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Ausgabe:

1877

Spalte:

567-568

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

The Fifty-third Chapter of Isaiah according to the Jewish Interpreters 1877

Rezensent:

Strack, Hermann L.

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567

Theologifche Literatürzeitung. 1877. Nr. 21.

568

The Fifty-third Chapter of Isaiah according to the Jewish Interpreters
. I. Texts edited from printed books and
mss. by Ad. Neubauer. II. Translations by S. R-
Driver and Ad. Neubauer. With an introduction
to the translations by Prof. E. B. Pusey. Oxford
and London 1876—1877, Parker [Leipzig, T. O. Weigel].
(XXIV, 402, 170 und LXXVI, 574 S. gr. 8.) M. 30. —

Das rege Intereffe, welches die Engländer für die
Bibel und alle ihr Verftändnifs fördernden Wiffenfchaften
und fonftigen Hülfsmittel, fowie für die Judenmiffion befitzen
, hat in dem Werke, deffen Titel oben angegeben,
wiederum einen im vollften Sinne des Worts glänzenden
Ausdruck erhalten: auf nicht weniger als 1246 Seiten
oder 78 Bogen find die Anflehten der jüdifchen Gelehrten
über das 53. Capitel des Jefaias genauer 52, 13—53, 12)
gefammelt und überfetzt. — Die Anordnung ift, was nur
zu billigen, die chronologifche. Den Anfang macht alfo
die Ueberfetzung der LXX nach Tifchendorf's dritter
Ausgabe mit Hinzufügung der Varianten aus Field's
t Hexapla. Dann folgt das Targum des Jonathan, dann
die Bemerkungen aus der talmudifchen Literatur fjeruf.
Talmud, babyl. Talm., Midrafch Rabbah, Jalqut, Sifre,
Thanchuma, P(iqtha). An vierter Stelle flehen befremdlicher
Weife die Auszüge aus dem Buche Sohar: in der
Vorrede erzählt Neubauer, dafs dies auf den Wunfeh
Pufey's gefchehen fei, der noch an die Autorfchaft des
Schim' 011 ben Jochai glaube. 5) Ueberfetzung desSa'adjah
Gaon; 6) Ueberfetzung und Commentar des Karäcrs
Jepheth ben ' Ali; 7) eine Notiz aus den ,Geheimnifsen
des Schim'on ben Jochai' nach Jellinek's Beth ha-midrafch
Bd. III; 8)B'refchith Rabbathi des Mofcheh ha-darfchan;
9) Leqach tob des Tobiah ben Eliefer; 10) Rafchi; 11)
Jofeph Qara; 12) Abraham ibn Efra; 13) David Kimchi;
14) der Rabbanit Jäqob ben R'uben; 15) der Karait
Ja'qob ben R'uben; 19) Jefchajah (ben Mali) [dt Trani;
20) Mofcheh ben Nachman; 21) der Karait Anaron ben
Jofeph der Aeltere; 22) das ältere Buch Nizzachon, nach
Wagenfeil's Tela Ignea Satanae; 23) Schern Tob ben
Jizchaq ben Schaprut; 28) Nizzachon des Jörn Tob Lip-
mann Mühlhaufen; 29) Don Jizchaq Abarbanel; 30) David
di Rocca Martino (der nach Neubauer, gegen Stein-
fchneider, fpäter als Abarb. lebte und diefen excerpirte);
31) Sa'adjah ibn Danän; 33) Abraham ben Mord'chai
Fariffol; 35) Mei'r'Aramah; 36) Jizchaq Troki; 37)Mofcheh
Alfchaich; 38) Chefcheq Sch'lomoh des Sch'lomoh ben
Jizchaq Levi; 39) Z'riach Beth El von Abraham, dem
Profelyten, aus Cordova; 40) Sch'muel b. Abraham Lanado;

42) Chibbure Leqet von Abraham b. Jehudah Chaffan;

43) Naphthali b. Afcher Altfchuler; 44) Thiqqun "Olam
von Sch'lomoh ben Jizchaq di Marini; 48) Ha-korem von
Herz Homberg; 49 Ja'qob Jofeph Paffani; 50) Sch'muel
David Luzzatto; 5i)Fuente Claro; 52)Jehudah ben Bifam;
53) Thanchum ben Jofeph, von Jerufalem; 54) Jehudah
ha-Levi's Kufari und der Commentar von Sch'lomoh ben
M'nachem; 55) Gerfchom ben Nathan. Die Nummern
von 48 an find nicht mehr chronologifch geordnet; fie
wurden nachträglich auf Pufey's Wunfeh hinzugefügt.
Die Weglaffung der kabbaliftifchen und der rein com-
pilatorifchen Commentare wird Niemand tadeln; auch
der Abdruck der weit verbreiteten neueren Auslegungen
(S. Cahen, Herxheimer, Philippfon; unterblieb mit Recht.
— Ein befondrer Abfchnitt (Texte S. 321—341, 402)
enthält die gelegentlichen Bemerkungen von 25 ver-
fchiedenen Autoren.— Die Rubrik ,Spanifche, franzöfifchc
und lateinifche Texte' bringt auf 170 befonders paginirten
Seiten: 1) das fpanifche Original von No. 39: Fortalesa
del Iudaismo y Confusion del eslrai.o; 2) Die 23. Frage
aus dem Concüiador des M'nafcheh ben Ifrael; 3) Capit.
24—28 aus den Prevenciones divinas contra la vana Ido-
latria de las gentes des bekannten Arztes IfaacOrobio
de Caftro nebft einem Theile der franzöfifchen Bearbeitung
von Henriquez; 4) Abfchnitte aus dem Schaar
ha-emeth des Ja'qob ben 'Amram nach handfehriftlicher
lateinifcher Ueberfetzung, da das hebräifche Original nicht
mehr vorhanden ift.

Die hebräifche Vorrede Neubauer's giebt etliche
Notizen über einen Theil der Autoren und berichtet über
die benutzten Hülfsmittel, Letzteres leider nicht genau
genug. Die zu Grunde gelegte Ausgabe, bezw. Hand-
fchrift ift oft nicht genannt; auch fehlt mehrfach die Angabe
, woher die unter dem Texte angegebenen Varianten
genommen find: für Beides vgl. man z. B. den Rafchi-
text S. 37 ff., der namentlich im Anfange mehrfach von
dem von mir verglichenen Druck in der rabbinifchen
Bibel des Ja'qob b. Chajjim (1525) abweicht. Ueber die
Sorgfalt, mit der die einzelnen Texte mitgethcilt find,
liefse fich nur nach Vergleichung des benutzten, fehr
bedeutenden und weit zerftreuten Handfchriftenmaterials
(Oxford, Paris, Rom, Florenz, Parma, Leyden, Upfala,
Petersburg, Breslau) ein endgültiges Ürthcil fällen; die
Zahl der Druckfehler fcheint gering zu fein.

Die englifche Ueberfetzung hat Werth erftens als Erleichterung
des Verftändnifses für den mit der rabbinifchen
Sprache minder Vertrauten, zweitens durch das ihr beigegebene
, wenngleich nur kurze Regiftcr, drittens und
nicht zum wenigften durch die ,Einleitung' des Rev. E. B.
Pufey, Prof. der hebr. Sprache in Oxford (S. XXIX—
LXXVI). Diefe Einleitung befpricht anfangs, und zwar
in bejahendem Sinne, die (übrigens auch von Zum,
Gottcsdienftl. Vorträge S. 288 anerkannte) Glaubwürdigkeit
des Raymundus Martini; dann giebt fie eine Ueber-
ficht über die verfchiedenen im Texte mitgetheilten Anflehten
der jüdifchen Gelehrten und (S. LI ff.) eine Widerlegung
ihrer gegen die traditionelle chriftliche Auffaffung
gerichteten fprachlichen Einwürfe {fkv., 173b, V^rusa, y~<-).
— In der Ueberfetzung der Vorrede hat Driver nicht
wenige nützliche Zufätze (befonders literarifchc Nach-
weifungen) gemacht, denfelben aber leider kein äufseres
Erkennungszeichen (etwa ein Sternchen) hinzugefügt. Da
andrerfeits in der Ueberfetzung mehrere Stellen der
hebräifchen Vorrede geftrichen oder gekürzt worden find,
ift der Lefer in der unbequemen Lage, beftändig beide
Bände nachfchlagcn zu müffen.

Einige Stellen der Vorrede find nicht richtig über-
fetzt. No. 13: ,1 discovered1 ftatt ,existsl («3:733). —
No. 14: ,when he was twenty, or, according to the acrostic,
zvhen he was thirty-six years old' mufs heifsen: ,when
he was, according to the acrostic, 20 or 36 years old. Die
beiden Handfchriften haben nämlich im Akroftich ver-
fchiedene Zahlen. — No. 29, ftatt: ,on the first day of
Sliebat, 1637' ift zu lefen: ,Sonntag, 9. Schebat 1617.' —
S. XVII, v war das hebräifche rrtnpA lilb nicht J.iqquthd
zu überfetzen, fondern mit dem deutfehen Titel ,Buch
der Verzeichnung'. 1699 em Druckfehler für 1696,
f. Steinfehneider, Catal. Bodl. No. 3425. — S. XVII
Anm., ftatt: ,as Steinschneider strangcly thinks1 lies: ,as
St. thinks possible1 (-nODN "na, St. hat ,forsanl). — Im
Uebrigen hat Driver feine nicht leichte Aufgabe, fo weit
Ref. verglichen hat, wohl befriedigend gelöft.

Viel Fleifs und Sorgfalt ift erfichtlich auf die Ausarbeitung
der beiden hier angezeigten Bände verwendet;
auch läfst fich Manches aus dem hier zufammengetragenen
Material lernen. So gern wir dies anerkennen, will es
uns doch bedünken, dafs das für die Wiffenfchaft oder
ihre Gefchichte Bemerkenswerthe fich auf einen weit geringeren
Raum hätte zufammendrängen laffen. Die Meiden
werden fich mit Pufey's Einleitung begnügen. Druck
und Papier find vorzüglich.

Berlin. Hermann L. Strack.