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Ausgabe:

1877 Nr. 17

Spalte:

467-470

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bickell, Gust.

Titel/Untertitel:

Outlines of Hebrew Grammar 1877

Rezensent:

Kautzsch, Emil

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467

Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 17.

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Bickell, Prof. Gust., Outlines of Hebrew Grammar. Revi- hohem Grad zur Zierde und dürfte allein ausreichen,
sed by the author, and annotated by the translator 1 demfelben eine weite Verbreitung zu fichern. In 57 Co-
Dr. Samuel Ives Curtiss, Jr. With a lithogr. table lu"lne,n wird hier die Entwicklung des gerammten fe-
r , , — y ,—. . t . t „ mitilchen Schnftthums in zahllofen formen fauber vor-

of semitic characters by Dr. J. Euting. Leipzig 1877, 1 geführt; mit genauer Auseinanderhaltung der verfchie-
Brockhaus. (XIII, 140 S. 8.) M. 3. —; geb. M. 4. — denen Perioden innerhalb derfelben Syfteme. Auf das
Bickell's ,Grundrifs der hebräifchen Grammatik', der Hebräifche allein entfallen 20 Columnen mit möglichft
1869—1870 in zwei Heftchen erfchien, war der erfte Ver- genauer Datirung nach dem Alter der Infchriften und
fuch, die hiftorifch-comparative Methode ülshaufen's in ; Manufcnpte. In der Pehlevi-Columne ift nach einer Mitknapper
Ueberficht weiteren Kreifen zugänglich zu ma- theilung Herrn Euting's ftatt ,according to Thomas' Vielehen
und fo zu einer Verwendung diefer Methode auch ..mehr acc. to Noeldeke zu fchreiben. Wie es fcheint,
im Sprachunterricht anzuregen. Der Verfaffer begnügte nimmt Dr. Euting eine directe Herleitung der fogenannten
fich zu diefem Zwecke nicht mit einem blofsen Excerpt ; altphönizifchen Charaktere aus den hieratifchen an. Alleraus
Olshaufen's Lehrbuch (Braunfchweig 1861), fondern 1 dings fpringen die Uebergänge auf der Tafel nicht der-
gab eine felbftändig durchdachte Darfteilung feines Sy- ! geftalt in die Augen, dafs nicht manche Bedenken blic-
ftems, hie und da im Gegenfatz zu dem Meifter, häufig ben; dagegen ift Ref. überzeugt, dafs fich die Hypothefe
aber auch über denfelben hinausgehend, wo er aus Vor- der Zurückführung auf ägyptifche Vorlage wenigftens in
ficht die letzten Confequenzen feiner Grundfätze zu ziehen | der Form immer wieder empfehlen wird, dafs man die
unterlaffen hatte. Diefe Grundfätze felblt find den Fach- ! Grundidee von dorther entlehnt fein läfst, nach welcher
genoffen zu bekannt, als dafs hier der Ort fein könnte, die einzelnen Confonanten durch das Bild eines mit ihnen
das Für und Wider in Betreff derfelben aufs Neue zu anlautenden Gegenftandes dargeftellt wurden — mag
erörtern. Auf jeden Fall mdfs zugeftanden werden, dafs dann die Uebertragung diefer Grundidee auf ein femi-
es Olshaufen gelungen ift, die ungeheure Mehrzahl der tifches Idiom mit noch fo viel Sclbftändigkeit erfolgt
fprachlichen Erfcheinungen wirklich befriedigend zu er- min. Die (übrigens höchft fcharffinnige) Hypothefe
klären, und diefes Zugeftändnifs bleibt auch dann in Deecke's, welche das altfemitifche Alphabeth auf die
Kraft, wenn man in fehr wichtigen Vorausfetzungen von [ neuaffyrifche Keilfchrift zurückführen will, fcheitert einfach
an der Thatfache, dafs ein fpeeififeh femitifches
Schriftfyftem fchon lange vor dem ,neuaffyrifchen' Typus
vorausgefetzt werden mufs.

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ihm differirt. Der Vorwurf, dafs für ihn das zu Grunde
liegende ,Urfemitifche' mit dem Altarabifchen fo gut
wie identifch, das Hebräifche alfo im Wefentlichen nur

ein degenerirtes Arabifch fei, ift fo weit berechtigt, als Die Thätigkeit des Ueberfetzers erftreckt fich theils

Olshaufen und mit ihm Bickell offenbar den Trieb zur auf eine präcile Wiedergabe des Originals, theils auf
Formenbildung nach blofser Analogie im Innern des be- ; eigne Anmerkungen, die durch ein Sternchen kenntlich
reits abgezweigten Sprachftamms unterfchätzt und nicht gemacht find und mancherlei nützliche Berichtigungen,
feiten zu einem etwas künftlichen Schematismus greift, Literaturverweife und dergl. enthalten. Offenbar füllte
um die Herleitung der hebräifchen Formen aus den voraus- der Umfang des Grundriffes nicht erheblich überfchritten
gefetzten ,urfemitifchen' confequent durchzuführen. Ge- werden; ohnedies hätte freilich noch manches gefchehen
rade diefe Confequenz hat jedoch am beften gezeigt, dafs können, befonders in Fragen, bei denen fich Bickell
fich weitaus der gröfste Theil des Sprachguts den auf- mehr als billig durch die Tradition gebunden zeigt. So
geftellten Grundfätzen leicht und ficher unterordnet; die lefen wir wiederum an der Spitze von 5- I: die femi-
Richtigkeit der Methode Olshaufen's ift dadurch aufser tifche Sprachenfamilie, die fo benannt ift, weil urfprüng-
Zweifel geftellt worden. lieh alle Nachkommen Sem's zu derfelben gehörten, u.f.w.;

Nach dem foeben Bemerkten können wir es nur §. 6 wird ohne weiteres die Sprache des Pentateuch incl.
billigen, wenn der englifche Ueberfetzer Bickell's (bisher des Deuteronomium für den Repräfentanten der älteften
bekannt durch feine treffliche Abhandlung über den (mofaifchen) Periode erklärt, wobei natürlich auch ton
Namen ,Makkabi'; vergl. Jahrg. I. Col. 436) eben zu diefer für sTf wieder unter den Archaismen erfcheint (vergl.
Vorlage gegriffen hat, um feinen Landsleuten für das | darüber Nöldeke in der Zeitfchr. der DMG., Bd. XX.
Studium des Hebräifchen nach comparativer Methode ' S. 458 ff); pg. 7 ftirbt noch immer das Hebräifche in
einen Wegweifer zu bieten. Mit Recht betont die Vor- Folge des babylonifchen Exils aus und wird durch das
rede, dafs für den Gebrauch des Buches eine gewiffe ,Chaldäifche' erfetzt, wie dies durch den Gebrauch des
Kenntnifs des Hebräifchen vorausgefetzt werden müffe. ; letzteren im Daniel beftätigt werde. In der deutfehen
Referent mufs dem fogar auf Grund vieljähriger Erfah- Ausgabe hatte Bickell wenigftens noch die abweichende
rung im hebräifchen Elementarunterricht den dringenden MeinungNöldeke's zu widerlegen verflicht; die betreffende
Rath beifügen, dafs fich niemand aus übertriebener Wiffen- Note fehlt jetzt und doch ift feitdem der durchfchlagende
fchaftlichkeit dazu verführen laffen foll, den Anfängern I Beweis Nöldeke's (,Die Namen der aramäifchen Nation
Formen zu erklären, die fie noch nicht einmal feft ge- und Sprache') in Band XXV der DMZ., S. 113 ff. erlernt
haben — abgefehen natürlich von folchen Laut- fchienen. Wie kann man auch abgefehen von allem an-
gefetzen, die fich aus der Sprache felbft fofort belegen dem im Ernft behaupten, die nachexilifchen Propheten
laffen. Die comparative Methode hat erft dann einen hätten (für wen dann eigentlich ?) in einer todten Sprache
Sinn, wenn bereits ein hinlänglicher Stoff im Gedächtnifs i gefchrieben und fich dabei den claffifchen Muftern ,anvorhanden
ift, an welchem operirt werden kann. Erft 1 gepaist' — als ob zwifchen Ezechiel und Sacharjah eine
dann feffelt und fördert die tiefere Begründung den | Schriftfprache im Handumdrehen hätte ,fterben' können!
Schüler, während er andernfalls weder die Formen wahr- [ Der Abrifs der Gefchichte der Sprachkunde hätte beffer
haft lernt, noch ihre Entftehung begreift. Die von dem ! geftrichen werden follen, als dafs die Periode von Saadja
Ueberfetzer p. VIII der Vorrede aufgezählten Vorzüge | bis Elias Levita mit 8 Zeilen erledigt wurde. Die No-
der englifchen Ausgabe vor der deutfehen beftehen in tizen über die Anfänge der hebräifchen Studien bei den
der Revifion des Textes durch Bickell felbft (nach der Chriften hätten gleichfalls der Revifion bedurft. Von
vom Referent angeflehten Vergleichung befteht diefe Antonius de Lebrija (f 1522, nicht 1544I exiftirt nur ein
Revifion zum grofsen Theil in Weglaffungen;, ferner in | Schriftchen über die hebräifchen Buchftaben und diefes
der Erfetzung der J$ 18 -20 (Accentlehre) durch eine ; erfchien erft 1547 zu Saragoffa im Druck; vor Reuchlin's
fehr dankenswerthe Ueberficht von der Hand Delitzfch's, Rudimenta fällt noch die introduetio utüissima etc. (um
endlich in der Erfetzung der Bickell'fchen Schrifttafel 1501; vergl. Steinfchneider's bibliogr. Handbuch No. 110)
durch eine folche von der bewährten Hand Dr. Euting's I und Pellican's Grammatik im erften Nachdruck der Marin
Strafsburg. Letztere Zugabe gereicht dem Büchlein in | garita pliilosophica (Strafsburg 1504). Es ift dies diefelbe