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Ausgabe:

1878

Spalte:

153-158

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pfaff, Friedr.

Titel/Untertitel:

Das Alter und der Ursprung des Menschengeschlechts 1878

Rezensent:

Diestel, Ludwig

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 7. 30. März 1878. 3. Jahrgang.

Güttier, Naturforfchung und Bibel In ihrer

Stellung zur Schöpfung (Oieftel).
l'faff, DasAlter und derürfprungdes Menfchen-

gefchlechts (Derf).
Keufch, Die biblifche Schöpfungsgefchichte
und ihr Verhältnifs zu den Ergebnifsen der
Naturforfchung (Derf.t.
Dawfon, Die Natur und die Bibel (Derf.).
Zart, Bibel und Naturwifienfchaft in ihrem
gegenfeitigen Verhältnifse dargeftellt (Derf.)

De Saulcy, Dictionnaire topographique abregd

de la Terre Sainte (Furrer).
Gutberiet, Das Buch Tobias überfetzt und

erklärt (Schürer).
Kolde, Walther von der Vogelweide in feiner

Stellung zu Kaifertum und Hierarchie (G.

Baur).

Friedrich, Gefchichte des Vatikanifchen Konzils
, i. Bd. Vorgefchichte bis zur Eröffnung

Zöckler, Gefchichte der Beziehungen zwifchen ' des Konzils (1 litt).

Theologie und Naturwiffenfchaft, (. Abth. i Manssen, Het Christendom en de Vrouw.
(Derf.). Historisch-apologetische Studie (Kaftan).

Schweizer, Die chriftliche Glaubenslehre nach
proteftantifchen Grundfätzen dargeftellt. 2 Bde.
2. Aufl. (Lipfius). .

Bantz, Die Lehre vom Auferflehungsleibe nach
ihrer pofitiven und fpeculativen Seite dargeftellt
, Fortf. u. Schlufs (Kaftan).

Lipfius, Schultz, Koehler,Wiffenfchaftliche
Vorträge über religiöfe Fragen (Kraufs).

Funcke, St. Paulus zu Waffer und zu Land
(Lindenberg).

Neue Volks-Bibliothek, 2. Serie 11—18. Heft
(Lindenberg).

1. Güttier, Dr. Carl, Naturforschung und Bibel in ihrer
Stellung zur Schöpfung. Eine empirifche Kritik der
mofaifchen Urgefchichte. Freiburg i/Br. 1877, Herder.
(VIII, 343 S. gr. 8.) M. 4- -

2. Pf äff, Prof. Dr. Friedr., Das Alter und der Ursprung
des Menschengeschlechts. [Zeitfragen des chriftlichen
Volkslebens 2. Bd. 2. Hft] Frankfurt a/M. 1876,
Zimmer. (44 S. gr. 8.) M. I. —

3. Reusch, Prof. Dr. Heinr., Die biblische Schöpfungsgeschichte
und ihr Verhältniss zu den Ergebnissen der
Naturforschung. (Ein Auszug aus des Verf.'s gröfserm
Werk ,Bibel und Natur', 4. Aufl. Bonn 1876.) Bonn
1877, Weber. (VII, 197 S. gr. 8., M. 2. 50.

4. Dawson, Dr. J. W., Die Natur und die Bibel. Eine
Reihe von Vorlefungen, gehalten zu New-York im
Dezember 1874, in Veranlaffung der Morfe-Stiftung
des Theologifchen Unions-Seminars. Aus dem Eng-
lifchen. Bevorwortet von Prof. D. O. Zöckler. Mit
10 Holzfchn.-Taf. Gütersloh 1877, Bertelsmann.
(XII, 176 S. 8.) M. 2. 50.

5. Zart, Guft., Bibel und Naturwissenschaft in ihrem
gegenfeitigen Verhältnifse dargeftellt. Berlin 1878,
Grieben. (VII, 118 S. gr. 8.; M. 2. —

6. Zöckler, Prof. D. ()., Geschichte der Beziehungen zwischen
Theologie und Naturwissenschaft, mit befon-
derer Rückficht auf Schöpfungsgefchichte. I. Abth.:
Von den Anfängen der chriftlichen Kirche bis auf
Newton und Leibnitz. Gütersloh 1877, Bertelsmann.
(XII, 779 S. gr. 8.) M. 12. —

Die sub 1. 3. 4. genannten Schriften gehen von
dem Satze aus, dafs ,die Bibel' als Ganzes für den chrift-

wirklichen Wiffens einräumen und die Ueberzeugung vertreten
, dafs die geficherten Ergebnifse der Naturwiffen-
fchaft mit der ,Offenbarung' nicht im Widerfpruche
flehen können. Bringen wir die religiöfe Form ihrer
Anfchaung nicht in Anfchlag, fo kommen fie einem von
Vielen gefühlten Bedürfnifse entgegen und leiften jede
in ihrer Art recht Beachtenswerthes. Jüngeren Theologen
, wie namentlich frommen Laien werden fie er-
wünfehte Wegweifer fein aus einer Fülle verwirrender
Zweifel.

Die erftgenannte Schrift verräth einen mit natur-
wiffenfchaftlichen Kenntnifsen tüchtig ausgerüfteten Ver-
faffer, foweit fich Ref. hier als Laie ein Urtheil zutrauen
kann. Er vergleicht Kosmogonie, Geogonic, Aftronomie,
die Paläontologie, Anthropologie und Chronologie nach
einander mit den Aeufserungen der Bibel und findet überall,
dafs die wirklich feften Ergebnifse der Naturforfchung
der Bibel nicht widerftreiten. Gleichwohl theilt er nicht
die Anficht von der Infpiration, welche in natürlichen
Dingen jede übernatürliche Erleuchtung abweift. Die
letztere umfafst wohl zuerft die religiöfen Wahrheiten,
aber weiter auch das ,naturviffcnfchaftliche Gebiet
ebenfo wie das hiftorifche und chronologifche', aber nicht
fo, dafs .durch die biblifchen Schriftfteller befondere an-
tieipirende Auffchlüffe über Probleme der menfehlichen
Forfchung gegeben werden follen, fondern fie beweift
nur, dafs der buchftäbliche oder erlaubte tropifche Sinn
der heil. Urkunden als von Gott herrührend mit den Fundamentalfätzen
der Wiffenfchaft in Uebereinftimmung
fein mufs'. Die Befchränkung auf die Fundamentalfätze
und der ,erlaubte tropifche Sinn' ebnen ihm leicht die
Bahn zur Harmonie zwifchen Bibel und Naturwifienfchaft.
So vereinigen fich (S. 25) z. B. die Antithefen beider
Seiten zu dem Satze: ,Am Anfang fchuf Gott die Materie
, aus der fich das Weltall nach feinem Willen, den
Naturgefetzen, bildete'. S. 38: ,Am gerathenften bleibt
es, das Hexaemeron von der mit dem Menfchen beginnenden
Chronologie zu fcheiden und die fechs Schöpflichen
Glauben eine unmittelbare Auctorität fei. Mit ; ungstage — als fechs logifch und zeitlich zu unter

der Anficht dagegen,, dafs nur die Urkunde des Chriften
thums diefe Auctorität liefere, dafs demgemäfs zuerft
das Natur- und Weltbild, fo weit es integrirendes Moment
der Religion Ifraels ift, zu ermitteln wäre und dann
zu fragen fei, wie weit es von der Urkunde refp. den
Principien des Chriftenthums aufgenommen werde, fetzen
fie fich nicht näher auseinander. Eine wiffenfehaftliche

fcheidende Entwickelungsphafen der Schöpfung aufzu-
faffen'. In ähnlicher Weife werden die andern Diffo-
nanzen befeitigt. Seine Kritik der verfchiedenen Theorien
(Sündfluths-Reftitutions-Concordanz-Th.)ifl meift recht
treffend ; feine eigne Faffung, die er als Mifchung der
realen und rein idealen Concordanz bezeichnet, bleibt
etwas unklar. Sehr intereffant ift, dafs der Verf., in

Richtung dagegen halten fie infofern inne, als fie die I Uebereinftimmung mit einigen Jefuiten, zwar auch die
Möglichkeit eines durch Naturforfchung zu gewinnenden j Chronologie für infpirirt, aber für unrichtig überliefert er-

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