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Ausgabe:

1878 Nr. 19

Spalte:

468-470

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hammond, C. E.

Titel/Untertitel:

Antient Liturgies being a reprint of the textes, either original or translated, of the most representative liturgies of the church, from various sources, edited with introduction, notes and a liturgical

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 19.

468

der Uebereinftimmung unterer vier Handfchriften hätte
vielmehr der foweit möglich reconftruirte Archetypus
felbft zur Bafis der Berechnung gemacht werden follen,
gleichviel ob die urfprüngliche Geftalt desfelben fich
in allen vier Handfchriften oder nur in einer einzigen
erhalten hätte. Die Reftrictionen, welche Abbott p. L
nachbringt, laffen erkennen, dafs er feinem eigenen Cal-
cül felbft nicht recht getraut hat; denn im Grunde kommt
auch er zuletzt bei dem von Ferrar gewonnenen Reful-
tate an, gegen welches er vorher um des Weges willen,
auf welchem es gewonnen worden , Verwahrung eingelegt
hatte.

Trotz der ausgefprochenen Differenzen fleht Ref.
nicht an, das vorliegende Buch als eine tüchtige, überaus
dankenswerthe Leiftung allen denjenigen angelegentlichft
zu empfehlen, welche fich für die Gefchichte des neu-

nur noch ein weniges fpäter, unter Gallienus. Mit Hilgenfeld
hält er die Taube und die Worte c. 6 und 7 iv
yiaj xcti ddvvarov bis tag ini Xmnvv TQtynvttg für Interpolationen
. 6) Fragmente aus der römifchen Verfolgung.
Das erfte diefer .Fragmente' behandelt ,das neronifche
Verbrechen und den Chriftennamen', wobei der Verf.
gegen Schiller u. A. die Weizfäcker'fchc Anficht verficht
, dafs das Chriftenthum fchon unter Nero als eine
von dem Judenthum unterfchiedene Secte, mithin als
religio illiata gegolten habe, und gegen den Unterzeichneten
die Angabe der Apoflelgeichichte über den Ur-
fprung des Chriftennamens für hiftorifch hält. Weitere
Fragmente behandeln ,die Entftehungsverhältnifse der
drei unächten Toleranzrefcripte der Antonine' (Hadrians
Refcript ad Minucium Fundanum das ältefte, aber felbft
fchwerlich vor 176 entftanden), ,die Zeit des Tertullian-

Halle. O. Gebhardt.

teftamentlichen Textes intereffiren. fchcn Apologeticum' (nicht 198 fondern nach 202) und

,ein Chriftenedict des Kaifers Conftantius' (das Edict,
welches Verftümmelung ftatt Todesftrafe verhängte, fei
von Conftantius erraffen, 305—306). 7) Urfprung des
Mönchwefens: Bekämpfung der Weingarten'fchcn Anficht
von nachconftantinifchem Urfprung des Mönchwefens
und feiner Herleitung aus dem Serapisdienft.

Vorflehende Ueberficht wird genügen, um die Mannigfaltigkeit
des behandelten Stoffes, aber auch die
Mannigfaltigkeit der Gegnerfchaft, gegen welche Keim
in den Krieg gezogen ift, deutlich zu machen. Auf eine
Beurtheilung der aufgezählten Abhandlungen nach Stoff

Keim, Prof. Dr. Th., Aus dem Urchristenthum. Gefchicht-
liche Unterfuchungen in zwanglofer Folge. 1. Band.
Zürich 1878, Orell, Füfsli u. Co. (XI, 230 S. gr. 8).
M. 7. —

Diefes neue Lebenszeichen des verdienten Gefchichts-
fchreibers des Lebens Jefu wird jedenfalls das Intereffe
der Mitforfchenden in nicht geringem Grade erwecken.

Wir haben einen Sammelband vor uns, welcher fehr j und Form, oder auch nur auf Hervorhebung der Punkte,

verfchiedene Fragen behandelt. 1) Jofephus im Neuen
Teftament: ein erneuter Verfuch, die Abhängigkeit des
Lukas von Jofephus im Evangelium (Luc. 2, 1. 3, I. 3,
10. 19, 12. 27. 42 ff. 21, 20 ft. 23, 28 ff.) und in der
Apoftelgefchichte (5, 33 ff. 21, 38. 24, 1 ff.) zu erweifen.
2) Die Präconifation des Marcus: eine Vertheidigung
der Matthäushypothefe des Verf.'s gegen Holtzmann's
Kritik (Jahrbb. f. prot. Theol. 1875, 583 ff.). Verf. bekennt
dabei doch, fich der .Theorie der Redequelle und
der FeCchichtsquelle' nicht mehr unbedingt in den Weg

an welchen Ref. feine vom Verf. bekämpften Anflehten
aufrecht erhalten mufs, wird an diefem Orte verzichtet.

Jena. Lipfius.

Hammond, C. E., Antient Liturgies being a reprintofthe
textes, either original or translated, of the most re-
presentative liturgies of the church, from various sour-
ces, edited with introduetion, notes and a liturgical
zuteilen.""3) Grenzpun^ glossary. Oxford 1878. London, Macmillan & Co.

ftolifchen Zeitalters: hier kämpft der Verf. namentlich
gegen Hilgenfeld u. A. von Neuem für feine Annahme,
dafs der Apoftel Johannes nicht bis zum Jahre 100 gelebt
, der letzte Apoftel vielmehr fchon vor der Zer-
ftörung Jerufalcms aus dem Leben gefchieden fei.
4) Der Apoftelconvent: im Gegenfatze nicht blofs zu der
früheren Tendenzkritik, fondern auch zu Weizfäcker und
dem Unterzeichneten fucht der Verf. hier die Differenzen
beider Berichte auf ein Minimum zurückzuführen und
aus dem Berichte der Apoftelgefchichte eine ältere, von
Paulus unabhängige Darftellung herauszufchälen, welche
vom Bearbeiter mehrfach interpolirt worden fei. 5) Die
zwölf Märtyrer von Smyrna und der Tod des Bilchofs
Polykarp, die umfaffendfte unter den hier aufgenommenen
Unterfuchungen. Der Verf. vertheidigt die Chronologie
des Todesjahres Polykarps in der Chronik des Eufebios

(LXXXIII, 391 S. 8.) Cloth.
Bibliotheca Liturgica Compendiosa, in qua notiones omnes
ad sacros ritus spectantes atque ecclesiasticis viris
aut neccessariae aut perutiles continentur. Opus po-
sthumum iam digestum et adornatum a R. Patre Aloy-
sioMa a Carpo ordinis Minorum de observantia litur-
giae quoque scholis aecomodatum. Bononiae 1878,
Ex officina Pontificia Mareggianiana. (749 S. gr. 8.)

Die beiden vorftehenden Werke kann Ref. als Handbücher
beftens empfehlen. Hammond hat die wichtig-
ften Liturgieen in einer trefflich ausgeftatteten und cor-
rect gedruckten Ausgabe zufammengeftellt. Der erfte
Theil umfafst die Texte der paläftinenfifchen und fyri-
fchen Liturgieen und der von ihnen abgeleiteten Recen-

gegen Waddington, Gebhardt, Harnack, den Unterzeich- j fionen, nämlich die Liturgia Clementina nach dem 8. Buch
neten u. A., verwirft den Anhang des Martyriunis c. 21 , der App. Conftit. (auf Grund der Ausgabe von Ueltzen),
und 22 als Interpolation aus dem 5. Jahrh. und legt j die griechifche Liturgie des h. Jacobus, die fyrifche (jaco-
demgemäfs das Proconfulat des Statius Quadratus und | bitifch-maronitifche) Liturgie desfeben (lat. nachRenau-
den 2. Xanthikus als fpätere Erfindungen bei Seite. ! dot, Litt. Orient. Coli. T. II, p. 1 —11. 29—42), die (heu-
Das eufebianifche Jahr 166 als Todesjahr Polykarps fucht j tige) conftantinopol. Liturgie (die fog. des Chryfoftomus
er theils aus deffen Begegnung mit Marcion (wobei er j und Bafilius) nach Goar und die Liturgie der orthodoxen
gegen die ,erftaunliche Keckheit' des Unterzeichneten den ! armenifchen Kirche (englifch nach Malan, f. p. L). Der
.Zenith der Blüthe' Marcions wieder in die Mitte des j zweite Theil enthält die Liturgieen von Alexandrien und
Pontificates des Anicet herunterrückt), theils aus den | deren Töchterrecenfionen, nämlich die Liturgie des h.
Beziehungen Polykarps zum Ofterltreit, zum Monta- Marcus (nach Renaudot, 1. c. T. I), die coptifche Litur-
nismus, zu gleichzeitigen Bifchöfen und Märtyrern Klein- gie (die fog. des Cyrillus und Bafilius, lat. nach Renau-
afiens als richtig zu erweifen. Die von dem Unterzeich- dot, L c. T. 1), die liturgia aetluopica in Acthiopum
neten eröffnete Kritik des Martyiiums Polykarps wird Constitt. App. adservata (nach Ludolf) und die allge-
von Keim fortgeführt und verfchärft; obwohl er c. 21 meine äthiopifche Liturgie (nach Renaudot, 1. c. T. I).
und 22 dem 5. Jahrh. zuweht, beftimmt er doch die Ab- ; Der dritte Theil bringt die neftorianifche (oftfyrifche)
faffungszeit des Martyriums nicht viel anders als ich, Liturgie der Apoftel Addäus und Marcus (Renaudot,