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Ausgabe:

1878

Spalte:

496

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hackenschmidt, K.

Titel/Untertitel:

Unsere feste Burg wider Rom. Referat 1878

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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Seite 1

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495

mufs, ift von felbft einleuchtend. Wenn die beiden Hackenschmidt, Pfr. Lic. K., Unsere feste Burg wider

peffimiftifchen Philofophen fich gefcheut haben, diefe RoiT)i Referat, der Paftoralconferenz von Strafsburg

vtZte ,(T0nfeqUenZ ZU vleaCnu f° erk,e,nnKCn Wir r.,0kter ! vorgelegt den 18. Juni 1878. Strafsburg 1878, Vomhoff.
Zurückhaltung einen Reit ihnen gebliebener chnltlicner | L q m

Moral oder einen Refpect vor der allgemeinen auf i (3° S. gr. b.) M. 40.

chriftlich-fittliche Anfchauung gegründeten öffentlichen Der Verf. erklärt, und das mit Recht: ,es ift nichts

Meinung. Schopenhauer erkennt freilich den freiwilligen zeitgemäfser als die Präge: wie flehen wir zu Rom? Und:
Hungertod, die vollftändige Selbftaufhebung des Willens welches ift unfere fefte Burg wider Rom?' Pr fucht dann
zur Ffrhaltung des Lebens, als einen asketifchen Herois- den Unterfchied zwifchen dem Romanismus und der
mus und damit als fittlich erlaubt an, obgleich er durch ; evangelifchen Kirche zu entwickeln und führt ihn mit
fpitzfindige Gründe jede andere Art des Selbftmords als gutem Verftändnifs bis auf die letzte Wurzel zurück. Alle
unerlaubt verwirft. Die von Schopenhauer gepriefene j Verfchiedenheit geht zuletzt hinaus auf die Lehre von
Askefe eines buddhiftifchen Büfsers mit Anachoreten- ! der Rechtfertigung des Menfchen vor Gott allein aus
leben und Willensmortification ift und bleibt Zeichen j Gnaden durch den Glauben. Deshalb ift diefe auch
einer krankhaften Verirrung des menfchlichen Geiftes, j unfer ftärkfter Schutz gegen den Romanismus und es ift
vor der fich Schopenhauer in feinem an Entfagung nicht ; unfere erfte Pflicht, fie vor aller Entftellung zu bewahren
eben reichen Leben und auch von Hartmann, foviel wir ! und fie mit allem Nachdrucke zu predigen. Das fördert
wiffen, wohlweislich gehütet haben. j die wahre Toleranz, während es gefährlich wäre, wie

Schopenhauer fleht mit feinem peffimiftifchen Syftem j jetzt fo manche kurzfichtige Evangelifche wünfchen, das
im entfchiedenften Gegenfatz zur Hegel'fchen Philofo- mit Rom Gemeinfame zu betonen und mit ihm, gar unter
phie: dort der blinde, unvernünftige Wille, hier die ab- i fogenanntem confervativen Schilde, zufammen zu kämpfen,
folute Idee das Weltprincip; dort die All-Eins-Lehre des 1 Es ift der echt lutherifche Standpunkt, von dem aus der
erkenntnifslofen, blinden Dranges, der Unvernunft, hier Verf. redet und am Schluffe auch über manche kirchliche
die All-Eins-Lehre der Idee, der Vernunft; dort ein 1 Zeitfragen richtige Bemerkungen macht. Das Ganze läuft in
Alogismus, hier ein Panlogismus; dort der Peffimismus j zufammenfaffende Thefen aus. Von diefen lautet die achte,
der Unvernunft, hier der Optimismus der Weltvcrnunft. fehr wahre: ,Mit Katholiken, angeblich zum Schutz der
Von Schopenhauer wird eine fortfchreitende Entwicklung confervativen Intereffen, einen Bund eingehen ift falfch,
der Menfchheit geleugnet; Hegel erkennt dagegen einen weil der Katholicismus die Rechte und Pflichten des
Fortfehritt in der Gefchichte an. Staates ganz anders als wir verlieht, und der Vorwurf,

Ref. ift auf das Schopenhauer'fche Syftem deshalb , Revolutionsprincip zu fein, den er dem Proteftantismus
abfichtlich näher eingegangen, weil dasfelbe die prima ' macht, vielmehr ihn trifft. — In Beziehung auf die fog.
stamina der von Hartmann'fchen Philofophie des Unbe- ; Maigefetzgebung haben wir prinzipiell dem Staate Recht

wufsten und den Peffimismus in feiner fchroffften Geftalt
enthält. Man vermag ja auch Hartmann nicht genügend
zu würdigen, ohne ihn aus Schopenhauer erft verftanden
zu haben. Um diefe Anzeige nicht zu weit auszudehnen,
müffen wir es uns verfagen, zu zeigen, wie von Hartmann
, der manche Schwächen des Schopenhauer'fchen
Syftems zu verbeffern fuchte, eine Vermittlung zwifchen
Schopenhauer und Hegel angeftrebt hat —• dadurch,
dafs er den blinden, dummen Willen mit der abfoluten

zu geben. Was den Kampf um diefelbe verwirrt, ift
einerfeits die Meinung, man könne durch äufserliche Gefetze
die römifche Kirche innerlich fchwächen, anderer-
feits die Täufchung, die in Folge diefer Gefetze zu Tage
gekommene Feindfchaft gegen das Chriftenthum fei eine
Folge diefer Gefetze.' —

Wohlthuend ift der frifche und freudige Ton, der
durch das Schriftchen klingt, ganz entgegengefetzt dem
unverftändigen Jammern, das in manchen evangelifchen

Idee (die freilich nach von Hartmann nicht fchöpferifch, Kreifen herrfcht, weil fie hinter dem Paftor den Polizei-
fondern dem Willen untergeordnet gedacht werden Poll) ftock nicht mehr fehen.

verbunden denkt als Attribute Einer Subftanz, welche er
mit dem fchon fprachlich unglückfeligen Namen ,das
Unbewufste' bezeichnet hat. Wir haben bei von Hartmann
denfelben Dualismus wie bei Schopenhauer, der
fich endlich als vollkommener Nihilismus entpuppt, aber
keineswegs den Monismus, auf welchen er fich fo viel
zu gute thut. Aufserdem findet fich bei v. Hartmann

Erlangen. ■ G. Plitt.

Thiersch, Heinr. W. J., Ueber die Gefahren und die Hoffnungen
der christlichen Kirche. Fünf Vorträge. Bafel
1877, Schneider. (III, 82 S. gr. 8.) M. — 80.

Diefe (zu München und Bafel gehaltenen) Vorträge
ein ebenfo grofses Chaos von Widerfprüchen, wie bei entwickeln das bekannte Programm des Irvingianismus.

Schopenhauer; diefelben müffen jeden Urtheilsfähigen ! Das in der Zeit vorhandene Antichriftenthum drängt zur
abhalten, in die Wege des Peffimismus der genannten bei- ' vollen Entfaltung, welche endlich in der Erfcheinung
den Philofophen mit einzulenken. Welche Vorftellung foll ' des perfönlichen Antichrift ftattfinden wird. Dann er-
man fich machen von dem Weltungeheuer, was hinter folgt die fichtbare Wiederkunft des Herrn und die Auf-
den Welterfcheinungen fein grauenhaftes Wcfen treibt, 1 richtung des taufendjährigen Reiches. Und zwar fleht
und von Hartmann bald blind und dumm, und dann dies alles nahe bevor, noch die jetzige Generation wird
wieder hellfehend, allwiffend und fogar allweife genannt 1 es erleben. Vorboten davon find das Wiedererwachen
wird? Wer möchte im Stande fein, fo lange er den Kopf ! der urchriftlichen Gciftesgaben und die Erneuerung der
oben behält, den lebendig perfönlichen Gott des Chriften- l urfprünglichen Geftalt der Kirche in den ,apoftolifch-
thums daranzugeben, um ftatt feiner ,das Unbewufste', i katholifchen', d. h. irvingianifchen Gemeinden. — Es ift
den ,monopantheiftifchen', todten Götzen des Hrn. von j fchwer, wo nicht unmöglich, fich von principiell ver-
Hartmann anzubeten? fchiedenen Grundvorausfctzungen aus mit einer gefchlof-

St Petersburg. Dr. theol. et phil. Ad. Stieren. j fenen Anfchauungsweife wie die hier vorliegende aus
ö 1 einander zu fetzen. Wir unferntheils vermögen in

Anm. Die Redaction glaubte der obigen Befprechung. obwohl fie > cjem Evingianismus nur eines der vielen Symptome zu

aus dem Rahmen einer gewöhnlichen Anzeige bedeutend heraustritt, die j bHcken welche darauf hinweifen, dafs unfer Zeitalter
Aufnahme doch nicht verfagen zu follen, da fie in knappfter Form eine , . „ „„in,; v :r. -,r«,™r.t.-.»;Kf v -n

treffliche Darftellung und Kritik des in neuerer Zeit am meinen genannten ' einer machtigen geiftIgen KnflS entgegentreibt. Es ift

philofophifchen Syftemes giebt. 1 begreiflich, wie das Vorgefühl ungeheuerer ,Dinge, die

j da kommen follen', bei einer beftimmten Dispofitton

__ j des religiöfen Lebens zu Anfchauungen, wie fie Thierfch

vertritt, hinführen kann. Gegenüber dem landläufigen
gedankenlofen Optimismus, der fich bei den fchrecklichen