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Ausgabe:

1877 Nr. 25

Spalte:

664-667

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Secundam Synodum Ephesinam, necnon Excerpta

Titel/Untertitel:

quae praesertim ad eam pertinent, e codicibus Syriacis manuscriptis in Museo Britannico asservatis primus edidit Samuel G. F. Perry 1877

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 25.

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dürftig ausgefallen. Mit Recht wird übrigens auf die
Thatfache, dafs in Alexandrien Ketzerbeftreitung nicht
ex profcsso betrieben worden ift,' hingewiefen und eine
Erklärung diefer Thatfache verfucht (S. 251 f.); auch ift
die Ablöfung des Marcionitismus durch den Manichäis-
mus feit dem Anfang des 4. Jahrb.'s richtig anerkannt
(S. 266). Die Dialoge des Adamantius werden in ihrer
Bedeutung für die Gefchichte des Marcionitismus und
für Bardefanes gewürdigt. PI. will die Zeit ihrer Ab-
faffung nicht näher beftimmen als ,nach dem Concil
von Nicäa, (S. 257 f.). Der terni. ad quem ift die Zeit
Theodoret's. Den Verfaffer will PI. eher in Syrien als
in Egypten fuchen. Vorausfichtlich erhalten wir über
diefe intereffanten Dialoge in nächfter Zeit neue Auf-
fchlüffe.

In dem 8. Cap. endlich, dem letzten (S. 262—348),
werden die Härefeologen des 4. und der fpäteren Jahrhunderte
behandelt, allerdings weder vollzählig noch er-
fchöpfend: fo fehlen z. B. mit Ausnahme Ephräm's die
arabifchen, fyrifchen, armenifchen Polemiker gänzlich.
Nach einigen kurzen treffenden Bemerkungen über
Eufebius (S. 263 f.) werden S. 268—312 die ketzerbe-
ftreitenden Werke des Pfpiphanius beleuchtet. Da es
der Verf. immer wieder in feinem Buche betont, dafs
Epiph. noch viel zu wenig gekannt und berückfichtigt
fei, fo durfte man eine noch eingehendere Behandlung
diefes Schriftftellers erwarten, als fie PI. geliefert hat.
Der Verf. fucht den nicht erft heute übel beleumundeten
Bifchof (vgl. Hier, de v/r. ill. 114: ,Epiph. usque hodie
superest et in extrema iam senectute varia eudit Opera')
gegen eine Reihe von Vorwürfen, befonders gegen die
von Lipfius erhobenen, in Schutz zu nehmen, verfchliefst
fich aber nicht gegen die Eindrücke der offenkundigen
Fehler und Schwächen desfelben. Uebrigens hat der
Verf. das von Lipfius u. A. gebrauchte Wort ,Ketzer-
macherei' nicht ganz richtig verftanden. Die Disponi-
rung der verfchiedenen Quellen, welche Epiph. für feine
Ketzergefchichte zu Gebote ftanden, ift treffend; man
wird PI. auch zugeftehen muffen, dafs eben diefen oft
genug die Verantwortung für die gehäffigen und unwahren
Angaben des Epiph. zufällt. Aber der Verf.
unterfchätzt zweifelsohne die Leichtgläubigkeit des Bi-
fchofs; deshalb find auch die Verfuche, den Epiph. gegen
einige der Vorwürfe^in Schutz zu nehmen, Zufammcn-
gehöriges getrennt, Einheitliches verdoppelt zu haben
u. f. w., nur an einigen Stellen gelungen. An Epiph.
wird (S. 312—325) Theodoret angcfchloffen. Schon
S. 214 f. n. 100 hatte der Verf. die Frage behandelt,
ob Theodoret nur das 10. Buch der Philof. oder das
ganze Werk gelefen hat; er Hellt fich, ohne jedoch feiner
Sache ficher zu fein und die fchwerwiegenden Nach-
weifungen Döllinger's u. Volkmar's wirklich zu widerlegen
, auf die Seite Baur's, indem er die Hypothefe zu
begründen fucht, fowohl das kleine Labyrinth als die
9 erften Bücher der Philof. feien z.Z. Theodoret's unter
des Origenes Namen bekannt gewefen, das 10. Buch
aber habe als der namenlofe Auszug eines unbekannten
Autors aus dem Werke des Origenes gegolten, minde-
ftens das 6.—8. Buch der Philof. fei von Theodoret benützt
worden. Die Quellenkritik wird nun S. 318 f.
n. 151 weitergeführt. Schüchtern verfucht der Verf. die
Nachweifungen von Lipfius zu widerlegen, dafs Theodoret
trotz der Fülle feiner Quellencitate mit diefen
eben nur prunke, in Wahrheit aber feinen gekämmten
Stoff wefentlich aus Irenäus, dem 10. Buch der Philof.,
tinigen Angaben des Clemens Alex., aus der Kirchen-
gefch. des Eufebius und aus Epiphanius zufammenge-
tragen habe. Was der Verf. dagegen einwendet, ift nicht
ftichhaltig und läuft fchliefslich auf die unmafsgebliche
Behauptung heraus, dafs Theodoret fich doch fonft als
ein fehr belefener Schriftfteller documentire. Das auffallende
Schweigen des Theodoret über feinen Vorgänger
, Epiphanius, deffen Werk er doch benützt hat, wird

nach dem Vorgang von Garnerius richtig von PI. erklärt
, S. 319 ein ungehöriger Vorwurf, den jener gegen
Theodoret erhoben, zurückgewiefen. Treffend wird con-
ftatirt, dafs die Härefieen in der iptvöovg nai txXy&siag
dictyvwaig (fo und nicht wie gewöhnlich: aiQtfix^g xavo-
[ivd/ag imictf.iq citift PI. mit Recht diefcs Werk) des
Theodoret zum erften Mal einigermafsen befriedigender
disponirt find. Auf die fchwicrige Frage, ob IV, 11 in
der heute vorliegenden Form von Theodoret herrührt,
geht der Verf. S. 321 f. ein und bejaht diefelbe. Es
folgt nun (S. 325—338) Philaftrius, den der Verf. geneigt
ift, für einen geborenen Griechen zu halten ('S. 326 f.
n. 166) und deffen Werk er als eine Art von Vorläufer
des römifchen Index beurtheilt. Die Annahme einer
Benützung des Epiph. durch Philaftr. lehnt auch PI. ab,
weifs aber eben fo wenig wie feine Vorgänger, über die
Quellen des Philaftrius — das Syntagma Hippolyt's ausgenommen
— etwas auszufagen.

Dafs gerade die intereffanten Angaben, welche der
Uber Praedestin. bietet, auf Schwindelei beruhen, verkennt
der Verfaffer nicht. Die Bemerkungen über die
fpäteren lat. und griechifchen Härefeologen enthalten
wenig mehr als Zeit und Namen.

Hoffentlich fetzt der Verf. das begonnene Werk
rüftig fort und hilft an feinem Theile einen Austaufch
zwifchen Oft und Weft anbahnen, der der Erforfchung
der grofsen Gefchichte, welcher wir dienen, förderlich wird.

Leipzig. Ad. Harnack.

Anmerkung. Uie Redaction glaubte der obigen Anzeige trotz
ihres ungewöhnlichen Umfangs die Aufnahme nicht vertagen zu follen, da
fie über ein Werk orientirt, welches um der Sprache willen wohl allen
Fachgenofien in Deutfchland fonft verfchloffen bleiben würde.

aBojasj-s b »i-^l? ^.^vz? u»o?eiJajs vel Secu n d a m Sy n0d um
Ephesinam, neenon Excerpta, quae praesertim ad

eam pertinent, e codieibus Syriacis manuscriptis in
Museo Britannico asservatis primus edidit Samuel
G. F. Perry, M. A., Tottingtoniensis Vicarius in
DioecesiMancuniensi. Oxonii: Jvxcudebant E. Pickard
Hall et J. H. Stacy, Academiae Typographi. 187
[andere Exemplare: 18771. (XVI, 336 S. gr. 8.)

The Second Synod of Ephesus. Acts. English version
with notes, by Rev. S. G. F. Perry, M. A., Cantab.,
Vicar of Tottington, in the Diocese of Manchester
. Printed at Dartford , in the County of Kent.
1877. (387 S. 8.)

Die hier genannten, als Text und Uebcrfetzung zu-
fammengehörigen zwei Bände zu befprechen, hat Ref.
eine Zeit lang Bedenken getragen, weil diefelben, wenig-
ftens zunächft, nicht für den Buchhandel beftimmt find
und Ref. zum zweiten derfelben in einiger Beziehung
fleht; indeffen konnte der erftere Umftand auch als Grund
angefehen werden, diefe Bände um fo mehr hier zu erwähnen
, und da Ref. bereits in der zweiten Nummer
diefes Jahrgangs eine Befprechung derfelben in Ausficht
geftellt hat und fchon die Entftehungsgefchichte diefer
Ausgabe intereffant genug ift, um Erwähnung zu verdienen
, liefs fich auch das zweite Bedenken nicht un-
fchwer überwinden.

Der erfte Anfang, die einzige vom Jahr 535 datirte
fyrifche Handfchrift des Britifchcn Mufeums, welche uns
das im griechifchen Original verlorene Protokoll der
zweiten cphcTinifchen Synode erhalten hat, herauszugeben
und zu uberfetzen, wurde fchon vor IO Jahren vom
Herausgeber der vorliegenden Bände gemacht, in einer
faft luxuriös ausgeftatteten Publication, welche er der
damals zum erften Mal unter grofsen Erwartungen ver-