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Ausgabe:

1878

Spalte:

262-264

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hefele, Carl Jos. v.

Titel/Untertitel:

Conciliengeschichte. 3. Bd. 2., verm. u. verb. Aufl 1878

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. II.

262

dienftes eine von den Zuhörern zu benutzende Grundlage
zu geben wünfchte. Die Urkunden, in ihrer Origi-
nalfprache mitgetheilt, machen es möglich, jener Ge-
fchichte durch die Knotenpunkte ihrer Entwickelung
hindurch von der apoftolifchen bis in die Reformationszeit
zu folgen. Der Herausgeber fagt im Vorworte:
er habe bei der Auswahl aus dem reichen Schatze der
liturgifchen Literatur fich fehr befchränken und mehrere
Actenftücke, die er gern aufgenommen hätte, zurück-
laffen müffen, damit das Buch nicht zu umfangreich
werde. Alles Wefentliche findet fich jedoch hier zu-
fammengeftellt; auch ift mitunter ein einzelnes ausge-
laffenes Glied der Entwickelungsgefchichte (fo die, jenen
grofsen orientalifchen Liturgien des Bafilius und Chry-
foftomus vorausgegangene, fog. Clementinifche) in den
angehängten .Erläuterungen' überfichtlich befchrieben.
Aufserdem enthält aber diefer Anhang in gedrängter
Kürze auch eine Menge theils fachlicher, theils fprach-
licher Notizen, welche die Benutzung des Buches fehr
erleichtern, ferner .Hinweifungen' auf die Quellen, aus
denen die nach Zeit, Heimath und Mundart fo verfchie-
denartigen Liturgien gefchöpft find, fowie auf die werth-
vollften litcrai ifchen Hülfsmittel, darunter auch inDeutfch-
land weniger bekannte. Man bekommt durchweg den
Eindruck gröfster Gewiffenhaftigkeit und Gründlichkeit,
welche, fo viel als möglich, Alles nur aus erfter Hand zu
geben befliffen ift. Folgendes ift der Inhalt des Buches:
Alte Kirche: Bericht des Flinius d. j.anTrajan; Schilderung
bei Juftinus Martyr; aus den apoftolifchen Con-
ftitutionen. Griechifche Kirche: die Chryfoftomus-
Liturgie; Auszug aus dem Taufrituale. Römifche
Kirche: Ordo Missae; Taufritual; Firmelung; Abfolu-
tionsformel; Communion; letzte Oelung; Trauritual.
Wittenberg: ,Von ordenung gottis dienft ynn der
gemeyne' (vollftändig in Luther's urfprünglicher Schreibweife
gegeben, als Probe feines Stils); Formula missae
et communionis pro ecclesia Vuittembergensi (nämlich jene
ausführliche Epiftel Luther's an Nic.Hausmann zu Zwickau);
Deutfche Meffe und Ordnung Gottesdienfts, fammt Vorrede
Martini Lutheri; das Taufbüchlein, aufs neu zuge-
richt; das Traubüchlein. Zürich: .Ordnung der Chri-
ftenlichen Küchen zu Zürich'. Geneve: ,La forme des
prieres et chantz ecclesiastiques etc'. England: Taufritual;
Gottesdienft- und Abendmahlsordnung nach dem ,Cotn-
nion Praycr-Book1. Schweden: Taufritual und Com-
munionritual, nach dem .Kyrkohandbok', revidirt 1809,
mit den bis 1875 eingeführten Aenderungen und Zu-
lätzen herausgegeben (Lund 1875). Daraus, dafs nicht
auch die dänifche Cultusordnung mitgetheilt worden
(übrigens der fchwedifchen fehr verwandt, wenn auch
nicht gleich), erfieht man, dafs bei der Sammlung eben
nur an die Landsleute des Autors gedacht ift, welche
freilich das Ritual ihrer Volkskirche kennen mögen.
Wir bedauern aber, dafs Prof. Nieifen bei der Herausgabe
des Buches keinen weiteren Leferkreis berückfich-
tigt hat. Wie leicht hätte er Titel, Vorwort, Ueber-
ichriften der einzelnen Abfchnitte, die Erläuterungen
(welche keinen ganzen Bogen füllen), ftatt in dänifcher,
in lateinifcher Sprache geben können! Auch auf deut-
fchen Univerfitäten werden ja hin und wieder Vorlefun-
gen über die Gefchichte des Cultus, wenn auch weniger
als zu wünfehen ift, gehalten. Und wenn der Herausgeber
im Vorworte fagt: feine eigene Erfahrung, fowie
die Aeufserungen mehrerer Geiftlichen hätten ihn belehrt,
dafs eine Sammlung, wie die vorliegende, für Solche
brauchbar fein dürfte, welche fich die ausführlicheren, fehr
koftbaren Sammlungen nicht anfehaffen könnten, fo trifft
diefe Bemerkung ohne Zweifel auch unter uns zu. Ueber
die belle Geltalt und Ordnung des Gemeindegottesdien-
ftes wird in manchem deutfehen Predigerhaufe nachgedacht
und in manchem unferer Paftoralconvente verhandelt
. Hierbei aber wird die Gefchichte mit ihren lebensvollen
Zeugnifsen fich immer als eine treue magistra

vitae bewähren. Wir wünfehen, dafs das Büchlein des
dänifchen Profeffor auch in den Kreifen deutfeher Studenten
und Geiftlichen Eingang finden möge. — Die
äufserc Ausltattung ift, wie meiftens bei dänifchen Büchern
, vortrefflich, auch der Druck im Ganzen correct.
Lübeck. AI. Michel fem

Hefele, Bifchof Dr. Carl Jos. v., Conciliengeschichte

Nach den Quellen bearbeitet. 3. Bd. 2., verm. u.
verb. Aufl. Freiburg i/Br. 1877, Herder. (XII, 799 S.
Lex.-8.) M. 8. 60.

Die Synoden von der Mitte des 6. Jahrh.'s bis zum
J. 814 (Buch XIV—XX) umfafst diefer 3. Band auch in
der neuen Auflage. Die monotheletifchen Streitigkeiten,
der Bilderftreit und die abendländifchen Verhandlungen
z. Z. des Bonifacius und Carl's d. Gr. bezeichnen die
drei Haupttheile. Die neue Auflage ift um 4 Bogen
ftärker als die frühere vom J. 1858; Streichungen finden
fich nur ganz feiten. Der Verf. giebt in der Vorrede
felbft an, welchen gg die durchgehende Revifion des
Werkes am meiften zu Gute gekommen ift. Wie zu erwarten
, find die wichtigften Veränderungen in den Ab-
fchnitten eingetreten, welche fich auf Bonifacius und den
Papft Honorius I. beziehen. Was die fränkifchen Kirchen
des 8. Jahrh.'s betrifft, fo galt es, die werthvollen For-
fchungen der letzten beiden Decennien zu verarbeiten;
der Verf. hat vieles hier nachgeholt. Mit H. Hahn erklärt
er z. B. nun die Generalfynode für das örtliche und
weltliche Franken i. J. 745 für identifch mit dem Corte.
Liftinense (S. 522 f.), ftreicht das fränkifche Concil v. J. 746
(S. 544) und datirt den Brief des Bonifacius an den Erzbi-
fchof Cudbert vonCanterbury jetzt auf dasj. 747 (S. 559 f.
n. 4). Die Synode von Vermeria im J. 753 (g 374) wird
mit Oelsner in den Herbft verlegt; Pipin ift auf der-
felben nicht anwefend gewefen. Die Möglichkeit, diefe
Synode erft auf d. J. 756 zu datiren — fo Oelsner — wird
zugeftanden, aber nicht als wahrfcheinlich. Der § 375
über die Urkunde von Quiercy ift erweitert worden, ebenfo
anderegg des 19. Buches(f. g 360S. 495. g3Ö2 S. 501. g 367.
g 384 S. 620 f.). In dem g 399, welcher von der Entftehung
u. f .w. der libri Carolini handelt, find die neueften Angriffe
vonFlofs (1860) auf die Echtheit der von Jean du Tillet
herausgegebenen Bücher berückfichtigt und dem gegenüber
auf den vonReifferfcheid entdeckten Cod. Vatic.
saec. X verwiefen. Nicolai folgend datirt der Verf.
jetzt die wegen des Adoptianismus zu Rom und Aachen
gehaltenen Synoden (g 406) auf das J. 798 (nicht 799).
Der folgende Paragraph (die Synoden zu Riesbach, Freifingen
und Salzburg i. J. 799) hat mannigfache Erweiterungen
erfahren; fo find S. 727 f. die von Merkel im
3. Bande der Leges {Monumenta) neugedruckten Do-
cumente jener Synoden befchrieben und benutzt worden
(f. S. 731 n. 1. S. 733 737). Für den g 408 (die römifchen
Vorgänge imj. 800) war ebenfalls die Nicolai'fche Abhandlung
von Wichtigkeit. Auf eine eingehende Unter-
fuchung der Kaiferkrönung Carl's hat der Verf. verzichtet;
er theilt nur kurz in einer Anmerkung die Refultate
Alberdingk-Thijm's mit. Auffallender ift, dafs er
nirgendwo der irifch-fchottifchen Kirchen und ihrer Mif-
fionsthätigkeit gedenkt; felbft bei der Darfteilung der
Zeiten des h. Bonifacius ift nirgends von ihnen die Rede;
fo find auch die Arbeiten von Ebrard und Aug. Werner
(Theol. Lit.-Zeitg. 1877 Nr. 6) unberückfichtigt geblieben
(eine kleine Bemerkung g 289 S. 78). Neu find hinzugekommen
die Synoden vonElufa i. J. 551, von Paris
i. J. 614, von Clichy i. J. 626 (vgl. Friedrich, Drei
unedirte Concilien der Merovingerzeit 1867), von Teilte
i.J. 562 (Montalembert, Die Mönche des Abendlandes,
überf. v. K.Brandes Bd. IV. S. 126 f.), und von Bordeaux
und Latona i. dd. JJ. 660—673 (Maafsen,
Zwei Synoden unter Childerich II. 1867); vgl. S. 8 f. 14
f. 67 f. 77 f. 106 f.