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Ausgabe:

1878 Nr. 15

Spalte:

373-374

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zimmermann, G. R.

Titel/Untertitel:

Die Zürcher Kirche von der Reformation bis zum dritten Reformationsjubiläum (1519 - 1819) nach der Reihenfolge der Zürcher Antistes geschildert 1878

Rezensent:

Staehelin, Rudolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 15.

374

Xixov 'PwoittG nQog KXtßUVZCt (Clemens III.) nünav tijg
irQeoßvTtgag 'l'iofitjg nach 2 Moskauer Handfchriften mit
Berückfichtigung der bisher gedruckten Texte (S. 169—
186; f. S. 58 f.). Der Brief, der mit den fchmcichel-
hafteften Ehrfurchtsbezeugungen beginnt, beharrt doch
feft auf den Eigenthümlichkeiten der griechifchen Kirche
und gefteht auch nicht die Möglichkeit eines Compro-
miffes zu. Beachtenswerth ift auch die pietätsvolle Abhängigkeit
von dem conftantinopolitanifchen Patriarchen,
in welcher zu ftehen der ruffifche Metropolit fich be-
wufst ifl.

Das 8. Stück bilden die beiden kleinen Cataloge des
Metropoliten Nicetcs von Seidos (u. J. 1112) und des Metropoliten
Johannesvon Claudiopolis(Mittedes 12.Jahrh.'s).
Der erftere aus einer, der andere aus zwei Moskauer
Handfchriften (S. 186—191; f. S. 45). Nicetes zählt 12
Hauptabweichungen der Lateiner auf, bemerkt aber am
Schluffe, ihre Zahl fei bereits auf 32 geftiegen. Johannes
rechnet 18 zufammen. Bekanntlich fprach man fpäter
von itt'oia und avaQl&itT/Ta.

An 9. Stelle folgt die Abhandlung des kiewfchen
Metropoliten Georgius (2. Hälfte des 11. Jahrh.'s) in alt-
ruffifcher Sprache, 27 Anklagepunktc wider die Lateiner
enthaltend, nach einer Handfchrift der Nowgoroder Sophienbibliothek
(S. 191 —198; f. S. 48 f.). Die Abhandlung
ifl vor nicht langer Zeit erft aufgefunden und edirt
worden. Schon der editot prineeps Makarius hat auf die
Verwandtfchaft derfelben mit einem Briefe des Metropoliten
Nicephorus an den Grofsfürftcn Wladimir Monomach
aufmerkfam gemacht. Pawloff fucht nachzuweifen,

fcheinungen der betreffenden Zeitabfchnitte hineinzeichnet
, erweitert fich ihm derfelbe zu einer allgemeinen
Gefchichte der Zürcherifchen Kirche, welche wiederum
fowohl der Mangel anderweitiger Darftellungen wie
die hohe Bedeutung Zürichs gegenüber der reformirten
Gefammtkirche doppelt willkommen fein laffen. Hie und
da führt diefe Verbindung der beiden Gefichtspunkte freilich
auch zu Einfchachtelungen, welche den Lefer ermüden
; man vgl. die unerträglich lange Parenthefe S. 59,
welche das Leben Pellikan's in dasjenige des Petrus Martyr
hineinfehiebt, das feinerfeits wieder in der Thätigkeit Bul-
linger's zur Herftellung der Bekenntnifseinheit eine Epi-
fode bildet. Anderwärts ift die Abhängigkeit von andern
Bearbeitern auffallend; fo hätte S. 56 die Stelle aus
Peftalozzi's Leben von Bullinger, welcher die Ausführung
entnommen ift, wenigftens genannt fein follen. Immerhin
wird fowohl in Bezug auf die Form wie auf die Auswahl
des Stoffes auch der Urfprung und der Zweck des
Werkes in Berückfichtigung gezogen werden müffen: eine
Ueberarbeitung und Zufammcnfaffung von Auffätzen,
welche zuerft in dem Zürcherifchen evangelifchen Wochenblatt
1860 und 61 erfchienen, verfolgt es offenbar
nicht blofs den wiffenfehaftlich hiftorifchen, fondern auch
den Zweck praktifcher Anregung, wie auch die Darftcll
ung fichtlich auf einen weiteren als blofs den theologifchen
Leferkreis berechnet ift, und demgemäfs find es auch
in der Gefchichte der Kirche hauptfächlich die innern
Zuftände, die Erfchcinungen des religiöfen und des fitt-
lichen Lebens, welche wir ins Auge gefafst und mit
einer gewiffen Vollftändigkeit verfolgt fehen. In diefen

dafs die Abhandlung in der That nichts anderes ift als I Grenzen aber ift das von dem Verfaffer Mitgetheilte von
die letzte und nicht immer gefchickt verdeckte Ueber- hohem Werth; er zeigt fich. fowohl in den Schriften der

arbeitung jenes Briefes.

Zu den auch uns Abendländer am meiften interef-
firenden Abfchnitten des Pawloff'fchen Buches gehört
der letzte, der von der moskauifch-ruffifchen Literatur
handelt, die fich an die Florentiner Union angefchloffen
hat (S. 88—108). Das 10. Actenftück, der lehrreiche Bericht
des Simeon von Sfusdal über das florentiner Concil
(S. 198—210), gehört hierher. Der Bericht, der, früher
fchon gedruckt, doch nur in wenigen Handfchriften auf
uns gekommen ift, ift hier nach zwei MSS. — das eine
ein moskauifches, das andere dem Archive des Minifte-
riums des Innern angehörig — aufs neue veröffentlicht.
Leipzig. Adolf Harnack.

in erfter Linie gefchilderten Antiftes, auch der weniger
bekannten, namentlich in ihren Predigten und Synodalreden
, als auch in der fonftigen kirchlichen Literatur,
der gedruckten wie der handfehriftlichen, gründlich
unterrichtet, und die Mittheilungen daraus find bei
aller Pietät mit grofser Unparteilichkeit ausgewählt, fo
dafs fowohl über die in den Vordergrund geftellten
Männer wie über die allgemeine Entwicklung der Kirche
ein ebenfo anfehauliches wie zuverläfsiges Bild geboten
wird, wie es in diefer Vollftändigkeit und diefem über-
fichtlichen Zufammenhang früher auch nicht annähernd
vorhanden war. Auch für die weitere Gefchichte des
kirchlichen Lebens, des Unterrichts, der kirchlichen Zucht
und Sitte und vor Allem der Predigt enthält das Werk
lehrreiche Beiträge und ebenfo ift von hohem Intereffe,
was der Verf. über das fchon im 17. Jahrh. beginnende
und im 18. fchliefslich zum Sieg gelangte Hervortreten
freierer theologifcher Richtungen bald von myftifcher

mm ermann, Pfr. Dek. G. R., Die Zürcher Kirche von
der Reformation bis zum dritten Reformationsjubiläum

(1519—1819) nach der Reihenfolge der Zürcher Antiftes
gefchildert. Zürich 1878, Höhr. (414 S. gr. 8.) „nd rÄetm^^Ü '^on'n^^mrM^F^^^

über die wichtigften Träger derfelben innerhalb der
Kirche, einen J. J. Zimmermann, Wirz, Lavater, Hefs
beibringt. Trotz feiner populären Haltung wird alfo in

M. 5. 40,

Wie in den meiften übrigen fchweizerifchen Kantonen
war auch in Zürich mit der Reformation die Leitung
der kirchlichen Angelegenheiten, foweit fie nicht der

dem Werke auch dem theologifchen Lefer manches

Staat in die Hand nahm, an den Pfarrer der Haupt- I Neue und Werthvolle geboten; vor Allem aber ift es
kirche, in Zürich alfo des Grofsmünfters übergegangen ! geeignet in dem weitern Kreife der geiftlich Gebildeten
— den .Oberften Pfarrer' oder Antiftes, wie er nun feit J fur die gefchildcrte Zeit und Kirche Verftändnifs und
Bullinger genannt wurde. Es war bei diefem Verhältnifs ! Liebe zu wecken und dabei doch auch in ihnen die
ein glücklicher Gedanke, die Biographien diefer Zürcher > Einficht zu befeftigen, dafs die in jener Periode mafs-
Antiftcs in der Weife aneinander zu reihen, dafs fie zu- gebenden Grundfätze der Heilsauffaffung und des kirchgleich
zu einer Gefammtgefchichte der von ihnen ge- I liehen Gehorfams nicht im Stande gewefen find, das
leiteten Kirche fich geftalteten. Indem der Verfaffer j Wefen der evangelifchen Frömmigkeit zu einer die fpä-

in kurzen, überfichtlich gezeichneten Umriffen und vielfach
mit ihren eigenen Worten das perfönliche Leben
und die amtliche Wirkfamkeit diefer Männer zur An-
fchauung bringt, bietet er eine Reihe von kirchlichen Charakterbildern
, die alle mehr oder weniger hiftorifch bedeutend
find und von denen bisher doch nur wenige, wie
Zwingli und Bullinger, Breitinger und Hefs zu allgemeinerer
Kenntnifs gebracht find; und indem er in diefen
biographifchen Rahmen mit wohlerwogner Auswahl
auch die übrigen wichtigeren Perfönlichkeiten und Er-

tere Ergänzung ausfchliefsenden Entfaltung zu bringen.
Schliefslich fei noch beigefügt, dafs für den letzten Theil
der vom Verf. dargeftellten Zeit, die Gefchichte der
zweiten Hälfte des 18. Jahrh., eine treffliche Ergänzung
vorliegt in einer Reihe von Abhandlungen, welche der
dermalige Antiftes Dr. Finsler feit 1878 in dem Zürcher
Neujahrsblatt zu Gunften des Waifenhaufes über das
damalige geiftige und kirchliche Leben Zürichs zu veröffentlichen
begonnen hat.
Bafel.___ R. Stähelin.