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Ausgabe:

1879 Nr. 12

Spalte:

278-280

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Varrentrapp, C.

Titel/Untertitel:

Hermann von Wied und sein Reformationsversuch in Köln. Ein Beitrag zur deutschen Reformationsgeschichte 1879

Rezensent:

Brieger, Theodor

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 12.

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worden fein mufs. Diefen Angaben folgend trifft der gelegt; ein überrafchend reiches Verzeichnifs einzelner
Verf. in der Zeitbeftimmung nahe mit Ebert (Gefch. der Stellen aus Virgil und Sedulius unter verfchiedenen Ru-
chriftl. lat. Liter. S. 358) zufammen, aber unter Abweifung briken zeigt in welch' hohem Grade Sedulius üch nach
der Gründe desfelben. Von der in jener Epiftel des Se- Virgil gebildet und wie ftark er ihn ausgenutzt hat.
dulius an Macedonius rühmend hervorgehobenen Diaco- Bemerkungen über die Metrik des Sed. machen den
niffin Syncletica haben fchon Aub. Miräus u. v. a. an- Schlufs.

genommen, fie fei die Schwerter jenes Eustachius, welcher Kiel Möller

derfelbe feine Ueberfetzung der Homilien des Bafilius__l___!___t_

über das Hexaemeron gewidmet hat. Dem tritt mit Varrentrapp, Dr. C, Hermann von Wied und sein Refor-
Recht auch Huemer bei. Wenn er aber, um eine Be- mationsversuch in Köln. Ein Beitrag zur deutfchen
ftätigung feiner Zeitbeftimmung daraus zu entnehmen, R _fnrm_t:on<.~prrhRhre T pirv/icr 1878 Dunrker &
fich darauf beruft (S. 25), dafs nach Caffiodor Euftathius Reformationsgefchichte. Leipzig 1878 Duncker &
im Anfang des 5. Jahrh. gelebt habe, fo weifs ich nicht, Humblot. (XIII, 280 u. 136 S. gr. 8.) M. 8. 80.
worauf er fich hierfür ftützt. In den Instit. div.l. c.I. wird eine Rh habe früher Gelegenheit gehabt in diefem Blatte

Zeitbeftimmung nicht gegeben. H. nimmt nach den An- darauf hinzuweifen, dafs auch nach den neueren Arbeiten
deutungen der epist. ad Maced. an, dafs Sedulius erft in vonEnnen und Drouven eine monographifche Bearbeitung
Achaja, wo er feine Werke gefchrieben, und wo jener des Reformationsverfuches Hermann's von Wied ein
Macedonius und die in Verbindung mit ihm erwähnten dringendes Bedürfnifs fei (f. 1878 N. I). Diefe Lücke in
anderen Perfonen zu fuchen feien, fich den geiftlichen i der reformationsgefchichtlichen Forfchung ift jetzt durch
Studien zugewendet habe. Wenn ihn einige dort erft J die längft erwartete Monographie Varrentrapp's ausgefüllt
. Auf Grund der umfaffendften, nicht zum ge-
ringften Theile archivalifchen Studien, in einer bis ins
Einzelnfte gehenden forgfamen Verarbeitung des reichen
Stoffes wird uns hier jenes für den deutfchen Proteltan-
tismus fo bedeutfame Unternehmen wie fein Scheitern
vorgeführt im Zufammenhange mit der allgemeinen
politifchen und kirchlichen Gefchichte der den Aus-
fc:ilag gebenden Jahre, befonders in dem Verhältnifs der

getauft werden laffen (fo auch Kaifer, Beitr. zur Erkl.
der Kirchenhymnen), fo ift das, wie auch der Verf. ur-
theilt, nur ein falfcher Schlufs aus dem Brief an Macedonius
. Falls nun aber der Verf. mit feiner Zeitbeftimmung
Recht haben follte, bedarf es einer etwas anderen
Auffaffung der oben erwähnten Notiz über Afterius. Dafs
unter letzterem nur der Conful des Jahres 494 (Turcius
Kh/us Astcrius) verstanden werden kann, nicht der angebliche
von 449 (welcher vielmehr Flav. Afterius heifst, j Wechfelwirkung zu dem fchmalkaldifchen Kriege. Die

f die Mittheilungen S. 33 f. nach de Roffi), ift unzweifelhaft
, und jetzt auch allgemein anerkannt. Teuffel's oben
erwähnte Zeitbeftimmung, welche darnach am nächsten
liegen würde, glaubt der Verf. zurückweifen zu müffen;
gegen Ebert's der Zeitbeftimmung nach mit ihm zufam-
mentreffende Auffaffung, das viel früher von Sedulius
fchon felbft edirte Carmen paschale fei zur Zeit des
Afterius bereits verfchollen gewefen, vielleicht in Folge der
Edition des ;profaifchen) opus pasch, des. Sedulius, Afterius
habe es dann nur wieder ans Licht gezogen, hat der Verf.
fich fchon früher erklärt (Zeitfchr. f. öfterr. Gymn. 1876.
S. 500 ff.) und wohl nicht ohne Grund. Er stellt fich
nun die Sache fo vor: Sedulius hat um die Mitte des
Jahrh. feine Schriften gefchrieben, das pasch, carm. zwar
dem Macedonius zur Beurtheilung mitgetheilt, aber nicht
weiter verbreitet. Wahrfcheinlich geraume Zeit fpäter
ift er geftorben. Darnach hat Afterius das Werk aus den
Papieren des Sed. zufammengeftellt und verbreitet. Nach
der Unterfuchung des Verf.'s wäre nun in der mehrerwähnten
Notiz über Afterius die vorzuziehende Lesart
nicht consule fondern examsulc, was mithin auf 495 wiefe.

Arbeit ift in der Hauptfache abfchliefsend, erfchöpfend.
Erfchöpfend felbftverftändlich nicht in dem Sinne, dafs
nicht mit Hülfe des von dem Verf. benutzten Materials
eine noch detailirtere Darstellung möglich wäre. Möglich,
aber auch wünfchenswerth?

Wir finden hier nicht nur die strengste Befchränkung
auf das Thema, auch in Fällen, wo der Verf. bei verwandten
Gegenltänden höchst belangreiche Auffchlüffe zu
geben in der Lage war (ich verweife beifpielshalber auf
S. 270 A. 4): wir begegnen auch in der Behandlung der
Aufgabe felber einer feltenen Knappheit. Berührt fie
gegenüber der landläufigen Weitfchichtigkeit moderner
hiftorifcher Productipn, gegenüber der häufigen Mitveröffentlichung
einer Menge von Vorarbeiten fehr angenehm
, fo ift hier doch vielleicht in einigen Partien diefer
Vorzug fast überboten. Allerdings erklärt V. in der
Vorrede, die Rückficht auf einige in naher Ausficht
flehende Publicationen Anderer habe ihn veranlafst,
mehrere Fragen der Gefchichte diefer Zeit kürzer zu
behandeln, als er urfprünglich beabfichtigt habe. Ift hierauf
auch die auffallende Kürze des 3. (Schluss-) Capitels

Indem nun der Verf. Beziehung nimmt auf die lobende 1 zurückzuführen, welches auf 60 Seiten Fortgang, Hemm
Erwähnung des Gedichts des Sedulius im decretum Ge- j ung und Untergang der Reformation in Köln während
las» von 496, stellt er den in der That glücklichen Ge- der Jahre 1544—47 uns vergegenwärtigt? Man gewahrt
danken auf, dafs das in mehreren Handfchriften erhaltene freilich bei genauerer Betrachtung, dafs auch in diefem
Dedicationsepigramm {S/tme sacer meritis etc.), von dem Abfchnitt kein Moment von Wichtigkeit übergangen ift;
fchon Ebert gefehen, dafs es gar nicht für Macedonius aber die breitere Ausführung diefes oder jenes fcharf
bestimmt fein kann 'wie oft angenommen worden), von pointirten Zuges wäre meines Etrachtens wirkfamer ge-
Afterius an keinen anderen als den röm. Bifchof Gelafius wefen. Mit vornehmer Zurückhaltung giebt V. hie und
felbft gerichtet fei, dem Afterius dadurch die feine Hui- ! da nur Andeutungen, denen nicht ein jeder die gebüh-
digung darbringt, es werde ihm mehr zum Ruhme ge- , rende Aufmerkfamkeit fchenken wird, muthet dem Lefer
reichen, wenn fein Name im Munde des Gelafius lebe, j zu, zwifchen den Zeilen zu lefen, was man doch grade
als dafs er in den Confularfaften auf die Nachwelt | von ihm ausgefprochen zu fehen wünfeht. — Ebenfo ift
komme, üb nun aber diefe dem Gelafius gewidmete I die Selbftbefchränkung fehr bemerkenswerth, deren fich
Edition fchon die Wiederholung einer zweiten früher von { der Verf. in den Anmerkungen befleifsigt hat; aber auch
Afterius gemachten fei, wie Verf. annehmen zu müffen bei ihnen taucht, gerade weil fie aus dem Vollen gefchöpft
glaubt, mag dahin gestellt bleiben. — Im weiteren Ver- find, nicht feiten das Verlangen auf nach reichlicheren
lauf erörtet der Verf. mit grofser Akribie die in Betracht Mittheilungen aus den handfehriftlichen Quellen, welche
kommenden literarhiftorifchen Fragen über die dem Se- j dem Verf. vorlagen, welche dem Forfcher auch jetzt,
dulius zugefchriebenen Schriften, ihre Reihenfolge, das nachdem auf fie hingewiefen, fchwer zugänglich find.
Verhältnifs zu feinem Vorgänger Juvencus; an einer Doch rechten wir nicht mit dem Verf. über das, was

grofsen Menge von Zeugnifsen wird die grofse Ver- i er in rühmlichem Streben nach Kürze uns vorenthalten
breitung des Sedulius im Mittelalter, fowie feine Benutz- ! zu müffen geglaubt hat. Vielmehr hat gerade auch eine
ung als Autorität in grammat. u. metrifchen Fragen dar- I theologifche Zeitfchrift den reichsten Anlafs fich des Ge-