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Ausgabe:

1879 Nr. 10

Spalte:

225

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Paul Wilh.

Titel/Untertitel:

Protestanten-Bibel Neuen Testamentes. 3. völlig neu durchgesehene Aufl 1879

Rezensent:

Thoenes, Karl

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225

Theologifche Literaturzeitung. 1879. Nr. 10.

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wenn mit der Wahrheit (?) der Magier folche Sterndivi-
nation verbunden wird'. Doch das bisher Beigebrachte
mag zur Rechtfertigung meines Urtheils über dies fehr
wenig empfehlenswerthe Buch genügen. Möchte ich
fpäterhin über die Schlufsabtheilung günftiger urtheilen
können!

Bonn. Ad. Kamphaufen.

Protestanten-Bibel Neuen Testamentes. Unter Mitwirkung
von Prof. Dr. Bruch, Kirchenrath Prof. Dr. Hilgenfeld
, Prof. Dr. Höhten etc. hrsg. von Proff. DD. Paul
Wilh. Schmidt u. Franz von Holtzendorff. 3.
völlig neu durchgefchene Aufl. Mit einer Beigabe:
Wie lefen wir die Proteftantenbibel? (In 11 Heften.)
1. Hft. Leipzig 1879. Barth. (XXXIX, 48 S. gr. 8.)
M. - 75.

Das Werk erfcheint in dritter Auflage. Daraus ift
zu erkennen, dafs es dem Bedürfnifse eines nicht unbedeutenden
Kreifes in unferem Volke entgegenkommt.
Tendenz und Anlage desfelben find bekannt. Die dritte
Auflage wird in elf Theilen geliefert, jeder im Prcife
von 75 Pfg.; fie ift alfo billiger, als die früheren, was
die Verbreitung ohne Zweifel befördern wird. Auch
hat das erfte Heft diefer Auflage in einem kleineren
Auffatze mit der Ueberfchrift: ,Wie lefen wir die Proteftantenbibel
?' eine Beigabe erhalten. In diefem Auffatze
wird darauf hingewiefen, dafs die Proteftantenbibel
nicht ,römifch', nicht ,mit dem Auge der evang. Kirchcn-
khre', nicht .abergläubifch' und nicht in ,modernifiren-
dem Sinne' gelefen werden wolle. Auch wird in dem-
felben bemerkt, dafs der revidirte Text der Halle'fchen
Bibelanftalt, weil er noch wirklich Fehlerhaftes und Un-
verftändliches habe flehen laffen, nicht habe zu Grunde
gelegt werden können. Ferner wird noch gefagt, dafs
eine andere Ausgabe der Proteftantenbibel vorbereitet
werde, die nicht blofs für Gebildete, fondern für Jedermann
zugänglich fei.

Lennep. Lic. Dr. Thon es.

Grimm, Carol. Ludov. Wilib., Lexicon Graeco-Latinum in
Libros Novi Testamenti. Editio secunda emendata
et aueta. A. u. d. T.: Christiani Gottl. Wilkii Cla-
vis Novi Teftamenti philologica etc. Quem librum
secunda atque hac tertia editione ita castigavit et
emendavit, ut novum opus haberi possit. Lipsiae
1879, Arnold. (XII, 473 S. Lex.-8.) M. 10. —

Die erfte Lieferung diefer neuen Ausgabe von
Grimm's Lexicon (S. 1—160) haben wir bereits in
Nr. 1 des Jahrg. 1878 der Theol. Litztg. angezeigt. Zu
dem dort zur Charakteriftik und Lmpfehlung des Werkes
gefagten ift hier nichts Wefentliches hinzuzufügen.
Selbftveritändlich find auch in den feitdem erfchienenen
Lieferungen 2—3, welche das Ganze zum Abfchlufs
bringen (S. 161—473), diefelben Vcrbefferungen vorgenommen
, wie in der erften. In den hiftorifchen und
biblifch-theologifchen Artikeln ift durchgängig auf die
neuereLiteratur Rückficht genommen, was theilvveife auch
zu fachlichen Aenderungen Veranlafsung gegeben hat (f. z.
B. unter SadSovy.aiQQ). Von neueren Textausgaben des
N. T. ift neben Lachmann und Tifchendorf jetzt überall
auch Tregelles berückfichtigt; von Tifchendorf natürlich
auch die neuefte (achte) Ausgabe. Da in diefen Ausgaben
häufig Wortformen aufgenommen find, welche dem
bisherigen gedruckten Texte des N. T. fremd waren,
fo erfcheinen jetzt auch in dem Lexicon eine Anzahl von
Worten und Wortformen, welche der früheren Ausgabe
noch fehlten. Die Vorrede zählt deren nicht weniger
als 43 auf. So zahlreich aber diefe kleinen Aenderungen
und Vcrbefferungen auch find, fo ift dadurch doch der

Umfang des Werkes bei gleichem Format und Druck
nur um fechs Seiten geftiegen, wie denn der Text im
Grofsen und Ganzen unverändert geblieben ift. — Möchte

i das treffliche Werk auch in diefer neuen Geftalt recht

1 viele und fleifsige Benützer finden.

Giefsen. E. Schürer.

Wieseier, Prof. Dr. Karl, Zur Geschichte der kleinasiatischen
Galater und des deutfehen Volks in der Urzeit
. Neuer Beitrag. Greifswald 1879, Bamberg.
(52 S. gr. 8.) M. 1. 20.

In feiner Schrift: ,Die deutfehe Nationalität der klein-
afiatifchen Galater' (1877) hatte Wiefeler aufs Neue

i das angebliche Germanenthum der Galater vertheidigt.

I Da hiegegen fleh doch noch einiger Widerfpruch regte, und
namentlich Hertzberg in den Theol. Stud. und Krit.

I 1878, S. 525—541, in überzeugender Weife die mangelnde
Beweiskraft der Wiefeler'fchen Argumente darlegte, hielt
W. es für geboten, in der obigen kleinen Schrift fleh
abermals über diefes Thema vernehmen zu lallen. Ref.
kann nach aufmerkfamer Leetüre der Schrift nicht fin-

! den, dafs dazu ein Bedürfnifs vorlag. Allerdings ift,
wie der Verf. im Eingang andeutet, darin manches neue
gelehrte Material zulammengetragen; aber nichts, was
zur Entfcheidung der Sache etwas austrüge. Es ift eine
rudis indigestaque vio/es, die leider nur zeigt, dafs der
Verf. das Senforium für die Tragkraft feiner Beweife
vollftändig verloren hat. Von welcher Art feine Argumente
zuweilen find, davon nur ein Beifpiel : In der
Chronik des Hippolytus werden u. A. erwähnt Gallorum
Narbonensium gentes et inhabitationes: Ama.xobii Graeco-
sarmatae. Daraus folgert W. zunächft (S. 20): ,Die hier
erwähnten und von den Galliern in der Narbonenfis
als Einwanderer unterfchiedenen Graecosarviatae können
nur die Volgae Tectosages und Arecomici fein, welche in
der Narbonitis fafsen und von denen die nach Klein-
afien ausgewanderten Tektofagen fonft Graecogalli genannt
werden'. Ferner wird dann durch finnreiche Com-
binationen — die aber noch unter dem Niveau der
obigen Schlufsfolgerung flehen — dargethan, dafs die
Graecosarviatae, unter denen alfo die galatifchen Tektofagen
fleh verftecken, Germanen waren. Man wird durch

J diefe Art von Exegefe, die für einen beliebigen Völkernamen
(Graecosarviatae) einen beliebigen andern (Tectosages
) fubftituirt, lebhaft an ähnliche KunftftücUe der
jüdifch-kabbaliftifchen Exegefe erinnert: Wiefeler aber
findet diefes Argument ,fehr beachtenswerth' (S. 20).

Wir wollen nun gerne zugeben, dafs unter dem
Chaos von Beweifen, die Wiefeler beibringt, fich auch
manche finden, die beffer find, als der ebengenannte.
Aber durchgängig fehlt es auch diefer neueften Arbeit
Wiefeler's, wie fchon der früheren, gänzlich an aller

1 wiffenfehaftlichen Methode. In der kritiklofeften Weife
werden die entlegenften Dinge combinirt, um nur Beweis
auf Beweis häufen zu können — uneingedenk des gol-

i denen Wortes: ,Weniger wäre mehr!' Von dem wirklichen
Stande der Frage bekommt der Uneingeweihte

! keine Ahnung. Denn zu einer unparteiifchen und ob-
jectiven Darlegung und Abwägung des Für und Wider

| wird hier auch nicht einmal ein befcheidener Anlauf ge-

1 nommen. Vielmehr geht W. von vornherein in advo-

| catenhafter Weife nur darauf aus, feine einmal gefafste

j Lieblingsidee a tont prix zu vertheidigen. Wer daher

| nicht fchon von anderwärts her orientirt ift, erhält durch

i feine Behandlung ein völlig fchiefes Bild von der Sache.

S Und es ift nicht zu verwundern, wenn fchwache Gemüther
ihm unbedingt zugeftimmt haben. Denn einem

| Lefer, der nicht fehr feft auf eigenen Füfsen flehen gelernt
hat, mufs bei diefem Hexenfabbath von Citaten
allerdings fchwindlig zu Muthe werden, und er wird
bald geneigt fein, fich dem Verfaffer auf Gnade und Ungnade
zu ergeben, um nur der Qual überhoben zu fein,