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Ausgabe:

1878 Nr. 23

Spalte:

555-556

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hofmann, J. Chr. K. v.

Titel/Untertitel:

Die heilige Schrift Neuen Testaments zusammenhängend untersucht. 2. Thl. 3. Abth. Der 2. Brief Pauli an die Korinther. 2. vielfach veränd. Aufl 1878

Rezensent:

Schmidt, Woldemar

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555

Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 23.

556

1 Hofmann, Prof. Dr. J. Chr. K. v., Die heilige Schrift
Neuen Testaments zusammenhängend untersucht. 2. Thl.
3. Abth. Der 2. Brief Pauli an die Koririther. 2. vielfach
veränd. Aufl. Nördlingen 1877, Beck. (IV, 350 S.
gr. 8.) M. 5. 60.

2. Moll, Gen.-Superint. D. Carl Bernh., Der Brief an die

Hebräer. Theologifch-homiletifch bearbeitet. [Lange's
Bibelwerk. N. T. 12. Thl.] 3. verb. u. verm. Aufl.
Bielefeld 1877, Velhagen & Klafing. (VI, 198 S. gr. 8.)
M. 2. —

Die beiden vorliegenden Commentare find von ihren
nun verftorbenen Verfaffern nicht lange vor deren Ende
noch einmal veröffentlicht worden. Nach ihrer Eigenart
hinlänglich bekannt, bedürfen fie an diefer Stelle nur
eines kurzen Worts, welches den unterfcheidenden Charakter
der neuen Auflage erkennen laffen mag. v. H.'s
(geft. 20. Decbr. 1877) Erklärung des 2. Korintherbriefes
ift ihrem Umfang nach nicht gewachfen, vielmehr gegen
früher (1866. 365 S.) um einen Bogen abgekürzt. An
innerem Gehalt hat fie trotzdem infofern gewonnen, als
cinfchlagende Arbeiten aus neuefter Zeit meift berück-
iichtigt find. Fortgehend ift auf Klöpper's Commentar
wie auf Tregelles' N. T. und Tifchendorf's editio crit.
maj. VIII. Bezug genommen; hier und da find ifagogi-
fche Arbeiten wie Mangold's Zufätze zu Bleek's Einleitung
u. A. angezogen, und geeigneten Orts wird auch
auf Monographien wie Hausrath's ,Der Vier-CapitelbrieP
oder auf Abhandlungen wie die von Hofften in der
,Zeitfchr. f. wiff. TheoL' 1874. S. 388 ff. hingewiefen.
Dafs bei alle dem das Buch keine Erweiterung erfahren
hat, erklärt fich aus Kürzungen, welche wir im eigentlich
exegetifchen Theile, nicht in der recapitulirenden
Schlufsbetrachtung bemerkten. Ueberdem ift ja die Be-
fprechung entgegenftehender Anflehten nicht dasjenige,
was v. H.'s Arbeiten eine befondere Ausdehnung gewinnen
läfst; denn theils werden diefelben nicht immer in
extenso wiedergegeben, theils meift nur kurz als haltlos
zurückgewiefen. Die Vergleichung eines Commentares,
welcher der Gefchichte der Exegefe forgfältig nachgeht,
wird deshalb für den kein überflüffiges Werk fein, der
an der Hand des vorliegenden mit dem Sendfehreiben
des Apoftels fich befchäftigen will. Zu den hiftorifchen
Problemen übrigens, welche fich an den 2. Korinther-
brief knüpfen, ftellt fich v. H., fo weit wir fehen, völlig
fo wie in der erften Auflage feines Buches. Dies gilt !
namentlich von der Frage, ob ein Befuch des Timo- j
theus zu Korinth zwifchen dem vorigen Briefe des j
Apoftels und diefem unferen zweiten in der Mitte lag,
wie von der anderen, welcher Art die Parteien waren,
auf welche Paulus in feinem Schreiben Bezug zu nehmen
hatte.

Auch Moll (geft. 17. Auguft 1878) hat die Grundzüge
der früheren Darftcllung nicht verwifcht, aber für
Ueberarbeitung des Ganzen mehr gethan als v. H. und
darüber den Umfang des Buches gegen fonft (1865)
etwas erweitert. So wenig wie in den erften Ausgaben
ift er jetzt zu neuen, überrafchenden Refultaten gelangt.
Der Werth feiner Schrifterklärung ruht weit mehr in der
klaren Sichtung des vorhandenen Materials, in der be-
fonnenen Prüfung der vorgetragenen Auslegungen, in
der furgfältigen Begründung der eigenen Anfchauung.
Lieber verzichtet M. auf die Beantwortung einer Frage,
als dafs er mit einem Satz fich begnügt, denn er nicht
als vollftändig erwiefen erachtet. Dies zeigt fich fchon
in der ,Einleitung'. Er trägt Bedenken, in Apollos den
Verf. des Briefes zu fehen, weil ihm ein Doppeltes bedenklich
erfcheint: zunächft, dafs im kirchlichen Alter-
thume ihn Niemand als den autor ad Hebt: gedacht hat,
und fodann, dafs fich in den gefchichtlichcn Nachrichten
über ihn kein eigentlicher Stützpunkt für die am Schluffe

j des Briefes berührten perfönlichen Verhältnifse findet.
Die Frage nach dem Verf. läfst M. deshalb noch offen.

I Den Brief felbft hält er wie früher fchon für das Werk
eines felbftändig miffionirenden Arbeiters "aus paulinifchem
Kreife, welcher zwifchen den Jahren 63 und 67 wahr-
fcheinlich vom Eidlichen Italien aus (13, 24 coli. Apftlgefch.
28, 13 f.) paläftinenfifche Judenchriften in chriftlicher Er-
kenntnifs und Sitte fördern und ftärken wollte. Die
neuefte Literatur ift in den Einfchaltungen der neuen
Auflage meift zu ihrem Rechte gekommen. Doch ver-
mifsten wir die Verwerthung der Abhandlungen von
Ritfehl (,Theol. Stud. u. Krit.' 1866. 1) und Wiefeler
(ebendaf. 1867. 4) über die Lefer des Briefes, auch S. 6
den Namen Wichelhaus' in der Zahl derer, welche die
paulinifche Abfaffung des Briefes vertheidigen, wie denn
überhaupt deffen .Einleitung in den Hebräerbrief und
Erklärung feines erften Capitels' (.Akadem. Vorlefungen
über das N. TJ S. 1 bis 84. Halle 1875) S. 17 nur
flüchtig erwähnt, aber im Weiteren ignorirt wird. Aus
der Reihe der Commentare mufste der von E. Wörner,
weil erft während des Druckes erfchienen (Ludwigsburg
1876), unberückfichtigt bleiben.

Leipzig. Wold. Schmidt.

Becker, Ferd., Die Inschriften der römischen Coemeterien.

Erklärung 30 ausgewählter faefimilirter altchriftlicher
Grabfchriften. Ein Beitrag zur Kenntnifs des chrift-
lichen Alterthums mit befonderer Berückfichtigung
der F"orfchungen de Roffi's. Gera 1878, Reifewitz.
(40 S. m. 6 lith. u. 10 Holzfchn.-Taf. gr. 8.)
M. 2. 40.

Der Zweck vorftehender Publication ift dem Ref.
nicht klar geworden. Der Verf., der auf dem Gebiete
der altkirchlichen Kunftarchäologie und Epigraphik bewandert
ift, hat aus der Menge der älteften und älteren
Grabfchriften 30 ausgewählt, faefitniliren laffen, refp. nach
Facfimile's abgebildet und erläutert, ohne dafs ein Prin-
eip der Auswahl zu entdecken wäre. Acht derfelbcn
find überhaupt keine Grabfchriften, fondern fymbo-
lifche Darftellungen auf Gräbern, unter den 22 übrigen
find 4 die bekannten den Bifchöfen Anterus, Fabianus,
Lucius, Eutychianus gewidmeten Infchriften, mindeftens
6 weitere hätten fortfallen müffen, felbft wenn der Verf.
die Zahl der ausgewählten Infchriften und Abbildungen
verzehnfacht hätte. Von Nr. 26 fagt der Verf., dafs er
zuerft den Stein publicirt habe (Coemeteriiim Domitillae),
ebenfo foll Nr. 28 (jetzt im Later. Muf.) fonft nirgends
abgebildet, Nr. 15 hier zum erften Mal treu wiedergegeben
fein; alle übrigen Abbildungen find längft bekannt und
befprochen. Nimmt man hinzu, dafs der Verf. in feinen
Erklärungen, fo viel Ref. fieht, geradezu nirgends etwas
Neues bietet, wohl aber fich öfters unnütze Elxcurfe ver-
ftattet (f. z. B. S. 7 f., S. 14 —16. 18 u. f. w.), bald diefes,
bald jenes planlos erklärt, die elementarftcn Dinge erläuternd
und doch wiederum Wichtiges bei Seite laffend, fo
kann man den Verdacht nicht unterdrücken, dafs es dem
Verf. weniger um Lefer, als um eine neue Publication zu
thun gewefen ift. Diefer Verdacht wird durch die angehängten
IO Tafeln mit den 26 Holzfchnittcn, die mit dem
Inhalte der Schrift abfolut nichts gemein haben und auch
mit keiner Sylbe dort erwähnt werden, noch erhöht.

Dafs auf Nr. 2 eine Zange, Nr. 27 ein fiebenarmiger
Leuchter abgebildet ift, möchte ich bezweifeln. Auf
Nr. 5 kann das ,IJato' im Anfang unmöglich mit dem
Verf. gehalten werden; die Correctur ,Datiti' bleibt
immer das nächftliegende. Die Kraus'fche Erklärung
der Abbildungen von Fäffern auf chriftlichen Grabfteinen
(Roma Sott. S. 230), der fich der Verf. anfchliefst (Nr. 8,,
befriedigt wenig. Inwiefern das griechifche Tau in die
Reihe der',finnbildlichen und verfteckten Kreuzesdar-
ftellungen' gehört (S. 17 zu Nr. 10. 12), ift nicht abzu-