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Ausgabe:

1877 Nr. 24

Spalte:

648

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bautz, Jos.

Titel/Untertitel:

Die Lehre vom Auferstehungsleibe nach ihrer positiven und speculativen Seite dargestellt 1877

Rezensent:

Kaftan, Julius

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647

Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 24.

648

pensees fort. Die äufsere Ausstattung des Buches ift
vortrefflich.

Torgau. J. Gottfchick.

Braun, Affift. Dr. C, Der Begriff ,Person4 in feiner Anwendung
auf die Lehre von der Trinität und Incar-
nation, auf dogmengefchichtlicher Grundlage dar-
geftellt. Von der theologifchen Facultät zu Würzburg
gekrönte Preisfchrift. Mainz 1876, Kirchheim. (XI,
162 S. gr. 8.) M. 2. 40.

In einem erften Theil giebt der — katholifche —
Verf. die dogmengefchichtliche Grundlage der Unter-
fuchung, indem er in zwei Abfchnitten die Lehre der
heil. Väter und Scholaftiker über feinen Gegenftand darfteilt
. Es handelt fleh da um den von ihnen befolgten
Sprachgebrauch in der Anwendung des Begriffs ,Perfon'
und verwandter Begriffe auf die Lehren von der Trinität
und von der Menfchwerdung. Dem Verhältnifs der Begriffe
,Perfon4 und ,Natur' ift eine befondere Aufmerk-
famkeit gefchenkt, wie das die Faffung jener kirchlichen
Lehren mit fich bringt. In einem zweiten dogmatifch-
fpeculativen Theil ftellt der Verf. feinerfeits diefe Begriffe
und ihr Verhältnifs zu einander feft. Unter Perfon
verfteht er nach Thomas ,die intellectuelle Natur, in fo
fern fte fich felbft hat'. Unter der Natur ift zu verftehen
dasjenige, wodurch Etwas das ift, was es ift. Die Perlon
ift Inhaber der Natur, die Natur ift das, was
das Wefen der beftimmten Perfon ausmacht. Eine
Unterfcheidung zwifchen der Natur und ihrem Inhaber
ift: aber geftattet, wenn unter der Natur, wie in der Trinität
, dasjenige verftanden werden mufs, was in mehreren
gleich oder gemeinfam ift, — oder wenn das fragliche
Wefen irgendwie zufammengefetzt ift, wie das von jedem
Gefchöpf gilt. Zufammenfaffend: die Perfon ift mit
ihrer individuellen Natur re identifch und nur virtuell
von ihr verfchieden d. h. verfchieden vermöge einer di-
stinetio rationis cum fundamento in re. Nach näherer
Ausführung diefer Sätze wird fchliefslich noch vor der
Anwendung der Zufarnmenhang zwifchen Geift und Per-
fönlichkeit erörtert. Man mufs wohl zwifchen beiden
unterfcheiden. Die Geiftigkeit ift das, was ein Suppofi-
tum zur Perfon macht. Aber nicht wird eine individuelle
Natur dadurch zum Suppofitum. Alfo z. B. ift im Men-
fchen zwifchen Perfon und geiftiger Natur zu unterfcheiden
, wenn es auch feinen guten Grund hat, dafs wir
den Sitz der Perfönlichkeit in den Geift des Menfchen
verlegen. Nun folgt die Anwendung der allgemeinen
Begriffe auf die betreffenden Dogmen, und es wird niemanden
wundern, dafs der wenn auch fcheinbar unabhängig
fo doch eigens ad hoc conftruirte Begriffsapparat
fich bei diefer Anwendung als fehr brauchbar erweift.

Ein dritter hiftorifch-kritifcher Theil kritiftrt andere
Auffaffungen. Zuerft werden die häretifchen Meinungen,
die in der alten Kirche auftauchten, befprochen. Daran
fchliefst fich eine kurze Widerlegung der von Straufs
an den orthodoxen Sätzen im Sinn des Pantheismus geübten
Kritik. Endlich geht der Verf. befonders ausführlich
auf den .pfychologifchen Begriff Perfon in der
neueren Philofophie (Carthefius, Locke, Wolf, Kant) ein,
welchem zufolge das wefentliche Merkmal der Perfon
in der Continuität des Bewufstfeins befteht. Das ge-
fchieht verhältnifsmäfsig fo ausführlich, weil diefer Begriff
durch Günther auch in die neuere katholifche Theologie
eingedrungen ift. Zum Befchlufs wird auf knapp
zwei Seiten die heutige proteftantifche Theologie abge-
than, indem nämlich gegen Dorner's Chriftologie der
vierfache Vorwurf des Apollinarismus, Neftorianismus,
Arianismus und Eutychianisrhus erhoben wird.

Belefenheit und Scharffinn können dem Verf. nicht
abgefprochen werden. Leider fleht fein Denken völlig
im Bann der Scholaftik. Mit ihren Mitteln wird ein Ver-

ftändnifs der chriftlichen Glaubensgeheimnifse erftrebt.
Dafs es die Grundlehren der chriftlichen Religion find,
um die es fich handelt, dafs fie nur von da aus in ihrem
bleibenden Werth verftanden werden können, davon
fpürt man nichts. Ebenfowenig hat die Berührung mit
Kant dem Verf. eine Ahnung davon verfchafft, dafs
fcharffinnige Denkübungen auf dem Gebiet des möglichen
heute nicht mehr als Wiffenfchaft paffiren können.
Bafel. J. Kaftan.

Bautz, Lic. Jof., Die Lehre vom Auferstehungsleibe nach
ihrer pofitiven und fpeculativen Seite dargeftcllt.
1. Die Identität des auferftehenden Leibes mit dem
früheren. Paderborn 1877, Schöningh. (V, 153 S.
gr. 8.) M. 1. 80.
Ein echt fcholaftifches Problem wird in diefer
Schrift eines jüngeren katholifchen Theologen behandelt.
Nach ausdrücklicher Erklärung der Vorrede find es auch
vor allem ,die Scholaftiker, aus denen gefchöpft wurde
und im Grunde auch nur gefchöpft werden konnte'.
Namentlich die Schriften des heil. Thomas und des
I Suarez wurden benützt. Es handelt fich aber in diefer
erften Abtheilung eines beabfichtigten gröfseren Werkes
um die Frage, ob der Auferftehungsleib mit dem früheren
numerifch (nicht blofs generifch und fpeeififeh) identifch
fei. Der Verf. bejaht die Frage und fucht feine Antwort
zu beweifen hauptfächlich im Gegenfatz zu Lacor-
daire u. a., welche zwar die numerifche Identität der
den Leib geftaltenden Seele annehmen, aber die numerifche
Identität der Stoffe, aus denen der neue Leib gebildet
wird, läugnen.

Zuerft wird gezeigt, die Thefis des Verf.'s fei die
j dogmatifch allein mögliche. Sie fei de fide d. h. Lehre
j des aufserordentlichen und ordentlichen Lehramtes der
Kirche, Lehre der h. Schrift und der Väter. Wenn daher
auch die philofophifche Möglichkeit der entgegengefetzten
Meinung zugegeben werden müffe, fo fei fie
doch aus jenem Grunde falfch und verwerflich. Es
könne fich für die Theologie nur um die fpeculative
Rechtfertigung der kirchlichen Lehre handeln. Eine
J folche ftellt der Verf. auf. Schwierigkeiten erwachfen
jener Lehre allerdings aus der Thatlache des beftändigen
[ Stoffwechfels. Denn um dcfswillen können diefelben
I Stofftheilchen nach einander verfchiedenen Menfchen-
leibern angehört haben. Aber es ift nicht nothwendig,
I dafs gerade die einen Leib in einem beftimmten Augenblick
z. B. dem Augenblick des Todes bildenden Stoffe
den Auferftehungsleib ausmachen. Und es ift doch
höchft unwahrfcheinlich, dafs nicht unfer Leib wenigftens
in irgend einem Moment im grofsen und ganzen aus
Stoffen beftehen follte, die kein fremdes Eigenthum find.
Dies ift die erfte Löfung, welche der Verf. proponirt.
! Sofern fie noch nicht zu genügen fcheint, kann man aber
j auch annehmen, nur diejenigen Stoffe feien in dem Auferftehungsleib
und dem früheren numerifch identifch,
welche zur Bildung eines Menfchenleibes abfolut noth-
j wendig find. Das find fehr wenige, wie man einfehen
! kann, fobald man erwägt, dafs in dem Moment der Ver-
' bindung von Leib und Seele der Leib im Princip voll-
ftändig da ift, wenn auch noch verfchwindend klein im
I Vergleich mit dem ausgeftalteten Leibe. Die Ergänzung
diefes identifchen Theils zum vollen Auferftehungsleibe
: aus andern Stoffen durch göttliche Allmacht hebt die
j numerifche Identität des Auferftehungsleibes mit dem
j früheren nicht auf. Diefer zweiten Löfung wird der
Vorzug gegeben. Denn mit ihr kann man allen, auch
den gefährlichften aus der Menfchcnfrefferei hergenommenen
Einwänden begegnen. Ein Eigenthumsconflict
zwifchen zwei verfchiedenen Individuen wird dadurch
vollkommen ausgefchloffen. — So weit der Verf. Auf
eine Beurtheilung kann billig verzichtet werden.
I Bafel. J. Kaftan.