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Ausgabe:

1878

Spalte:

43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ahlfeld, Fr.

Titel/Untertitel:

Der christliche Hausstand. Eine Hochzeitsgabe in Predigten. 5. verm. Aufl 1878

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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43

Theologifche Literabirzeitung. 1878. Nr. 2.

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— Als Zweck der Predigten bezeichnet Verf., die Ausübung
der praktifchen Frömmigkeit zu fördern. Dazu
erfcheint Verf. befonders befähigt durch eigene Erfahrung
und praktifche Beobachtung. Eine Hand voll Erfahrung
wirkt mehr als ein Sack voll geiftreicher Einfälle. Von
feiner Beobachtung nur ein Beifpiel. In der Predigt über
das Gebet heifst es (p. 31): Die Verächter des Gebets
fagen, dasfelbe fei wirkungslos, und doch fürchten ihrer
viele eigentlich die Macht feiner Wirkungen. Mancher
weifs ganz gewifs: wenn du jetzt, in diefem Augenblick
der Verfuchung, der Sinnenerregung ernftlich beteteft,
dann würde der Taumel der Sünde weichen, dann wür-
deft du deine böfe Luft, deinen Zorn, deine Rache nicht
ausüben. Er vermeint der Sünde nicht widerftehen zu
können, er kämpft gegen diefelbe, er kennt ein Mittel,
das ihm helfen würde und — er braucht diefes Mittel
nicht, eben weil es ihm helfen würde'. — In ähnlicher
Weife findet jeder geiftige Zuftand, jeder Beruf, jedes
Alter feine Beachtung.

Zur Charakterifirung heben wir zwei Predigten heraus
. Zunächft Nr. V: Jefu Freude über der Klugen Verblendung
Luc. 10, 17—21. 1) wird die Schwierigkeit
diefes Ausfpruchs_dargelegt, da wir mit gröfserem Rechte
die Verblendung der Gebildeten als das gröfste Hemm-
nifs für das Reich Gottes betrachten. 2) Nachdem ausweichende
Erklärungen abgewiefen find, legt Verf. dar,
dafs der Glaube nicht unter der Klugheit, fondern über
derfelben flehe, indem er fich nicht nur an das Denken,
fondern an den ganzen Menfchcn, infonderheit Gemüth
und Willen richte. Darum kann die einfeitige Klugheit,
welche die Forderungen des Gemüths und Willens über-
fieht, ihn nicht faffen; und das eben ift der Vorzug des
Evangeliums. — An dem Bau diefer Predigt ift auszu-
fetzen, dafs der Gedanke sub 1 den transitus bilden mufs,
während Nr. 2 erft das Thema bringt; aber die Gedanken
find vortrefflich.

Weiter führen wir an Nr. XVII. Vom Leid durch
fremde Sünden. Joh. 9, I — 3. 1) Auch folches Leid
kommt von Gott, 2) oft find wir mitfchuldig bei fremden
Sünden, 3) der Gedanke an folches Leid mufs uns von
Sünden abfehrecken, 4) zugleich treibt er uns mächtig
zur Arbeit am Gottesreich, 5) aus der Gemeinfchaft mit
andern Menfchen empfangen wir mehr Segen als Leid.

Diefe Beifpiele zeigen, dafs der Verf. felbftändig
denkt und tief gräbt. Kein Leidender wird dies Buch ohne
Stärkung aus der Hand legen; wir find dem Verf. für
feine Gabe zu Dank verpflichtet.

6. Ahlfeld, Paft. D. Fr., Der chriftliche Hausftand.
Eine Hochzeitsgabe in Predigten. 5. verm. Aufl. Halle
1877, Mühlmann. (XI, 242 S. 16.) M. 2. 80.
Ahlfeld's Predigten über den chrifllichen Hausftand
erfcheinen bereits in fünfter Auflage. Sie empfehlen fich
alfo durch fich felbft.

Hamm. Lic. Sachfse.

Meier", Superint. Confift.-R. D. Ernft Jul., Wir sahen seine
Herrlichkeit. Predigten. 1. Sammlung. 2. durchgefeh.
Aufl. Leipzig 1877, Teubner. (IX, 392 S. gr. 8.)
M. 5. —

Diefe zweite Auflage der zuerft im Jahre 1870 er-
fchienenen erften Sammlung Meier'fcher Predigten enthält
27 Predigten, unter denen zwei zu Miffionsfeften und eine zum
Guftav-Adolphsfefte gehalten wurden. Die übrigen find
vor der Gemeinde des Verf.'s in Dresden gehalten, und
zwar in der letzten Hälfte der fechziger Jahre. Sie find
wie bei dem erften Erfcheinen dem Andenken eines
heimgegangenen Freundes gewidmet. Wir haben neulich
bei der Anzeige der zweiten Sammlung von Predigten
des Verfaffers (Theol. Literaturztg. 1877 Nr. 23) die grofsen
eigenthümlichen Vorzüge derfelben hervorgehoben. Diefe
Vorzüge finden fich in gleichem Mafse in diefer 1.

Sammlung. Es find lebensvolle und lebenweckende Zeug-
nifse. Der Verf. hat mit Recht bei der neuen Auflage
fo wenig als möglich an den Predigten geändert, denn
jede echte Predigt ift doch, wie er fagt, Zeitpredigt und hat
auch bei dem einzelnen Prediger ihre Gefchichte und ihr
befonderes Gepräge, das nicht verwifcht werden darf.
Auch ift das Buch in diefer Geftalt Vielen lieb und theuer
geworden und wird's, fo wünfehen wir, noch Mehreren
werden.

Eythra. E. Lehmann.

Bibliographie

von Dr. Caspar Rene Gregory.
iDcutfcfic Literatur.

[Haupt, J.], Veteris Antcliieronymianac versioms libri II.
Reglern sive SßtnueHs fragmenta Vindobonensia. Vindo-
bonae 1877, typis C. Gerold! filii. (22 S. 2 photogr. Tafeln.)
[Gratulationsfchr. u. nicht im Buchhandel.!

Jellinek, A., Bet ha-Midrascli. Sammlung kleiner Midra-
fchim u. vermifchter Abhandlgn. aus der altern jüdifchen
Literatur. 6. Thl. Nach Handfchriften U. Druckwerken
gefammelt u. nebfl Einleitgn. hrsg. Wien 1877, Filiale
der Brüder Winter. XLVIII, 156 S. gr 8.) 5. —

Flügge, G. W., Der Brief St. Pauli an die Galater kurz ausgelegt
. Schleswig, Bergas. (32 S. gr. 8.) — 40.

Hanne, J. R., Wie entfland das Dogma von der Gottheit
Chrifli? Vortrag. Ohrdruf, Stadermann jr. '39 S. gr. 8.)

— 50-

Michelfen, A. L. J., Von vorchriftlichen Cultusftätten in
unferer Heimath. Eine antiquarifche Mittheilung. Schleswig,
Bergas. (32 S. 8.) — 60.

Salviani presbyteri Massiliensis libri qui supersunt, rec.
C. Halm [Jlonuni. Germ. Iiistor. I, i Berlin, Weidmann.
(VII, 176" S. gr. 4.) 5. —; Schreibpap. 7. 50.

1 Eugippii vita saneti Severini, rec. et adnotavit H. Sauppe.
Monutn. Germ. Iiistor. I, 2). Berlin, Weidmann. (XX,
36 S. gr. 4.) 1. 60; Schreibpap. 2. 40.

Döllinger, J. v., Aventin u. feine Zeit. Rede. München
1877, Franz. (31 S. 8.) — 80.

Henke's, E. L. Th., neuere Kirchengefchichte. Nachge-
laffene Vorlefgn., f. den Druck bearb. u. hrsg. v. W. Gafs.
2. Bd. Gefchichte der getrennten Kirchen bis zur Mitte
d. XVIII. Jahrh. Halle, Niemeyer. (X, 496 S. gr. 8.) 10. —
j Zimmer, F., J. G. Fichte's Religionsphilofophie nach den
Grundzügen ihrer Entwickelung. I. Th. Die Grundlegung.
Differtation. Halle. (50 S. gr. 8.

Ernesti, J. A., Praelectiones in libros syvibolicos eedesiae
Luthe ranae, ab anno ij52 et 1777. Vol. I, continens tria
symbola oecumenica, Augustanam confessionem et apolo-
giam ejus. Mit e. Vorwort hrsg. v. J. M. Redling. Berlin,
Wiegandt & Grieben. (VIII, 201 S. gr. 8.). 3. —

Hänchen, Ph. E., Die Lehre vom Heil. Verfuch e. bibl.
Dogmatik. 1. Hälfte. Erlangen, Deichen. (V, 396 S.
gr. 8.) 5. -

Oeningen, A. v., Zur Infpirationsfrage. [Aus: ,Mitthlgn. 11.
Nachr. a. d. ev. Kirche in Rufsl.'] Riga 1877, Stieda.
(34 S. gr. 8.) - 80.

Kähler, M., Das Gewiffen. Ethifche Unterfuchg. I., ge-
fchichtl. Thl. A. u. d. T.: Das Gewiffen. Die Entwickelg.
feiner Namen u. feines Begriffes. Gefchichtl. Unterfuchg.
zur Lehre v. der Begründg. der fittl. Erkenntnifs. 1. Hälfte :
Alterthum und neues Teftament. Halle, Fricke. (XIV,
338 S. gr. 8.) 6. -

| Zezfchwitz, C. A. G. v., Syflem der praktifchen Iheologie.
Paragraphen f. academ. Vorlefgn. 3. Abth. Seclforge
u. Kirchenverfaffg. Leipzig, Hinrichs. (VIII u. S. 473—
718. gr. 8.) 3. 60. (cplt.: 11. —)

Thikötter, J., Wie foll von pofitiver Seite der Anfpruch
auf kirchliche Berechtigung der liberalen Theologie und
ihrer Vertreter beurtheilt werden? Vortrag. Bremen, Riem-
fchneider in Comm. (34 S. 8.) — 80.

Luthardt, Ch. E., Die foziale Frage in der Vergangenheit