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Ausgabe:

1878

Spalte:

385-389

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Guthe, Hermann (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Zeitschrift des Deutschen Palaestina-Vereins. Band 1, Heft 1 1878

Rezensent:

Furrer, Konrad

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Seite 1, Seite 2, Seite 3

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Theologische Literaturzeitung

Erfcheint

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er.

Preis

alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 16. 3. Auguft 1878. 3. Jahrgang.

Zeitfchrift des Deutfchen Palaeftina-Vereins, I.Bd.

r. Ilft. (Furrer).
Bleek, Einleitung in das Alte Teftament, 4. Aufl.,

bearb. von Wellhaufen (Smend).
Nowack, Die affyrifch-babylonifchen Keil-In-

fchriften und das Alte Teftament (Baudiffin).
Tiele, Die Afiyriologie und ihre Ergebnifse für

die vergleichende Religionsgefchichte (Derf.).
Variot, l.es Evangiles apocryphes (Harnack).

Baumgarten, Lutherus redivivus oder die

kirchliche Reaction, ihre Gefahr und ihre

Uebervvindung (Plitt).
Hafemann, Papft Pius IX (Plitt).
Pfleiderer (Rud.), Pius IX (Derf).
Pfleiderer (Otto), Die Religion, ihr Wefen

und ihre Gefchichte, 2 Bde., 2. Aufl. (Schürer).
Elliot, A Treatise on the Inspiration of the

Iloly Scriptures (Kaftan).

Wiefe, Ueber den fittlichen Werth gegebener
Formen (Ritfehl).

Erdmann, Grundrifs der Gefchichte der Philo-
fophie, 2 Bde., 3. Aufl. (Kaftan).

Ilülfsmittel zum chriftlichen Religionsunterrichte
(Wold. Schmidt).

Fähndrich, Die kirchliche Trauung eine Pflicht
(Koehler).

Zeitschrift des Deutschen Palaestina-Vereins. Herausgegeben
von dem gefchäftsführenden Ausfchufs unter
der verantwortlichen Redaction von Lic. Hermann
Guthe. Band I, Heft t. Mit 5 Tafeln. Leipzig 1878,
in Commiffton bei K. Bädeker. (VIII, 46 S. 8. u. 5
autogr. Tafeln.)

Ehe wir das erfte Heft diefer Zeitfchrift befprechen,
fühlen wir uns gedrungen, den Herren Zimmermann,
Kautzfeh und So ein öffentlich den wärmften Dank zu
bezeugen für Gründung eines Deutfchen Paläftina-
vereins und einer feinen Intereffen dienenden Zeitfchrift.
Nachdem in anderen Ländern bereits fo Grofses für
Kenntnifs von Paläftina gefchehen, ift es der Umficht
und Thatkraft diefer Männer gelungen, die Grundlagen
dafür zu legen, dafs deutfehe Wiffenfchaft mit vereinter
Kraft in Förderung der Paläftinakundc den Beftrebungen
Englands, Frankreichs und Nordamerika's ebenbürtig zur
Seite treten kann. Wie überaus wichtig eine gründliche
Kenntnifs des h. Landes für die Erklärung namentlich
des alten Teftamentes ift, wie mannigfach erft dadurch
das volle Verftändnifs der Evangelien erfchloffen wird,
brauchen wir keinem Bibelforfcher näher zu begründen.
Aber auch für fo manche Partie der fpätern Kirchenge-
fchichte behauptet die Paläftinakunde ihren hohen Werth.

Doch bedarf es nach all den vielen Forfchungen
über Paläftina noch eines neuen Paläftinavcreins? Geht
nicht die Zahl der cinfehlägigen Schriften in die taufende?
Wird nicht die nächfte Zukunft eine auf fyftematifche
Vcrmeffungen gegründete Karte Weftpaläftina's von Seite
Englands uns bringen? Und befteht nicht für Ergründung
des Oftjordanlandes eine amerikanifche Gefellfchaft mit
reichen Geldmitteln? Durchftöbcrn nicht die Verordneten
der franzöfifchen Gefellfchaft Orient Latin alle Archive
und Bibliotheken nach alten Reifebefchrcibungen über
Paläftina? Was bleibt da noch zu thun? Sehr Vieles.

Trotz der fehr verdienftlichen Arbeiten von Lartet,
Fraas, Conders befitzen wir noch keine vollftändige
geologifche Kenntnifs des Landes. Eine wiffenfehaftlich
genügende geologifche Karte von Paläftina fteht noch in
ferner Ausficht. Man müfste für diefen Zweck das ganze
Oft- und Weftedomland in die Erforfchung mit hineinziehen
, müfste in der Küftencbenc Sondirungcn vornehmen
, müfste durch Taucher auch den Meeresgrund
auf der Brandungslinie unterfuchen. Vielleicht könnte
bei diefer Gelegenheit das nach der Anficht von Prutz
verfunkene Tyrus wieder entdeckt werden. Im edomi-
tifchen Phaeno hat man noch im vierten Jhrh. n. Chr.
Erz ausgegraben, wohl Kupfererz, nach einer Quelle felbft
Gold und Silber. Seetzen hat den alten Namen wieder
nennen gehört, aber kein Europäer der Neuzeit hat die

dortigen einft fo berühmten Bergwerke wieder befucht.
Da auch Kupfer an dem nördlichen Grenzgebirge Sa-
mariens wieder gefunden worden, fo wäre die Frage,
woher Salomo das Material für feine Schmelzhütten im
Jordanthal bezogen, theilweis gelöft. Doch es fehlt eben
immer noch die fyftematifche Erforfchung. Wir treffen
da und dort Denkmalfragmcnte von echtem Marmor in
Paläftina. Kam letzterer aus der Fremde oder gab's im
Lande Marmorbrüche? Steht der Bafaltausbruch bei
Gezer in der Schcphela wirklich nur vereinzelt oder
hat auch im Süden des Landes die vulkanifche Thätig-
keit des Erdinnern grofsartigere Spuren hinterlaffen, als
wir bisher ahnten?

Durch Boiffier, Kotfchy, Triftram u. a. ift die
Flora und Fauna Paläftina's eingehend, aber doch noch
nicht vollftändig ftudiert worden. Ueber das Leben der
Pflanzen, ich nenne beifpielsweife den üel- und den
Feigenbaum, wie es fleh nach den einzelnen Gauen modifiziert
, haben wir keineswegs genügende Kunde, fondern
oft widerfprechende Angaben. Beffer kennen wir die
Fauna. Doch für beide Gebiete mangeln uns noch zu-
verläffige Berichte über die unter dem dortigen Landvolke
gebräuchlichen Benennungen, die doch auf manchen
Bibelausdruck ein erwünfehtes Licht werfen könnten.

Die befte Karte kann uns forgfältige Landfchafts-
fchilderungen nicht erfetzen. Oftmals hätten wir anftatt
der nicht feiten dilettantenhaften hiftorifchen Excurfe in
den Quarterly Statements des englifchen Exploration Eund
folche Schilderungen gewünfeht, da wir aus eigner Erfahrung
die grofse Manigfaltigkeit landfehaftlicher Sce-
nerie in Paläftina bezeugen können. Solche Schilderungen
, getragen von feinem Verftändnifs der reichen
Formen der Natur fowie der gefchichtlichen Erinnerungen,
kommen auch der Wiffenfchaft zu gute und werden ein
nicht geringer Schmuck der neuen Zeitfchrift fein. Mögen
fich unfere deutfchen Reifenden die Wanderjahre von
Gregorovius zum Mufter nehmen. ,Das rauhe Judäa'
ift faft ein ftereotyper Ausdruck geworden und, doch wie
viele Gegenden giebt es dort von idyllifcher Anmuth!
Melodifches Raufchen des Quellbaches tönt durch den
engen Thalgrund. Ueppiger Strauchwald fteigt die Gehänge
hinan. Du hörft das Rufen des Rebhuhns, des
Kuckucks, Gazellen flüchten mit Windesfchnelle durch's
Gebüfch, und aus welteinfamem Bergfrieden fchauen die
niedern weifsen Hütten eines Dorfes zu dir hinüber,
deffen Namen du auf den ftolzen Pylonen eines jahr-
taufendcalten Siegestempels in Theben gelcfen.

Das peträifche Arabien ift von gebildeten Reifenden
nur geftreift worden. Gründliche Durchforfchung wird
namentlich auch über die Wanderzüge Ifraels neues Licht
verbreiten, da, wie die bisherige Erfahrung fchon zeigt,

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