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Ausgabe:

1878 Nr. 26

Spalte:

629

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fisher, George P.

Titel/Untertitel:

The Beginnings of Christianity, with a view of the state of the Roman world at the birth of Christ 1878

Rezensent:

Harnack, Adolf

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629

Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 26.

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gen, dafs er z. B. wiffe , was S. 106 mit ,Rppt. Kalir'
gemeint ift die Biographie des Eleafar Kalir von S. J.
Rapoport im 10. Jahrgange der hebr. Zeitfchr. Bikkure
ha- ittim]. Der Verf. hätte die Titel häufig citirter Werke,
namentlich der liturgifchen, am Schluffe der Einleitung
genau angeben follen.

Trotz diefer Ausftellungen hält Ref. die von Hrn.
Dr. Joel Müller veranftaltete Ausgabe für ein fehr nützliches
Buch, das er der Beachtung Aller, welche fich
mit der Gefchichte des hebr. Bibeltextes, mit der Ma-
fora und der jüdifchen Liturgie befchäftigen, angelegentlich
empfiehlt.

Berlin. Hermann L. Strack.

Fisher, Prof. George P., D.D., The Beginnings of Chri-
stianity, with a view of the State of the Roman world
at the birth of Christ. New York 1877, Scribner,
Armstrong & Co. (XII, 591 S. gr. 8.) Cloth.

Der Verf., Profeffor der Kirchengefchichte am Yale
College, hat diefes Werk auf Grund von Vorlefungen,
die er i. J. 1877 zu Bofton gehalten, ausgearbeitet. Nicht
zum Nachtheile des Buches verbirgt fich diefer Urfprung
auch jetzt nicht. Dasfelbe zerfällt in 17 Capp. Die
7 erften fchildern nach einer Einleitung, in welcher das
eigenthümliche Wefen des Chriftenthums gegenüber
Judenthum und Heidenthum dargeftellt fein foll, die Lage
des römifchen Reiches, die politifchen, focialen, fittlichen
und religiöfen Zuftände in demfelben z. Z. Chrifti und
rlie allgemeine Lage des Judenthums. In den 5 folgenden
unterfucht der Verf. die evangelifchen Berichte über
die Gefchichte Jefu, in den 5 letzten befchreibt er die
Gefchichte Jefu, die Stiftung der chriftlichen Gemeinde
und die Gefchicke derfelben bis zum Ausgang des
1. Jahrhunderts. Der Standpunkt des Verf.'s ift der
Tradition gegenüber ein fehr confervativer, die Tendenz
feines Werkes eine apologetifche. Jenes zeigt fich in
feiner Kritik der NTlichen Urkunden, diefes befonders
in feiner Schilderung des allgemeinen Gegenfatzes von
Chriftcnthum, Judenthum, Heidenthum. Aber innerhalb
diefer Schranken urtheilt der Verf. nüchtern und benennen
, ja auch unparteilich. Die Quellen hat er felb-
ftändig geprüft und die beften deutfehen und englifehen
Arbeiten eingefehen. Aus den Werken von Nägelsbach,
Schürer, Friedländer, Boifficr, Denis, Neandcr,
Weftcott und namentlich Lightfoot bekennt er felbft
am meiden gelernt zu haben. Die Darfteilung ift einfach
und anziehend.

Leipzig. A. Harnack.

Opera Patrum Apostolicorum. Textum recensuit, adnota-
tionibus criticis, exegeticis, historicis illustravit, versio-
nem latinam, prolegomcna, indiecs addidit Franc.
Xav. Funk, Prof. Editio post Hcfelianam quartam
V. Tubingac 1878, Laupp. (VIII, CXXXI, 612 S.
gr. 8.) M. 12. —

Bei einer neuen Ausgabe der Patres Apostolici wird
man vor Allem fich fragen müffen, wie fie fich zu den
bisherigen verhält und wie viel Neues fie den letzteren
gegenüber zu bieten vermag. Im Vergleiche zu der
Ausgabe von Hefele ift diefe Ausgabe von Funk, die
fich fchon auf dem Titel als Neubearbeitung jener zu
erkennen giebt, unzweifelhaft ein Fortfehritt. Schwerlich
läfst lieh dagegen das Gleiche gegenüber der Leipziger
Ausgabe der Patres Apostolici und gegenüber der
HUgenfeld'fchen Neubearbeitung des Clemens und Barnabas
fagen. Das kritifche Material, welches dem Tübinger
Herausgeber zu Gebote ftand, ift aufser Lightfoot's
Appendix zu feiner Ausgabe des Clemens und den dort
enthaltenen Mittheilungen über den fyrifchen Clemenstext
, lediglich das bereits von Hilgenfeld und den Leipziger
Herausgebern verwerthete. Auch die Conftituirung
| des Textes bietet nichts wefentlich Neues. An wirklich
fchwierigen Stellen ift die Textkritik kaum irgendwo
durch die neue Ausgabe gefördert, ja felbft die bereits
vorhandenen Bcfferungsverfuche find nur unvollftändig
verzeichnet.

Am felbftändigften ift Funk in der Conftituirung des
Barnabastextes verfahren, bei deffen Bearbeitung die
zweite Ausgabe von Gebhardt und Harnack noch nicht
vorlag. Die kritifchen Grundfätze, von denen er ausgeht
, find im Allgemeinen zu billigen: der finaitifche

Codex ift zu Grunde gelegt, doch der Codex von Con-
ftantinopel darum nicht unterfchätzt. An einer Reihe
von Stellen, wo Gebhardt felbft das übereinftimmende
Zeugnifs von SC gegen G oder GL nicht gelten läfst,
hat Funk die Lesart der erftgenannten Handfchriften
hergeftellt; anderwärts zieht er, meift übereinftimmend
mit Hilgenfeld, aus inneren Gründen die Lesart von C
der von S vor. Ich verzeichne beiIpielsweife eine Reihe
von Fällen, in welchen Funk m. E. mit Recht von

I Gebhardt abweicht, c. 2, 3 zoirmv oiv fievövTiov. c. 3
die Weglaffung von oiv. dvAgtounv TctneirouvTce ttjv ipVfßtP
aurov an zweiter Stelle, c. 4, 5 xralciGogg. c. 5, 1 iv xijj
(iavzlai.ia.Ti aizov tov aiuazog. 6, 3 b maiaviov sa'
avznv. 6, 18 ngne/gr/xe. J, 5 bei avxhv jzatrtiv. 7, 8
gayrj, gay^g. , 7, 10 tov Tvnnv. 7, 11 y.ei'ftevag. 8, 1 trpv
anaöov naiöia.^ 8, 5 hri £{ho. 9, 5 ttf/v ov.l^gov.agdiar
ibid. uy.Qoßvazia, y.ccgöia. 10, 10 y.atrbjg xot ni ix&veg.
ibid. xttxrijfisva. II, ^dcprjgr/fievoi. Ii, 11 zbv epoßov.
12, 2 rtf) Mtovei). 13, 2 eha x«t sgrjlirev. 15, 4 rjiisga xvgiov.
15, 7 i'de otc aga. 16, 4 aihoi 01 twv iyßtgi'ir Vipgizai.
19, 2 fieza zav nogevoiievav, 19, 5 cpnßnvxvgtor. 19, 7 SiyXma-
goc. 19, 8 nayig yag azäiia. 20, 2 y.caazrovnivTtg (ohne
y.ai). Zweifelhafter find 1, 2 vmgoyj)v (doch durch 1 Clem.

1 57, 2 belegt). 1, 3 nrjpic. 1, 4 sri tlnidi. 3, 3 nävTc.
oirdeoitov. 3, 6 rrgnorjktToi. Sicher zu verwerfen ift
4, 9 die aus S und C combinirte Lesart 74c iWc
t'jfiwv y.ai zffi niaznog. 5, 8 au? otl expgraotv. 11, 11
sig fteaov mit G; ganz unglücklich 4, 6 die Aufnahme
der Lesart von C mz fj diaihjxt] vittöv ifiiv iiivei, wo

! nur vpäv, viiiv 'iti Tjfitöv, fjfuv geändert ift. Die Stelle 1,
5 von den zgia dcvyuaza ift wie bei Hg Gh ganz nach
C, nur mit der Aenclerung von dixaioGvvt) in dtx.aioovv> g
wiedergegeben, obwohl der Text handgreiflich auch

| fo noch nicht in Ordnung ift. Ebenfo lieft Funk 11,5
mit SCL Hg Gh einfach xai ftatt eha tl Xeyei ev zgi
rhi, wo die Lesart von G ficher feftzuhalten war.

; Auch^ die fchwierigen Stellen 10, 11 oil trjv rgocpi v
lalißdvofiev. 14, 1 vai dllix l'ötoiiev xxX mit S, aber
LrjTa/.iev mit CG find von Funk nicht geheilt. 15, 6 ift
et fix) vor y.aOaghg zfj xagdia richtig mit S"L geftrichen,
die Verdcrbnifs des Textes aber nicht befeitigt. 19, 7
ift rcayig yag iiavehor IgtIv {] diyhoGGia gegen SC feft-
gehalten, ebenfalls ficher mit Unrecht.

Bei Her mas hat Funk fich begnügt, den Gebhardt-
fchen Text faft unverändert wieder abzudrucken. Nur
an etwa 12 Stellen weicht er von letzterem ab Richtig

; fügt er Vis. t, 2, 3 nveiöög (löt yeyover ein; ebenfo richtig
fchreibt er Vis. III, 5, 4 ovy evQe&rj, 5aw.VJ.II, 3, 3 avtotg
ftatt avzov. Sim. IX, 6, 8 ßgadewg brpaivezo nsQtxonfuvm

J mit Moritz Schmidt und Hilgenfeld. Vis. 1, 1, 7 ift'die
Hilgenfeld'fche Conjectur deiav für Atdv aeeeptirt. Vis.
III, I, 2 evöer;g treffend in ävaidrjc, Sim. 1, 4 trgctigetg mit
Hollenberg in nagavaSeig emendirt. Mand. XII, 2, 5 fügt
er mit LA Hollenberg nach av nvv ein vixog laßu>v xui,
was fchon zweifelhafter ift, hinzu. Sicher irrig ift Vis. IV,
3, 4 die Lesart 01 xatatxovvxeg iv alroig, Sim. VIII, 9, 1
eyevezo ft. egjaheTo. Ungenügend ift Sim. 9, 18, 3 die
Befferung durch den von Hilgenfeld eingefügten Zufatz
y.ai avzoi. iy.ßlrjlfijoovzai, ganz unmöglich Vis. III, 3,
5 die Fefthaltung des bekannten negi zag ygacpdg. Im
Uebrigen folgt Funk der Lesart von Gebhardt auch da,
wo fie ficher irrthümlich ift, z. B. Sim. 1, 2 in der von