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Ausgabe:

1879 Nr. 13

Spalte:

309-312

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gestrin, E. T.

Titel/Untertitel:

Wittnesbörd för den lutherska läran om Rättfärdiggörelsen i motsats till den Beck’ska riktningen 1879

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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309 Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 13. 310

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1879 No. 4); fodann auf einige Notizen von mehr unter- I kämpfer diefer Auffaffung, die er in einer eigenen Schrift:
geordnetem Werth, die zwei kürzlich erfchienene Auf- 1 Inledning tili Romarebrcivet, Upsala 1868, als echt bi-
fätze der ,Gazette de Lorraine1 enthielten, in deren einem, blifche hinzuftellen bemüht war. In den letzten Jahren
den mitgethcilten Citaten nach zu fchliefsen, die pöbelhafte fucht in den nördlichften 1'heilen des Landes ein Lector
Gcfchichtsverfälfchung des hier durch den Nationalhafs I Waldenftröm jener Lehre Geltung zu verfchaffen, und,
noch befonders giftig gemachten Ultramontanismus zum I wie es fcheint, erzielt er nicht nur in Schweden, fondern
Ausdruck kommt und deren Widerlegung zur Ehren- j auch an der Weftküfte Finlands ziemliche Erfolge. We-
rettung des Märtyrers mit zu den . Verdienftcn unferer nigftens hielt man es noch im vorigen Jahre für nöthig,
Schrift gehört. Vom Vcrfaffer felbft neu beigezogen in einem kleinen gut gefchriebenen Flugblatt: Warning
find die betreffenden Angaben in Calvin's Briefwechfel för Waldens trbmianismen, Äbo 1878 (unterzeichnet E.
und die Berichterftattung über einen von Strafsburg aus ; j. Gfeftrinj) dem Wirken des Mannes, der ein eigenes
zu Gunften des gefangenen Predigers gemachten Be- Blatt: Pietisten, herausgiebt, entgegenzutreten. Sonft ift
freiungsverfuch, welche von dem zu diefem Zwecke Ab- j fur Finland der eigentliche Vertreter der Beckifchen
gefandten felbft herrührt und im Anhang der vorliegenden Richtung feit langem Profeffor Dr. A. W. Ingmann an
Schrift mitgetheilt wird. Auch diefe Ergänzungen be- . der Univerfität in Helfingfors, der Verfchiedenes von
fchranken lieh allerdings faft ganz auf die bisher allein 1 Beck, befonders von deffen ,Chriftlichen Reden' ins
bekannten Jahre 1541 — 1545, die Zeit von feiner Flucht Schwedifche überfetzt hat, und dasfelbe in eigenen grö-
aus Metz bis zu feinem in Doormk erduldeten langfamen fseren und kleineren Abhandlungen verficht. Hierbei
Feuertode, und fie haben auch da die Erzählung der giebt er ganz offen ZU; dafs die von ihm vertretene
Histoire des martyrs doch nur m Nebendingen vcrvoll- Beckifche Rechtfertigungslehre nicht nur gegenüber der
Händigen können; fein vorangehendes Leben in Metz, j älteren Dogmatik, fondern auch gegenüber der Lehre
feine Beziehungen zu dem Dominicanerorden, in welchem j der älteften lutherifchen Kirche und ihrer Bekenntnifse,
er einer kürzlich aufgefundenen Angabc zufolge das Amt j befonders der Concordienformel, eine Neuerung fei. Da-
cines Lectors bekleidet zu haben fcheint, fowie die Motive : gegen behauptet er, diefelbe flehe in völligem Einklänge mit
feiner Bekehrung bleiben nach wie vor vollftändig im Rüther und mit der Schrift. Luther habe auch die Recht-
Dunkeln. Bei diefem Sachverhalt wäre es vielleicht im- fertigung in sensu latiori verftanden, d. h. fie als Gerecht-
merhin am Platze gewefen, wenigftens von dem allge- machung gefafst und diefe fei Kern und Stern feiner
meinen Verlauf der evangehfehen Bewegung in Metz, ' ganzen Theologie gewefen; das fei felbft in den Schmal-
mit welcher diefer Uebertntt Brully's ja jedenfalls in Zu- kaldifchen Artikeln noch zum Ausdruck gekommen,
fammenhang ftand, ein etwas genaueres Bild zu geben j Aber diefe glaubensinnerliche Herzer.smyftik fei bei der
und die reichhaltigen Angaben dafür zu verwerthen, die t wiffenfehaftlichen Formulirung der Sache durch den .Mein
der Corrcspondancc des Reformateurs, namentlich in i lanchthon'fchen Objectivismus' verdrängt worden. Denn
den Nachträgen zum fünften Band darüber enthalten 1 Melanchthon habe den Artikel zu einer ftarken Scheidefind
. Kleine Ungenauigkeiten wie die Angabe, dafs der wand zwifchen der evangehfehen und katholifchen AufMärtyrer
Jean Chätelain ,dort verbrannt worden fei
(p. 15) wären dadurch vermieden und wohl auch die Be
mühungen Farel's um die Evangelifation der genannten

faffung der Begnadung des Menfchen feitens Gottes machen
wollen. Zu dem Zwecke habe er in der Zeit
zwifchen 1532 und 1548 justificatio als blofse Gerccht-

Stadt vom Herbft 1539, wo fie der Verf. (p. 15. 35) erklärung gefafst, und das in fo .ariftotelifch objectivem
beginnen lafst, um mehr als ein Jahrzehnt hinaufgerückt ; Sinne', dafs diefer Begnadungsact in feiner damaligen
worden (vgl. in Bezug auf den erften Punkt Herminjard wiffenfehaftlichen Form alles ethifchen Lebensgehaltes
t p. 345. v- 39°. wonach Chätelain, um gefangen ge- ! beraubt gewefen fei. Dennoch habe Melanchthon's Stell-
nommen zu werden, aus Metz herausgelockt und auf ung als praeeeptor Germaniae bewirkt, ,dafs des gelehrten
lothringifchem Gebiet hingerichtet wurde, während in Ariftotelikers öde objective Rechtfertigungslehre die Herz-
Metz felbft die Nachricht von feiner Gefangennahme , lehre der ganzen älteften lutherifchen Kirche geworden
beinahe einen Aufftand veranlafst hätte und feine An- 1 fep. Aber felbft Melanchthon habe von feinem Gegner
hänger die Mehrheit in der Bürgerfchaft bildeten; über Ofiander etwas gelernt, und zwar vornehmlich dies, dafs
Farel's frühere Thatigkeit I. 337. 365. V. 388). Für die , er wieder Chrifti Perfon als das lebendige Princip der
Zurückweifung der Vcrmuthung, dafs Brully ein Schüler ; Rechtfertigung hingeftellt habe. Und in diefer erneuerten
des Cantiuncula gewefen, wird der Verf. felbft in der Form fei die Melanchthon'fche Rechtfertigungslehre in
inzwifchen erfchienenen Biograpie diefes Rcchtsgelehrten dje Concordienformel aufgenommen worden,
von A. Rivier (Bruxclles 1878 p. 13) die Beftätigung ge- T_. , _ , , . , „ . r ,

funden haben, fowie feine Angabe über das erfte Gefang- „ -iefe, ganze Gefchichtsconftruction, erfunden zum
buch der franzöfifchen Gemeinde zu Strafsburg (p. 47) Zweckeden e'gene"_ Abweichungen von der Kirchenlehre
in Douen, Clement Piarot et le psautier huguenot, Paris [reie Bahn zu machen, und fchon dadurch verdächtig,
1878. I. p. 343 ihre Berichtigung erhalten hat. hatuin den Quellen keinen Halt, widcifpr.ch ihnen v.el-

' r J^J b , mehr cntfchieden. Dennoch hat fie, mit folcher Zu verBafel
. R. Staeheiin. ndit vorgetragen, einigen Eindruck gemacht, zumal bei

7 7~- y- ~ ...... . s . ... ~. T77 7.. ~ folchen, die nicht Gelegenheit hatten, fie genauer an den

Gestrin, E. T., Wittnesbord for den lutherska laran om Quel]en zu prüfen Dsoch hat es auch von Anfang an

Rättfärdiggörelsen i motsats tili den Beck'ska rikt- nicht an Widerfpruch gegen die Neuerung gefehlt, der

ningen. Tammerfors 1877. (502 S. 8.) von Jahr zu Jahr an Kraft und Nachdruck gewinnt. Der

Es ift eine auffällige Erfchcinung, dafs die Theologie greit um die Rechtfertigungslehre wird in Finland nicht

des jüngft verftorbenen Dr. J. T. Beck befonders be- blofs von den I heologen gefuhrt fondern auch n.cht-

geifterte Vertreter in den nördlichften Gebieten der lu- theologifche Glieder der Gemeinde betheihgen fich an

therifchen Kirche, in Schweden und Finland, gefunden lhm- Er bewegt d,e dort,ge Kirche.

hat. Und zwar ift es vornehmlich die Lehre von der Auf der Paftoralconferenz zu Abo im Jahre 1875

Rechtfertigung in der von Beck vorgetragenen Faffung ward eine längere Abhandlung von Dompropft Torften

(vgl. deffen Leitfaden der chrifti. Glaubenslehre, 2. Aufl. T. Renvall über die Rechtfertigung vorgelefen, die gleich

I, 134 ff.), welche man dort als einen Fortfehritt in der dort lebhafte Entgegnung hervorrief, da fie die Beckifch-

wiffenfchaftlichen Erkenntnifs und Darftellung wie als Ingmann'fche Lehre im Wefcntlichcn in Schutz nahm

eine Neuerung von gröfster praktifcher Bedeutung zu be und die dagegen ausgefprochenen Befürchtungen als un-

zeichnen liebt. In Schweden war fchon feit faft 2 Jahr- begründet hinzuftellen fuchte. Der Kampf fetzte fich

zehnten Profeffor Myrberg in Upfala der Hauptvor- aufserhalb des Verfammlungsfaales fort, als jene Ab-