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Ausgabe:

1878

Spalte:

457-459

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Nestle, Eberhard (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Conradi Pellicani de modo legendi et intelligendi Hebraeum. Deutschlands erstes Lehr-, Lese- und Wörterbuch der hebräischen Sprache verfaßt 1878

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jahrlich 16 Mark.

N°- 19. 14. September 1878. 3. Jahrgang.

Conradi Pellicani de modo legendi et intelli- | Hammond, Antient Liturgies, being a reprint

gendi Hebraeum, herausg. von Neftle of the textes of the most representative litur-

(Kautzfch). gies of the church (Harnack).

Lange, Die Genefis oder das erfte Buch Mofe, Hibliotheca Liturgica Compcndiosa, Opus po-

2. Aufl. (Kautzfeh)
Ferrar, A Collation of fourbnportant manuscripts

of the Gospels (Gebhardt).
Keim, Aus dem Urchriftenthum, Gefchichtliche
Unterfuchungen in zwanglofer Folge, I. Bd.
(Lipfius).

sthumum jam digestumetadornatumab Aloysio
a Carpo (Derf.).

Meitzer, Papft Gregor VII und die Bifchofs-

wahlen (Zoepflel).
Linfenmann, Konrad Summenhart, ein Cultur-

bild aus den Anfangen der Univerfität Tübingen
(Neftle).

Kunze, Schleiermacher's Glaubenslehre in ihrerAb-
hängigkeit von feiner Philofophie (Gottfchick).

Zezfchwitz, Syftem der praktifchen Theologie,
3. Abth. (Löber).

Spurgeon, Vorlefungen in meinem Prediger-
feminar (Neftle).

Wagner, Der evangelifche Hauptgottesdienft
(Sachsse).

Conradi Pellicani de modo legendi et intelligendi Hebraeum. der Brief vom 1. Mai 1503 aus Bafel datirt ift (daher

Deutfchlands erftes Lehr- Lefe- und Wörterbuch der falfche Druckort bei den früheren Bibliographen), fo

der hebräifchen Sprache verfafst in Tübingen 1501 ßÄaSSSSf ^ wSSuE IS 3ftÄ°V^i^*

.....r ,v . t u Tr • j tellolen Beftatigung. Neftle begnügt fich (S. V—XI des

gedruckt in Strafsburg 1504 zur werten Jubelfeier der Vorworts), in Anknüpfung an die von Geiger geäufserten

Univerfität Tübingen 1877 durch Lichtdruck neu herausgegeben
von Dr. Eberhard Neftle, Repetent am
evang. theolog. Seminar. Tübingen 1877, J. J. Heckenhauer
. (XI und 39 S. in Lichtdruck.) M. 5. —

Mit diefer dem Tübinger Stift gewidmeten Veröffentlichung
hat fich der Herausgeber ein Verdienft um die
Gefchichte der hebräifchen Studien in Deutfchland erworben
und einem allgemein verbreiteten Irrthum ein
Ende gemacht. Nicht Reuchlin's Rudimenta linguac
Uebrauae von 1506, fondern obigem Schriftchen Pelli-
kan's gebührt der Ruhm, das Studium des Hebräifchen
weiteren Kreifen zugänglich gemacht zu haben. Zugleich
find wir jetzt durch das Tagebuch (Chronikon) Pellikan's,
welches ß. Riggenbach (Bafel 1877) veröffentlicht hat,
darüber belehrt, dafs fich diefer feltene Mann die Elemente
des Hebräifchen als Autodidakt angeeignet hat.
Reuchlin verdankte er nur (im Juli 1500) den Auffchlufs,
dafs das Thema der hebr. Verba in der 3. Perfon des
Perfects zu fuchen fei. Pellikan bemerkt dazu im Chronikon
(Riggenb. p. 19) ,/iac regula aeeepta exultavi ani-
mo', und fchon 1501 fchreibt er: eodem quoque anno 1501
confeci grammaticam hebraicani. Aus dem gleich folgen-

Zweifel die Angaben früherer Bibliographen zufammen-
zuftellen und kritifch aufzuhellen. Referent ift dabei in
der Lage, den Schlüffel zum Verftändnifs der an fich
richtigen Angaben Neftle's beizubringen. Ohne von
fei nen auf das gleiche Ziel gerichteten Bemühungen
etwas zu wiffen, hatte ich feit 1873 immer vergeblich
nach jener Schrift Pellikan's getrachtet, bis ich endlich
in der Strafsburger Margarita von 1515 die (anonyme)
institutio Iiebraica entdeckte und mich fchliefslich aus
einem von Freiburg erlangten Exemplar der Margar.
von 1504 uberzeugte , dafs diefe institutio mit Pellikan
's modus legendi identifch fei. Nacli und nach
lernte ich faft alle Ausgaben der Margarita durch
Autopfie kennen und gewann dadurch einen Einblick in
das bibliographifche Räthfel, mit dem fich fchon Humboldt
abgequält hatte. Vollen Auffchlufs erhielt ich
jedoch erft durch ein Buch des Franzofen Pascal d'A-
vezac über Martin Hylacomylus, welches Paris 1867
(anonym und als extrait des Annales des Voyages 1866
nicht im Buchhandel) erfchienen ift: ich verdankte das-
felbe der Güte unferes erften Bibliothekars, Dr. Sieber.
Hier findet fich die Streitfrage mit erfchöpfender Gründlichkeit
und endgültig erledigt. Darnach ift die Origi-

den Berichte, wie der Karthäufer-Prior Gregorius Refch nalausgabe der Margarita die des Druckers J. Schott, die
(Reifch oder Reyfch) von Freiburg, der Verfaffer der am 19. Juli 1503 in Freiburg erfchien; diefelbe wurde
margarita philosopliica, durch den Baccalaureus Ober- , fofort von Grüninger (unter dem 24. Febr. 1504) zu
müller Hebraica von ihm begehrt habe, geht nicht klar Strafsburg nachgedruckt unter Beifügung von Pellikan's

hervor, was ihm Pellikan damals mitgetheilt habe. In
Folge deffen liefs fich L. Geiger in den Jahrbüchern für
deutfehe Theologie (XXI, S. 213) nach dem Abdruck

Grammatik. Dies ift die von Neftle für fein Facfimile
nach einem Stuttgarter Exemplar benutzte Ausgabe.
So kam die zweite rechtmäfsige Ausgabe Schott's vom

des betr. Abfchnittes aus dem Chronikon zu der Be- | 16. März 1504 (Strafsburg) um drei Wochen zu fpät
hauptung verleiten, die von Adam, Schnurrer, Stein- j In einem Nachwort zu derfelben fagt Schott im Hinblick
fchneider u. a. dem Pellikan zugefchriebene Schrift ,de auf Grüninger's Nachdruck: in qua (editione denuo reco-
modo legendi et intelligendi hebraea Basil. 1503' fei nie- gnitd) praeter alphabetum nihil de hebraeo auetor ipse im-
mals erfchienen, vielmehr beziehe fich der angebliche j miseuit. Quod ergo in aliorum impressionc superadditum

Titel nur auf die von P. befolgte Art, hebräifch zu lefen
und zu verftehen. Durch Neftle's Edition ift diefe Behauptung
gründlich widerlegt. Derfelbe entdeckte im
Britifchen Mufeum in der 1504 von Grüninger gedruckten
Ausgabe der Margarita den erften Abdruck jener Schrift

comperies, alienum a Margarita nostra intelligas. Auf die
dritte Ausgabe Schott's (und Furter's) vom 16. Febr.
1508 Bafel) folgte wieder ein Strafsburger Nachdruck
Grüninger's am 31. März 1508 und fo fetzt fich die
Verwickelung in mehrfachen Variationen auch fpäter fort.

Pellikan's. In einem Briefe des letzteren, der am Schlufs j Der Sachverhalt war fomit diefer: Pellikan gab dem
der Grammatik vor den Lefcftücken (S. 20 von Neftle's I Abgcfandten des Priors Reifch höchftens das hebr. Al-
Facfimile) abgedruckt ift, heifst es: Has tibi (nämlich | phabeth oder vielleicht gar nichts; erft 1503 fandte er

dem Strafsburger Juriften Jacob Gallus) mitto Lucubra
ciunculas ante biennium quorundam rogatu aeditas etc. Da

an Gallus den modus legendi und diefer wurde nun für
die Nachdrucke Grüninger's verwendet, während die

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