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Ausgabe:

1877 Nr. 6

Spalte:

140

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hamburger, J.

Titel/Untertitel:

Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud. II. Abth., Heft 3 1877

Rezensent:

Schürer, Emil

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139

Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 6.

140

vorhebung, dafs Zere bei den beiden gröfsten Trennern
(nach den Suranern auch bei Zaqef; zu CJiircq (cf. fchon
Dan. 6, 22), ebenfo Cliolem in Paufa zu Schureq werden
muffe. Das biblifche und targumifche Aramäifch wird
genau unterfchieden, erfteres merkwürdiger Weife als
-n~COt KJWuj bezeichnet, was nach einer Bemerkung Nöl-
deke's fonft bei den Juden nicht nachweisbar ift. Immerhin
kann die betr. Bezeichnung nur aus dem Hinblick
auf Dan. 1, 4 und 2, 4 erklärt werden, indem man jenen
aramäifchen Dialekt eben für den der Chaldiier anfah. —
Auf verfchiedene Hände von Ueberfetzern fcheinen Bemerkungen
hinzuweifen, wie die zu Gen. 12, 2, dafs in den
beiden erften Büchern des Pentateuch bna "'S? immer
durch erb, in den beiden letzten dagegen durch 3-1 arb
wiedergegeben fei. Intereffant ift die Bemerkung zu Gen.
29, i (5. 24), dafs NW vom ,Erheben' der Stimme mit
N7:*iN, der Augen mit Ntpr, der Füfse mit Nb-a: zu überfetzen
fei. — Sehr dankenswerth find die am Schlufs
der massorah magna beigegebenen Ueberfichten: 1) der
nichtüberfetzten, fondern hebräifch aufgenommenen Wörter
(c-a-m N-p von der Maforah genannt), nebft Aufzählung
der Stellen, die nach der mafor. Bemerkung bei
der öffentl. Vorlefung nicht überfetzt werden dürfen;
2) der Varianten zwifchen den Schulen von Nehardea
und Sura. Der Verf. hält daran feft, dafs es fich dabei
um wirklich verfchiedene dialektifche Recenfionen handle
(pg. V des Vorworts), indem die erfteren mit der örtlichen
, die Suraner mit der weltlichen Textesrecenfion
zufammenftimmten; weniger plaufibel fei die Annahme
Barth's, dafs damit blofs auf in Sura und Nehardea aufbewahrte
Handfchriften gezielt werde. Allerdings ift aus
dem Verzeichnifs für das Vorhanden fein fefter fprach-
licher Principien in den beiden Schulen wenig zu entnehmen
; im allgemeinen fcheinen mir die Lesarfen der
Nehardeer genauer dem Text angepafst und minder vulgär
, als die der Suraner. Dinge, wie N3=N3n (/. e. 3N)
find nach Berliner (St. 70) auf Rechnung des paläftinen-
fifchen Charakters der Nehardeer zu fetzen. 3) Verzeichnifs
der ,irakifchen' Lesarten. Aus der kleinen Maforah
(S. 73 ff.) heben wir hervor die Notiz zu Gen. 25, 30,
dafs in Fällen, wo im Schrifttext dasfelbe Wort zweimal
nach einander fleht, im Targum verfchiedene Ausdrücke
gefetzt feien. S. 92 ff. giebt der Verf. wiederum eine
Reihe von Variantenverzeichnifsen, betr. die Bildung der
3. piur. bei den Nb, den Gebrauch des relat. Daleth, die
Setzung des Dagesch, die Accente, die Schreibung mit
verfchiedenen Vocalen, die mit p'Ni ausdrücklich als cor-
rect bezeichneten Stellen. Wenn der Verf. fodann in
einem Schlufswort eingehend für die endliche Herftellung
eines kritifchen Targumtextes eintritt, wie fie fchon 1857
von Anger, Brockhaus u. a. ohne Refultat geplant wurde,
fo darf er fich rühmen, in diefer Ausgabe bereits einen
wichtigen Bauftein dazu geliefert zu haben. Er wünfeht
Zugrundelegung der Ausgabe von Sabionetta unter Beifügung
der Varianten aus Handfchriften und Incunabeln,
Angabe des früheften Vorkommens beftimmter Lesarten
im Talmud, Midrafch, bei Grammatikern und Commen-
tatoren, endlich Beigabe von Proben abweichender Punc-
tationsfyfteme aus Handfchriften — eine Riefenaufgabe,
die unferes Erachtens nur durch vielfältige Vorarbeiten
auf dem Wege der Arbeitstheilung gelöft werden kann.
Vorläufig wäre fchon ein correcter Abdruck der ed.
Sabionetta mit Verwerthung der Maforah ein verdienft-
liches Unternehmen. — Ein alphabetifches Regifter der
maforeth. Termini und Abkürzungen, endlich ein fehr
nützliches Wortregifter, bei welchem die entfprechen-
den hebr. Ausdrücke als Stichworte dienen, bilden den
Schlufs.

Bafel. E. Kautzfeh.

I Hamburger, Landrabb. Dr. J., Real-Encyclopädie für Bibel

und Talmud. Wörterbuch zum Handgebrauch für Bibelfreunde
, Theologen, Juriften, Gemeinde- und Schul-
vorfteher, Lehrer etc. II. Abth. 3. Hft. Haftara —
Jofe. Neuftrelitz 1877, Selbltverlag des Verf. (S. 337
—496).

Ueber die Anlage diefer talmudifchen Real-Ency-
klopädie im Allgemeinen haben wir bereits in Nr. 25
des vor. Jahrgangs berichtet. Den dort befprochenen

; beiden erften Heften ift nun das dritte gefolgt. Es enthält
u. a. aus dem Bereich der politifchen Gefchichte die
Artikel: Hasmonäer, Helene (Königin von Adiabene),
Helleniften, 1 lerodes, Herodäer, Hyrkan I u. II, Jakini,
Janai Alexander, Jehuda Makkabi, Jonathan der Hasmonäer
. Die Gefchichte des Cultus ift vertreten durch die
Artikel: Hallel, Halleluja; die Sagengefchichte durch den
Artikel: Henochfage; die Naturgefchichte durch die Artikel
: Holz und Gehölz, Huhn. Ein ausführlicher Artikel
erörtert das Wefen der .Halacha' (S.338—353). Von den
hervorragenden Gefetzeslehrern find namentlich folgende
mit gröfseren Artikeln bedacht: Hillel (S. 401— 412), Jehuda
der Fürfti Jehuda ben Hai, Jochanan ben Sakkai,
Jochanan (der angebliche Redacteur des jerufalcmifchen
Talmuds), Jofe ben Chalephta. Für den chriftlichen
Theologen werden die auf die politifche Gefchichte bezüglichen
Artikel weniger Intereffe haben, da ihm hier
die Quellen felbft zugänglich find und andere Hülfs-
mittel in hinreichender Zahl zu Gebote flehen. Der eigentliche
Werth des Werkes beruht für ihn in den aus dem
Talmud gefchopften Artikeln. Und wir können nur
wiederholen, was wir fchon bei der Anzeige der früheren
Hefte bemerkt haben, dafs der Reichthum an Stoff, der
in dem Werke angefammelt ift, es zu einem fchätzens-
werthen Hülfsmittel auf diefem wenig angebauten Gebiete
macht. Es ift nur zu bedauern, dafs der Mangel
an kritifcher Sichtung des Stoffes den Werth des Buches

I doch bedeutend beeinträchtigt. Quellen erften Ranges
und Quellen letzten Ranges werden ohne jede bemerkbare
Unterfcheidung gleichmäfsig neben einander ver-
werthet. Die authentifchften Ausfprüche der grofsen
Gefetzeslehrer, wie fie uns in der Mifchna vorliegen,
flehen hier mitten unter einer reichen Blumenlefe der
phantaftifchften Sagengebilde fpäterer Jahrhunderte; und
der unkundige Lefer kann nicht ahnen, dafs es fich
mit den erfteren ganz anders verhält als mit den letzteren.
So ift das Buch im Grunde doch nur für den brauchbar,
der einigermafsen felbft Kritik zu üben vermag. Ein
Anderer wird von der Leetüre immer nur den unheimlichen
Eindruck mitnehmen, dafs er fich hier auf einem
höchft unficheren Boden bewegt.

Leipzig. E. Schürer.

Volkmar, Kirchenr. Prof. Dr. Gull., Die kanonischen

Synoptiker in Ueberficht mit Randgloffcn und Regifter
und das Gefchichtliche vom Leben Jefu. [Sep.-Abdr.
aus der neuen erweiterten Ausgabe der ,Evangelien'.]
Zürich 1876, Schmidt. (IX—XI, S. 661—738 u. 29 S.)
M. 3. -

Ein Nachtrag zu den ,Evangelien' Volkmar's von
1870, der manches werthvolle bringt. Dahin kann ich
trotz aller darauf verwendeten Mühe leider nicht die
revidirte Ueberficht des Marcusevangeliums rechnen, mit
der diefer Nachtrag beginnt (S. 662—81). Denn felbft
wer fich in die Auffaffung diefes Evang. als einer reinen
Lehrfchrift hineinzudenken im Stande ift, wird doch
fchwerlich geneigt fein, demfelbcn eine fo künftliche, bis
ins Einzelfte fich verzweigende Dispofition zuzumuthen,
und daher den Scharffinn, mit welchem der Verf. die-
felbc immer feiner ausarbeitet, für ziemlich verloren