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Ausgabe:

1878

Spalte:

305-308

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lange, J. P.

Titel/Untertitel:

Grundriss der theologischen encyklopädie mit Einschluß der Methodologie 1878

Rezensent:

Lemme, Ludwig

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J, C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 13. 22. Juni 1878. 3. Jahrgang.

TT

Lange, Grundrifsder theologifchen Encyklopädie j Bauer (Bruno), Chriftus und die Cäfaren, der
mit Einfchluls der Methodologie (Lemme). ' Urfprung des Chriftenthums aus dem römifchen

Godet, Commentaire sur l'Evangile de Saint
Jean, Tome II et III, 2. edition (Mangold).

Luthardt, Das johanneifche Evangelium nach
feiner Eigentümlichkeit gefchildert und erklärt
, 2 Thle, 2. Aufl. (Mangold).

Griechenthum (Overbeck).
Burk, Die Jugendzeit der chriltlichen Kirche
(Möller).

Burk, Die chriftliche Kirche im Uebergang von

Stromberger, Berthold von Regensburg (Möller).
Manning, Die wahre Gefchichte des Vatika-
nifchen Concils, autorifirte Ueberfetzung (Plitt).

Kreibig, Die Verföhnungslehre auf Grund des
chriftlichen Bewufstfeins dargeftellt (Kraufs).

der griechifch-römifchen zur germanifchen Bienengräber, Die Liebe ift des G'efetzes ErWelt
(Derf.). filllung, Predigten (Kraufs).

Lange, Ob.-Konfift.-R. Prof. D. J. P., Grundriss der theo- . Partien ift J. P. Lange von feinem Vorgänger und Gelogischen
Encyklopädie mit Einfchlufs der Methodolo- ! währsmann derartig abhängig, dafs diefe ohne die Zurr
■■ ~„„ r- rSr„,nr ,,„„ c „r s ^ hilfenahme desfelben faft unbrauchbar werden. Um
gie. Heidelberg 1877, L. Winter. (IV, 232 S. gr. ö.) , , „ • c- u u 1 ■ u
°, & / / > 01 ,^en ßeweis hieriur zu haben, vergleiche man nur

M. 4,

Die lebhafte literarifche Bewegung in der Bearbeitung
der theol. Encyklopädie, die durch Schleiermacher's
kurze Darftellung des theol. Studiums angeregt war, ift
mit dem Ausgang der vierziger Jahre verlaufen; feitdem
ift in Deutfchland keine theol. Encyklopädie von Bedeutung
mehr erfchienen. Das Intereffe an der Einheit

die Gefchichte der Encyklopädie, für deren Darftellung
Studien, die über Hagenbach hinausgingen,
nicht zu Tage treten. Wenn Hagenbach, nachdem er
von Bearbeitungen der Encykl. für Holländer und Franzofen
gefprochen hat, fortfährt: ,Sclfteiermadier'fchen Prin-
cipien folgt auch die fchwedifche Encyklopädie
von Probft H. Reuterdahl zu Lund', fo erfetzt J. P.

und dem Zufammenhang der theol. Disciplinen wich dem Lange das durch den Satz: ,Die fchwedifche [sie!)

überwiegenden Sinn für Detailforfchung. Nur fo ift es
zu erklären, dafs Hagenbach's Encyklopädie in ihren
immer wiederholten Auflagen, die allenBedürfnifsen zu genügen
fchienen, faft einzig das Feld beherrfchen konnte.
Denn fo trefflich und brauchbar diefes Buch auch fein
mag, fo ift doch jedem Kundigen klar, dafs es den
methodifchen Anfprüchen an eine wiffenfehaftliche
Encyklopädie nur theilweis entfpricht. Aber Hagenbach
, der fich hierüber keinen Täufchungen hingab,
verfolgte eben nicht blofs einen rein wiffenfchaftlichen,
fondern auch den praktifchen Zweck, Studirenden ein
bequemes Handbuch zur Einführung in das theolog.
Studium zu bieten, in der ausgefprochenen Abficht,
Schleiermacher's kurze Darfteilung zu popularifiren. Kam
es ihm alfo nicht darauf an, zur Fortentwickelung der

Encyklopädie fchrieb der hervorragende fchwedifche
Theologe Reuterdahl'. Und ftatt der Sätze: ,Nach der
Mitte des 18. Jahrh. gab fich unter den deutfehen Katholiken
mehr und mehr eine freiere Bewegung zu erkennen
; fo Denina (1758), Gerbert (1764), Braun (1777),
Brandmayer (1783) und Rautenftrauch (1781), und auf
eben der Stufe, auf der wir in der proteft. Kirche Nöf-
felt, Planck, Niemeyer finden, fleht in der kath. Kirche
der gelehrte Herausgeber des Jofephus, Fr. Oberthür',
fchreibt J. P. Lange: ,Mit der rationaliftifchen Periode des
Proteftantismus läuft katholifcherfeits die Jofephinifche
parallel (Denina, Gerbert, Braun, Brandmayer, Rautenftrauch
); einen würdigen Schlufs diefer Periode macht
Fr. Oberthür', wobei ihm das Verfehen begegnet, der
jofephinifchen Richtung Schriften zuzuweifen aus einer

Wiffenfchaft einen bedeutenden Beitrag zu geben (f. j Zeit, da diefe noch gar nicht exiftirte, theilweife von
8. Aufl. S. 105), fo hätte es wohl fchon lange einer mehr j Männern, die diefer in keiner Weife zugezählt werden

wiffenfchaftlichen Neubearbeitung der Encyklopädie be
dürft, die gegen jene unter vorwiegend praktifchen Ge
fichtspunkten flehende Arbeit Hagenbach's ein Gegengewicht
bieten könnte. J. P. Lange, in deffen Schrift

können. (Namentlich über Gerbert und feine Encykl.
vgl. Werner, Gefch. der kath. Theol. S. 179 ff.)

Im Anfchlufs an Hagenbach (und andere Encyklo-
pädiker) Hellt fich J. P. Lange die Aufgabe, die Metho-

eine fchädliche P"ortwirkung Hagenbach's zu Tage tritt, dologie in Zufammenhang mit der Encyklopädie zu be-
infofern ihm das Bild einer wiffenfchaftlichen Encyklo- handeln; und weil ihm die Erkenntnifs abgeht, dafs die
pädie einzig durch das Vorbild Hagenbach's gegeben ift, Verbindung beider, wie fie Hagenbach giebt, einzig
fcheint für das angegebene Bedürfnifs keine Empfindung i praktifche Brauchbarkeit, niemals aber theoretifche
gehabt zu haben; die Verbindung der wiffenfchaftlichen j Nothwendigkeit beanfpruchen kann, fieht er einen beAufgabe
, die Einheit der theol. Wiffenfchaft darzuftellen fonderen Vorzug feines Buchs in dem Verfahren, die

und zu entfalten, mit dem praktifchen Zweck, angehenden
Theologen fachgemäfse Anleitung zu geben, gilt
ihm für die Encyklopädie als felbftverftändlich (f. S. j).
Kein höheres Ziel hat er fich für feine Arbeit gefleckt
als das, Hagenbach's Buch zu ergänzen (f. S. IV).

Diefe Ergänzung fällt nun eigenthümlich genug aus:
dafs fie wefentliche Lücken oder Mängel jenes Buches ausfüllte
, kann man nicht fügen; und dafs fie dasfelbe nicht
aufser Cours zu fetzen geeignet ift, beweift J. P. Lange
durch feine Händigen Verweifungen auf Hagenbach (namentlich
in den Literaturangaben), die wie ein rother
Faden die ganze Schrift durchziehen. Ja in einzelnen

Methodologie der Encyklopädie als einen integriren-
den Theil einzuordnen, und verbindet fie unter dem Titel
,das Werden der fubj. Theologie' (als zweite Abtheilung
) mit dem ,Werden der obj. Theol.' (= Entftehung
der theol. Wiffenfchaft, als erfter Abth.) unter dem erften
allgemeinen Theil der Encyklopädie. In der Eintheilung
der fpeciellen Encyklopädie macht fich jedoch J. P.
Lange von Hagenbach los, indem er das ganze Gebiet
der theol. Wiffenfchaften in hiftorifche und didaktifche
Theologie zerlegt. Unter die erftere fällt: 1) ,Die Gefchichte
der Heilsoffenbarung zur Grundlegung des Reichs
Gottes', 2) ,Die Urkunden der Heilsoffenbarung oder die

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