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Ausgabe:

1878 Nr. 15

Spalte:

375-376

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ahlfeld, Fr.

Titel/Untertitel:

Zehn Predigten nach der Feier seiner 25jährigen Amtsführung als Pastor zu St. Nicolai in Leipzig gehalten 1878

Rezensent:

Dibelius, Franz

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Seite 1

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375 Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 15. 376

Zur Homiletik. die Theologen lesbar, des Apoftels Wort: nüvra doxi-

1. Die christliche Predigt in der evangelischen Kirche Deutsch- . xcdov xave%eTe. Dafs dies Buch jedoch auch

, . c „ , , * , , „ als Erbauungsbuch gelten könne, das möchte ich

lands. Sammlung gdfthcher Reden, hrsg. v. Dec. bd den ganz verfchiedenen Charismen der Verfaffer, von
W. Stockicht. 1. u. 2. Bd. Die Evangelien u. die denen der Eine diefen, der Andere jenen Lefer mehr
Epifteln des Kirchenjahres. Wiesbaden 1876, Nied- anfpricht, und weil wohl überhaupt kaum Jemand Luft
ner. (I. Bd. VIII, 680 u 2 Bd. I. Hft. 176 S. i haben möchte, das ganze Jahr hindurch fonntäglich bei
Lex.-8.) a M. 8. —; geb. M.'io. —; m. Goldfehn, einem Andern feine Erbauung zu fuchen, doch ernftlich
jy, b bezweifeln.

Dafs D. Ahl fei d feiner Gemeinde, an der er nun

2. Ahlfeld, D. Fr., Zehn Predigten nach der Feier feiner länger als ein Vierteljahrhundert amtirt, und feinen zahl-
25jährigen Amtsführung als Paftor zu St. Nicolai reichen Freunden weit über Deutfchlands Grenzen hinaus

in Leipzig gehalten. Leipzig 1877, Hinrichs' Verl. c.ine neue G^ jn '^l^I^T' dargKeboten: diefe
, c „ & ! Anzeige genügt, dem Buche den Weg zu bahnen, kennt

(193 b. gr. 8.) M. 3. - doch jeder des Verfaffcrs Gabe. Von diefer feiner

3. Calinich, Hauptpaft. Dr. Rob., Der alte Glaube. Pre- neuften Arbeit möchte ich fagen, was der Autor felbft
digten an Sonn- u. Fefttagen. Hamburg 1877, Gräfe. , vor nun. 4 Jahren gefchrieben: Sind Wendungen und
(VIII 650 S er 8) M 6 _ ' Bilder nicht mehr zur Hand wie ehedem, fo lehnen fie

j fich nur um fo treuer an das Wort und enthalten defto

4. Heinzelmann, Pred. Otto, Predigten über freie Texte mehr innere Erfahrung.

für alle Sonn- und Festtage des christlichen Kirchenjahres. Wer neuere Epiftelpredigten begehrt, die in einPotsdam
1875, Stein. (VIII, 398 S. gr. 8.) M. 4. 50. facher, aber anfprechender Form eine gediegene Schriftauslegung
und eine in die Details des täglichen Lebens
Unter den Predigtfammlungen der neueften Zeit eingreifende erbauliche Anwendung bieten, der fei auf
nimmt das vom Decan St öcki cht in Goarshaufen am j die von D. Calinich in Hamburg herausgegebenen
Rhein unter dem Titel: ,Die chriftliche Predigt in hingewiefen, die fich durch ihren Titel: ,l)er alte
der evangelifchen Kirche Deutfchlands' heraus- i Glaube' am beften felbft charakterifiren. Sind hier die
gegebene Werk einen hervorragenden Platz ein, ift es ; Textgedanken nicht nur in knapper, klarer Dispofition
doch ein in der Literatur der letzten fünfzig Jahre einzig- 1 zufammengefafst, fondern nun auch in der nachfolgenartiges
Unternehmen, einen Jahrgang von Predigten aus j den Predigt der Gemeinde wirklich ausgelegt, fo findet
Originalarbeiten lebender bewährter Kanzelredner Deutfch- i fich das gerade Gegentheil in den Predigten über
lands fo zufammenzuftellen, Hafs von jedem Mitarbeiter 1 freie Texte von O. Heinzelmann. Der Verf. hat
nur eine Predigt aufgenommen wird, der Lefer alfo an offenbar ein fchönes Charisma zu erwecklicher Predigt
jedem Sonntag eine eigenartige geiftliche Gabe empfängt, j empfangen, aber dafs er dies in rechter Weife gebrauche,
Eine literarhiftorifche Bedeutung wird man von vorne I möchten wohl die meiften Lefer bezweifeln. In beifpiel-
herein diefer Sammlung zuerkennen müffen; denn, wenn I los aphoriftifcher Weife werden Gedanken, die dem Verf.
fich auch dagegen fagen liefse, dafs nicht alle kirch- 1 beim Bewegen und PZrwägen eines Schriftwortes in den
liehen Richtungen, die gegenwärtig auf evangelifchen I Sinn gekommen find, nach einander hingeworfen. Die
Kanzeln Deutfchlands zum Ausdruck kommen, hier be- j Gedanken felbft find vortrefflich. Aber, dafs eine Pre-
rückfichtigt, vielmehr nur Beiträge von Freunden der ; digt daraus werde, dazu fehlt die Selbftzucht, die einer-
pofitiven Union und folchen Confeffionellen, die jenen ! feits ausfeheidet, was nicht an die Stelle gehört, andrer-
naheftehen, aufgenommen feien, fo dürfte doch dies Ver- j feits wirklich an den Text bindet und deffen Auslegung
fahren, das trotz der verfchiedenen Verfaffer ein ein- , verlangt. Wählt man z. B. zum freien Text Hebräer
heitliches Ganzes gefchaffen und daher wohl zu recht- 12, I—5, fo kann die Gemeinde eine Erklärung diefes
fertigen ift, auch eine auf Grund diefes Buches vorzu- ; freigewählten Textes fordern, und der Prediger hat kein
nehmende Beurtheilung der heutigen Predigtweife nicht Recht, nur zwei Wörtlein fich auszufuchen und an diefe
geradefehrwefentlichbeinträchtigen.ZweifelndeGemüther erbauliche Anmerkungen zu knüpfen; thut er es den-
mögen fich dies durch die intereffante Vergleichung be- noch, fo bringt er eben feine ,Gedanken über ein Wort
ftätigen laffen, die Profeffor Diegel in den ,Theol. Stu- Gottes' auf der Kanzel zum Ausdruck, ftatt dafs er das
dien und Kritiken' Jahrg. 1878. 3 p. 499 ff. zwifchen der Wort Gottes felbft predigen follte. Es wird gewifs
hier vorliegenden Sammlung und einer ähnlichen, 1825 heutzutage viele Geiftliche geben, die über unfere Dis-
von dem bekannten Darmftädter Dr. Zimmermann her- ! pofitionsweife als über eine läftige Feffel feufzen; an den
ausgegebenen angefleht hat. Sie werden daraus erfehen, Heinzelmann'fchen Predigten können wir lernen, welch

ein Segen in diefer vom Verf. abgeworfenen Feffel liegt,
weil fie zur Selbftzucht zwingt.

Dresden. Dr. Dibelius.

dafs die Stöckicht'fche Sammlung die hauptfächlichften
Punkte, in welchen fich unfere heutige Predigtweife von
der früheren thatfächlich unterfcheidet, klar erkennen
läfst. Auch einen praktifchen Werth für das Studium
junger Theologen, die fich wohl nicht mit j
fremden Federn fchmücken, aber doch an guten Bei- j Heimreich, weil. Paft. Adf., Das heilige Abendmahl und
fpielen lernen wollen, wird man dem Buch nicht ab- die Beichte. Betrachtungen für Chriften, die noch
fprechen können. Hier finden fie in dem erften Band, njcht mit fich fertig find. Leipzig 1877, Barth. (VI,

.],-..- Alst T7>Tn«/vnbn« oi.nlnfrt . , , 1 I., .1,,.,, nurfiifan Hat- diu *• ° II'

der die Evangelien auslegt, und in dem zweiten, der die
Epifteln behandeln foll, von dem mir aber bis jetzt nur
das erfte Heft vorliegt, künftig auch wohl in dem dritten,
der freie Texte zu Grunde legt, eine zwar ftets in pofi

204 S. gr. 8.) M. 3. —

Diefes Erbauungsbuch unterfcheidet fich von den
meiften derartigen dadurch, dafs der bereits Pfingften

tivem Geift gehaltene, aber aufserordentlich verfchiedene j vorigen Jahres verftorbene Verfaffer ,klar und offen auf
Art zu predigen, Predigten mit Partition. und ohne die- dem Boden der wiffenfehaftlich freien Theologie fleht;
felbe, mit blofs formaler Dispofition und mit einer die | fein Werk und Ziel aber ift durch und durch chriftlich
Hauptfumme des Textes in kurzem kernigem Wort zu- pofitiv im liberalen Sinn'. Es will eigentlich mehr, als
fammenfaffenden Eintheilung, Predigten in edler Ein- j der Titel befagt, denn die um Beichte und Abend-
fachheit und folche mit rhetorifchem Schmuck und mahl fich gruppirenden Betrachtungen umfaffen das Ganze
Schwung, gar kurz gedrängte und ziemlich breit ausge- J der chriftlichen Lehre. Mag man dabei die Anordnung
führte bei einander; hinter dem Allem aber fleht, für vielfach eine künftliche nennen müffen, fo ift es doch