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Ausgabe:

1878

Spalte:

41-43

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holst, J. E.

Titel/Untertitel:

Eins ist Noth. Eine Evangelienpostille für alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres. 2. Aufl 1878

Rezensent:

Sachsse, Eugen

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Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 2.

-L

(nämlich in Ingermanland, Südrufsland, an der Wolga
und in Grufien); die Diafpora-Gemeinden (befonders
Moskau, St. Petersburg, Kronftadt, Narva, Kiew, Odeffa
u. f. w.)j die ev.-luth. Kirche Finlands; die ev. Kirche
in Polen. Auch die Reformirten, Unirten, Schotten,
württembergifche Pietiften undMennoniten werden S. 102 fr".
kurz befprochen. Das Schriftchen lieft fich gut und
erfüllt entfehieden feinen nächften Zweck. Vielleicht
kann der Verf. bei einer 2. Aufl. im Statiftifchcn reichere
Angaben machen und auch zuvcrläffige Zahlen aus noch
neuerer Zeit, als bisher gefchehen, mittheilen.

Erlangen. G. Plitt.

Predigten.

1. Chriftlich-vaterländifchc Weiheftunden. Predigten
, Anfprachen und Reden. Gehalten von Hofpred.
Emil Frommel, Schlofspfr. Hof- u. Dompred. D-
Rud. Kögel, Pred. Jul. Müllenfiefen, Confift.-R.
a. D. Pfr. Stahn, Hof- u. Dompred. Adph. Stöcker
u. A. 1. Sammlung. 1. Heft. Berlin 1877, Chun.
(104 S. gr. 8.) M. 2. —

Unter diefem Titel liegt eine Sammlung von Predigten
und Anfprachen vor, welche von den bekannteften
Kanzlerrednern Berlins bei patriotifchen Anläffen in den
letzten Jahren gehalten find. Von Frommel finden wir
Predigten zum Geburtstage des Kaifers und zu einer
Fahnenweihe, von Kögel eine Ordensfeftpredigt, von
Stöcker Predigten bei Eröffnung des Reichstags und beim
Sedanfeft; von Müllenfiefen eine Predigt, welche nach
der Einnahme von Metz gehalten ift. Dazu kommen 6
kürzere Anfprachen.

Predigten, welche fich auf Zeitereignifse beziehen,
verlieren, je weiter wir uns von diefen entfernen. Wie
fie aus der Begeifterung des Augenblicks geboren find,
fordern fie einen von derfelben Begeifterung erfüllten
Hörer. Das gedruckte Wort ift froftig, kaum dem fchwa-
chen Schattenrifs eines Oelgcmäldes zu vergleichen. Mag
auch dem ehemaligen Zuhörer die Erinnerung das Fehlende
erfetzen, der Lefer wird nicht erwärmt und erwartet
noch die Hauptfache, wenn er fchon am Ende ift.
Gewifs werden die bedeutenden Namen, welche Beiträge
geliefert haben, das Unternehmen ftützen; doch wünfehen
wir um der Sache willen, dafs die Fortfetzungen knapp
bemeffen werden.

2. Evers, Pfr. Dr. Carl, ,Siehe ich verkündige euch
grofse Freude'. Predigten. Leipzig 1877, Teubner.
(XVIII, 355 S. 8.) M. 4. -

Auf wiederholten Wunfeh vieler Zuhörer hat der
Verf. eine Anzahl Predigten herausgegeben, unverändert,
wie fie gehalten find. Wir lernen daraus einen Prediger
kennen, der die grofsen Wahrheiten des Evangeliums
fchlicht und aus Ueberzeugung vorträgt. Die Gabe wird
nicht nur feinen Freunden willkommen fein, fondern
macht auch auf den fernftehenden Lefer einen wohl-
thuenden Eindruck.

3. Holst, Paft. J. E., Eins ift Noth. Eine Evangclien-
poftille für alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres.
2. Aufl. Riga 1877, Brutzer & Co. (V, 466 S. gr. 8.)
M. 5. -

Wenn Luther's Canon: dafs man die Bücher der hl.
Schrift darnach fchätzen müffe, ob fie Chriftum treiben,
auch für Predigten gilt, dann find diefe Predigten gut.
Sie ftellen die Herrlichkeit Chrifti dar, wie fie den Be-
dürfnifsen des menfehlichen Herzens entfpricht; und er-
weifen fo feine Gemeinfchaft als das Eine, was Noth ift.
Es herrfcht darin nicht dogmatifche Reflexion, fondern
unmittelbare Empfindung, die den einfachen Ausdruck
liebt, ohne rhetorifche Kunft. Weil der Verf. in herzlicher
Sprache bezeugt, was er gefehen und gehört hat,
darum gehen feine Worte zu Herzen. Auch das ift ein
Vorzug, dafs die Predigten kurz und bündig find, oft nur
6 Seiten lang.

Diefe Vorzüge fchliefsen nicht aus, dafs wir im Einzelnen
manches auszusetzen hätten. Die Faffung des
Themas und die Theilung läfst vielfach zu wünfehen.
Nur ein Beifpiel. Wenn aus dem Text Joh. 1, 15 —18
das Thema genommen wird: des Vaters Schofs, fo leidet
diefes Thema nicht nur an Unbeftimmtheit, fondern es
! ift auch nicht das logifche Subject des Textes. Ebenfo
j ift die Theilung: Aus des Vaters Schofs ftammt 1) die
Liebe, 2) das Gefetz, 3) die Gnade, 4) er ift unfer Ziel,
weder logifch zu rechtfertigen, noch mit dem Texte vereinbar
, zumal nicht Nr. 2. Doch wir verzichten auf
weitere Einzelheiten.

Um der bemerkten Vorzüge willen können wir die
Poftille für Lefegottesdienfte und häusliche Andacht
empfehlen.

4- Goltz, Probft Ob.-Confift.-R. D. Herrn. Frhr. v. d.,
Tempelbilder aus dem Leben des Herrn Jefu.
Fünf Predigten. Berlin 1877, Dobberke & Schleiermacher
. (VII, 84 S. 8.) M. 2. —
Eine genügende Darfteilung des innern Lebens Jefu
wird immer ein Problem bleiben; das Meer kann man
nicht mit Eimern ausfehöpfen. Doch wird der Liebhaber
Jefu auch jeden Verfuch einer folchen Darftellung mit
Freuden begrüfsen und ein folchcr liegt vor uns in 5
Predigten. Tcmpelbilder heifsen fie, weil fie an Ereig-
nifse anknüpfen, die im Tempel ftatt gefunden haben.
Wir fehen den Knaben Jefum, wie er den Tempel als
fein Vaterhaus erkennt; den Jüngling, wie er im Tempel
eifert um feines Vaters Ehre; den Mann, wie er dort
wirkt in feines Vaters Namen; feine göttliche Würde
wider den Unglauben bewährt; feine Leiden, als den
Weg zur Verklärung, auf fich nimmt. Stets zeichnet der
Verf. mit kurzen, deutlichen Strichen den hiftorifchen
Hintergrund, von dem Jefus fich abhebt als eine Perfön-
lichkeit, die fich in einzigartigem Verhältnifs zu Gott
weifs, und darum verfchieden von der ganzen Menfch-
heit. So wird in der erften Predigt dargeftellt: 1) die
Umgebung des Kindes Jefu, wie die Mutter ihn unterweift
in hl. Gefchichte, wie er zur Freiheit erzogen wurde,
wie er durch die Eltern fich nicht befriedigt fühlte, wie
die Eltern fich in fein Wefen nicht finden können. 2)
Das innerfte Geheimnifs feiner Perfon; wie er unter den
zerftreuenden Eindrücken der Hauptftadt nur Gott fucht,
feine Wahrheit und fein Haus; wie er ihn als Vater weifs.

Ueberall trägt der Verf. nicht den kirchlichen Lehrbegriff
, fondern die inneren Erlebnifse Jefu vor, aus denen
jene Begriffe erwachfen find. Dafs ein folcher Gegenftand
nur vor einem auserlefenen Kreife von Zuhörern behandelt
werden kann, leuchtet wohl ein; auch die Sprache
j ift gewählt, doch nicht gefucht. Alle gebildeten Chri-
! ften werden aus diefen Betrachtungen Belehrung und Erbauung
fchöpfen.

5. Diegel, Prof. Pfr. D.J. G., Predigten für Trauernde,
Leidende und Kämpfende. Wiesbaden 1877,
Niedner. (XII, 298 S. gr. 8.) M. 4. —
Die Ueberfchrift ift nicht zu eng zu nehmen. Allerdings
find meift folche angeredet, die leibliche Trübfal
haben; denn zu folchen Predigten ift der Verf. durch
mancherlei eigenes Leid befonders vorbereitet, wie er in
der Vorrede berichtet. Allein auch alle geiftigen Leiden,
im Zufammenleben der Familie und der weiteren Kreife,
die Schwierigkeiten im Beruf, die Kämpfe wider die
eigene Sünde und irrende Zeitftrömungen werden behandelt
. Wenn der Verf. dann weiter die Waffen in
diefem Kampf: das Gebet, den Glauben, die Liebe zu
Chrifto in befonderen Predigten betrachtet, fo merken
wir, welch' grofsen Ausfchnitt der Ethik er hier behandelt.