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Ausgabe:

1877 Nr. 16

Spalte:

459-461

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Warneck, G. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Missions-Zeitschrift, allgemeine. Monatshefte für geschichtliche und theoretische Missionskunde. 4. Bd 1877

Rezensent:

Plitt, Gustav Leopold

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 16.

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wenig auffallenden Tracht gerne bedient. Der für
Staatsvifitcn verordnete, nach dem Mufter der früheren
öfterreichifchen Generalshüte conftruirte Hut exiftirt nur
in wenigen Exemplaren, welche in den vorkommenden
Fällen von Hand zu Hand und von Kopf zu
Kopf gehen. Der S. 4 u. 23 unvollftändig oder ungenau
angegebene Titel des Buches von Quenftedt heifst
wirklich : Ethica pastoralis et imtructio catliedralis. Der
Herausgeber von Schleiermacher's Vorlefungen über die
praktifche Theologie heifst nicht Frerich (S. 8), fondern
Frerichs. S. 23 fteht Sacerius ft. Sarcerius; S. 24 Drei-
ling ft. Deyling; S. 104 Seeligkeit ft. Seligkeit. Sonft
zeichnet fich der Druck durch grofse Correctheit aus.

Infolge der urfprünglichen Beftimmung der Vorlefungen
, aus welchen das vorliegende Werk hervorgegangen
ift, für Züricher junge Theologen ift diefem auch
in fprachlicher Beziehung manche provinzielle Eigenthüm-
lichkeit anhaften geblieben. Dem geiftlichen Amte werden
feine Pflichten ,überbunden' (S. 21); der Civilftandsbe-
amte ,verbetet' fich, was er bei uns fich verbitten würde
(S. 39). Der Verf. fagt (S. 139), dafs der Austritt aus
der Kirche .Einiger fich beliebt'; er erörtert (S. 279) die
Frage, ob der Geiftliche ,an Bälle gehen' foll; er fpricht
von ,Hablicheren' anftatt von Wohlhabenderen (S. 125
u. ö.), von .Arztung' anftatt von ärztlicher Hilfe oder
Arznei (S. 147), fagt ,innert' ftatt innerhalb (S. 219) und
ftellt auf die Lebenserfahrung ab, anftatt auf fie ein- oder
zurückzugehen. Und wenn der Sinn diefer Ausdrücke
aus Etymologie und Zufammenhang mit Leichtigkeit
fich ergiebt, fo mufs dagegen Ref. bekennen, dafs er
die Wörterbücher von Schmeller, Grimm und Kalt-
fchmidt hat zu Hilfe nehmen müffen, um herauszukriegen,
dafs ein ,Rodel' (S. 35 u. ö.) eine rotula, eine Rolle, ein
Verzeichnifs; ,Lachsnerei' (S. 191) foviel als Quackfal-
berei und ,Aeufnung' (S. 281) fo viel als Erhöhung, Vermehrung
ift. Aber wer auch nicht, wie Ref., geneigt
fein follte, dem Verf. für diefe ,Aeufnung' feiner Bekannt-
fchaft mit den deutfchen Mundarten zu danken, der wird
fich doch durch diefe fprachlichen Eigenthümlichkeiten
die reiche, fachliche Belehrung und Anregung nicht verkümmern
laffen, die der Verf. ihm darbietet. Und mit
dem Danke dafür fchliefst Referent diefeAnzeige, welcher
er aus fchuldigem Refpect vor dem Verf. eine gröfsere
Ausführlichkeit, als fie fonft in diefen Blättern Regel ift,
geben zu müffen glaubte — in der Hoffnung, dafs die
verehrl. Redaction fie aus der gleichen Rückficht werde
paffiren laffen.

Leipzig. G. Baur.

Missions-Zeitschrift, allgemeine. Monatshefte für gefchicht-
liche und theoretifche Miffionskunde. In Verbindung
mit einer Reihe Fachmänner unter fpecieller Mitwirkung
von Prof. D. Th. Chriftlieb u. Paft. R. Grundemann
hrsg. von Pfr. Dr. G. War neck. 4. Bd. Jahrg. 1877.
12 Hfte. (1. Hft. 64 S. gr. 8.) Gütersloh, Bertelsmann
. M. 7. 50.

Mit dem Jahre 1874 begann Dr. Warneck, damals
am Miffionshaufe zu Barmen, jetzt Paftor zu Rothen-
fchirmbach bei Eisleben, in Verbindung mit Prof. Dr.
Chriftlieb in Bonn und mit Paftor Dr. Grundemann in
Mörz, dem Verfaffer des bekannten Miffionsatlaffes, eine
neue Miffionszeitfchrift herauszugeben. — Die Miffion
ift heutzutage eine Macht geworden, an der man nicht
mehr mit blofsem Stillfchweigen vorbei kann, die nicht
mehr als etwas Nichtfeiendes behandelt werden darf.
Dennoch fehlt es vielfach am rechten Verftändnifs und
richtiger Beurtheilung diefer gefchichtlichen Macht, ja
auch bei den Freunden der Miffion fehlt es oft an hinreichender
Unterftützung derfelben, weil man fie nicht
zur Genüge kennt. Dem entgegen zu wirken ift diefe
Zeitfchrift gegründet. Sie verfolgt alfo theils allgemeinere,

| theils andere Zwecke als die bisher beftehenden Miffions-
blätter und will keinem von diefen in den Weg treten
oder auch nur Abbruch thun. Die Hoffnung ift vielmehr
, dafs, jemehr es gelingt, das hier erftrebte Ziel zu
erreichen, um fo mehr auch die andern Blätter und die
von ihnen vertretenen Gemeinfchaften davon Nutzen haben
werden. — Weil die Miffion grofsen culturgefchichtlichen
Einflufs übt, der Wiffenfchaft wichtige Dienfte leiftet,
den Heidenvölkern reiche, vornehmlich geiftliche Segnungen
bringt, hat fie gerechten Anfpruch auf die Theil-
nahme auch der gebildetften Kreife. Diefe Theilnahme
zu wecken, ift ein Stück der Aufgabe der neuen Zeit-

j fchrift. ,Sie will den Verfuch wagen, auch da ein Verftändnifs
für die Miffion zu Stande zu bringen und dahin
Kunde von ihr zu tragen, wo aus Vorurtheil oder Mangel
an Kenntnifs Indifferentismus gegen fie herrfcht,
will den Aufrichtigen unter ihren Gegnern Gelegenheit
zur Prüfung und den Zweiflern Material zur Bildung
eines günftigen Urtheils liefern'. Auf der andern Seite
will fie den Freunden der Miffion dienen und ihnen zu
möglichft umfaffender und gründlicher Kenntnifs der
ganzen Miffionsfache verhelfen. Um folche Aufgabe zu
erfüllen, hat fie 1) und vor Allem einen miffionsgefchicht-
lichen Theil, der wie das ganze Miffionsgebiet fo auch
die ganze Miffionszeit umfaffen foll. Hier bringt fie
jährlich eine möglichft zuverläffige und umfaffende Rund-
fchau über das gefammte Miffionsgebiet und fucht daneben
in befondern Auffätzen von der Arbeit auf den einzelnen
Theilen diefes Gebietes, fowie von dem Miffions-
leben in der Heimat den Lefern anfchauliche und lebendige
Bilder zu geben. — Um die Grundlagen der Miffions-
thätigkeit klar zu ftellen, hat fie 2) geographifche,
linguiftifche, anthropologifche, ethnologifche, culturge-
fchichtliche, befonders religionsgefchichtlichc Fragen zu
behandeln. Ein weiterer Gefichtspunkt ift die Ver-
theidigung der Miffion gegen unbillige Angriffe; ihnen
follen 3) apologetifche Artikel begegnen; ferner haben
4) miffionstbeoretifche und -praktifche Fragen zur Be-
fprechung zu kommen. Einiger Platz wird 5, der Miffions-
literatur, und zwar nicht der deutfchen allein, offen gehalten
, und als Anhang endlich wird 6) eine Miffions-
zeitung beigegeben. Eine Erweiterung trat mit dem
dritten Jahrgange ein, indem von da an jedes zweite
Monatsheft eine Beilage von einem Bogen erhielt mit
praktifchen Miffionsvorträgen, um fo Anleitung für die
Miffionsftunden zu geben.

Dafs die Gründung einer derartig angelegten Zeitfchrift
für die Miffion eine wohlberechtigte war, bedarf
keines Beweifes. Jetzt läuft fie nun im vierten Jahre;
da läfst fich einigermafsen beurtheilen, wieweit fie ihre
Aufgabe erfüllt; und eine Literaturzeitung, die das gefammte
Gebiet der theologifchen Wiffenfchaft überblicken
will, darf an einer Zeitfchrift nicht vorübergehen,
die es fich zur Hauptaufgabe ftellt, gerade in wiffen-
fchaftlicher Weife die Miffion zu behandeln.

Es ift nicht zu läugnen, dafs unter den Auffätzen
der bisher vorliegenden Jahrgänge hie und da auch einer
von geringerer Bedeutung fich befindet, befonders wäre
bei manchem etwas mehr Kürze zu wünfehen. Im Ganzen
aber mufs der aufmerkfame Lefer bekennen, dafs
ihm recht Tüchtiges, theilweife fogar Ausgezeichnetes
geboten wird. Alles zu nennen ift hier natürlich unmöglich
. Nur Einiges möge aus den obenbezeichneten
Abtheilungen erwähnt werden. Zur (1) Miffionsgefchichte
gehören aufser den von Grundemann gefchriebenen
orientirenden Ueberfichten z. B. der vortreffliche Auf-
fatz über die Kolhs in Oftindien und ihre Chriftianifirung
von Jellinghaus, I, 24 ff.; über die grönländifche Miffion
und Kirche in den letzten zehn Jahren, II, 175 ff; über
die Battas auf Sumatra, III, 257 ff.; über das Miffions-
werk der Brüderkirche, 1, 306 ff.; über die Berliner Mis-
fiönsgefellfchaft, I, 521 ff.; über die Bafler Miffion,

I II, 314 ff.; über die evang. Miffions-Gefellfchaft zu Paris,