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1877 Nr. 17

Spalte:

477-478

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(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Fritzsche, Das Monogramm Christi in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung. Vortrag 1877

Rezensent:

Brockhaus, Clemens Friedrich

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477

Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 17.

478

der intereffanteften und lehrreichften Urkunden, die wir
aus der alten Kirche befitzen.

Schliefslich bemerkt Ref., dafs manche der von H.
in der erften Ausgabe des Barn, vorgetragenen Conjec-
turen von I beftätigt werden. Der Druck ifl ziemlich
correct. Auf S. 3—8 hat Ref. folgendes verbeffert: S. 5, 4
(Text)ftekk^tttv. S 3" Z.7 ift G zu tilgen; S. 4» Zo tiqigo-
aivng; S. 7* Z. 4 ift Gh nach S Z. 5 zu fetzen; S. 7 a
Z. 12 ift 8 vor RV(h'orjat)t einzu(ehalten j S. 7a Z.29 ,omneml.
S. 8» Z. 19 mufs es IV für VI heifsen; S. 8" Z. 21 ift
G zu tilgen. Im Text h S. 19, 6 ovv; S. 36, 6 öi; S. 40,6
idyti; S. 42, 6 irriTidifUjXRvut.

Leipzig. Adolf Harnack.

Origenis Contra Celsum Libri I. II. III. IV. Recensuit et
cum delectu notarum edidit Wilhelmus Sclwyn,
S. T. P. Cantabrigiae 1876, Deighton, Bell et soc.
(XVI, 338 et 32 pp. 8. maj.)

Unter den unzähligen Defidcrien der gegenwärtigen
Lefer der patriftifchen Literatur nimmt das einer kriti-
fchen Ausgabe der Streitfchrift desOrigenes gegen Celfus
nicht die letzte Stelle ein. Schon einmal find bekanntlich
die Erwartungen, die man billigerweife von einem '
englifchen Herausgeber diefes Werkes hegen darf, arg
getäufcht worden. Abermals hat Cambridge die Schätze
der Schwefteruniverfität für nichts geachtet und uns diefes
Mal fogar mit einem Unternehmen befchenkt, deffen Zweck
in jeder Beziehung fchwer zu ergründen ift. Der vor- |
liegenden Ausgabe ift nur folgendes , Monitum1 vorge- I
druckt: .,fn ins libris imprimendis, /10c fere u/mm mihi
curae erat, ut textutn auctoris, multorum laboribtts einen- I
datuni, quam verissime exhiberem. Huc potissimum spectant I
notulae ad cateetn paginae, cx Ruaei (R), et Loniniatzschii
(I.) editionibus sclcctae. Delcctum notarum subjeci; argu-
ntenti plurius illustrandi causa consulendae sunt editiones
Spcnceriana et ßenedictina1. Auf diefes Monitum folgt ein
Verzeichnifs der Textesverbefferungen, die der Heraus- 1
geber theils nur vorfchlägt, thcils in den Text genommen |
hat, von jeder Claffe je ein Dutzend, eine Synopfe der
Seiten der Spencer'fchen und der vorliegenden Ausgabe
und die Vorrede des Origenes. Jener dem Texte der
vier Bücher der Streitfchrift angehängte dclectus notarum
ift bezeichnet cx ediHone Spencer/' paucis additis. Da von
dieferi pauca addita kein unbeträchtlicher Theil noch auf
Rechnung von de la Rue und Lommatzfch kommt, fo
kann man fich denken, was für den Herausgeber übrig
bleibt. Der Rede werth ift es in keiner Beziehung. Aehn- |
liches gilt von den oben bezeichneten Conjecturen. Sie
find durchgängig fehr unbedeutend (nicht übel wem au-
qujvio&rjvcn IV, 8 für tavxag üqiKVKiirijvat), bisweilen fehr
unglücklich (z. B. bvnuä'üi für bvonaCetv II, 53' und nicht j
alle neu, noch zu einem geringeren Theile neu, als aus
den eigenen Angaben des Herausgebers fich ergiebt. |
Diefer unterliegt überdies dem Verdacht einer germa-
niftifchen Verwechfelung von posl und secundum auf j
S. 127. Kurz über diefe Ausgabe läfst fich nur fagen, j
dafs man gegenwärtig auch die vier erften Bücher des
Origenes gegen Celfus in einem neuenglifchen Drucke
von bekannter Schönheit befitzt. Nicht einmal darüber
ob den vier letzten dicfelbe Erneuerung ihres Gewandes
zugedacht ift, fetzt uns der Verforger der erften in
Kenntnifs.

Bafel. Franz Overbeck.

Fritrsche. Paft., Das Monogramm Christi in feiner kultur-
gefchichtlichen Bedeutung. Vortrag, gehalten in der
Aula der Realfchulc zu Ludwigsluft. Ludwigsluft
1877, Hinftorff. (20 S. gr. 8.) M. — 25.

Ein neuer Beitrag zur Literatur des Kreuzes, die
neuerdings in dem Zöckler'fchen Werke, das Kreuz Chrifti,

eine fo erhebliche Bereicherung erfahren hat. Der Verf.
des vorliegenden Schriftchens befchränkt fein Thema,
indem er nur eine Phafe in der Entwickelung des Kreuzzeichens
ins Auge fafst, das Monogramm Chrifti. Natürlicher
Weife läfst fich dasfelbe aber von der gefammten
Ausbildung des genannten Symbols nicht trennen, und
das ift die Achillesferfe der vorliegenden Arbeit, die
fonft nicht ohne Geift und ohne Sachkenntnifs gefchrieben
ift. Der Verf. verfährt nun wie viele Autoren, die fich
ein Bild ihres Gegenftandes a priori conftruiren, das
Ziel, zu dem fie gelangen wollen, fowie den Weg, auf
dem es erreicht werden foll, von vornherein feftfetzen,
und nachträglich aus den Thatfachen die Beftätigung
holen: er behandelt die Thatfachen mit ziemlicher Willkür
, hebt einzelne Punkte grell hervor, um andere, mit
feinem Vorhaben nicht ftimmende, ganz zu übergehen.
Der Gang, den er der Entwickelung des Monogramms
bis zum Kreuze vorzeichnet, hat etwas fehr Anfprechendes.

Aus der Chiffre X(qkjtoc) läfst er, zuerft 268 nachweisbar
, durch das hineingezeichnete Kgaovg) die ftern-
förmige Figur Tft, entftehen und aus diefer dann durch
Vertaufchung'des / mit P die Figur des Monogramms
>f;, die nun aus der Reihe der Gcheimfymbolc feit Con-
ftantin heraustritt und durch den Querbalken, der feit Mitte
des 4. Jahrhunderts hinzukommt, der flehenden Kreuzesform
fich nähert j^. Es werden dabei Seitenblicke auf
die zur Zeit diefer Wandlungen herrfchende Lage der
Kirche geworfen, und für diefelben daraus Motive gefucht.
Ebenfo wird der myftifchen Deutung diefer Zeichen
bei anderen Völkern neben der chriftlichen Entftchungs-
legende des Monogramms bei Eufebius und Lactanz
gedacht, endlich eine kurze Beweisführung dafür verflicht,
dafs das Monogramm ausfchlicfslich Chriftus bedeute,
wie es in Verbindung mit A und £1 und als krönende
Spitze des Kreuzes auf einem vaticanifchen Sarkophag-
rclicf erfcheint, ebenfo wie fpäter in S. Stefano rotondo —
nicht in S. Apollinarc in Ciasse, wie der Verf. S. 18 an-
giebt, — das Bruftbild Chrifti an der Spitze des Kreuzes
vorkommt. Hier ift manches Gute gefagt, auch eine
gewiffeUnbefangenheit desBlickes zu rühmen, ohne ilie die
Erörterung diefes Symbols niemals irgend welchen Werth
haben wird. Aber, wie gefagt, feiner Tendenz zu Liebe
hat der Verf. Einzelnes gar nicht berührt, was, wenn
auch der enge Rahmen eines Vortrags eine knappe Be-
fchränkung fordert, doch nicht wegfallen durfte. Das V
ift nicht die einzige Form der sog. cn/x dissimulata der vor-
conftantinifchen Zeit. Der Verf. gedenkt mit keinem
Worte der Form der crux commissa, des | -kreuzes, des
Ankerkreuzes (JJ, die in der vorconftantinifchen Zeit
häufiger als das X vorkommen, und an die fich gerade das
chriftliche Bcwufstfcin vielfach knüpft. Erentfchuldigt fich,

dafs er auf das monogrammatifche Kreuz -p- nicht habe
eingehen können, was allerdings zur Vollftändigkcit der
Erörterung nöthig gewefen wäre. Genauigkeit und Vollftändigkcit
find auch bei den kürzeften derartigen Arbeiten
nothwendig, follen fie nicht in jene phantaftifche
und tendenziöfe Willkür fich verlieren, die gerade in
den Anfängen der chriftlichen Kunft fich fehr zügellos
breit gemacht hat.

Leipzig. Cl. Brockhaus.

Piinjer, Lic. Dr. G. Ch. Beruh., De Michaelis Serveti
doctrina commentatio dogmatico - historica. Jena
1876, Dufft. (IV, 110 S. gr. 8.) M. 2. —

Der Verfaffer giebt im I. Theile feiner Schrift eine
Darfteilung der dogmatifchen Lehren Servet's, im 2. Tbl.
eine Kritik derfelben, im 3. Thl. einen Ueberblick des
Verhältnifses Servet's zu andern kirchlichen Lehren und
Häretikern. Es ift dabei zu beachten, 1) dafs P. bei
Abfaffung feiner Schrift nur erft den kleineren und für