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Ausgabe:

1878 Nr. 8

Spalte:

195

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kuttler, Gust.

Titel/Untertitel:

Altes und Neues aus Pfarrhaus und Pfarrleben. 3. Aufl 1878

Rezensent:

Hartung, Bruno

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195

Theologifche Literaturzeitung. 1878. Nr. 8.

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zu fein, dafs er fich des Gedankens nicht erwehren kann,
diefe Schrift möchte erft durch die Verbreitung des
Buddhismus in China angeregt worden fein. Eine genauere
Erforfchung der Taoiftifchen Literatur wird hierüber
erft ficheren Auffchlufs geben können. — Es ift
leein geringes Stück Arbeit, das uns Faber in diefen
3 Schriften, fowie in den fchon früher erfchienenen über
Confucius vorlegt. Möchte ihm die verdiente Anerkennung
dafür zu Theil werden, denn er hat uns damit in
deutfeher Sprache einen Einblick in die altchinefifche
Literatur gegeben, wie wir ihn vorher nicht hatten.
Möffingen bei Tübingen. Paul Wurm.

Kuttler. Guft., Altes und Neues aus Pfarrhaus und Pfarrleben
. Mit gütigen Beiträgen von Ottilie Wildermuth,
Louise Pichler (Zeller), Friederike Preffel, Karl Gerok,
R. Bärlin, J. Ph. Glökler u. A. hrsg. 3. Auflage.
M. Gladbach 1878, Schellmann. (VIII, 199 S. 8.)
M. 2. 50.

Eine Reihe von Gedichten, Erzählungen, Skizzen,
eingeführt von Gerok und mit deffen, fchon als Manu-
feript bekannt gewordenem, prächtigem Gedicht ,der
Pfarrer' ausgeftattet, führt in Pfarrhaus und Pfarrleben,
wie es befonders in Württemberg ausgebildet ift, ein.
Hübfche Schilderungen finden fich in den vom Herausgeber
herrührenden ,Photographieen' (,der Pfarrersfohn',
,die Pfarrfrau'), während ,die Lieder am Schraubftock'
doch wohl etwas fern liegen und die ,aus dem Vicariats-
leben', meift Liebeslieder, zu fehr in's Allgemeine gehen.
Eine Skizze von der feitdem heimgegangenen Dichterin
des fchwäbifchen Pfarrhaufes und Erzählungen von L.
Pichler und F. Preffel füllen die zweite Hälfte würdig
aus. So kann das Büchlein Jedem, der für die Poefie
des Pfarrhaufes oder für die gute Sache, welcher der
Reinertrag dient, den württembergifchen Pfarrwaifen-
verein, ein Herz hat, empfohlen werden.

Leipzig. Härtung.

Clemen, Prof. Dr. Aug., Predigten an den Stiftungsfesten
der Fürsten- und Landesschule zu Grimma 1868—1877.

Leipzig 1878, Hinrichs. (V, 152 S. gr. 8.) M. 3. —;
geb. M. 4. —

Mit Freude bringen wir hierdurch ein Bändchen von
10 Predigten zur Anzeige, die nach ihrem Titel und der
in der Vorrede ausgefprochenen Tendenz ihrer Herausgabe
zunächft nur für einen kleineren Leferkreis berechnet
fcheinen, die aber unferes Erachtens ein weiter
gehendes Intereffe in Anfpruch zu nehmen berechtigt find.
Die von Kurfürft Moritz von Sachfen zugleich mit den
Schwefteranftalten Pforta und Meifsen gegründete und
am 14. September 1550 eröffnete königl. Fürften- und
Landesfchule zu Grimma begeht, wie die Vorrede fagt,
ihr jährliches Stiftungsfeft auch mit einer gottesdienft-
lichen Feier, die unter zahlreicher Betheiligung von
Freunden der Anftalt aus Nah und Fern in der Klofter-
kirche dalelbft, dem mit der Anftalt verbundenen Gotteshaufe
, abgehalten wird. Bei diefer Gelegenheit find die
hier im Druck vorliegenden Predigten von dem Religionslehrer
der Anftalt Profeffor Dr. Clemen gehalten worden.
Sie werden zunächft ficherlich den zahlreichen Hörern
eine willkommene Gabe und vielen von den früheren
Zöglingen der Anftalt als eine Erinnerung an gemeinfam
durchlebte heilige Stunden eine fegensreiche Mitgabe für ihr
ferneres Leben fein. Aber auch für Fernerftehende find
fie nicht ohne Intereffe. Sie follen nach der Abficht des
Herausgebers zugleich auch ,ein einfaches Zeugnifs davon
geben, in welchem Geifte die Anftalt ihr Werk an den
ihr anvertrauten jugendlichen Seelen treiben zu müffen
nieint'. Als folch' ein Zeugnifs dürfen wir auch in Wahrheit
diefe Predigten betrachten und diefes Zeugnifs wird

Allen, die unfer Vaterland, das grofse, wie das kleine,
die unfere theure Kirche lieb haben, eine grofse Freude
fein. Wir müffen nicht blofsdenZöglingendieferBildungs-
ftätte, wir müffen dem ganzen Vaterlande zu einer Anftalt
gratuliren, in der nach demZeugnifse diefer Predigten Wif-
fenfehaft und Chriftenthum, Gefetz und Evangelium miteinander
verbunden und die Liebe zum engeren, wie
zum weiteren Vaterlandc glcichermafsen gepflegt wird.
Die Predigten dürfen aber auch abgefehen von ihrem
urfprünglichen Zwecke als hervorragende Leiftungen auf
dem Gebiete der homiletifchen Literatur überhaupt bezeichnet
werden. Wir möchten hier befonders auf die
3'e, 8te und tote Predigt hinweifen. Das find Predigten
wie aus einem Guffe, reich an Gedankeninhalt und doch
ruhig und klar dahinfehrcitend. Kleinere Ausftellungen,
die wir etwa in Betreff der Faffung einzelner Themata
oder Partitionen zu machen hätten, treten diefen Vorzügen
gegenüber billig in den Hintergrund. Wir freuen uns
vielmehr unferer faft durchgängigen Uebereinftimmung
namentlich auch mit dem in der 3'en und 8ten Predigt
über das Verhältnifs des Chriften zur ftaatlichen Ge-
meinfehaft Gefagten und wünfehen dem Büchlein eine
weite Verbreitung.

Grofs-Milkau bei Rochlitz. R. Wetzel.

Müller, f Pred. Wilh., Vorträge und Aufsätze. Hrsg. von

Lic. J. E. Websky. Mit dem Bildnifs Wilh. Müller's

(in Stahlft.). Berlin 1877, C. Heymann's Verl. (X,

258 S. gr. 8.; M. 5. —; geb. M. 7. —

Aus dem Nachlafs des bekannten Berliner Predigers
Wilhelm Müller (7 23. Mai 1876) find aufser einer Sammlung
von ,Predigten und Reden' auch eine Reihe von
,Vorträgen und Auffätzen' veröffentlicht. Auch die vor-
angeftellte Biographie ift nur Bearbeitung eigenhändiger
Aufzeichnungen. Ein fpecielles Eingehen auf den Inhalt
der einzelnen Abhandlungen und Vorträge dürfte
! hier fchon deshalb nicht angezeigt fein, weil die meifteu
[ derfelben bereits früher gedruckt waren. So erfchienen
in den ,Proteftantifchen Vorträgen' die vier Vorträge
über ,Schule und Religionsunterricht', ,Civilche und
Trauung', ,Sünde', ,Wunder'. Aus der gröfseren Schrift:
jUeber London und Paris nach Rom' find die Abfchnitte
über ,die Sixtinifche Kapelle' und ,Weihnachts- und
1 Epiphanienfeft in Rom' entlehnt. In Zeitfchriften erfchienen
: ,der Pietismus und die Unfittlichkeit', fowie
,das Kind in feiner Stellung zum häuslichen Leben'.
Zum erften Mal gedruckt dagegen find: ,Unfer Haus',
,das Berufsleben und der Lebensberuf', ,der Kaufmann
1 und die Religion', ,die Bedeutung der Freude im chrift-
| liehen Leben'. Dies der reiche und mannigfaltige Inhalt
! der Sammlung. Der Geift der Vorträge, foweit darauf
! die theologifche Richtung beftimmend einwirkt, ift durch
den Namen des Verf. hinreichend charakterifirt. Im
Uebrigen ift hervorzuheben, dafs der Verf. mit feltener
Gemüthsinnigkeit auf die einzelnen, fcheinbar oft unbedeutenden
Verhältnifse des Lebens einzugehen und die-
felben in feiner, finniger Weife vom Geifte chriftlichcr
Frömmigkeit durchleuchtet darzuftellen weifs. Dabei ift
die Sprache edel und fchön, fo dafs wir das Buch allen
Gebildeten zu ernfter, erhebender Leetüre angelcgent-
lichft empfehlen können.

Jena. Bernhard Pünjer.

Fabian, Heinr. Wilh., Die mechanisch-monistische Weltanschauung
. Leipzig 1877, Scholtze. (V, 34 S. gr. 8.)
M. 1. 80.

Als Leitfaden für den fpäter herauszugebenden ausführlichen
Entwurf einer ,Phyfik ohne Metaphyfik' will
der Verf. dies Schriftchen angefehen wiffen. Dasfelbe
gehört zu den vielen, faft ausnahmslos ephemeren Er-
fcheinungen der Gegenwart, welche eine Vereinigung