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Ausgabe:

1878 Nr. 10

Spalte:

239-240

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Asmus, P.

Titel/Untertitel:

Die indogermanische Religion in den Hauptpunkten ihrer Entwickelung. Ein Beitrag zur Religionsphilosophie. 2. Bd.: Das Absolute und die Vergeistigung der einzelnen indogermanischen Religionen 1878

Rezensent:

Spiess, Edmund

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239

Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 10.

240

Ebenbild ift durch den Sündenfall Adams nicht überhaupt
verloren gegangen. Doch ift allerdings der gegenwärtige
Menfch gegenüber dem urfprünglichen infofern
im Nachtheil, als er mit einem fündigen Hange geboren
wird. Erfsmet, overgc'crfde zondige geaardlieid, nicht

vorhoben, finden wir auch in diefem zweiten Theile
wieder. Der Verfaffer hat viel Stoff zufammengebracht
und excerpirt; er ift mit Liebe und Begeiflerung an feine
Aufgabe gegangen, der er die beften Kräfte feines verrinnenden
Lebens geopfert; er verräth felbftändige Ideen

erfzonde, das prägt Herr Thijm immer wieder ein. Diefe | und philofophifchesRüftzeug, um diefe zu verarbeiten und

ererbte fündige Art läfst für fittliche Regungen und Be
ftrebungen einen gewiffen Raum übrig. Sofern diefelbe
dem Menfchen zukömmt ohne fein Zuthun begründet
fie aber keine Schuld. Diefe ift nur denkbar als Folge
von bewufsten Thatfünden.

Es find ja richtige Empfindungen, denen der Verf.
Raum gegeben. Zu einer zweckmässigen Neuconftruction
der dogmatifchen Anthropologie aber fehlen eben die

darzuftellen, und es lohnt fich der Mühe, fich mit diefem
Buche bekannt zu machen und zu fehen, wie der Verf.
den Verfuch gemacht hat, den religiöfen Kern von feiner
Hülle zu Scheiden und den Faden einer im Ganzen
einheitlichen religiöfen Entwicklung der Menfchheit zu
verfolgen.

Das Ringen mit dem noch zu gewaltigen Stoff ift
für jeden einigermafsen mit Umfang und Schwierig-

Vorbedingungen; und fo ift es kein Wunder, dafs er den 1 keit des Gebietes Vertrauten begreiflich. Wir achten

Lehren, die ihm anftöfsig waren, nur mit fehr zweifelhaften
Correcturen hat zu Hülfe kommen können.

Göttingen. Ferd. Kattenbufch.

Asmus, Privatdoc. Dr. P., Die indogermanische Religion
in den Hauptpunkten ihrer Entwickelung. Ein Beitrag
zur Religionsphilofophie. 2. Bd.: Das Abfolute und die
Vergeiftigung der einzelnen indogermanifchen Religionen
. Halle 1877, Pfeffer. (IX, 360 S. gr. 8.)
M. 9. — (cplt.: M. 16. —)

Nach dem frühen Tode des hoffnungsvollen Verfaffers
hat Dr. Th. Becker, ein Freund des Entfchlafenen, den
zweiten Band des Werkes, deffen erften Band wir feiner
Zeit in diefen Blättern angezeigt haben, zum Drucke befördert
; und es ift damit auch der Schlufs des ganzen
Werkes erfchienen. Es war für den Herausgeber nicht
nur eine Pflicht der Pietät gegen den Freund, der er
genügte, fondern ein Act, zu dem er auch um des An-
theils willen, den er fchon früher an dem Buche genommen
hatte, volle innere Berechtigung befafs. Dem Autor lag
bekanntlich weniger daran, feinen Stoff religionsge-
fchichtlich zu behandeln, als daran, ihn religionsphilofo-
phifch zu verwerthen und aus den vorhandenen Mythen
den religiöfen Gehalt herauszuziehen. Das hiftorifche

Liturgisches.

,Andreas Ornithoparchus, von den Kirchen-
accenten', fo betitelt fich eine Novität auf liturgifchem
Gebiet, vom Paftor Lyra in Bivenfen bei Lüneburg
herausgegeben (Gütersloh 1877, Bertelsmann.
VIII, 57 S. gr. 8. M. 1. —). Der Verfaffer will nicht
nur jedem Liturgen, der am Altar zu fingen hat, das
,Recept für Alles' (ebahe) gründlich verleiden, fondern
überhaupt dazu verhelfen, dafs, wie man in weiteften
Kreifen an dem wichtigen Capitel von der Rechtfchreib-
ung der deutfehen Mutterfprache ein Intereffe nimmt,
fo die Theologen insbefondere darauf achten, dafs unfere
Material dient ihm überall als Beweisinftanz und als Be- 1 biblifche Kirchenfprache vor Schmach und Mifshand-
leg für feine religionsphilofophifche Theorie, während ' lung behütet und in gefunder Kraft und Einfalt ausgeübt
unferer Meinung nach der fichere Weg der Religions- j werde. In diefer Abficht führt der Verfaffer uns ein
wiffenfehaft der fein mufs, erft alles in Betracht kom- ; in das 1517 zu Leipzig gedruckte Werk ,Micrologus' des
mende Material zu fammeln und zu fichten und dann Andreas Ornithoparchus, der übrigens ein biederer deut-
mittelft des analytifchen Verfahrens Gefetz und Regel fcher ,Vogelfang', aus dem Hennebergifchen gebürtig,
aus den Erfcheinungen zu abftrahiren und zu conftatiren. daneben aber nicht blofs im Allgemeinen ein Meifter

darum auch diefe verdienftliche Schrift trotz ihrer Un-
vollkommenheiten als Verfuch der Löfung einer heiligen
Aufgabe und als Beitrag zur Erkennung und Würdigung
eines wichtigen Problemes der Religionswiffenfchaft, der
heutzutage mit mikrologifchen Forfchungen allein nicht
gedient ift. Im Dienfte Gottes und feiner Wiffenfehaft
geht keine Kraft verloren, die Theil gehabt hat an der
Gefammtarbeit der Menfchheit, ihren Beruf zu erkennen
und zu erreichen. So wird auch der Same, welcher in
diefer Schrift ausgeftreut ift, nicht verloren fein, fondern
feine Früchte bringen!

Jena. Edm. Spiefs.

Doch beziehen wir uns hinfichtlich diefes Punktes auf
unfere Befprechung des erften Bandes.

Die vorliegende Schlufshälfte enthält die §5 5—& —
5 5 behandelt das Abfolute der einzelnen indogermanifchen
Religionen (d. h. wiederum nur der Inder, Perfer,
Griechen und Germanen). ^ 6 hat die Ueberfchrift:

der freien Künfte, fondern fpeciell ein Lehrmeifter des
Accents gewefen, von dem es gilt ,accentus pater musices1.
Wie man die Tendenz des Buches nur loben kann, fo
ift auch ficherlich aus dem Buche felbft Manches zu
lernen. Dafs es aber möglich fein follte, in dem hier
gegebenen Umfange den liturgifchen Gefang der Alten

,Vergeiftigung der griechifchen Religion. Anfätze zur | unter den Theologen der Gegenwart zu repriftiniren,
Sittlichkeit'. $ 7: ,Fortfetzung. Vergeiftigung der Re- j möchten wir bezweifeln und können dem Buche daher
ligion der Germanen, Perfer und Inder', und $ 8: .Verhält- nicht gerade die Theilnahme eines grofsen Leferkreifes
nifs der indogermanifchen Religion zum Chriftenthum'. ' verfprechen.

— Die Inhaltsangabe, welche den Gedankengang des | Von Georg Chr. Dieffenbach's Evangelifcher
Werkes in nuce wiedergeben foll, ift nach dem Mufter : Handagende (Gotha 1876, Schlöfsmann. 2 Thle. XVI,
der Inhaltsangabe des erften Bandes vom Herausgeber 236 u. VIII, 232 S. 8. M. 4. 80) ift eine 2. Auflage
angefertigt. Was an der letzteren auszufetzen war, ift : nöthig geworden. Dafs das Buch feit 18 Jahren an
auch an diefer Zufammenfaffung des Inhalts zu beklagen. 1 manchem Orte mit dazu geholfen hat, dem Subjectivis-
Sie ift nicht überfichtlich und gewährt keinen Einblick j mus in liturgifchen Dingen zu fteuern und aus dem rei-
in den Fortfehritt und die Entwicklung der Gedanken, j chen Schatze der alten lutherifchen Agenden das Befte
was um fo mehr bedauerlich ift, als kein alphabetifches
Regifter am Schluffe das Nachfchlagen und die Orien-
tirung über einzelne Punkte ermöglicht. Auch bleibt
felbft nach Vollendung des ganzen Werkes dunkel, nach
welchem Eintheilungsprincip der Verf. den Stoff vertheilt
und abgehandelt hat. Was wir aber bei Befprechung
des erften Bandes bereits als die den Werth begründenden
Eigenfchaften und Vorzüge des Werkes her-

und Schönfte, zum praktifchen Gebrauch gefammelt, darzubieten
, fei dem Verf. zur Ehre, manchem Geiftlichen
zum Notabene gefagt. Neu hinzugekommen find in der
2. Auflage z. B. Ordnungen zur Feier des Chriftabends
und Sylvefterabends, für Faftengottesdienfte und für ver-
fchiedene kirchliche Weiheacte. Wenn fich hierbei der
Herausgeber manchmal nicht auf ältere Vorlagen ftützen
konnte, fo hat er doch in deren Geilt und in echt litur-