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Ausgabe:

1878

Spalte:

553-554

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Meyer, Gustave

Titel/Untertitel:

La Question Synoptique, Essai sur les rapports et l’origine des trois premiers évangiles canoniques 1878

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer in Giefsen.
Ericheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 23. 9. November 1878. 3. Jahrgang.

Meyer, La Question Synoptique, Essai sur les
rapports et l'origine des trois premiers evan-
giles (Holtzmann).

Ilofmann, Die heilige Schrift Neuen Tefta-
ments etc. II, 3: Der zweite Brief Pauli an
die Korinther, 2. Aufl. (Wold. Schmidt).

Moll, Der Brief an die Hebräer, 3. Aufl. (Derf.).

Becker, Die Infchriften der römifchen Coeme-
terien Erklärung 30 ausgewählter facfimilir-
ter altchrifllicher Grabfchriften (Harnack).

Ahner, Fredegis von Tours (Möller).

Zimmermann, Ratpert der erfte Zürcherge-

lehrte (Staehelin).
Woker, Das kirchliche Finanzwefen der Päpfte
(C. Müller

einer biblifchen Dogmatik, I.Hälfte. (Wold.
Schmidt).

Frei hold, Die I.ebensgefchichte der Menfch-
heit. Kulturgefchichtliche Forfchungen und

, , e , . ., . D c Betrachtungen, I. Bd. (Lindenberg'.

Act en fam mlu ng zur Schweizerifchen Kefor- „ ■ b,. ' .. , 4, , . 0 ,

u s , Oosterzee, Praktifche Theologie. Deutfche
mationsgefchichte, beteilig, von Strickler.

I. Bd. 1521 —1528. (Staehelin).

Jenfen, Schleswig - Ilolfteinifche Kirchenge-
fchichte, herausg. von Michelfen, 3. Bd.
(Möller).

Hänchen, Die Lehre von dem Heil. Verbuch 1 Summenhart (Neftlc

Ausgabe, 1. Bd. (Fay).
Demmer, Biblifche Gefchichten für den Schulgebrauch
(Fay).
Fries, Morgen-Segen aus Gottes Wort (Härtung!.
Nachtrag zu der Anzeige von Linfenmann,

Meyer, Guftave, La Question Synoptique, Essai sur les
rapports et l'origine des trois premiers cvangiles
canoniques. Paris 1878, Sandoz & Fifchbacher. (Ii5 S.
8.) M. 3. -

Tonte hypothese sur l'origine des sy?ioptiques peut se
caracteriscr par la place qiiclle assigne a l'ocuvre de Marc
(S. 12. 49). Gleichzeitig mit Keim's neuelter Unterfuchung,
welche dem Marcus den letzten Platz in der Stammtafel
fynoptifcher Evangelienliteratur ainveift (Aus dem
Urchriftenthum, S. 28 f.), läfst ein junger franzöfifcher
Gelehrter ein Erftlingswerk erfcheinen, welches die Frage
in entgegengefetzter Richtung löft. Nachdem die Einleitung
zu dem, in obigem Satze formulirten, Refultate
geführt, befpricht die erfte Hälfte des Buches die Marcus-
fchrift (S. 13—65), die zweite die Spruchfammlung (S.
66—102'; ein Schlufsabfchnitt (S. 103—113) verzeichnet
Ergebnifse, welche meift mit den meinigen, die ich als
bekannt vorausfetzen darf, ftimmen. Der Hauptfache
nach wird der fynoptifche Stoff auf die Doppelheit einer
Gefchichte und einer Redeftoff bietenden Quelle zurückgeführt
, wogegen ja felbft Keim jetzt keinen unbedingten
Widerfpruch mehr erhebt (a. a. O. S. 30). Ift Letzterer
freilich um fo weniger geneigt, die Gefchichtsquelle ge

dritte bald nach der Zerftörung Jerufalems entftanden
wären (vgl. bezüglich des erften diejahrbb. 1875, S. 590,
bezüglich des driften Zcitfchrift für wiffenfeh. Theol. 1873,
S. 85 f.), und bezüglich der Annahme, dafs der Pauliner
Lucas der directe Verfaffer des dritten fei (S. 8. 80. 101.
103 f.). Sogar die lucanifche VorgeTchichte reicht dem
Verfaffer in die Tage des Urchriftenthums hinauf und
beruht auf Augenzeugcnfchaft (S. 100. uof.).

Ein befonderes Intereffe nehmen feine Unterfuch-
ungen über die Spruchfammlung in Anfpruch. Im We-
fentlichen befolgt er hier die Hypothefe von Eduard
Reufs, wonach die gemeinfame Quelle unferem erften
und dem dritten Evangeliften in verfchiedenen Uebcr-
fetzungen vorgelegen hätte (S. 11. 88.). Beide Redac-
tionen befolgten übrigens in der Hauptfache diefelbe Ordnung
(S. 82 f.). Letztere betreffend mag eher zugegeben
werden, dafs das Werk mit efchatologifch-apokalyp-
tifchem Material fchlofs, als dafs es, wie der Verfaffer
durchgehends vorausfetzt (S. 67. 69. 77. 87. 88. 91 f.),
mit Reden des Täufers begann. Richtig wird fein, was,
zugebend und einfehränkend, S. 81 über die darin anzunehmenden
preamlndcs historiqncs gefagt ift. Richtig
werden auch S. 36. 71 f. 84 die dem Matthäus eigen n
Stellen von der Ecclesia ausgefchieden, richtig in den

rade im zweiten Evangelium zu erkennen, fo darf ich j lucanifchen Partien univerfaliftifche und judailtifche Ele-
mich, feinen neueften Ausführungen gegenüber, auf das- ! mente nebeneinander anerkannt (S. 22 f. 74 f.) Dafs
jenige berufen, was unfer Verfaffer über das Verhältnifs I aber die Spruchfammlung um 60 von dem Apoftel Mat-
der fynoptifchen Erzählungen von Jefu Anfiedelung im , thäus gerade gegen die Apg. 15, 1. 21, 20 auftretende
Haufe des Petrus (S. 31,, feinem erftmaligen Ruckzug Zelotenpartci gefchrieben fei (S. 70. 79. 106. 112), hängt
in die Wüfte (S. 39 f.), der Begegnung mit dem Aus- mit einer theilweife unhiftorifchen Betrachtungsweife ur-
fätzigen (S. 27), der Ausfendung der Jünger (S. 16. 30. chriltlicher Gegenfätze zufammen, in welcher unfer Ver-
36 f.), dem abermaligen Rückzug in die Wüfte (S. 26) faffer mit Godet, dem eminent critique (zweimal S. 52),
zu fagen hat. Vcrtheidigt er auf diefen und zahllofen zufammengeht, während er die fonftigen Schwächen von
anderen Punkten fiegreich, wie ich glaube, die Priorität deffen beau commentaire snr Luc (S. Ii), was die kritifche
des Marcus, fo fehlt es ihm doch auch keineswegs an I Methode betrifft, gründlich durchfehaut hat (S. 49 f. 52 f.

unbefangenem Sinne, um kleine Abänderungen des ur
fprünglichen Textes (S. 18 f. 94 f. 108), zeitweiliges Eintreten
einer Sachordnung (S. 63; und vor Allem die auffällige
Erfcheinung des matthäifchen ttttftJQ ö tv rnlg
nvqavoig 11,25 (S. 43. 94) anzuerkennen.

Uebrigens folgt mir der Verfaffer auch auf Punkten,

85). Im Hintergrunde feiner AuffalTung der evangelifchen
Gefchichte fteht Johannes (S. 35. 63. 71. 75. 98 f.). Auf
dem Druckfehlerverzeichnifs fehlt, dafs S. 5 Philippiens
ftatt Ephesiens und S. 10 {Livre) de Phistoire ftatt de la
vic zu lefen ift. Der Verfaffer ift im Belitze der richtigen
Methode, und wo er nur diefer folgt, trifft er auch

wo ich felbft mittlerweile meine Anficht zu modificiren ' faft immer das Richtige; die fonftigen Schulanfichten,
genöthigt wurde oder wenigftens zweifelhaft geworden die er mitbringt, find fraglicher Natur,
bim Letzteres gilt bezuglich der S. 84 f. behaupteten Strafsburg i. E. H. Holtzmann.

volligen Unabhängigkeit des Lucas von Matthaus (vgl. ö
Jahrbücher für prot. Theol. 1878, S. 553 f., Erfteres bezuglich
der S. 104 f. dargelegten chronologifchen Ver-
hältnifse, wonach die beiden erften Evangelien vor, das

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