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Ausgabe:

1878

Spalte:

73-74

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zschokke, Herm.

Titel/Untertitel:

Theologie der Propheten des Alten Testamentes 1878

Rezensent:

Smend, Rudolf

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint ( Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'iche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 4. 16. Februar 1878. 3. Jahrgang.

Zfchokke, Theologie der Propheten des Alten

Teftaments rSmend).
Müller, Des Flavius Jofephus Schrift gegen den

Apion (Schürer).
Dill mann, Ascensio Isaiae Aethiopice et Latine

cum prolegomenis adnotationibus etc. edita

(Harnack).

Patrum apostolicorum Opera, recensuerunt Gebhardt
, Harnack, Zahn. Editio minor
(Möller).

Hahn, Bibliothek der Symbole und Glaubensregeln
der alten Kirche, 2. Ausg. (Harnack).

Kaufmann, Gefchichte der Attributenlehre in
der jüdifchen Religionsphilofophie des Mittelalters
(Simonfen).

Preffel, Das Evangelium in Spanien (Plitt).

Plitt, Die Albrechtsleute oder die evangelifche
Gemeinfchaft (Kern).

Martens, Die Beziehungen der Ueberordnung,
Nebenordnung und Unterordnung zwifchen
Kirche und Staat (Koehler).
.Gareis und Zorn, Staat und Kirche in der
Schweiz, I. Bd. (Koehler).

Richter, Die Kirchengemeinde- und Synodal-
Ordnung für die evangelifche Landeskirche
Preufsens (Koehler).

Curci, II moderno dissidio tra la Chlesa e
l'Italia (Benrath).

Vaihinger, Hartmann, Dühring und Lange
(Pdeiderer).

Kym, Metaphyfifche Untersuchungen (Pflei-
derer).

Anhuth, Das wahnfinnige Bewufstfein und die
unbewufste Vorftellung (Plleiderer).

Zschokke, Hofkapl. Prof. Dr. Herrn., Theologie der Propheten
des Alten Testamentes. Freiburg i. Br. 1877,
Herder. (XIII, 624 S. gr. 8.) M. 9. —

Eine Theologie der Propheten von der Hand eines

fondern auch die ganze Naturanfchauung der Propheten
Platz finden mufs. So wird z. B. unter der Lehre von
den Gefchöpfen die ganze Natur- und Menfchenwelt bis
auf alle Thiere, Pflanzen und Mineralien, fowie fämmt-
liche Körpertheile und Seelenfunctionen des Menfchen
der beften katholifchen Ausleger des A. T. hat von j ausführlich abgehandelt und an ihnen unter Anführung
vornherein Anfpruch auf unfer Intercffe. Zudem ift das 1 fämmtlicher Stellen die prophetifche Ausdrucks- und
vorliegende Werk wirklich, wie der Verf. fagt, die Frucht Vorftellungsweifc illufirirt. So wunderlich fich freilich
langjähriger Arbeit und legt auf jeder Seite Zeugnifs diefe Zufammenftellungen im Zufammenhang des Buches
davon ab, dafs der Verf. nicht nur den Stoff der pro- ausnehmen, fo beruht doch wohl gerade in ihnen der
phetifchen Bücher vollftändig beherrfcht, fondern auch 1 bleibende Werth desfelben. Man könnte es hiernach

eine Zufammenfaffung des ganzen wiffenswerthen Inhalts
der prophetifchen Bücher nennen, wenn nicht die Per-
fönlichkeit der Propheten und ihre Stellung in der Gefchichte
Ifraels fo völlig aufser Acht gelaffen wäre.
Ueberhaupt aber verliehen wir nach alledem nicht, mit
welchem Recht der Verf. die Theologie der Propheten
von der des Gefetzes und der Chokma trennen will. In
der oben befchriebenen Weife alle drei zugleich abzuhandeln
, könnte doch höchftens der übergrofse Umfang
des Materials hindern. Diefelbe Unklarheit zeigt fich
freilich auch im Einzelnen in hohem Grade, wofür ich
nur auf die Ausführungen über die Heiligkeit und das
Wefen der Prophetie verweifen will.

mit der einfehlägigen neueren Literatur in hohem Grade
vertraut ift. Er wünfeht, dafs die A. Tl. Theologie
fortan von katholifchcr Seite mehr gewürdigt werde, als
das bisher gefchehen fei, und hat keinen Fleifs gefpart,
an feinem Theile dazu beizutragen. Dabei trägt er kein
Bedenken offen einzugeftehen, wie viel man katholifchcr
Seits hierin von evangelifchen Theologen lernen könne,
indem er nicht nur in den Anmerkungen bei jeder Gelegenheit
auf die proteftantifchen Quellen, aus denen er
gefchöpft habe, verweift, fondern öfter felbft im Tenor
des Textes Männern wie Delitzfch und Oehler das Wort
leiht. Ebenfo angenehm finden wir uns dadurch berührt,
dafs er den Urtext, ,der viele Stellen viel prägnanter

als die Vulgata ausdrücke', zu Grunde legt. Freilich I Halle aS. Rudolf Smend

fürchten wir, dafs fein Werk gerade diefer Unbefangenheit
wegen in katholifchen Kreifen keine beffere Aufnahme
finden wird als f. Z. J. König's Theologie der
Pfalmen (Freiburg 1857). Und wirklich ift eben diefe
an fich fo lobenswerthe Unbefangenheit des Vcrfaffcrs
feine Schwäche, die fich fchon in der ganzen Anlage des
Buches zeigt. In der Einleitung verlangt er für die Behandlung
der A. Tl. Theologie die hiftorifch-genetifche
Methode und will fie deshalb mit Oehler nach den drei
Entwickelungsftufen des Gefetzes, der Prophetie und
Chokma dargeftellt wiffen. Vergeblich aber fucht man
im ganzen Buche nach der Durchführung diefes Gedankens
; an feine Stelle tritt ohne Weiteres der andere,
dafs die N. Tl. Wahrheit ihrem Kerne nach fchon im
A. T. vorhanden und nur durch allerlei Hüllen ver-
fchleiert fei. Deshalb ift denn auch von einer Verglei-
chung des prophetifchen Standpunkts mit dem Gefetze
und der Chokma nicht die Rede, fondern ohne weiteres
trägt der Verf. den Stoff der prophetifchen Bücher in
das Schema der fcholaftifchcn Dogmatik ein, fo dafs die
Prophetie nun faftan's Ende zu flehen kommt. ImWefent-
lichen geftaltet fich deshalb das Werk zu einer Sammlung
der prophetifchen Belegftellen für die Dogmatik,
in der aber unter den einzelnen dogmatifchen Rubriken
nicht nur Excurfe eigentlich biblifch-theologifchcr Art,

Müller, Prof. Dr. J. G., Des Flavius Josephus Schrift gegen
den Apion. Text und Pirklärung, aus dem Nachlafs
herausgegeben durch Prof. C. Joh. Riggenbach und
Prof. Conr. von Orelli. Bafel 1877, Bahnmaier.
(III, 394 S. gr. 8.) M. 9. -

Die Schrift des Jofephus gegen Apion ift, abge-
fehen von dem reichen hiftorifchen Material, das fie in
bunter Fülle darbietet, für den chriftlichen Theologen
hauptfächlich auch darum von Intereffe, weil fie uns den
beften Einblick verfchafft in den Kampf zwifchen Judenthum
und Heidenthum auf geiftigem, infonderheit auf
literarifchem Gebiete — einen Einblick, der deshalb noch
von befonderem Werthe ift, weil wir dabei fehen, dafs
die jüdifche Apologetik theilweife fchon Wege einfehlägt
und Grundgedanken durchführt, denen wir dann bei den
chriftlichen Apologeten wieder begegnen. Wie die Angriffe
und Vorwürfe der heidnifchen Bildung gegenüber
dem Judenthum und dem Chriftenthum vielfach diefelben
waren, fo hatten auch die jüdifche und die chriftliche
Apologetik theilweife wenigftens diefelben Wege zur
Vertheidigung einzufchlagen. Namentlich ein Grundgedanke
ift es, auf den beide ein grofses Gewicht legen,

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