Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1878 Nr. 18

Spalte:

436-438

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Birks, Thomas Rawson

Titel/Untertitel:

Essay on the right estimation of Manuscript Evidence in the Text of the New Testament 1878

Rezensent:

Gebhardt, Oscar

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

435

Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 18.

436

fich von felbft, dafs die Herausgeber als gefchulte Se-
mitiften nicht nach der leider noch immer ftark graffiren-
den Methode gearbeitet haben, die fich ihre Belege nach
ungefährer Klangähnlichkeit aus dem Freytag'fchen Lexikon
holt. Vielmehr find an der Spitze jedes Buch-
ftabens die wirklich möglichen Wechfel innerhalb des
Hebräifchen, fowie zwifchen diefem und den Dialekten,
aufgeführt und mit Beifpielen belegt. Nur wünfchen wir
dabei künftig auch eine Rückfichtnahme auf die grofsen
Unterfchiede, die bezüglich des Lautwechfels für den
Anlaut einerfeits und den In- oder Auslaut anderfeits
beftehen. So wird unter He der mögliche Wechfel mit
Chet aufgeführt, aber nicht erwähnt, dafs fich derfelbe
nie auf den Anlaut erftreckt. Diefes Beifpiel ift deshalb
von Wichtigkeit, weil es lehrt, dafs die Zufammenwerf-
ung von rrfl und r,T, alfo auch von MW mit tvn eine
Unmöglichkeit ift. Einer Revifion bedürfen fchliefslich
auch die paläographifchen Bemerkungen an der Spitze der
einzelnen Buchftaben. So wäre z. B. unter », 3, n, : die
ältefteForm, die desMefafteins, wenigftens mit anzuführen,
wie dies unter 0 gefchehen; die Form des t als eines
,kurzen perpendiculären Striches' ift erft eine verhältnifs-
mäfsig fpäte Reducirung der urfprünglichen drei Striche
u. f. w. — Was den unverändert (aus der 7. Aufl.) wieder
abgedruckten Bericht über die Quellen der hebr.
Wortforfchung betrifft, fo erklären die Herausgeber felbft,
dafs er einer Umarbeitung dringend bedürftig fei. In
der That wäre es wünfchenswerth gewefen , dafs für
diejenigen, die fich nicht jede neue Auflage anfchaffen
können, wenigftens die nöthigften Correcturen und Nachträge
beigefügt wurden. Wir merken in diefer Hinficht
an: bie befte Ausgabe der Concordanz von Lamkifch
(S. II) ift die von 1718; bei den Targumen (S. IV) follte
wenigftens Lagarde's Ausgabe des Prophetentargums,
beim Graecus Venetus (S. V) Gebhardts Ausgabe, bei
Abu'lvvalid (S. VII) die Ausgabe Neubauer's nachgetragen
fein; Filipowski's Menachem ben Saruk (Anm. 25)
erfchien 1854 (nicht 1844), Biefenthal's und Lebrecht's
Ausgabe von Qimchi's W. W. B. (Anm. 30) wurde erft
1847 vollendet. Sehr ungern lafen wir S. X u. XIV
abermals die Beftimmung des Syrifchen und Chaldäifchen
als des Weft- und Oftaramäifchen. Der Name ,Chal-
däifch' follte überhaupt endlich billigerweife aus dem
Buche verfchwinden, wie ihn Ref. auch in der Grammatik
befeitigt hat. S. XVI ift das Schweigen über den
Mefaftein doch gar zu auffallend; ibid. Anm. 58, Z. 1 1.
1865 ft. 1855; S. XXIX Anm. 107, Z. 3 inf. fteht wieder
1714 ft. 1716 für die 2. Ausg. von Reland. Am Schlufs
von Anm. 109 hätte die Verweifung auf Menke's Atlas
auch nicht mehr Raum eingenommen, als die nunmehr
antiquirte Klage über das Fehlen eines, folchen Atlas.

Von dem Wörterbuch felbft hat Ref. zunächft nur
die erfte Hälfte, die bereits 1877 erfchien, eingehend
benutzt und bekennt bei diefer Gelegenheit gern den
vielfältigen Nutzen, den fie ihm bei der Umarbeitung
der Grammatik von Gefenius gewährt hat. Im Intereffe
einer künftigen 9. Auflage geftattet er fich zugleich, eine
Reihe von Bedenken zu notiren, die ihm gekommen find.
Ein Hauptwunfeh wird freilich unerfüllt bleiben, dafs
nämlich an die Stelle der neueingeführten arabifchen
Typen, die meinetwegen handfchriftengemäfs und fonft
etwas fein mögen, die gefälligen alten Leipziger Typen
treten könnten. Ref. kann nun einmal die Ketzerei nicht
aufgeben, dafs in eine Handfchrift handfehriftliche Züge,
in ein Druckwerk aber Drucktypen gehören, die den
Augen wohlthun und zu dem übrigen Druck paffen;
und dies ift gegenwärtig nicht der Fall. — Mehr Gehör
findet vielleicht der Wunfeh, dafz S. 9 die Zurückführ-
ung von Abraham auf arab. ruhäm endlich befeitigt wird.
Erftlich möchte ich einmal einen wirklichen Beleg für den
eigentlichen Gebrauch diefes ruhäm fehen , das fich
bei Lane und im Muchit nur aus dem Qamüs wiederholt
findet; zweitens ift es ja geradezu undenkbar, dafs

der Erzähler von Gen. 17, 5 diefes arab. Wort im Sinn
gehabt haben follte, und drittens läfst er über feine wahre
Meinung gar keinen Zweifel, dafs er nämlich in Abraham
nur ab ham(on) hervorbebt, ohne auf das Refch Rücklicht
zu nehmen. — S. ipb , Z. 25 1. 4 M. 22, 33; S. 23b
würde Ref. die Identificirung von Ur kasdim mit El-
Mugheir nur mit Referve geben; S. 45b Z. 4 v. u. 1. ki-
täl; S. 46b Z. 12 v. u. ift das Citat Ps. 82, 6 doch wohl
ein Verfehen; S. 47a vermifst man (unter B) neben Ps.
82, 1 bef. die Stellen, wie 2 M. 21, 6 etc.; S. 6oa Z. 21
lies n:nt rtjjj; S. 86a Z. 14 1. 47, 17; S. 87b Z. 3 f. kann
doch nnN 1 Kön. 21, 19 unmöglich als casus obliquus
bezeichnet werden; S. 89'Z. 19 1. Tl. 1, 587; ibid. Z. 12
inf. wohl ,einen Sohn' und zwar in Klammern; S. 94"
wird die appellative Faffung ,Pforte Gottes' gerade von
Schräder (KAT S. 42) ausdrücklich bekämpft; S. 181 b
Z. 2 ift 1 M. l8, 14 unrichtiges Citat; S. 2ha: betreffs
des angeblichen Archaismus von j«n im Pentat. vgl.
Gefen. Gr. 22. An. S. 86; S. 233" (No. 4) 1. nji in der
folg. Zeile 2 M. 24, 14; S. 269 fcheint uns die merkwürdige
Etymolgie von ~~r um fo bedenklicher, als
trotz Qimchi die Bedeutung ,Angel' keineswegs zweifellos
ift, vgl. Hab. t, 15. Näher liegt die Zurückführung
auf den Stammbegriff ,eng fein' (S. 283), fomit die Bedeutung
,Hamen, Netz'; S. 342" (Niph. roi:) hält Ref.
die LA. rnsisi in der dort gegebenen Erklärung für unmöglich
, da alsdann das Fron, separ. als Subject beigefügt
fein müfstc; f. Dillmann z. d. St. — S. 344 Z. 11
inf. ift 1 M. 49, 13 (cpn) irrthümlich citirt; S. 356 ift die
Nebenform Hat* zu iHjj von Böttcher und Olsh. wohl
völlig mit Recht geftrichen worden; S. 4i9b (unter b A)
find die Worte ,und Bewegung' zu ftreichen, vgl. Giefe-
brecht, die Prapof. Lamed, S. 4; S. 466a Z. 18 inf. 1.
2 M. 10, 8; S. 589" bleibt rfbo als Paufalform von nbo
höchft bedenklich und die Zurückführung auf bbo dürfte
weitaus den Vorzug verdienen; S. 671" Z. 24 1. 28, 4.
18. 51; S. 9iob verdiente zu tirschata die Ableitung de
Lagarde's von baktr. antarekshatra (der die Perfon des
Königs vertritt, Erwähnung. — Den Schlufs des Ganzen
bildet der Analytifche Anhang S. 911—22 und das fehr
reichhaltige deutfeh-hebr. Regifter S. 923—979, endlich
drei Seiten Zufätze und Berichtigungen.

Bafel. E. Kautzfeh.

Birks, Thomas Rawfon, Essay on the right estimation
of Manuscript Evidence in the Text of the New Testament
. London 1878, Macmillan and Co. (X, 124 S.,
2 Taf. 8.) M. 4. —

Die Gefchichte der neuteftamentlichen Texteskritik
feit Bentley ift wefentlich nur eine Gefchichte der Ver-
irrungen derfelben. Mit wenigen Ausnahmen (Scrivener,
Dean Burgon, Mac Clellan) haben fämmtliche Kritiker der
neueren Zeit, namentlich Lachmann, Tregelles, Tifchen-
dorf, Weftcott und Hort, von einer und derfelben falfchen
Grundvorausfetzung ausgehend, in gleicher Weife das
Ziel verfehlt. Der verhängnifsvolle Irrthum befteht, ab-
gefehen von der ganz verunglückten Gruppirung der
I Zeugen nach Familien, in der ausfchliefslichen Wcrth-
fchätzung einiger alter Handfchriften und Ueberfetzungen
auf Koften von mehreren hundert jüngeren, wofür fich
fchlechterdings kein vernünftiger Grund anführen läfst.

Es kommt Alles darauf an, den richtigen Mafsftab
für die Beurtheilung der verfchiedenen Textesdocu-
mente feftzuftellen, und unbegreiflich ift es eigentlich,
dafs noch niemand auf den Gedanken verfallen ift, die-
fen Mafsftab auf rein mathematifchem Wege zu finden
und auszudrücken.

Dafs das Alter einer Handfchrift an fich nichts für
ihren kritifchen Werth beweift, liegt auf der Hand, da
z. B. von zwei Handfchriften des 5. Jahrh. die eine durch
eine geringere Zahl von Zwifchengliedern vom Urexem-