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Ausgabe:

1879

Spalte:

5-7

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Böhringer, Friedr. und Paul

Titel/Untertitel:

Aurelius Augustinus, Bischof von Hippo 1879

Rezensent:

Weber, Th.

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Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 1.

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rede, auf welche S. 95 Anm. verwiefen wird, nicht zum
Abdruck gekommen ift). Nr. 89, 91 und 103 Gebetbücher
des Ritus Jemen mit babylon. Punctation; namentlich
103 ift wegen der grofsen Zahl unbekannter oder un-
edirter Stücke von aufserordentlichem Werthe (S. 69—

ji, nj_130). Nr. 92, arabifcher Commentar über

Midrafchftellen, ift intereffant u. A. dadurch, dafs in ihm
die paläftinifche Gemara zum Tractat 'Uqzin (fechfter
Seder) citirt wird, für deren einftige Exiftenz man bisher
kein beftimmtes Zeugnifs hatte. Nr. 03—101 Theile des
arabifchen Mifchnacommentars von Maimonides mit dem
hebr. Text; ein Band (95) ift im J. 1222, alfo nur 18
Jahre nach dem Tode des Verf. gefchrieben. (In der
Befchreibung v. 95. 96 ift ,Ordn. III' Schreibfehler für
Ordnung IV'.) Nr. 102 Das Buch der Gebote von
Maimonides, von dem arabifchen Original kannte man
bisher nur eine vollftändige und eine unvollftändige
Handfchrift. Nr. 107 (von Petermann 1869 mitgebracht;
enthält erftens Einwendungen gegen die jüdifche, chrift-
liche u. muhammedanifchcReligion, zweitens eine Schrift
über die Differenzen zwifchen den Rabbaniten und Ka-
raiten. Die Nummern 109—123, mit Ausnahme von
115, waren früher im Befitz des Verf.'s des Katalogs
und enthalten eine Fülle intereffanten Inhalts, allerdings
mehr für Nichttheologcn. Wir erwähnen hier nur den
grammatifchen Sammelband Nr. 118. Zu den von
Schapira erworbenen Manufcriptcn gehört auch noch
Nr. 115: Jofua, Richter, Jeremia, Ezechiel, mit Maffora
und nach jedem Verfe Targum mit babylonifchen
Vocalzeichen (ohne Accente); vorangefchickt ift die
von Derenbourg unter dem Titel Manuel du lecteur (Paris
1871) veröffentlichte grammatifch-accentuologifche
Schrift.

Um den Raum, welcher Anzeigen in diefem Blatte
für gewöhnlich offen fleht, nicht zu fehr zu überfchreiten,
enthalten wir uns eines Eingehens auf Einzelheiten.
Erwähnt feien nur zwei ftörende Druckfehler in Katal.
Berlin: S. 117, Abf. 2, Z. 4 ift ftatt ,in den Noten' zu
lefen ,in Hochziffern'; S. 142, Nr. IV lies ,Gebete 51'
(nicht ,54'). — Einmal durch Regifter verwöhnt, fprechen
wir noch den Wunfeh aus, dafs künftig Katalogen auch
ein Verzeichnifs der datirten Handfchriften beigegeben

werde. _ Ref. fchliefst mit dem Ausdruck aufrichtigen

Dankes für den Verf. wegen der in den Katalogen dargebotenen
Belehrung und mit der Hoffnung, dafs die
hier befprochenen drei Werke recht viel beitragen mögen
zu immer reichlicherer Benutzung und Verwerthung der
in Berlin, Hamburg und München gefammelten hebräi-
fchen Handfchriften.

Berlin. Hermann L. Strack.

Böhringer, I'riedr. u. Paul, Aurelius Augustinus, Bifchof
v. Hippo. j A. u. d. T.: Die Kirche Chrifti u. ihre
Zeugen. IT. Bd. 2. völlig umgearb. Aufl. 2. Ausg.]
Stuttgart 1877 u. 78, Meyer & Zeller. (XI, 268 u. VII,
428 S. gr. 8.) M. 15. —
Die Eigenart und die befonderen Vorzüge der Böh-
ringer'fchen kirchengefchichtlichen Biographieen find zu
bekannt, als dafs es nöthig wäre, den .Auguftin', einen
würdigen Nachfolger feiner Vorgänger, noch befonders
zu empfehlen. Das Werk macht zwar mit feiner im
guten Sinne popularifirenden Tendenz von vornherein
keinen Anfpruch auf gelehrten Charakter, ift aber in
feiner Art ficher das befte, was wir haben.

In bekannter anfehaulicher Form wird uns das Lebensbild
des Auguftin gegeben. Böhringer hat die be-
fondere, unter Umftänden gefährliche Gabe, feinem Gegen-
ftande ein fo lebendiges, durchfichtiges und — wir
können es nicht anders bezeichnen — modernes Gewand
zu geben, dafs er dem Lefer aus der zeitlichen
Ferne ganz nahe vor die Augen gerückt erfcheint.
Wir begleiten den Auguftin wie einen Lebenden auf

I feinem inneren Entwicklungsgange bis zu feiner Bekehrung
, deffen kurze Darftellung wohl das Vorzüglichfte
in der ganzen Biographie genannt zu werden verdient,
und durch die drei Hauptcontroverfen, in denen fein

I Leben verläuft, die manichäifche, donatiftifche und pe-
lagianifche, hindurch bis zu feinem Niedergang. Das

i nüchterne, mafsvolle und gerechte Urtheil, das über das
Auftreten des Bifchofs von Hippo überall gefällt wird,

| dürfte nur in Betreff der bekannten Auguftinifchen Här-

I ten und Einfeitigkeiten zu fehr von der allem Extremen

[ abgeneigten Natur des Verf. beeinflufst fein. Im Uebri-
gen thut B. unferes Erachtens Recht daran, diefe ,Härten'
in den Auguftinifchen Anfchauungen nicht in den Vordergrund
zu ftellen, (ondern fie den praktifchen Dingen

j gegenüber mehr oder weniger bei Seite zu fehieben.
Nur find fie ficher nicht blofs theoretifche Ueberrefte

| feines Manichäismus, wie der Verf. es an verfchiedenen
Orten (vgl. I, 102) darzuftellcn fucht, fondern hängen

I tief mit dem Kern feines chriftlichen Glaubens, mit feiner

i energifchen Betonung der Ausfchlicfslichkeit und Einzigkeit
der göttlichen Gnadenwirkungen zufammen.

Auf die Biographie im engeren Sinn folgt eine kurze
Darftellung und Charakterifirung der Schriften Auguftins,
— wieder knapp und gut. Nur in der Unterfchätzung
der Predigten A.'s können wir dem Verf. hinfichtlich diefes
Abfchnitts nicht beiftimmen. Wer fleh ein wenig in die

j lebendige, praktifche Predigtweife des Bifchofs mit feinem

j .afrikanifchen Latein' und feiner feurigen, realiftifch-pla-
ftifchen Beredtfamkeit vertieft hat, wird diefelbe trotz

: ihrer Kunftlofigkeit tief und anregend finden.

Der zweite Haupttheil des Werkes giebt eine Darfteilung
der Lehre A.'s. Um Wiederholungen zu vermeiden
, werden die Controverslehren, als im erften Theil
abgethan, hier von der Behandlung ausgefchloffcn und
diefelbe im Grunde auf die Theologie im engeren Sinne
befchränkt. Dies Verfahren, fo rückfichtsvoll es für den

, Lefer und fo gerechtfertigt es für die rein biographifche

i Schilderung, die auf fyftematifche Vollftändigkeit und
Gliederung keinen Anfpruch macht, fein mag, erfcheint
infofern nicht ohne Bedenken, als das ganze Auguftinifche

1 Syftem fich gerade um diefe ftreitigen Punkte, insbe-
fondere um die pelagianifche Frage, gruppirt und von
hier aus verftanden werden will. Wenn irgendwo, fo ift
es bei Auguftin die Heilslehre, genauer die Lehre von
der Heilsaneignung, die im Mittelpunkt feiner Weltan-
fchauung fleht. Und gerade dadurch erhebt er fich u.

, E. über das Niveau des gewöhnlichen Katholicismus,
dafs ihm nicht die Lehre von der Kirche als der Heils-
mittlcrin die Hauptfache ift, dafs er vielmehr über die
Kirche hinausgreift in die unfichtbare göttliche Gnade
felbft hinein. Dadurch ift er Luthcr's Vorläufer geworden
, — ein Verhältnifs, deffen genauere Charakterifirung
und Beurtheilung wir in der B.'fchen Biographie ungern
vermiffen. Dafs der neue Herausgeber derfelben nicht
aus Gründen hiftorifcher Objectivität auf ein folches
Eingehen in Vergleichungen verzichtet hat, zeigt fich in
den gelegentlichen kritifchen bez. kirchenpolitifchen Bemerkungen
vom fubjectiven Standpunkt,moderner Frömmigkeit
' (II, 27, vgl. 211, 312; I, 191, 198), über deren
Inhalt wir mit ihm nicht rechten wollen, die aber ficher
in einem rein hiftorifchen Werke beffer unterblieben
wären.

Befonders werthvoll find die ausführlichen und genauen
Citate, aus denen fich der Lefer felbft ein Bild
des gefchilderten Mannes zu geftalten vermag. Einen
noch gröfseren Werth würden diefelben haben, wenn zugleich
mit wenigen Buchftaben die jedesmalige Quelle
angegeben wäre; das Bedenken des Verfaffers, dadurch
den Umfang des Werkes ungebührlich zu erweitern, erfcheint
uns weniger fehwerwiegend als das andere, dafs
durch ein folches Verfahren dem theologifchen Lefer die
Controlle unmöglich gemacht wird.

Das Werk will kein gelehrtes fein; feine unbeftreit-