekehrung und ihrem Begräbnifs, wie er uns

j zum Ueberdrufs oft verfichert.

Ueber das Alter der Gefchichte können wir nichts

j Beftimmtes wiffen: Gildemeifter hat in der knappeften
Weife S. I u. 2 die in Betracht kommenden Daten zu-
fammcngeftellt und gezeigt, dafs die von Theophanes,
Nicephorus und andern beliebte Verlegung derfelben
ins Jahr 449 oder 451, fpeciell die Identificirung des Bi-
fchofs Nonnus mit dem Gegner und zweimaligen Nachfolger
des Ibas von Edeffa unftatthaft ift. Die Kapelle
Julians in Antiochien wird c. 540 von Procopius als
durch Chosroes nicht zerftört aufgeführt, die der Pelagia
in Jerufalem um 530 vom Pilger Theodofius erwähnt.

Angehängt hat Gildemeifter S. 14. 15 einen kurzen
fehr dankenswerthen Excurs über die fyrifchen Accente;
das Ganze ift mit bekannter Genauigkeit und Eleganz
gearbeitet; nur wenige Druckfehler des fyrifchen Textes
find unbemerkt geblieben.

Tübingen. Dr. E. Neftle.

Posse, Dr. Otto, Analecta Vaticana. Innsbruck 1878,
Wagner. (X, 219 S. gr. 8.) M. 4. 80.

Seit Potthaft fein grofses Werk der Papftrege-
ften von 1198—1304 abgefchloffen hat, find von vielen
Seiten eine Reihe werthvoller Ergänzungen und Nach-

j träge publicirt worden, theils folche welche gedruckt
und von Potthaft überfehen waren, theils folche die fich
nur in Handfchriften vorgefunden hatten (neueftens auch
in Löher's archivalifcher Zeitfchrift, Band 3). Einen der
umfaffendften Beiträge diefer Art bildet diefe Publication
Poffe's. Sie ift hervorgegangen aus Forfchungen in der
vaticanifchen Bibliothek, die dem Codex diplomaticus
Saxoniae regiae dienen follten. Die Schrift zerfällt in
zwei Theile. Der erfte enthält Regcsta Vaticana inde ab
a. 1254 usque ad a. 1287 mit nicht weniger als 1411
Nummern, welche meift dem auch anderweitig viel benützten
, reichhaltigen, von Raynaldus aus dem vaticani-

i fchen Archiv gefchöpften und von feiner Hand gefchrie-
benen Cod. Vallicell. I, 53 entnommen find und Potthaft
zum gröfsten Theil nicht oder ungenau bekannt waren.
Es find darunter eine grofse Anzahl von Regelten, welche
die deutfehe Reichs- und Kirchengefchichte betreffen
und namentlich der letzten Hohenftaufen-Zeit fehr zu
gute kommen. Aber auch andere Seiten der Kirchengefchichte
find reichlich bedacht. — Es ift nun allerdings
wahr, dafs mit diefen kurzen und dürren Regelten in der
Mehrzahl der Fälle noch nichts anzufangen ift; allein
abgelehen davon, dafs fchon die Kenntnifs der Exiftenz
jener Urkunden an fich werthvoll ift und viele auch in
diefer Kürze wichtige Andeutungen geben, fo hat Poffe
den Werth feiner Publication dadurch noch fehr erhöht,
dafs er bei allen Regelten, die er mittheilt, aus feiner
Quelle zugleich die archivalifche Signatur, welche die
vollftändige Urkunde trägt, genau angiebt und uns verfichert
, die Beamten des vaticanifchen Archivs werden
jedermann, der ihnen jene Signatur einer Urkunde anzugeben
weifs, die letztere felbft bereitwilligft abfehreiben.
Er hat das felbft erfahren und ift dadurch in Stand gefetzt
worden, im zweiten Theil feiner Schrift ,Acta Vaticana
inde ab a. 1255 usque ad a. 1372' (p. 117—194) fünfzig bis-