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Ausgabe:

1878 Nr. 11

Spalte:

251-252

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lagarde, Paul de

Titel/Untertitel:

Armenische Studien 1878

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. II.

252

löft fich nicht die Differenz, wenn man die Perfecta in I
2—4 gehörig beachtet? Auf den intcreffanten Unter- 1
fchied in der Behandlung 1, 8 u. c. 2 bei Lagarde und j
Studer fei nur hingewiefen, und mit Lagarde zu 1, 8 die !
Nothwendigkeit der Bemerkung bedauert, dafs Jefajas,
Arnos und Jeremias ihre Ausdrücke nicht aus dem Deu-
teronomium gefchöpft zu haben brauchen (fo auch noch
neueftens Nägelsbach). Warum Lagarde, wie Ewald,
aber anders als diefer, c. 12 dem alten Jefaja abfpricht
möge man S. 28 bei ihm felbft nachleben und fich durch
die angefühlten Beifpiele zu ernftem Studium diefer exe-
getifch und religions-gefchichtlich wichtigen kritifchcn
Anmerkungen zum Buche Ifaias aufmuntern laffen.

Ueber die zweite Arbeit S. 33—68 ,Erklärung chal-
däifcher Wörter. Erltes Stück' bemerke ich nur, dafs
unter den erklärten Wörtern die biblifch-chaldäifchen
IBTrajrUH und N;nsti fich finden, dafs S. 50 f. die Form
lVieaaictQ als Umfchreibung eines nabathäifchen np-S-:
(== derjenige welcher wiederholentlich, das heifst jeden
der mit ihm in Berührung kommt, falbt, natürlich mit
dem heiligen Geilt), S. 65 hebr. n^iDJ, "ids und Gen. 6,
14 befprochen wird.

Der ,Anhang' S. 69—71 bringt die Befchreibung einer
alten, von Lagarde eigentlich wieder entdeckten hebräi-
fchen Handfchrift der Göttinger Bibliothek, welche ein
ziemliches Stück des babylonifchen Talmud enthält,
und befpricht im Anfchlufs daran, wie eine für euro-
päifch-wiffenfchaftliche Zwecke brauchbare, beide Tal-
mude umfaffende Ausgabe in 6 Quartbänden zu je rund
600 Seiten hergeftellt werden könnte. Wie lange wird
aber diefer, wie noch fo mancher andere Plan Lagarde's
ein frommer Wunfeh bleiben müffen?

Zu S. 68 ift als Druckfehler nachzutragen: S. 21,
2. v. u. 1879; 34, 14 lapn.

Tübingen. Dr. E. Neitle.

Lagarde, Paul de, Arttienische Studien. [Aus: ,Abhandlgn.
d. K. Gef. d. Wiff. zu Göttingen'.] Göttingen 1877,
Dieterich's Verl. (216 S. gr. 4.) M. 8. —

Zwar liegen armenifche Studien mir, wie den mei-
Iten Theologen ziemlich fern, trotzdem möchte ich hier
auf Lagarde's ,armenifche Studien' aufmerkfam machen;
denn unter den 2413 Paragraphen diefes Bandes, in
welchem ein ganz fabelhaftes Wiffen niedergelegt ift,
finden fich nicht wenige, welche zur Aufhellung dunkler
Punkte der ATlichen Sprache und Gefchichte dienen
können. Ich hebe heraus § 14 S. 5 über Adin. •pj.p-, die
Anmerkung auf dergleichen Seite über hebr. rr.N; § IOO
ü-i-iN Jerem. 51, 27 die ältelte Nennung'; (§ 105 Anahit);
143 Asken wegen TüDiüN; 333 bakela^ = ßccxelleir 4 Reg.
4, 42, wo demnach rybpa ftatt -obpita zu lefen fei; nybp

= nybp = arab. Süuls Ranzen. Zu 339 aram. «a neben
rva vgl.' Semitica I, 51 f.; 448 Gamir, Cappadocien;
484 gini Wein; über die Verwandtfchaft von v«, oivoq
etc.; 499, wo L. für o-as 1. Reg. 6,9 nach dem Syrer
ftvgo = pers. gunbad Kuppel vorfchlägt und die Frage
aufwirft, ob die Eranier frühzeitig Wölbungen gekannt
haben; 817 hebr. ins Efelin, das nach Curtius 404
(4. Aufl.) fälfehlich zur Erklärung von asinus beigezogen
werde; 846 Qarakat = Atargatis, Derketo; 865 &or-
gom, rmiam, Teuthranien; 1096 im erlten Brief ^ des
Clemens 6, 2 werde ,/Javaldtg x«t JtQxai aus uvüX-
xtdfic xcu Y.OQiY.u.1 entftanden fein'; 1150 hebr. frpp, die
an Kreuzwegen entltandene Anfiedelung ( Tabernae = |
Zabern); 1336 über rniu, 'piu wozu der Nachtrag S. 162
über -nu:, das mit Saray in Du »Isaray = Dovaagrjg
identifcV gefetzt wird; 1347 über rm Oelbaum; 1605
Nemroz und dazu eine Anmerkung über hebr. ; ;

1825 patgam Wort; 1881 eine Ergänzung zu Pfalterium |
Hieronymi 165 über des Symmachus Ueberfetzung von
Gen. 1, 27; 2039 UDer den Gott Sandan; zu 2274 eine 1

Anmerkung über den Namen der althebräifchen Schrift
f91 ana oder vielmehr yai u. drgl. Dies nur als Probe;
für die fyrifche Sprache und Literatur ift noch viel mehr
aus dem Buche zu lernen, und es ift nur zu wünfehen,
dafs das reiche hier zufammengetragene Material recht
fleifsig, dann aber auch mit Angabe der Quelle, aus der
man es entnimmt, benützt werde. Ueber die S. 191 ff. gegebene
Gefchichte der armenifchen Studien und die
S. 208 ff. aufgeftellten Thefen über die armenifche Sprache
enthalte ich mich, als mit dem Armenifchen und der Gefchichte
feines Studiums völlig unbekannt, eines Berichtes.

Tübingen. Dr. E. Neftle.

Rabbinovicz, Raph., Variae lectiones in Mischnam et in
Talmud Babylonicum, quum ex aliis libris antiquissimis
et scriptis et impressis tum e codice Monacensi
praestantissimo collectae, annotationibus instruetae.
Pars VIII. Tract. Megillah et Schekalim. Adjecta
est Synopsis critica omnium editionum Talmudis Ba-
bylonici inde ab anno 1484 vulgatarum. Monachii
1877, (Rofenthal). (XVI, 16b; 87 u. 132 S. gr. 8.)
M. 6. —

Eine kritifche Talmudausgabe wird, wenn nicht
dauernd, fo doch gewifs noch viele Jahre ein pium desi-
derium bleiben, obwohl Juden wie Chriften, Theologen
wie Orientaliften, Hiftoriker und Geographen wie Juriften
von folcher Arbeit grofsen, allerdings nur geiftigen Gewinn
zur erwarten hätten. Gegenwärtig find faft alle
Gelehrte für den Handgebrauch auf die miferablen, durch
die Cenfur fowohl als auch durch die feit Jahrhunderten
fich fortfchleppenden Flüchtigkeits- und Unwiffenheits-
fehler der Drucker entflellten neueren Ausgaben ange-
wiefen. Die Namen der angeführten Autoritäten find
häufig durch falfche Auflöfung von Abbreviaturen ent-
ftellt, viele fprachliche Eigenthümlichkeiten find verwifcht,
die für die religiöfe Entwickelung innerhalb des Judenthums
(das ältefte Chriflenthum mit eingefchloffen) wich-
tigften Abfchnitte find theils weggelaffen, theils verftüm-
melt. So müffen wir denn Hrn. R. Rabbinovicz in München
Dank wiffen, dafs er mit Zugrundelegung der Münchener
Handfchrift Nr. 95, zahlreicher alter Drucke und
verfchiedener anderer Codices eine Variantenfammlung
herauszugeben begonnen hat. Der erfte im Jahre 1868
erfchienene Band enthielt die Lesarten zum Seder Sera im,
mit dem jetzt edirten achten Bande ift erft der zweite
Seder Mo ed beendet: mithin fehlen noch vier Sedarim,
zwei Drittel des Talmuds. Alfo haben wir Hoffnung
nach etwa zwei Decennien eine mindeftens vierundzwan-
zigbändige Variantenfammlung zum Talmud zu befitzen.
Nicht unerheblich liefse der Umfang fich verringern,
wenn die verfchiedenen Handfchriften und Ausgaben
durch lateinifche Majuskeln und Minuskeln bezeichnet
würden. Dadurch würde auch die Ueberfichtlichkeit erhöht
werden. Doch verkennen wir nicht, dafs einer
folchen Einrichtung typographifche und Koften-Rück-
fichten im Wege geftanden haben können. Manches in
den Anmerkungen hätte ohne Schaden für die Sache
wegbleiben können. Wir würden diefe mehr äufserlichen
Ausftellungen nicht machen, wenn wir nicht befürchten
müfsten, dafs ein fo weitfehichtig angelegtes Unternehmen
fchliefslich unvollendet bliebe. Am beften hätte
der Verf. gethan, wenn er zuerft in einem Bande alle
Varianten zur Mifchnah mitgetheilt hätte: dann hätten
wir doch von vornherein etwas Vollftändiges gehabt,
auch konnte folch ein kürzeres Werk weit eher eine
zweite Auflage erleben. Aber auch für die bruchftück-
weife erfolgende Veröffentlichung feiner überaus müh-
famen Sammelarbeit haben Alle, die fich mit dem Talmud
, fei es aus religiöfen, fprachlichen oder andern
Motiven, befchäftigen, dem fleifsigen Verf. zu danken