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Ausgabe:

1877

Spalte:

513-517

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Land, J. P. N.

Titel/Untertitel:

The Principles of Hebrew Grammar 1877

Rezensent:

Müller, August

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schürer.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 19. 15. September 1877. 2. Jahrgang.

Land, The Principles of HebrewGranimar, trans-

lated from the Dutch by Lane l'oole

(Aug. Müller).
Magazin für die YViflenfchaft des Judenthums,

herausg. von Berliner und Hoffmann

(Schürer).

Lazarus, Zur Charakteriftik der Talmudifchen

Tertulliani libellus de spectaculis ed Kluss- Zezfchwitz, Syflem der praktifchen Theologie,

mann (Harnack). Paragraphen für academifche Vorlefungen,

Commodiani Carmenapologeticumed.Ludwig 1. u. 2. Abth. (Löber).

(Ders.). j Harnack, Praktifche Theologie, t. Bd.: Ein-

Macarii Magnetis quae supersunt ex inedito leitung und Grundlegung, Theorie und Ge-

codice ed. Blondel (Möller). fchichte des Cultus (Derf.).

Duchesne, De Macario Magnete et scriptis Warneck, Das Studium der Miffion auf der

Ethik (Schürer). ejus (Ders.). Univerfität (Pütt).

Zahn, Weltverkehr und Kirche während der drei I Schmidt, Georg Witzel, ein Altkatholik des 1 Lange, Die hellen Nächte, eine Erzählung, aus

erflen Jahrhunderte (Harnack). 16. Jahrhunderts (Plitt). dem Dänifchen von Michelfen (Lindenberg).

Land, Prof. J. P. N., The Principles of Hebrew Grammar.

Translatcd from the Dutch by Reginald Lane
Poole. With large additions by the author, and a
new preface. London 1876, Trübner & Co. (XX,
219 pp. m. 1 lith. Schrifttaf. 8.)

Die neue Hebräifche Laut- und Formenlehre, welche
Land 1869 in holländifcher Sprache erfcheinen liefs,
zeigte in manchen wcfentlichen Punkten Abweichungen
von der bisherigen Theorie: in einerRecenfion des Werkes
fprach Kuenen den Wunfeh aus, einige der Neuerungen
näher begründet zu fehen, und Land kam diefem
Verlangen in einem Artikel De nieuwe rigting in de He-
breeuivsclic grammatica in der Theologisch Tijdschrift von
1870 nach. Zwar hat er auch in der Vorrede zu der
vorliegenden englifchen Bearbeitung einen kurzen Auszug
aus diefer Abhandlung gegeben, indefs wird man
bei der Beurtheilung der bezüglichen Punkte auf die ausführlichere
Faffung zurückgehen müffen. Trotz der erfreulichen
Steigerung des literarifchen Verkehrs zwifchen
Molland und Deutfchland, die feit einiger Zeit auf theolo-
gifchem und orientaliftifchem Gebiete fich zeigt, ift dasBuch
bei feinem damaligen erften Erfcheinen wenig unter uns
bekannt geworden; die englifche Ausgabe ift zudem vom
Ueberfetzer und vom Verf. ftark bereichert, und würde
das Anfehen, deffen beide als hervorragende Orientalinnen
fich erfreuen, auch aus diefem Grunde eine Befprechung
derfelben rechtfertigen.

Aus einer Stelle der Vorrede zu fchliefsen, ift das
Buch für Anfänger beftimmt, und dem entfpricht die
Voranfchickung von Abfchnitten, welche in einer für
diefen Zweck geradezu mufterhaften Weife einige allgemeine
fprachwiffenfehaftliche und phyfiologifche Vorbegriffe
behandeln, ebenfo die Befchränkung des behandelten
Materials auf das zunächft Nothwendigfte.
Im Princip ftimme ich darin mit dem Verfaffer voll-
ftändig überein; aber ich vermiffe eine richtige Durchführung
des Grundfatzes. Die Behandlung ift eine durchaus
ungleichmäfsige; es fehlen Dinge, welche jeder
Anfänger wiffen mufs, z. B. das Verhältnifs der beiden
Imperfectbildungen pTrv und -ib?? bei den Verbis I Gutt.
$ 209, die Beibehaltung des Imperfect -a vor Suffixen
(■>:.£#) u. f. w., S. 161 fleht der Imperativ 'jyattjy aber
auch'ohne Regel), Beifpiele für I Uniformen von Stammen
V?; S. 168 wird R-i;j erwähnt, aber torn, deffen Hervorhebung
erfterem gegenüber unerläfslich ift, fucht man
vergebens — und fo in einer grofsen Zahl anderer Fälle;
dafs auf den Wechfel des Lautes beim Schwa mobile,
fowie beim Dagejch lene überhaupt fo gut wie keine
Rückficht genommen wird, hängt mit desVerf.'s Methode
im allgemeinen zufammen, obwohl es mir auch pädago-

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gifch unzuträglich erfcheint. Umgekehrt wird häufig
wieder zu viel gegeben; ganz vereinzelte Formen, welche
dem Anfänger nie begegnen werden, erfcheinen in grofser
Menge, fobald, wie z. B. auf dem Gebiete der Cafus-
endungen, es dem Verf. darauf ankommt, Belege für die
v on ihm vorgetragenen Anflehten vorzuführen. Schlimmer
ift, dafs die letzteren (wie unten nachgewiefen werden
foll) vielfach problematifcher Natur find, ja dafs nicht
nur in der Erfchliefsung der Urformen Fehler begangen,
fondern felbft Bildungen als vorhanden aufgeführt werden
, die fo nicht daftehen: derartiges mufs doch in einem
für Studenten gefchriebenen Buche vermieden fein, in
einem folchen darf nur Richtiges und Sicheres, Zweifelhaftes
oder Streitiges wenigftens ftets mit ausdrücklichem
Vorbehalt erfcheinen. — Die Zahl der in dem Buche
vorhandenen Druckfehler darf man übrigens nicht bemängeln
, ohne die Errata Seite 217 --219 gelefen zu haben.

Kurz, als Lehrbuch möchte ich das Werk nicht
empfehlen; anders ift es, wenn wir es als wiffenfehaft-
liche Leiftung betrachten: in diefer Beziehung enthält
es viel neues und intereffantes, und fchon die Achtung
vor der wiffenfehaftlichen Bedeutung des oder der Verfaffer
fcheint mir ein kurzes Abfprechen über die von
ihnen vorgebrachten Gefichtspunkte auszufchliefsen.
Freilich glaube ich faft Schritt vor Schritt Widerfpruch
erheben zu müffen, zu deffen Begründung ich Einiges
— bei weitem nicht Alles — hervorheben will.

Land's Syftem ift im Wefcntlichen das Olshausen-
fche, mit einer gewiffen Rückfichtslofigkeit auf die Spitze
getrieben. Nur in einem Punkt befteht ein tiefgehender
Unterfchied. Gewifs mit Recht war bis Olshaufen, zum
Theil durch ihn, die Anficht durchgedrungen, dafs nicht
alle Vocalzeichen der maforetifchen Punctation be-
ftimmte Quantitäten der Vocale angeben, dafs insbe-
fondere ein langes und ein kurzes Segol*) zu unterfchei-
den ift, ebenfo wie ein der Klang/hvxV nach identifches
langes und kurzes Qamec (Olshaufen $ 34 b zu Ende).
Hieraus ergiebt fich die fcheinbare Anomalie, dafs bei
einigen der Vocalzeichen die Quantität beftimmt erfcheint,
bei andern nicht; und Land, welcher ganz richtig betont,
dafs den Erfindern einer fo grofsen Anzahl diakritifcher
Zeichen unmöglich die Fähigkeit oder der Wille gefehlt
haben könnte, noch ein paar weitere zu erfinnen, fchliefst
daraus, dafs die Vocalzeichen überhaupt in keinem Falle
quantitativ, fondern nur qualitativ beftimmte Vocal-
färbungen bezeichnen. Dies zwingt ihn zu dem ferneren

*) Nöldeke (Orient und Occident I, 762) lagt zwar, es gäbe keinen
Fall, wo man nach der jetzigen Punctation genöthigt wäre, Segol als langen
Vocal aufzufallen. Ich meine, es gieht deren eine ganze Anzahl; ich
führe hier nur die betonte Endfilbe n— von Wurzeln an, wo das
Segol als kurz anzufehen gegen alle Analogie wäre.

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