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Ausgabe:

1879 Nr. 13

Spalte:

299-300

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Körber, Gust.

Titel/Untertitel:

Die Ausbreitung des Christenthums im südlichen Baden 1879

Rezensent:

Möller, Wilhelm

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299

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 13.

300

Körber, Pfr. Guft., Die Ausbreitung des Christenthums im umftrittene Gebiet der Kirchengefchichte zu dienen.
Südlichen Baden. Heidelberg 1878, C. Winter. (VIII, We"n endlich der Verf. im Vorwort auf handfchriftliches
r < M Material aus den Archiven in Donaueichingen und Carls-

90 b. gr. 8.) M. 2. 80. ruh hinweift, welches er benützt, fo laffe fich niemand

Einen ,Beitrag zur Löfung der noch fchwebenden dadurch verleiten, darunter neues Quellenmaterial zu verFragen
' in Bezug auf die Gefchichte der Chriftianifirung muthcn. Es handelt fich um ganz junge Compilationen
jener füdweftlichen Ecke Deutfchlands vermögen wir in < zur Gefchichte der badifchen Klöfter, denen für die hier
diefer Arbeit nicht zu erkennen, wie der Verfaffer hofft. 1 in Betracht kommenden Anfangszeiten nicht nur jeder
Die wiffenfehaftliche Forfchung ift keinen Schritt weiter | urkundliche, fondern überhaupt jeder Werth abgeht, wie

der Verf. felbft fich nicht verhehlt (S. 71. 74).

Kiel. Möller.

geführt. Aber wir finden auch nicht etwa eine gefchickte
und verftändige Reproduction, Sichtung und Beleuchtung
des von Anderen Erforfchten, welche auf diefem Tummelplatz
kritifcher Wirren zur Klärung des Urtheils viel beitragen
und in diefem Sinne zur Löfung fchwEbender Bar ach. Dr. Carl Sigm., Excerpta e libro Alfredi Anglici
Fragen dienen könnte. Im erften Theil zwar (das Chri- de motu cordis, item Costa-Ben-Lucae de differentia
ftenthum in Baden zur Römerzeit, S 1-26) giebt der : anima£ et iritus Hber translatus a Johannc His
Verl. im Anfchlufs belonders an Brambach (Baden unter - , . f. . .. _ , » , , .

röm. Herrfchaft) u. A. einen ganz brauchbaren Ueber- j lensI- Als Beltrage zur Gefchichte der Anthropologie
blick, und tritt mit befonnenem Urtheil den früheren und Pfychologic des Mittelalters nach handfehrift-

z. Theil auch jetzt noch feilgehaltenen Vorftellungen entgegen
, als fei fchon in der voralamannifchen Zeit an
ein wirkliches Wurzelfchlagen des Chriftenthums im
römifchen Zehntlande zu denken. Noch im wefentlichen
fachgemäfs find auch die folgenden Erörterungen im 1.
und einem Theil des 2. Abfchnitts des 2. Thcils (das
Chriftenthum unter den Alamannen), welche unter Hinblick
auf die politifche Gefchichte der Alamannen zur
Erhärtung der Thefis dienen follen, dafs nicht nur bis
gegen Ende des 5. Jahrhunderts die Alamannen als
wefentlich unberührt vom Chriftenthum anzufehen find,
fondern auch die von da an beginnenden Einflüffe von
Seiten des fränkifchen Reichs zunächft noch ziemlich
gering anzufchlagen find. In wenig befriedigender Weife
dagegen wird fchon die Frage nach den unficheren Anfängen
der Bisthümer Strafsburg, Bafel, Windifch, Con-
ftanz befprochen, und in wachfendem Mafse macht fich
dann in der Frage nach der Wirkfamkeit Fridolin's, weiter
in der kurzen Befprechung über Columban, Gallus, Trudpert
und Landolin, die Bisthümer und die angeblichen
Klöfter im 7. Jahrhundert, endlich die Pirminfchen Stiftungen
und St. Gallen, fofern es für das behandelte Gebiet
in Betracht kommt, der Mangel jeder wiffenfehaftlichen
Methode, das principlofe eklektifche Compiliren, die Un-
felbftftändigkeit des offenbar gar nicht felbft aus den Quellen
fchöpfenden, fondern hier an Lütolf dort an Hiemer,
hier an Hefele oder Friedrich dort an Ebrard fich anlehnenden
Raifonnements aufs Empfindlichfte geltend.
Dazu die unordentliche und unvollftändige Art der gelehrten
Citate, welche jede Möglichkeit ausfchliefst, fich
wiffenfehaftlich danach zu orientiren. Dabei werden die
fpäteften Schriftfteller ohne jede orientirende Andeutung
und ohne die nothdürftigften Titelangaben, wie die
älteften Quellen, als ,Zeugen' für dies oder jenes angeführt
, z. B. S. 47 ,Manlius' satis phrase. Ob der Lefer
fich darunter ftatt des Bregenzer Canonicus aus dem 16.
Jahrh. etwa einen mittelalterlichen Chroniften oder den
Verfaffer einer Heiligenbiographie vorftellen will, bleibt
ihm völlig überlaffen. Dabei kommen denn auch fachlich
wunderliche Dinge vor. Neben der Regel Colum-
ban's und der des Benedict kennt unfer Verf. auch eine
folche des Lerinus! (S. 90). Er vergifst auch wohl an
einer fpäteren Stelle, wahrfcheinlich unter Einflufs eines
andern Gewährsmanns, was er früher gefagt hat. Auf
S. 54 hat er fich dafür entfehieden, dafs unter dem
Chlodovech der Baltherfchen vita Bridol. nur der erfte
ditfes Namens verftanden werden könne, nicht wie Gerbert
u. a. wollten der zweite, dennoch wird auf S. 62 die-
,Thatfache' erwähnt, ,dafs fogar noch bei Chlodwig II
(638—56) heidnifche fränkifche Edle zu Gafte fich befinden
' ; diefe ,Thatfache' ift aber nur aus einer Stelle
jener Biographie gefchöpft. Nach Allem kann Ref. nur
fagen , dafs ihm die Arbeit des Verf.'s aufserordentlich
wenig dazu geeignet fcheint, als Führer in diefes viel-

licher Ueberlieferung hrsg. u. mit einer einleitenden
Abhandlung u. Anmerkungen verfehen. [Bibliotheca
philosophorum mediae aetatis IL] Innsbruck 1878,
Wagner. (XI, 139 S. gr. 8.) M. 3.' 60.

In dem vorliegenden 2. Heft fetzt der Herr Verfaffer
feine verdienftlichen Veröffentlichungen fort, welche
er im I. Hefte mit Bernhard Silvefter's (v. Chartres) Me-
gacosmus et Microcosmus begonnen hatte. Die Schrift,
welche er im gegenwärtigen Hefte an 2. Stelle bringt,
das Buch de differentia animae et Spiritus des chriftlichen
Arztes und Philofophen Cofta ben Luca aus Baalbeck,
von Ifidorus Hispalenfis (d. i. Avendeath, Ibn Dautli), dem
Gehülfen des Dominicus Gundisalvi aus dem Arabifchen
ins Lateinifche überfetzt, gehört mit dem Buche de causis,
fons vitae u.a. zu jenen Erzeugnissen der arabifchen Cultur,
welche Ende des 12., Anfang des 13. Jahrh. der chriftlichen
Scholafhk die neuen tiefgehenden Anregungen
gaben. Die grofse Menge vorhandener Handfchriften,
z. Thi. commentirter, zeigt die weite Verbreitung diefes
Werkchens. Es ift zwar bereits gedruckt, nämlich in
den medicinifchen Werken des Constantinus Africanus
{ed. Basil. 1536 Fol. p. 308 ff.), dem es hier ,ut quidam
voluntt zugefchrieben wird. Indeffen der jetzige Herausgeber
hat nicht nur das Verdient!, auf die Schrift im
Intereffe der Gefchichte der Philofophie aufmerkfam zu
machen, fondern auch auf Grund einer Münchener und
zweier Wiener Handfchriften einen revidirten Text zu
geben. Ueberdies fehlt wenigftens in der mir zugänglichen
Ausgabe des Conft. Afr. der gröfstc Theil des
Prologs bis ineipiens die am, p. 121, Z. 3 der Barach' fchen
Ausgabe, und es finden fich auch fonft manche Abweichungen
. Obwohl der Text bei Barach im Ganzen
ohne Zweifel beffer ift als der jener Basler Ausgabe, fo
ift es doch zu bedauern, dafs der Herausg., der auf Stein-
fchneider's Angaben über letztere (Virchow, Archiv Bd.
37 u- 39) felbft verweift, denfelben nicht zur Vergleich-
ung herangezogen hat. Mehr als eine Stelle erhält doch
Licht durch die Textgeftalt im Basler Druck, andere
bieten auch wohl richtigeren Text (z. B. p. 121 Z. 15
von Oben oritur ex cerebro in nervis ftatt et nerois; p.
122 Z. 11 von Oben et cum colligitur cor {pulsat etc.).
Statt des fchwerlich richtigen Aethiopes et solani (p. 139
Z. 4 von O.) finden wir in der ed. Basil.: Aeth. et Sc/avi.
Es entfpricht der Weglaffung des den Empfänger anredenden
Prologs, dafs der gleicherweife apoftrophirende
Schlufsfatz Auferat a te dominus etc. ebenfalls im Basler
Druck vermifst wird. — Von noch höherem Intereffe ift
was der Herausg. an erfter Stelle mittheilt, nämlich um-
faffende Exccrpte aus der Schrift de motu cordis, denen
eine werthvolle einleitende Abhandlung (S. 2—79) vor-
ausgefchickt ift. Als Verf. jener Schrift, welche mehrfach
die des Cofta Ben Luca benutzt, ergiebt fich Alfre-
dus Anglicus (auch de Sankel genannt). Barach war, einer