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Ausgabe:

1877

Spalte:

465-466

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Herzog, J. J.

Titel/Untertitel:

Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche. 2. durchg. verb. u. verm. Aufl. 1. Bd 1877

Rezensent:

Schürer, Emil

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von Prof. Dr. E. Schür er.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hiiirichs'fche Buchhandlung. jährlich 16 Mark.

N°- 17. 18. Auguft 1877. 2. Jahrgang.

Herzog-PIi11, Real-Encyklopädie für proteftan- Cunningham, A Dissertation on the Ep. of S. ' Pünjer, De Michaelis Serveti doctrina commen-

tifche Theologie und Kirche, I.IM. (Schürer). Barnabas (Harnack). tatio dogmatico-historica (Möller).

Bickell, Outlines of Hebrew Grammar, revised Barnabae epistula, integram Graece iterum edi- 1 Brück, Lehrbuch der Kirchengefchichte für

by the author, and annotated by the trans- dit Ad. Hilgenfeld (Harnack). academifche Vorlefungen und zum Selbft-

lator Dr. S. L Curtiss (Kautzsch). Origenis Contra C'elsum Libri L EL III. IV. Re- ftudium, 2. Aufl. (Blitt).

Concordantiae nominum propriorum quae in censuit Wilh. Selwyn (Overbeck). Williger, Betrachtungen zum Briefe an die

libris sacris continentur, a Gideone Brecher Eritzfche, Das Monogramm Chrifti in feiner Ebräer für den Ifrael Gottes (Wächtler),

inchoata etc. (Mühlau). kulturgefchichtlichen Bedeutung (Brockhaus).

Herzog. Prof. D. J. J., und Plitt, Prof. D. G. L., Real-
Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche.

Unter Mitwirkung vieler proteftantifcher Theologen
und Gelehrten in zweiter durchgängig verbefferter
und vermehrter Auflage herausgegeben. 1. Bd. Abis
Auguftinus. Leipzig 1877, Hinrichs. (VI, 798 S.
Lex.-8.) M. 10. —; geb. M. 12. —

Bei einem Werke von folcher Mannigfaltigkeit des
Inhalts, wie es die nun in zweiter Auflage erfchei-
nende ,Real-Encyklopädie für prot. Theol. und Kirche'
ift, kann es einem Einzelnen nicht in den Sinn kommen,
ein detaillirtes Urtheil über dasfelbe abgeben zu wollen.
Auch bedarf es einer Empfehlung des Werkes nicht
mehr, nachdem bereits die erfte Auflage ihren Gang
durch die Welt gemacht hat und nicht nur Hunderten,
fondern Taufenden ein unentbehrliches Hülfsmittel geworden
ift Wir befchränken uns daher an diefer Stelle
darauf, von dem Erfcheinen des 1. Bandes der neuen
Auflage Notiz zu nehmen und die wefentlichen Unter-
fehiede derfelben gegenüber der alten hervorzuheben,
woraus von felbft erhellen wird, dafs auch für die Be-
fltzer der erften Auflage die Erwerbung der neuen
keineswegs überflüffig ift.

Die Arbeit der Redaction hat der bejahrte Begründer
des Unternehmens, Prof. Herzog, nicht wieder
allein auf fleh genommen. Sein College Prof. Plitt ift ihm
nun zur Seite getreten. Und das Zufammenwirken diefer
beiden Männer läfst hoffen, dafs das mühfame Werk
diesmal in etwas kürzerer Zeit vollendet fein werde als
das erfte mal — eine Hoffnung, die auch fchon durch die
rafche Aufeinanderfolge der bisher erfchienenen Lieferungen
fleh als begründet erwiefen hat. Der Umfang
foll von 21 Bänden womöglich auf 15 Bände reducirt
werden. Ob diefer Plan wirklich durchgeführt werden
kann, mag dahingeftellt bleiben. Nach dem bisherigen
Anfang hat es nicht gerade den Anfchein darnach. Wir
würden es auch nicht beklagen, wenn etwa der Voran-
(chlag um ein paar Bände überfchritten würde. Denn
das Intereffe der Gründlichkeit mufs doch dem der
Raumerfparnifs untergeordnet werden. Immerhin ift das
Vorhaben wefentlicher Kürzungen lobenswerth, da eine
alte Erfahrung lehrt, dafs folche Voranfchläge doch ftets
überfchritten werden. Und in den fpäteren Bänden der
alten Auflage find allerdings zahlreiche Artikel, welche
eine ftarke Reduction zulaffen. — Im Intereffe der Raumerfparnifs
find eine Reihe von Artikeln der alten Auflage
getilgt worden. Wir können dies nur billigen, da die
Tilgungen nur folche Artikel betreffen, die entweder an
fleh oder in Folge von Verweifungen auf andere Artikel
leicht entbehrt werden können. Umgekehrt find hie und
da andere Artikel, deren Aufnahme wünfehenswerth war,

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neu hinzugekommen. So z. B. Adaldag, Erzbifchof von
Hamburg-Bremen (von Bertheau). Doch find folche Ergänzungen
verhältnifsmäfsig fehr wenige, wenn wir nämlich
davon abfehen, dafs felbftverftändlich alle Artikel
aus den Supplementbänden der alten Auflage jetzt an
ihre richtige Stelle im Alphabet eingereiht find. Bei
weitem am meiften in's Gewicht fallend find dagegen
diejenigen Neuerungen, welche durch vollftändige Umarbeitung
der alten Artikel hervorgerufen wurden. Da
der erfte Band der alten Auflage mehr als zwanzig Jahre
hinter dem der neuen zurückliegt, fo mufste ein fehr
grofser Theil der Artikel wefentlich ergänzt, ja umgearbeitet
werden. Und die Redaction hat gerade hierauf
in der dankenswertheften Weife ihr Augenmerk gerichtet.
Sie mufste zu diefem Behufe — da viele der urfprüng-
lichen Verfaffer inzwifchen aus diefem Leben abgerufen
wurden —eine erhebliche Zahl neuer Mitarbeiter gewinnen.
Und fo kommt es denn, dafs mehr als die Hälfte
der Artikel von anderen Verfaffern vollftändig
neu bearbeitet worden ift. Die übrigen find wenig-
ftens ergänzt und revidirt worden, theils von den Verfaffern
felbft, theils von neueingetretenen Mitarbeitern.
Ganz unverändert find nur fehr wenige geblieben, was
immerhin zu bedauern ift. Einige Verfaffer haben es
nicht der Mühe werth gefunden, ihren eigenen Artikeln
die nöthige Theilnahme zuzuwenden. Aber hieraus kann
der Redaction kein Vorwurf gemacht werden. — Bei der
Wahl der Mitarbeiter ift im Wefentlichen nach denfelben
Grundfätzen verfahren worden, wie bei der alten Auflage.
Man wird den Herausgebern nicht vorwerfen können,
dafs fie fleh innerhalb eines engbegrenzten Parteiftand-
punktes gehalten haben. Aber dies ift allerdings unverkennbar
, dafs auch jetzt wieder, wie fchon bei der erften Auflage,
die confervative Richtung mehr berückfichtigt ift als die
kritifche. Ja es will uns fcheinen, als ob die neue Auflage
hierin noch etwas weiter gegangen fei als die vorige.
Zu bedauern ift dies namentlich bei den altteftamentlichen
Artikeln, wo eine ganze Reihe von Namen, die einen
guten Klang haben, nur ungern vermifst werden. Doch
ift es zum Glück nur eine Minderzahl von Artikeln, bei
welchen der Standpunkt überhaupt wefentlich in Betracht
kommt. Und es ift trotz des Fehlens mancher Namen
doch immer noch eine ftattliche Reihe neuer Kräfte,
durch deren Eintreten in die Mitarbeit diefe neue Auflage
ein fo wefentlich verändertes und verbeffertes Ausfeilen
erhalten hat. — Ucberblickt man aber den Ertrag
wiffenfehaftlicher Arbeit, der hier als die Ernte der letzten
zwanzig Jahre in diefe fchon zuvor wohlverfehene
Vorrathskammer neu eingeführt worden ift, fo kann man
fleh des erfreulichen Eindruckes nicht erwehren, dafs
diefe zwanzig Jahre doch auch an unferer deutfehen
Theologie nicht ohne Frucht vorübergegangen find.
Leipzig. E. Schür er.

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