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Ausgabe:

1878 Nr. 22

Spalte:

544-547

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Körber, Emil

Titel/Untertitel:

Ein Oelblatt des Friedens. Predigten, gehalten im Münster zu Bern. 2., durchgeseh. u. verm. Aufl 1878

Rezensent:

Wächtler, August

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543 Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 22. 544

auch mit einer Reihe bedeutender Perfonen belebend ! G i hr, Spiritual Dr. Nik., Das heilige Messopfer dogmatifch,

und feffelnd hervor. Man fpürt, dafs der Verf. nicht
nur die reifenden Agenten, Correfpondenten und Leiter
gefprochen, fondern auch mit den Gemeinden,
mit einfachen evangelifchen Brüdern verkehrt hat; dafs
er nicht nur bei den Proteftanten umherzog, um ihre
Schilderungen auf Treu und Glauben hinzunehmen,
fondern in Berührung mit weiteren Kreifen der italieni-
fchen Gefellfchaft fich bei aller Liebe für die Bekennt-
nifsgenoffen einen Standpunkt aufserhalb der augenblicklichen
Bewegung zu bewahren wufste. So wird der
Schlufs zu einer umfaffenden Schilderung der italienifchen
Gefellfchaft unter den kritifchen Gefichtspunkten eines
evangelifchen Chriften. Es ift erfreulich, dafs die Brocken,
welche man über die kirchlichen Zuftände Italiens aus
den Zeitfchriften auflas, nun durch ein einheitliches Bild
erfetzt find. Erhält diefer ,Bauftein' ebenbürtige Seiten-
ftücke, fo wird der ökumenifche Sinn bei den Evangelifchen
aus diefer Sammlung eine gefunde Nahrung erhalten
, und der Guftav-Adolph-Verein, indem er mit
feinen ehrenwerthen Handlangerdienften, wie in diefer

Schrift, befcheiden zurücktritt, durch die Anregung zu nifsvollen Mefsritus

liturgifch und ascetifch erklärt. Freiburg i. Br. 1877,
Herder. (XII, 705 S. gr. 8.) M. 8.40.
,Der Zweck der vorliegenden Schrift', fagt der Verlader
in der Vorrede, ,ift vornehmlich ein praktifch-as-
cetifcher: fle foll nicht blofs zum Verftande fprechen,
fondern auch das Herz und den Willen anregen'. Diefem
Zwecke entfprechend hat der Verf. die rein wiffenfchaft-
lichen, praktifch gleichgültigen Fragen ganz auf fleh beruhen
laffen und was ihm nöthig dünkte an folchen
wiffenfehaftlichen Ausführungen, welche den erbaulichen
Erwägungen ein folides Fundament verleihen, in rein
thetifcher Weife dargeftellt. Die Schrift, approbirt und
dringend empfohlen von Seiten der geiftlichen Behörde
, ift correct in der Orthodoxie. Ihr Publicum
facht ße unter den praktischen Geiftlichen. Um diefe
vor allem davor zu bewahren, das Mefsopfer gedankenlos
und mechanifch darzubringen, bietet der Verf. in
dem zweiten, umfänglicheren Theile (auf 500 Seiten)
eine Erläuterung des ,überaus tiefflnnigen und geheim-

der Reihe von geschichtlich - ftatiftifchen Skizzen fich
wohl verdient gemacht haben fowohl um die kirchliche
Statiftik, als um die Kräftigung der evangelifchen Ueber-
zeugung in diefer Zeit, in der fo vieles an der Kraft
des Evangelium irre machen könnte.

Halle aS. M. Kahler.

Hase, D. Karl, Handbuch der protestantischen Polemik
gegen die römisch-katholische Kirche. 4. verb. Aufl.
Leipzig 1878, Breitkopf & Härtel. (XXXII, 596 S.
gr. 8.) M. 10. —

Noch einmal ift es dem ehrwürdigen Verfaffer vergönnt
, dies Buch, welches fein wohlbegründetes Anfehen
behauptet, in erneuter Auflage erfcheinen zu laffen. Seitdem
die vorige Ausgabe ,unmittelbar unter dem Eindruckt
: des Vaticanifchen Concils, der Auflöfung des
Kirchenftaats und des aus Frankreich herüber hallenden
Schlachtendonners' veranftaltet worden, hat keine
eingehendere Entgegnung von römifcher Seite den Verfaffer
zu fortgehender Berückfichtigung veranlafst. Dafs
Hafe der Schrift von von der Clana, Proteftantifche Polemik
etc., nur eine Zurückweifung in der Vorrede widmet,
wird ihm Niemand verdenken, der fleh jenes abfonder-
lichen in's Burleske verfallenden Erzeugnifses, das zuerft
in den bekannten gelben Heften erfchien, erinnert.
Wer, wie der Verf. diefer Auffätze, Hafe'fche Polemik
nur unter den Gefichtspunkt zu ftellen vermag, als fei
es ihr in oberflächlicher Parteibefangenheit nur darum zu
thun, dem liberalen Bildungsphilifter das nöthige Grufeln
über den finftern Katholicismus beizubringen, verdient in
der That eine eingehendere Zurückweifung nicht. Es
liegt in der Natur der Sache, dafs die Berückfichtigung
neuer Ereignifse und neuer Literatur in der vorliegenden
Ausgabe belonders dem Capitel über das Papftthum zu
Gute kommt und nächft ihm den letzten Capiteln des
dritten Buchs (Wiffenfchaft und Literatur, Politik und
Nationalität), aber auch fonft fehlt die nacharbeitende
Hand nicht. Ebenfo in der Natur der Sache liegt es,
dafs der Verf. hinfichtlich des unfehlbaren Papftthums
nur die Thatfachen reden zu laffen braucht, um fcharfe
Polemik zu treiben. Allein auch den neueften Kämpfen
gegenüber verleugnet der Verfaffer jene mafsvolle Ge-
finnung nicht, welche im Tadel die Gerechtigkeit, im
Kampf den Frieden fucht.

Kiel. Möller.

Ohne ein eingehendes Referat zu verfuchen, glaube
ich auf die Schrift um ihres vorwiegend erbaulichen
Charakters willen befonders aufmerkfam machen zu
follen. Wer als proteftantifcher Theologe fich um die
katholifche Kirche eingehender bekümmert, wird wiffen,
welche Schwierigkeiten es hat, nach den rein dogmatifchen
Darftellungen des Syftems eine Vorftellung von der prak-
tifchen Art des katholifchen Chriftenthums zu gewinnen.
Wir find es aber dem Katholicismus fchuldig, uns nicht
blofs mit der kahlen Theorie feiner Lehre zu begnügen,
fondern auch nach einem Verftändnifs feiner eigenartigen
lebendigen Frömmigkeit zu trachten. Indem hier mit
Bezug auf diejenige Inftitution, die der Katholicismus
felbft für fein erhabenftes Geheimnifs erklärt, und die
auch nach der Empfindung der Reformatoren die reli-
giöfe Eigentümlichkeit des Katholicismus in concen-
trirter Weife darftellt, eine Fülle ascetifcher Betrachtungen
dargeboten wird, kann die Schrift für den Symboliker
nur fehr inftruetiv fein.

Die Grenze ihres Werthes ift dabei ja leicht erficht-
lich. Von der Gefchichte der Meffe erhalten wir nur
dasjenige gefärbte Bild, welches der Katholicismus allein
geftattet. Die dogmatifche Rechtfertigung der Lehre von
der Meffe ift kümmerlich und äufserlich. Die katholifchen
Theologen thäten gut, von Möhler in der Hinficht
mehr zu lernen, dafs fie fein auf fyftematifche Erfaffung
der Einzelheiten im Ganzen gerichtetes Streben beherzigten
. Aber unfer Verf. hat ja nur in fecundärer Weife
wiffenfehaftliches Abfehen und es wäre daher unbillig,
gerade mit ihm hier ftrenger in's Gericht zu gehen.

Giefsen. F. Kattenbufch.

Predigtliteratur.

1. Harttmann, weil. Dec. Stadtpfr. KarlFriedr., Licht und

Recht. Evangelien-Predigten. Reutlingen 1877, Baur.
(VI, 639 S. gr. 8.) M. 4. -

2. Fröhlich, Edm., Auswahl von Predigten über Texte aus

Lukas, gehalten in St. Anna. Zürich 1878, Höhr.
(IV, 180 S. gr. 8.) M. 2. 70.

3. Schwarz, Pfr. Dr. Bernh., Predigten zum Vorlefen in

Kirchen und zur Erbauung im Haufe, fowie als Fingerzeige
für angehende Geiftliche. Gotha 1878, F. A.
Perthes. (XV, 175 S. gr. 8.- M. 2. —

4. Körber, Pfr. Emil, Ein Oelblatt des Friedens. Predigten,
gehalten im Münfter zu Bern. 2., durchgefeh. u. verm.
Aufl. Bern 1878, Wyfs. (XIV, 321 S. gr. 8.) M. 4. —