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Ausgabe:

1878 Nr. 15

Spalte:

365-366

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Demetriades, Kalliopios

Titel/Untertitel:

Die christliche Regierung und Orthodoxie Kaiser Constantin des Grossen. Eine historische Studie 1878

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Seite 1

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365 Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 15. 366

d. h. tov ftatt tw vorausfetzt, wenn fie b-N-na-n bietet, diatorenfpiele u. f. w. erlaflen. 5) Er hat der Freilaffung
wo Pefchito "-rirb hat; 26, 27 foll der Satz 7naikvEtg der Sklaven, die angefichts der Kirche erklärt wurde,
roig 7iQO(pii%aig nach den fyrifchen Acccnten keine Frage, Rechtskraft ertheilt. 6) Er hat die Bifchöfe als Richter
fondern ein Äusfagefatz fein. — Wichtiger find diefe höherer Inftanz in Civilproceffen anerkannt. 7) endlich
adnotationes für die Herftellung eines correcten fyrifchen ! er hat fclbft geiftliche Reden über die Einheit und VorTextes
, da fie fich grofsentheils darauf beziehen, wie die | fehung Gottes gehalten und darinnen auch eine Darftellung
vielen Eigennamen in der Apoftelgefchichte, überhaupt der Erlöfung und eine Schilderung des jüngften Gerichts
die einer verfchiedenen Vocalifatiön fähigen Formen zu gegeben. .Diefes Intercffe für die Kirche und ihre Auf-
vocalifiren feien. Druckverfehen habe ich, wie zu er- gaben, für den Namen Jefu und die Herrlichkeit des
warten, nur fehr wenige gefunden; 7, 27 wird die Zahl chriftlichen Gottesdienftes läfst fich unmöglich aus
6 abgefprungen fein, L. 30 könnte 44 ergänzt werden; | der kalten Berechnung eines unaufrichtigen Egoiften er-
S. 16 follte 11 fchon L. 52 flehen. Im Uebrigen möge j klären'. Die Ermordung feiner nächflen verwandten war
es das Vorftehende rechtfertigen, wenn ich über eine fo j ,ein Gebot der Selbfterhaltung'. Die Auffchiebung der

Taufe ift allerdings bedenklich: aber ,C. hielt fich nicht
für ftark genug, um nach den ftrengen Gefetzen des
Chriftenthums leben zu können, und verfchob daher, um
eines freieren Lebens willen, vielleicht auch, um als Pon-
Demetriades, Dr. Kalliopios, Die christliche Regierung tifex Maximus über die Heiden leichter regieren zu können,
und Orthodoxie Kaiser Constantin des Grossen. Eine : die Taufe bis zu feinem Ende. Man kann daher höch-

kleine Publication ausführlicher zu berichten mir erlaubt
habe.

Tübingen,. Dr. E. NeftTe.

hiftorifche Studie. München 1878, Th. Ackermann.

(IV, 47 S. gr. 8.) M. 1. -
,Uns, als einem Geiftlichen der griechifchen Kirche,
welche (Conftantin) ihre ganze Machtftellung verdankt
und ihn als Heiligen verehrt, könnte fich keine würdigere
Arbeit darbieten, als diefen grofsen Kaifer im wahren

ftens fagen: ein Chrift im flrengen moralifchen Sinne war
C. nicht, weil er fich nicht entfchliefsen konnte, auch
wirklich als Chrift zu leb en'. Wir find dem Verf. für
diefe Ausführungen aufrichtig dankbar; denn wenn fie
auch in Wahrheit die Chriftlichkeit des Kaifers völlig
unberührt laffen, fo enthalten fie in Kürze eine Zufammen-
faffung deffen, worin ein Geiftlicher der griechifchen Kirche

und rechten Lichte zu zeigen': mit diefen Worten leitet die Chriftlichkeit überhaupt garantirt ficht. Das Intcreffe
der Verfaffer vorftehende Abhandlung ein. Die aufrich- j für die Kirche, die Pietät gegen die Hierurgen, das Ver-
tige Chriftlichkeit fowohl als die nieänifche Orthodoxie j ftändnifs für die Herrlichkeit des chriftlichen Gottesdienftes

Conftantin's foll nachgewiefen werden. Zu diefem Zwecke conftituiren hiernach den chriftlichen Charakter: man ift
wird nach einer einleitenden Ueberficht über die Stellung j fo ein Chrift, unter Umftänden felbft ein Heiliger, wenn

des Chriftenthums im römifchen Reiche in der Zeit von man auch ,im ftrengen moralifchen Sinne' kein Chrift ift.

Diocletian bis zu C.'s Regierungsantritte zuerft S. 15—42 In ähnlich charakteriftifcher Weife wird die Ortho-

die Regierung C.'s und feine Begünftigung des Chriften- doxie des Kaifers gegenüber dem Vorwurf des Arianis-

thums gefchildert. Diefer ganze Abfchnitt enthält nichts, mus erhärtet. C. hat den Eufeb. von Nicomedien für

was einer Beachtung würdig wäre. Die Gefchichtserzäh- orthodox gehalten; er hat felbft feine Zuftimmung zum
lung bewegt fich in den traditionellen Gleifen, die doch , Nie. nie widerrufen; Eufebius ftand in äufserer Gemein-
längft fchon von einfichtigen Hiftorikern verlaffen find, < fchaft mit der katholifchen Kirche; in der Unterdrückung

und die Fehler, die zahlreich aufftofsen, bedürfen keiner von Häretikern und Schismatikern hat C. ftets grofsen

Widerlegung mehr. Das auffallende Wunderzeichen am Eifer an den Tag gelegt; feine Bemühungen, die durch

Himmel ift der Verf. geneigt wie Andere rationaliftifch die donatiftifchen und arianifchen Streitigkeiten in der

als eine Erfcheinung von Nebenfonnen, die mit ihren Kirche geflörte Ruhe und Eintracht wieder herzuftellen,

Kreifen eine Art Kreuzfigur bildeten, zu deuten. Die find ebenfo conftatirt, wie fein Hafs gegen alle Sectirer

Kreuzauffindungsfabel wird dem Socrates nacherzählt, und Schismatiker überhaupt: alfo fleht feine Orthodoxie

Auffallend ift es, dafs der Verf. (S. 40 n. 1) kritiklos die »unanfechtbar' da. Die Einheit in der Glaubenslehre galt

Behauptung der Römer, dafs die Taufe Conftantins durch ihm als das höchfte, und wenn er auch noch vieles Heid-

den Papft Sylvefter fchon im 4. Jahrh. im Orient bezeugt nifche im römifchen Reiche beftehen liefs, fo gefchah

fei, nachgefchrieben hat, fo wenig er felbft an die That- auch diefes theils aus chriftlicher Toleranz, theils aus

fachlichkeit diefer Nachricht glauben will. Das Anftöfsige chriftlicher Klugheit. — Der Verf. will diefe Abhandlung

der kirchlichen Canonifation eines Mannes wie Conftantin auch in griechifchcr Sprache erfcheinen laffen. Hätte

fcheint der Verf. felbft empfunden zu haben; denn er man ihm für diefelbe nicht den philofophifchen Doctor-

fchreibt S. 40 n. 2 wörtlich: ,In der (morgenländifchen) grad ertheilt, fo wäre vorausfichtlich die Veröffentlichung

Kirche wird C. der Grofse als Heiliger verehrt. Da C. in Deutfchland unterblieben und wir um eine Beftätigung

d. Grofse bald nach dem Empfange der Taufe in einem der Beobachtung, dafs die heutige griechifche Kirche im

frommen Leben ftarb, fo müffen wir nach der Lehre der Grofsen und Ganzen noch die Kirche Conftantin's ift,

Kirche annehmen, dafs er auch fogleich in das Reich ärmer.

Gottes einging, da durch die Taufe alle Sünden und Leipzig. Ad. Harnack.

Sündenftrafen getilgt werden, und fomit konnte C. mit —----—------__

Fug und Recht als ein Seliger des Himmels gefeiert i. Richter, Dr. Jean Paul, Der Ursprung der abendländi-

• werden'. Gegen diefe Vertaufchung des Begriffs .Heiliger' schen Kirchengebäude nach neuen Entdeckungen kri-
mit Seliger des Himmels' mufs proteftirt werden. Oder ; tifch erläutert Mit 3 .'Holzfchn.-)Abbildungen. Wien

find alle Seligen des Himmels .Heihge'? J ' ö

Die Hauptfrage, um welche es dem Verf. zu thun ; l878> Braumuller. (III, 48 S. gr. 8.) M. 1. 20.

war, kommt jedoch erft in dem letzten Abfchnitt auf 2. Richter, Dr. Jean Paul, Die Mosaiken von Ravenna.

vier Seiten (!) unter dem Titel: War C. aufrichtig Chrift Beitrag zu einer kritifchen Gefchichte der altchrift-

cÄSSSSTtrÄ ÄÄrtLitS. I' *« A;*'dTs <L%MVafJ'

wohnliche Tagespolitik hätte ihn eher zur Befeftigung des Wlcn l878> Braumuller. VII, 136 S. gr. 8.) M. 5. —

Heidenthums führen müffen. 2) Er hat prächtige Kirchen Die Gefchichte der chriftlichen Kunft bietet befon-

erbaut und den Kirchen und ihren Dienern Gefchenke ders für die erften Jahrhunderte ihrer Entwickelung noch

gemacht. 3) Er hat den Bifchöfen und Prieftern Achtung eine grofse Zahl von ungelöften Problemen dar. Mit

erwiefen. 4) Er hat Anordnungen über würdige Sonn- der wieder erwachten Theilnahme weiterer Kreife hat

tagsfeier, Abfchaffung der Krcuzestodesftrafe und der Gla- der Ertrag folider Forfchung keineswegs gleichen Schritt