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1878 Nr. 1

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12-17

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften. Gesammelt und zur Herausgabe vorbereitet von Wilh. Wackernagel 1878

Rezensent:

Baur, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 1.

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Act. 8, 37; ferner 1. Kor. 8, 6; 1 Tim. 3, 16; Hebr. 6,
I—2, letzteres als die Elemcntar-Artikel. Im 2. Abfchnitte
folgen die antenieänifchen und nieänifchen Glaubensregeln
und Tauf bekenntnifse; im dritten die fog. ökumenifchen
Bekenntnifse, d. h. hier das Äpostolicum, das Nicacnum
von 325 und 381, das Chalcedonense, das Athanasianum,
das Bekenntnifs des 6. Concils von 680. Abfchnitt 4
giebt die römifchen Bekenntnifse, nämlich die canones et
,/ecreta von Trident, die professio fidei, das Decret des
Papftes Pius IX über Maria's unbefleckte Empfängnifs,
feinen Syllabus und die Decrete des Vaticanifchen Concils
. Der 5. Abfchnitt ift den griechifchen und ruffifchen
Bekenntnifsen gewidmet, Conf. orthodoxe/, Dosithci, der
gröfsere Katechismus des Philaret; und alsSchlufsabfchnitt
kommen für die Altkatholiken 14 Sätze derBonner Unions-
conferenz von 1874 und die 6 Sätze der Bonner Verftän-
digung von 1875 über das filioqiw. Alles dies ift mit Ausnahme
des Katechismus von Philaret im Grundtext gegeben
und faft überall eine englifcheUeberfetzung beigefügt.

- Im 3. Bande erhalten wir zuerft die Bekenntnifse der
luth.Kirche, d. h. doch nur die Auguftana, Luther's kleinen
Katechismus, die Epitovie der Concordienformel, die fäch-
lifchen Vifitationsartikel von 1592. Dann folgen die Bekenntnifse
der reformirten Kirchen, nämlich Zwingli's 17
Artikel von 1523(1), die 10 Sätze der Berncr Disputation
von 1528, die beiden helvetifch.cn Confeffionen, der hei-
delberger Katechismus, die franzöfifche, die belgifche, die
beiden fchottifchen Confeffionen, die 39 Artikel mit der
amerikanifchen Reviflon von 1801, der anglikanifche Katechismus
von 1549 und 1662 aus dem Book of Common
Prayer, die Lambeth-Artikel von 1595, die irifchen Artikel
von 1615, die arminianifchen Artikel von 1610, die Be-
lchlüffederDordrechterSynode,dieWeftminfter-Confeffion
von 1647 mit den amerikanifchen Veränderungen, der
kürzere Weftminfter-Katechismus. Der 3. Theil des Bandes
endlich enthält die ,modernen proteftantifchen Bekenntnifse
' in der Reihenfolge: Bekenntnifse der Congre-
gationaliften, Baptiften, Presbyterianer, Quäker, zufammen
ihrer 13, dann die Oftcr-Litanei der mährifchen Brüder
von 1749, die methodiftifchen Religions-Artikel von 1784,
die Religionsartikel der amerikanifchen ReforviedEpiscopal
Ckurch von 1875, die 9 Artikel der evang. Alliance von
1846. Den Schlufs macht ein ,evangel. Ünionskatechis-
mus', verfafst vom Herausgeber, der in Amerika in vielen
Sonntagsfchulen in Gebrauch fein foll. Diefer 3. Theil
des 3. Bandes ift es hauptfächlich, der dem Werke für
deutfehe Theologen Werth verleiht. In dem erften, dem
ftärkften Bande, ift in der aus Obigem erfichtlichen Reihenfolge
die Gefchichte der Bekenntnifse behandelt. —
Dies in knappen Zügen der Inhalt des Sammelwerkes.
Man fleht, es ift ein reicher Inhalt, aber wenn man ihn
genauer betrachtet, wird man bald fagen müffen: hier
ift zu viel und dort ift zu wenig gegeben. Der erftc
Band bekundet wieder in hervorragender Weife den fchon
bekannten Eleifs des Herausgebers. Dcrfelbe bemerkt
in der Vorrede, bis zum Schluffc des Jahres 1876 werde
ihm in der Literatur nichts Wichtiges entgangen fein;
und in der That ift die Zahl der deutfehen Schriften,
deren Erwähnung und Benützung man vermifst, nur eine
ganz geringe. Da ift um fo mehr zu erwarten, dafs wir
mit der einfehlägigen englifchen und amerikanifchen Literatur
hier vollftändig werden bekannt gemacht fein.
Das hat man dem Herausgeber entfehieden zu danken.
Zuviel aber hat er gethan in den Noten und in Herbeiziehung
des gcfchichtlichen Stoffes. Von den Noten
könnten viele fehlen, indem ihr Inhalt nicht die Sache
felbft betrifft, und der übrige gefchichtliche Stoff hätte
fehr verkürzt werden können. Warum z. B. ein Leben
Zwingli's und Calvin's in die Einleitung einer Bibliotlieca
symbolica gehören foll, ift wirklich nicht abzufeilen. Der
ganze erfte Band hätte ohne einen Schaden für die Sache
fleh auf die Hälfte zufammenziehen laffen. Dazu kommt,
dafs die Genauigkeit der einzelnen gefchichtlichen Angaben
manches zu wünfehen übrig läfst. Die Zahl der
Unrichtigkeiten und Irrthümer, die Einem beim erften
Lefen aufftöfst, ift keine geringe. Und doch follte gerade
in einem folchen Werke möglichfte Zuverläffigkeit
erftrebt werden. Noch weniger befriedigen die dogma-
tifchen Kritiken des Herausgebers, die überdies an diefem
Orte Keiner von ihm erwartet hätte. Und noch Eins.
Der Vfr. fagt, er habe fleh bemüht v.hfötveiv f,v ceyanjj
und ayanqv er alr/9-eiq zu verbinden, und dies Bemühen
ift auch ganz unverkennbar. Aber zu der für dies Werk
wünfehenswerthen Unparteilichkeit hat er fleh nicht emporgerungen
. Eine fehr ftarke Vorliebe für die reformirte
Kirche hat ihm die Feder geführt. Solche Vorliebe ihm,
dem reformirten Theologen, an fleh zum Vorwurfe machen
zu wollen, wäre Thorheit. Aber für die Eigenart
diefes Werkes war allerdings eine gröfsere Objectivität
erforderlich, als fle dem Herausgeber zu Gebote zu flehen
fcheint.

Auch im 2. und 3. Band giebt es des Zuviel und
Zuwenig. Zu ftreichen wäre gleich der Anfang und der
Schlufs, die fog. Bekenntnifse aus der Schrift und der
Unionskatechismus. Beides ift nichts Kirchliches oder von
einer Gemeinfchaft Ausgehendes, fondern etwas rein Sub-
jectives, Perfönliches. Im 2. Abfchnitt, bei den Formen
der Glaubensregel und des Taufbekenntnifses ift der Grund
der Auswahl nicht recht erfichtlich. An dem Zuwenig
ift befonders die lutherifche Kirche betheiligt. Von ihren
Bekenntnifsfchriften wird vielleicht nur ein Sechftel mitge-
theilt! Für eine Bibliotlieca symbolica doch ein mehr als
befremdlicher Mangel. Es fehlen: der deutfehe Text der
Auguftana, der bekanntlich ebenfo urfprünglich ift wie der
lateinifche; die ganze Apologie, der grofse Katechismus,
die Solida Declaratio der Concordienformel! Ein Werk
wie das vorliegende ift doch wohl vornehmlich für die
Theologen berechnet. Was foll es dann heifsen , wenn
man in ihm gerade diejenigen Theile des lutherifchen
Bekenntnifses unterdrückt, in welchen die theologifche
Ausführung und Begründung desfclben enthalten ift ?

Kurz, die hier gebotene Durchführung des von Dr.
Schaff aufgcftellten Planes ift eine mangelhafte; aber der
Plan felbft verdiente es, feftgehalten und richtig ausgeführt
zu werden. Eine gute Bibliotlieca symbolica wäre etwas
Zeitgemäfses und Dankenswerthes. Sie müfste alle Bekenntnifse
von den erften Anfängen der Glaubensregel
an im kritifch feftgcftellten Grundtexte enthalten und dabei
auch, wie das Dr. Schaff gezeigt hat, die wichtigeren
Denominationen neuerer, ja neueftcr Zeit berückfichtigen.
' Dabei hätte fle fleh aber auf den Text zu befchränken-
dogmatifch erklärende oder gar polemiflrende Noten wären
durchaus fern zu halten? Der Einleitungsband müfste
in knappefter Form genaue Literaturangaben und eine
auch in den Einzelheiten möglichft zuverläffige Gefchichte
der Entftehung der Bekenntnifse, aber auch nur diefe,
geben. Alles Weitere wäre zu ftreichen. Eine folchc wahrhaft
objectiv abgefafste Bibliotlieca symbolica könnte ein
rechtes interconfeffionelles Werk werden, für Theologen
aller Theilkirchen brauchbar, dem Studium der Symbolik
in hohem Mafse förderlich.

Erlangen. G. Plitt.

Altdeutsche Predigten und Gebete aus Handschriften. Ge-

fammelt und zur Herausgabe vorbereitet von Wilh.
Wackernagel. Mit Abhandlungen und einem Anhang
. Bafel 1876, Schweighaufer. (XI, 611 S. gr. 8.)
M. 12. —

Das in dem Anhange zum 3. Band von W. Wacker-
nagel's Kleineren Schriften (Leipzig 1874, S. 442—449)
enthaltene Chronologifche Verzeichnifs von W. Wacker-
nagel's Schriften führt in feiner 130. und letzten Nummer
das damals unter der Preffe befindliche Buch unter dem
Titel auf: ,AltdeutfchePredigten und Gebete. MitAbhand-