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Ausgabe:

1878

Spalte:

137-138

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Linsenmayr, Ant.

Titel/Untertitel:

Entwicklung der kirchlichen Fastendisziplin bis zum Konzil von Nicäa 1878

Rezensent:

Harnack, Adolf

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lcnverzeichnifs, vermag Ref. dem Abfchnitt S. 19—93 »'cht
fehr viel Lehrreiches abzugewinnen; denn die Frageftel-
lungen find fehr oft fchief und verworren und die Beurtheil-
ungen der einzelnen loci unrichtig. So wird (S. 21) aus
dem Brief des Irenaus an Victor gefchloffen, dafs die
erfte Entwickelung der kirchlichen Faftordnung auf die
apoftol. Zeit zurückgeht, fo wird (S. 22) die Unterfchei-
gegen die Anwendung, die er von diefen richtigen Grund- 1 dung eines uaoyu ävaoraotfxov und ozavgiooifiov für das
fätzen thatfächlich gemacht hat. Von der Befchaffen- i apoftol. Zeitalter in Anfpruch genommen. Ep. Barn. 7

müffc man fie — dies war feine Ueberzeugung — vor
Allem auch als echt menfehliche Producte aus der Situation
heraus, in der fie entftanden find, zu begreifen
fuchen. Darum fei ein befonderes Augenmerk namentlich
auf die Untcrfuchung des Zweckes, den jeder
Schriftftcllcr mit feinem Werke verfolgte, zu richten.
So löblich nun dies Alles ift, fo feltfam verkehrt ift da-

heit feiner Refultate nur ein Beifpiel. Aus Justin. Tryph.
c. 108 und Euseb. Covnncnt. in Jesaj. 18, 1 entnimmt er,
dafs das jüdifche Synedrium zur Zeit der Apoftel ein
Circularfchreiben an die gefammte Judenfchaft aufserhalb
Paläftina's erlaffen habe, in welchem allerlei verläum-
derifche Befchuldigungcn gegen das Chriftenthum enthalten
gewefen feien. Unfcr Matthäus-Evangelium hat
nun keinen andern Zweck, als den: diefem Rundfchrci-
ben des Synedriums entgegen zu wirken! Beweis:
Matth. 28, 11 —15. Aehnliche Entdeckungen macht Aberle
auch in Betreff der übrigen Evangelien und der Apo-
ftelgcfchichte. Ueberall fehen wir jenen, um feiner
Schärfe willen bewundernswerthen, dabei aber völlig un-
unfruchtbaren Spürfinn walten, der das Gras wachfen fieht
und darüber vollftändig den Blick verliert für die ein-
fachften Gröfscnverhältnifse der Natur. Ein wirklicher
Gewinn wird darum aus diefer Arbeit nur feiten zu
ziehen fein.

Leipzig. E. Schürer.

foll für ein Jahrcspaffa und damit verbundenes Faften
zeugen (S. 23); aus Just., Apol. 1, 61 foll dasfelbe folgen
(S. 24). Der Verf. erklärt den Abfchnitt vom Ofterfaiten
bei Irenaus [Euseb. h. e. V, 24) nach Valefius und Grabe
(S. 25—3ij; aber wären dort 40 Stunden und nicht Tage
gemeint, fo wäre fchwer zu verliehen, weshalb Irenäus,
nachdem er fchon ein mehrtägiges Faften erwähnt, die
Angabe von einen 4oftündigen nachgebracht, anderer
Schwierigkeiten zu fchweigen. Wie fchwankend noch
die ganze kirchliche Faflenpraxis ift, zeigt neben Irenäus
vor allem Dionyfius v. Alex, in feinem Brief an Bafilides;
Alles, was der Verf. S. 31 f. u. S. 39 f. gegen Dalläus
und feine Nachfolger bemerkt, ift in der Hauptfache
durchaus unftichhaltig, fo wenig Uebertreibungen bei
Dalläus in Abrede zu ftellen find. Er hat kein ficheres
Zeugnifs für die allgemeine Reception der Quadragesima,
welches vornieänifeh wäre, anführen können, obgleich
er auch fie bis in das apoftol. Zeitalter zurückdatirt.
Dicfes Kunftftück bringt die Zuverläffigkeit feiner
Porfchung um allen Credit; Ref. hat nicht Luft, die
Fehler hier der Reihe nach aufzudecken; nur foviel wird
Linsenmayr, Katech. Benefiz. Ant., Entwicklung der dem Verf. zuzugeftehen fein, dafs die Quadragesima
kirchlichen Fastendisziplin bis zum Konzil von Nicäa. vielleicht fchon mehr als ein Jahrhundert vor dem
Von der theologifchen Fakultät zu München gekrönte Nicänum in einzelnen Provincialkirchen oder in ein-

Preisfchrift. München 1877, Stahl. (VII, 147 S. gr. 8.) ' f|ncn K 1?°" fin£chalt,cn worfd,cn ^ .}Ye

" ■ fchwankend aber auch noch in nachmcanifcher Zeit die

™- 2- S°- Fafteninftitutionen waren, ift allbekannt (f. S. 61 —

Nach einer Einleitung über die Faftenübungen des j 63). Vorfichtiger ift der Verf. bei Ermittelung des Ur-

Ileidcnthums und des Judenthums und über die ,Ver- 1 fprungs des Quatemberfaftens (S. 63—71) gewefen, und

wirklichung der relig.-fittlichcn Idee des Faftens im die Ausführungen über die Bildung der kirchlichen Woche

Chriftenthum' (S. 1 —18) handelt der Verf. 1) von den [ (S. 91—94) find gelungener, wenn auch die verfchiedenen

Zeiten des Faftens (Faftcnzeiten des Kirchenjahrs, Auffaffungen des Sonnabends, die in der alten Kirche

Faften als unmittelbare Vorbereitung zu Cultacten, Faften fich kreuzten, in ihrer hiftorifchen Beziehung deutlicher

in aufserordenthehen Veranlaffungen S. 19—109); 2) von hätten hervortreten müffen. Aus den Abfchnitten S. 94—

den Modalitäten des Faftens (Dauer desfelben und 136 "ff manches zu lernen. Wie viel mehr und interef-

eiborum dclectus S. 110—125); 3) von der Verbind- fanteres hätte der Verf. überhaupt* fagen können, wenn

lichkeit desfelben (Allgemeines Gebot; objectiver Um- er nicht immer durch die Rückficht auf den Abfchlufs

fang der Verbindlichkeit und fubjectiver Umfang des ! der Entwicklungen geleitet worden wäre! Darum ift

Faftengebotes S. 126—136); 4) endlich von den häre- auch der 4. Hauptabfchnitt fo überaus dürftig gerathen.

tifchen Gegenfätzen und deren Ueberwindung . Die Abhängigkeit der Faftengebote von der Lehrentwick-

(Judaifirende Richtungen; gnoftifch-rigoriftifche und -anti- lang der Kirche ift dem Verf. eben kein Problem —

nomiftifche Disciplin S. 137—147;. In der Einleitung denn Lehrentwicklung giebt es nicht.

find allerlei Notizen bunt zufammengeffcllt, ohne dafs Leipzig. Ad. Harnack.

die verfchiedenen und mannigfaltigen Motive, die zum

f aften geführt haben, deutlich hervortreten, und während Weizsäcker, Prof. Dr. Carl von, Lehrer und Unterricht

der Verf. im 2. Cap. ziemlich ausführlich auf die Stellung an der evangelisch-theologischen Facultät der Universität

Jcfu eingeht fchweigt er über Paulus. Aber gerade: hier war Tübingen von der Reformation bis zur Gegenwart

eine Untcrfuchung um fo mehr geboten, als der Verf. , r ■ , . „__, m c . °

den Nachweis liefern will, dafs der Urfprung der kirchl. befchneben. Tubingen 1877, Pues. (172 S. 4.) M. 3. 80.

Fafteninftitutionen fchon in das apoftolifche Zeit- Vorliegendes ,Feftprogramm der ev.-theol. P'acultät'

alter zu datiren fei. So wenig nun in Abrede gcftellt zur vierten Säcularfeier der Univerfität liefert eine Ge-

werden kann, dafs von den Chriften von Anfang an und fchichte diefer P'acultät, welche wohl für die weiteften

zu allen Zeiten gefaltet worden ift, fo wenig läfst fich theologifchen Kreife von hohem Intereffe fein dürfte,

nachweifen, dafs die Pafteninftitutioncn des 4. Jahrh.'s namentlich in der Art und Weife, wie die allmähliche

auch nur in den Hauptmomenten fchon in der früheren Entwickelung von Inhalt und Umfang des theologifchen

Zeit allgemein gegolten haben. Der Verf. mufs darum Unterrichtes gezeichnet wird. Hierin dürfte die vorliegende

bei feiner Stellenfammlung fortwährend an nachnieänifche Arbeit faft einzig daftehen, da diefe Seite in der treff-

Väter appellircn. Die Berufung auf Bafilius (/tot//. I de liehen Arbeit von Heppe über die Marburger thcol. Fa-

jejun.), der in Bezug auf das P'aften geäufsert: nüneg o'i cultät mehr zurücktritt und Tholuck in feiner reichhaltigen

uyioi i'ttt7itg tivu v.h]gav 71azgtftoi> diadtgtltitvoi o'vzcj dierpv- Darftellung des thcol. Unterrichtes im 17. Jahrh. die ge-

Ä«£«i< aazijQ 7iaiöi ttagudidnvrsg, foll diefes Verfahren, fchichtlichen Zufammcnhänge nach rückwärts und vor-

wclches für die traditionelle Bcurtheilung der 3 erften Jahr- wärts nicht ins Auge fafst. Die Lehrordnung von 1525

hunderte charakteriftifch ift, entfchuldigen, macht aber die beftimmt den Vortrag der gefammten Exegefc und der

Sache nur ärger. Aufser einem ziemlich vollltändigen Stcl- Sentenzen des Lombardus; die reformatorifche Ordnung