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Ausgabe:

1878

Spalte:

105-107

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Heinr. Aug. Wilh.

Titel/Untertitel:

Kritisch exegetischer Kommentar über das Neue Testament. 1. Abth. 2. Hälfte: Die Evangelien des Markus und Lukas. 6. Aufl., neu bearb. v. Bernh. Weiß 1878

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hlnrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 5. 2. März 1878. 3. Jahrgang.

M eyer, Die Evangelien des Markus und Lukas,

neu bearb. v. Weifs (Schürer).
Overbeck, Ueber die AuffalTung des Streits

des Paulus mit Petrus in Antiochien (Gab 2,

Ii IT.) bei den Kirchenvätern (Hamack).
Rode, Gefchichte der Reaction Kailer Julians

gegen die chrifUiche Kirche (Hamack).
Kettle well, The Authorship of the De Imi-

tatione Christi (Möller).
Ernesti, Praelectiones in Libros synibolicos

ecclesiae Lutheranae, Vol. I., herausg. v.
Redling (Pütt).

Bender, Friedrich Schleiermacherund die Frage
nach dem YVefen der Religion (Nitzfeh).

Scheurl, Die Entwicklung des kirchlichen Ehe-
fchliefsungsrechts (Koehler).

Dieckhoff, Die kirchliche Trauung (Derf.).

Uhlhorn, Gnade und Wahrheit. Predigten
über alle Epifleln und Evangelien des Kirchenjahrs
, I, 1. 2. II, 1. (Meier).

Gerhard's Enchiridion confolatorium, aus dem
Lat überf. v. Böttcher (Härtung).

,Halte was du hall', Zeitfchr. f. Pafloral-
Theologie, hrsg. v. Oehler, 1. Jahrg.
(Härtung).

Vorwärts, Zeitfchr. f. praktifches Chriflenthum,

hrsg. v. Ebel, 1. Hft. (Derf.).
Luthardt, Gefammelte Vorträge verfchiedenen

Inhalts (Lindenberg).

Meyer, Dr. Heinr. Aug. Wilh., Kritisch exegetischer j Es ift wohl keine Seite unverändert geblieben. Häufig
Kommentar über das Neue Testament. I. Abth. 2. Hälfte: ift dabei die Meyer'fche Anficht, die Weifs fich nicht

n- t7 ,„ „ r j „ i/r 1 j t a A,,fl 1 aneignen konnte, zwar unter Meyer's Namen ausführlich

Die Evangelien des Markus und Lukas, o. Autl., . & ., l. »■ , / ,

lammt ihrer Begründung mitgetheilt, aber dann durch

neu bearb. von Dr. Bernh. Weifs. Göttingen 1878
Vandenhoeck& Ruprecht. (VIII, 608 S. gr. 8.) M. 8.—
Seit dem Heimgange Meyer's (1873) waren bisher
unter den von ihm fclbft bearbeiteten Theilen feines
Commentares nur zwei in neuer Auflage erfchienen: der

Weifs bekämpft und durch feine eigene Auslegung
erfetzt worden. Am feltenften ift dies wohl bei den
fprachlichen Anmerkungen gefchehen, die ja die Haupt-
ftärke Meyer's waren. Doch find auch hier zuweilen
Einfeitigkeiten der philologifchen ,Akribie' Meyer's, wie

neunte 'Philipper-, Koloffer- und Philemonbrief 1874 z. B. die Meinung von dem ausnahmslofen finalen Ge-

und die erfte Abtheilung des erften (Matthäus 1876). j brauch von 'iva, da wo es nöthig war, befeitigt. Mehr

Beide enthielten noch durchaus die eigene Arbeit Meyer's. j Anlafs zu Aenderungen gaben fchon die Bemerkungen

Der nun vorliegende Commentar zu Marcus und Lucas [ über das Textverhältnifs der fynoptifchen Parallelen zu

in durchgängig neuer Bearbeitung von Weifs ift fomit I einander. Zwar ftehen hier Meyer und Weifs infofern

die erfte Abtheilung des ganzen Werkes, welche eine
Neubearbeitung von der Hand eines Andern erfährt. Es
braucht nicht erft gefagt zu werden, dafs die Arbeit
kaum in eine kundigere Hand hätte gelegt werden

auf demfelben Standpunkt, als beide mit Verwerfung
eines Urmarcus unfern Marcus für das ältefte der kano-
nifchen Evangelien erklären. Aber Weifs nimmt bekanntlich
eine Benützung der fog. ,apoftolifchcn Quelle'
können, als in diejenige des Herausgebers, dem unter durch unfern Marcus an, und konnte es nicht umgehen,
den Wortführern auf dem Gebiete der fynoptifchen diefe feine Anficht zuweilen zur Geltung zu bringen.
Literatur nur noch Holtzmann den Rang ftreitig machen ; Die meiften Aenderungen find aber endlich dadurch herkann
. Die Grundfätze, nach welchen Weifs bei der beigeführt, dafs Weifs den Sinn und Zufammenhang des
Bearbeitung verfahren ift, werden fich des Beifalls aller j Textes anders auffafste als Meyer. Man wird hier
derer erfreuen, die da wünfehen, dafs die Mcyer'fchen | natürlich in vielen Fällen getheilter Anficht fein können.
Commentare wirklich unter uns fortleben. Der' Heraus- Aber Ref. ficht nicht an, namentlich bei der Wiedergabe
geber hat mit dem Meyer'fchen Texte keinen ,litcrarifchen j des Sinnes und Zufammenhanges der Ausfprüche, Para-
Götzendienft' treiben wollen (S. VI), fondern ift in fehr j beln und Reden Jefu die Wcifs'fche Auffaffung häufig
freier Weife mit demfelben verfahren. Ueberall, wo ! für eine Verbefferung der Meyer'fchen zu erklären. Wer
Aenderungen und Verbefferungen nöthig fchienen, find einmal die Commentare zu Matthäus von Meyer und
diefe angebracht worden, ohne als folche bemerklich Weifs mit einander verglichen hat, wird fich auch übergemacht
zu werden, fo dafs nun zwifchen dem Meyer'- zeugt haben, dafs Weifs für diefe Dinge ein entfehieden

Ichen Texte und den Weifs'fchen Aenderungen nirgends
unterfchieden wird — mit Recht, denn nur auf diefe
Weife ift es möglich, folchen Werken noch auf längere
Zeit hinaus ihre praktifche Brauchbarkeit zu fichern.

feineres Verftändnifs hat, als Meyer, deffen Verftändnifs
in der Regel da aufhört, wo man mit Grammatik und
formaler Logik nicht mehr ausreicht. Ref. ift wenigftens
der Anficht, dafs —■ nächft der Akribie in den text-

Die Aenderungen, welche Weifs für nöthig hielt, kritifchen Fragen — gerade in den feinen Nachweifungen

find fehr zahlreich und z. Th. fehr durchgreifender Art.

über Sinn und hanern Zufammenhang der Ausfprüche

Vor allem fällt in die Augen die völlige Neubearbeitung Jefu der Hauptwerth der Weifs'fchen Commentare befteht.
der textkritifchen Noten. Bei Meyer war dies entfehieden ! In diefer Hinficht hat denn auch die vorliegende Bear-
die fchwächfte Seite des Ganzen. Um fo willkommener beitung von Meyer durch ihn theils werthvolle Ergän-
ift nun gerade bei diefen Abfchnitten die Neugeftaltung zungen theils Berichtigungen erfahren. Dies fchliefst
durch Weifs, der fchon in feinen Commentaren zu nicht aus, dafs Ref. in einer Anzahl von Fällen auch
Matthäus und Marcus die Richtigkeit feiner Grundfätze J wieder auf Meyer's Seite fteht; fo z. B. in der Auslegung

von Marc. 2,23 ndöv noielv xi'K'kovxig tovs atayyac. Aber
in folchen Einzelheiten werden die Anflehten da und
dort ja immer aus einander gehen. — Am wenigften er-

und die wohlthuende Sicherheit feiner Methode auf diefem
Gebiete hinreichend erprobt hat. Eine praktifche Neue
rung ift auch die Zertheilung des textkritifchen Commen

tares in kleinere Abfchnitte, da die Meyer'fche Gewohn- I freulich erfcheint Ref. die Ümarbeitung der hiftorifch

heit, den Apparat für ein ganzes Capitel an einer Stelle
zu geben, allzufchr zum Ueberfchlagen diefer unerquicklichen
Partien einlud. — Nicht in demfelben Mafse, aber

kritifchen Anmerkungen, die Meyer an einzelnen Punkten
namentlich in der Kindheitsgefchichte eingeftreut hat.
Die Corecturen, die Weifs im confervativen Intereffe

doch auch fehr vielfach verändert ift die Auslegung felbft. | hier angebracht hat, vermag ich nicht für eine Verbef
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