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Ausgabe:

1877 Nr. 2

Spalte:

31

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heibert, Heinr.

Titel/Untertitel:

Vom Paradies bis zum Schilfmeer. Parallelen zwischen biblischen und außerbiblischen Berichten 1877

Rezensent:

Baudissin, Wolf Wilhelm

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3i Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 2. 32

Heibert, Gymn.-Lehr. Dr. Heinr., Vom Paradies bis zum

Schilfmeer. Parallelen zwifchen biblifchen und aufser-
biblifchen Berichten. Gera 1877, Griesbach. (VII,
127 S. gr. 8.) M. 2. 25.

Der Verfaffer hat es fich zur Aufgabe gemacht, die
aufserbiblifchen ,Parallel-Berichte' zu den Erzählungen
der Genefis und der 15 erften Kapitel des Exodus zu-
fammenzuftellen. Sein Material hat er hauptfächlich entnommen
aus Schrader's ,Keilinfchr. u. d. A. T.', aus den
das A. T. berührenden Arbeiten von Ebers, den Genefis-
commentaren von Delitzfch und Dillmann (der immer
als ,Knobel' behandelt wird, fo dafs S. 49 mit: ,fagt
Knob.' Worte Dillmann's eingeführt werden) und einigen
Artikeln aus Riehm's HW. Auch einen Auffatz im
,Daheim' (S. 119) u. dgl. als Quelle zu benutzen, ver-
fchmäht der Verf. nicht. Selbftändig hat er nichts beigebracht
, und feine Arbeit erhebt nur den Anfpruch,
eine popularifirende Zufammenfaffung der Leiftungen
Anderer zu fein. Diefe befcheidene Aufgabe könnten
wir dem Verf., der in grofser Anfpruchslofigkeit feine
Quellen meift mit ihren eigenen Worten reproducirt,
zugeftehen, wenn er nicht — und das ift das eigentliche
Ziel, welches er fich fteckte — mit diefem Material den
Beweis liefern wollte für die hiftorifche Glaubwürdigkeit
der betreffenden biblifchen Erzählungen in allen,
ihren Einzelheiten. Dafs dies unmöglich ift, weifs Jeder,
welcher jenes Material kennt. Die ,Parallelen' zur Jo-
fephsgefchichte z. B., welche einen grofsen Raum in
diefer Darfteilung einnehmen, zeigen allerdings, wie wir
längft wufsten, dafs der altteft. Erzähler mit ägyptifchen
Verhältnifsen fehr vertraut war, aber durchaus nicht, dafs
Jofeph, welchen von dem A. T. unabhängige Quellen
nirgends erwähnen, eine gefchichtliche Perfon war u. dgl.
Solche apologetifche Verfuche, betreffend die hiftorifche
Glaubwürdigkeit der heil. Schrift, welche mehr beweifen
wollen als ihre Mittel geftatten und auch den Zweifel an
diefer Glaubwürdigkeit als ,Unglauben' behandeln (S. IV),
find gefährlich und bedauerlich. Förderlich werden fie
felbft demjenigen nicht fein, welcher ihre Schwächen
nicht durchfehaut; Wielen aber können fie die Meinung
beibringen, als ob der Werth der heil. Schrift ftehe und
falle mit der Gefchichtlichkeit ihrer einzelnen Angaben,
wodurch dann fehr leicht bei befferer Einficht die Werth-
fchätzung der heil. Urkunden einen bedenklichen Stöfs
erleiden wird. — Wir bedauern deshalb, dafs der Verf.
fich nicht befchränkt hat auf eine Zufammenftellung des
ihm vorliegenden Materials, die allerdings manchem Laien
einen erwünfehten Elinblick gewähren mag in die für ihn
zu weitfehichtigen Originalwerke.

Da der Verf. die Ergebnifse der Affyriologie unter-
fchiedslos zu aeeeptiren fcheint, ift es auffallend, dafs
fich keinerlei Verweifung findet auf Smith's Chaldäifchc
Genefis, welche in englifcher Ausgabe Ende 1875, deutfeh
im Frühjahr 1876 erfchien. — Nur beifpielsweife einige
Irrthümer: von einer Vorftellung der Babylonier, dafs
,fich die Sterne ... an dem Kampfe des Lichtes gegen
die Finfternis betheiligen' (S. 12) ift nichts bekannt, von
einem ,den Semiten ureigenen' Efelcultus (S. 45) ebenfo-
wenig. Schräder hat keineswegs behauptet, die Perfon
des Kedorlaomer ,als der Gefchichte angehörig' nach-
gewiefen zu haben (S 49 f.). Ueber vieles Andere, was
weitläuftigcr berichtigt werden müfste, uns mit dem Verf.
auseinanderzufetzen, fcheint uns bei der Art feines Buches
an diefer Stelle nicht erforderlich. Sehr überflüffig ftrengt
fich der Verf. an, mancherlei zu beweifen, woran niemals
ein Vernünftiger gezweifelt hat, z. B. dafs es einen Ort
Gerar gegeben habe (S. 56 f.). S. 68 findet fich der
Sprachiehler: Jofeph begleitet . . . die Stelle des Haus-
hofmeifters.'

Strafsburg i. E. Wolf Baudiffin.

Budde, Privatdoc. Lic. Carl, Beiträge zur Kritik des Buches

Hiob. I. Die neuere Kritik und die Idee des Buches
Hiob. II. Der fprachliche Charakter der Elihu-Reden.
Bonn 1876, A. Marcus. (160 S. gr. 8.) M. 3. —

Der Verf. betont S. 2 nach dem Vorgang Studer's
die Nothwendigkeit, dafs die ins Stagniren gekommene
Kritik des Hiob durch ,neue felbftändige Arbeit' wieder
einmal in Flufs gebracht werde. Ref. mufs nun obenan
diefen (Beiträgen' das Zeugnifs ausftellen, dafs fie folche
neue felbftändige Arbeit wirklich bieten, und zwar mit
einer Akribie der Forfchung und einer Solidität der
wiffenfehaftlichen Methode, dafs der Verf. einer warmen
Anerkennung der Fachgenoffen gewifs fein darf, auch
derer, welche mit dem Referenten einem Hauptrefültate
feiner Unterfuchung nicht zuzuftimmen vermögen. Der
Verf. geht aus von dem Auffatze Studer's ,Zur Kritik

[ des Hiob' (in den Jahrbb. für prot. Theol. 1875. Heft 4)
und findet in den kühnen Aufhellungen desfelbcn wenig-
ftens den Proteft gegen die herrfchende kritifchc Tradition
berechtigt, da in der That nicht eine der bisherigen
Anflehten bei tieferem Eindringen in das Buch befrie-

l dige. Studer's Conftruction des Buchs, nach welcher
der urfprüngliche Hiob in Cap. 29. 30. 3, 3—27, 7. 31.
beftand und nachmals noch fünf Bearbeitungen durchlief
, wird hierauf gründlich widerlegt und nur die That-
fache anerkannt, dafs Cap. 28 nach der gewöhnlichen
Auffaffung die Löfung ungehörig vorwegnehme; diefe
Schwierigkeit fei mit Ebrard durch die Annahme zu
heben, dafs 28, 28 nicht von einem Antheil an der
Weisheit die Rede fei, fondern vielmehr über ungerechte
und überftrenge Forderungen Gottes geklagt
werde. Der ganze Dialog fchliefse fomit nicht mit

I einer Refignation, fondern einer Bankerotterklärung
Hiob's. Die in Folge deffen noch zu erwartende Löfung
könne indefs nicht in den Reden Jahve's gefucht werden,
da diefe trotz der herrfchenden Auffaffung entfernt nicht
leifteten, was fie alsdann leiften müfsten. Vielmehr erfahre
Hiob von Jahve nur völlige Zurückweifung, feine
Fragen und Einwürfe werden abfichtlich Jgnorirt und die
Löfung des Problems (nach des Verf. Formulirung
,denkbar gröfstes Leiden bei denkbar gröfster Reinheit')
komme faft auf ein tel est notre plaisir hinaus. Da nun der

| Dichter unmöglich mit diefer blofsen Demüthigung Hiob's

| eine Löfung des Räthfels beabfichtigen konnte, Hiob

i aber thatfächlich nach den Reden Jahve's im Bcfitz der
Löfung erfcheint, fo kann fchliefslich die wahre Löfung
doch nur in den — Ellihureden gefucht werden. Wir

| räumen gern ein: der Verf. hat fich die Gewinnung diefes
Refultats nicht fo leicht gemacht, wie es nach unferem

I kurzen Referate Rheinen könnte. Vielmehr erörtert er
vorher gründlich und anfprechend alle die cinfchlagen-
den Punkte, wie die Stellung des Buches zur traditio-

[ nellen Vcrgeltungslehrc, die Bedeutung des Prologs etc.
Aber mit alledem vermag er fich über den Anftofs nicht

I zu erheben, dafs nach der tradit. Auffaffung Hiob das

j Opfer einer ungerechten und graufamen Wette fei und
in dem fchliefslichen Verweis auf das unergründliche
Gcheimnifs der göttlichen Allmacht eine fittliche Löfung

1 nicht erblickt werden könne. Daher fei vielmehr die
Expofition des Prologs nur als eine vorläufige Aufklärung
des Lefers zu betrachten, die eigentliche Kno-
tenfehürzung aber den Reden zu entnehmen. ,Gott
fandte Hiob, dem Gerechten, deffen Sünde nur im tief-
ften Grunde des Herzens fchlummerte, das Leiden, um
die Sünde dadurch an die Oberfläche zu rufen und die
Thatfünde zu Hiob's Bewufstfein zu bringen, damit er

! die erkannte Sünde bereue und von fich thue und fo
geläutert und gefördert aus dem Kampfe hervorgehe'
(S. 44)- Man fieht, der Verf. kommt fo ziemlich auf die

I Auffaffung Hengftenberg's hinaus, nur dafs er deffen
Vermifchung von Straf- und Läuterungsleiden fernhält

| und einzig das letztere gelten läfst. Nun will es uns