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Ausgabe:

1877 Nr. 14

Spalte:

381-382

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Flöckner, Carl

Titel/Untertitel:

Zur Authentie und Integrität des Mosesliedes (Deuter. c. XXXII.) 1877

Rezensent:

Kamphausen, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 14.

382

Doch bekundet der Verfaffer faft durchweg ein feines |
Sprachgefühl und tüchtige exegetifche Schulung, fowie
in zweifelhaften Fällen eine befonnene Zurückhaltung.
Auf Einzelnes näher einzutreten verbietet dem Ref. die
Rückficht auf den Raum diefcs Blattes. — Die Vermuthung
S. 54, dafs ,03 vielleicht ein bilitterales Urnomen fei,
wie a«', hätten wir eben fo gern vermifst, wie das Hamza
unter dem Elif der 8. Form S. 50, Anm.; die Regel S. 88,
dafs b vor dem Infinitiv mit einem folgenden Scliewa
mobile eine gefchloffene Sylbe bilde, erleidet einige Ausnahmen
; zu den von Ew. §. 245'1 Anm. erwähnten Fällen i
aus Jer. 1, 10 kommt nach einer Notiz Kimchi's im Mikhlol
noch ahei Num, 21, 4 wenigflens als alte Variante im
grofsen Machzor neben der mafor. Lesart mit Dagesch.

Bafel. E. Kautzfeh.

Flöckner, Lehr. Dr. Carl, Zur Authentie und Integrität
des Mosesliedes [Deuter, c. XXXII.]. (Gymnafialpro-
gramm.) Bcuthen O/S. 1876, (Görlich & Coch). (48
S. 4.) M. 4. —

Diefe dem zehnten Jahresbericht des katholifchen
Gymnafiums der oberfchlcfifchen Stadt Beuthcn beigegebene
Arbeit von Dr. theol. Flöckner habe ich mit
Freuden gelcfen. Schade, dafs der Verf. zur Raumer-
fparnifs die 117 Anmerkungen ans Ende (S. 46—48) ge-
ftellt hat; der Lefer hätte es viel bequemer, wenn die-
felben jedes Mal unter dem betreffenden Texte Bänden.
Aber der fchon durch frühere Arbeiten (vgl. S. 2) über I
das Lied des Lamech und über die in Num. 21 mitge- j
theilten Liederfragmente bekannte Verfaffer entfehädigt 1
uns für die erwähnte kleine Unbequemlichkeit reichlich
durch die grofse Lesbarkeit der mit Scharffinn und mit
achtungswerther Gelehrfamkeit gefchriebenen Abhandlung
. Wenn ich die Lesbarkeit rühme, fo meine ich
nicht nur den faubern Druck (die Verfehcn auf S. 9. 14 f.
22. 29 verbeffert man leicht) und die gewandte, wirklich
fchöne Schreibart, fondern vor Allem die von jeder Ver-
biffenheit freie, gleichfam harmlofe Liebenswürdigkeit,
welche auch auf den mit würdiger Polemik behandelten
wiffenfehaftlichen Gegner, felbft wenn fie ihn nicht überzeugen
kann, leicht einen gewinnenden Eindruck macht.
Während der griesgrämige und abfprechende Ton, mit
welchem die zwifchen zwei Stühlen Sitzenden nur zu
gerne ihre eigene Unficherheit verbergen möchten, geradezu
abftofsend wirken mufs, fühlt man es unferem Ver-
theidiger der mofaifchen Abfaffung des fchönen Liedes
an, dafs er wirklich in ,gutem Glauben' (S. 45), in voller
Ueberzeugung von der Authentie gefchrieben hat, nicht
in blofs äufserlichem Gehorfam gegen feine unfehlbare
Kirche, .der ich zu einem fo tüchtigen Religionsichrer I
aufrichtig Glück wünfehen mufs.

In den anderthalb Jahrzehnten , welche feit der Veröffentlichung
meines Commentars über Deut. 32, 1—43
verfloffen find, habe ich natürlich manche Einzelheit in
demfclben der Verbefferung bedürftig gefunden; fo
ftimme ich jetzt hinfichtlich V. 32 f. Flöckner (S. 15)
bei, dafs im ganzen A. T. ausnahmslos nur die Corrup-
tion des Bundesvolkes mit der fprichwörtlich gewordenen
von Sodom und Gomorrha verglichen wird, und erblicke
auch fchon langft in dem Unvolke einen früheren Feind
Ifraels als die Affyrer des achten Jahrhunderts. Aber
die nachmofaifche Abfaffung des Liedes fleht wie der
S. 256 ff. von mir befprochenc Kanon fortwährend un-
erfchütterlich feit; ich geftehe auch offen, dafs die bisher j
darauf gemachten Angriffe (z. B. K. H. Sack, die Lieder
in den hiftorifchen Büchern des A T. Barmen 1864, S.
91 ff.) mir überaus fchwach erfchienen find und mich darum
nicht veranlafst haben, in diefer für jeden dogma-
tifch nicht ganz Gebundenen nach meiner Ueberzeugung
fonnenklaren Sache nochmals das Wort zu ergreifen.
Natürlich hat Flöckner (S. 5. 17) darin Recht, dafs an

fich unfichere Gründe in ihrer Gefammtheit noch keinen
fichern Grund ausmachen; aber es find wahrlich fichere
Gründe, die uns beim Buche Daniel die fingirte Gegenwart
von der wirklichen in der Makkabäerzeit unter-
fcheiden laffen, und wenn ich z. B. in der Behandlung
der Prioritätsfragen äufserfte Vorficht fordere, fo leugne
ich damit ja durchaus nicht, dafs in einem gegebenen
Falle mit voller Gcwifsheit (vgl. die offenbare Abhängigkeit
der Stelle Hiob 14, 11 von Jef. 19, 5) entfehieden
werden könne. Mein Kanon ift fo wenig aprioriftifch,
dafs er vielmehr aus der Gefammtheit aller Weiffagungen
abgeleitet ift und auch von den Verfechtern der Tradition
felbft faft überall (Flöckner nennt nur zwei Ausnahmen
in Note 18) zurr Anwendung gebracht wird.
Freilich kommt Alles auf richtige Exegefe an, und da
mufs ich es z. B. für ,hiftorifierende Eisegefe' (S. 20)
halten, wenn Flöckner (S. 16. 19. Note 281 Ifraels poli-
tifches Unglück aus der Gegenwart wegfehaffen und das
Gcgentheil hineinlegen will. Die Vermuthung, dafs V.
30. 31 (S. 30 f. 40 f.) eine Gloffe von der Hand SamueTs
als des Redactors des Heptateuchs fei, wird wohl auch
Anderen als unbegründet erfcheinen; dagegen erkenne ich
gerne an, dafs F. fich gehütet hat, folche Gefchmack-
lofigkciten wie die verfchrobene Faffung von V. 34 als
Rede des Dichters auch nur in Vorfchlag zu bringen.
Geftützt auf die Auslegung von Deut. 32, welche deutlich
zeigt, dafs kein einziger Vers des Liedes für Mofes'
Zeitgenoffen beftimmt ift, behaupte ich vor wie nach
(vgl. S. 267) die Unnatürlichkeit des Rahmens, in welchen
dasfelbe durch Irrthum der fogenannten pofitiven Kritik
fchon früh gefetzt worden ift. Der Raum geftattet mir
hier keine nähere Auseinanderfetzung mit dem von F.
verfuchten negativen und pofitiven Echtheitsbeweis'; zu
letzterem zählt der Verf. (S. 24 f. Note 50) die mofaifche
Sprache, welche er eine ,dcuteronomifch tingierte' nennt,
und beruft fich z. B. für bl^> Deut. 32, 11 auf Gen. 15,9.
Auf die Frage in Note 106 findet der Verf. meine Antwort
in der Jenaer Literaturzeitung 1876, S. 170 wohl
deutlich genug. Uebrigens find dem Verf. einige neuere
Arbeiten überDt.32unbekannt geblieben; ich meine nicht
nur die Königsberger Licentiatendiffertation von Job.
Lehmann (De actate carminis Dt. XXXII. Gotliac 1870J,
der Dt. 32 dem Elifa, Ps. 90 dem Elias zufchreiben
möchte, fondern auch den trotz aller Machtfprüche und
Verkehrtheiten lehrreichen Auffatz von Kloftermann ,Das
Lied Mofe (Deut. 32) und das Deuteronomium. Ein
Beitrag zur Eniftehungsgefchichte des Pentateuchs' in
den Theol. Studien und Kritiken 1871, S. 249—294; 1872,
S. 230—280, 450—502. Vielleicht giebt Flöckner der Erklärung
Kloftermann's von V. IO1' ,auf Irrwegen holte
er ihn heim' den Vorzug vor feiner eigenen, auf Deut.
14, 5 geftützten Conjcctur ,bei der Gazelle (die in der)
Wüfte ftöhnt'.

Bonn. Ad. Kamphaufen.

Rosenzweig, Rabbiner Dr. Ad., Zur Einleitung in die
Bücher ,Esra und Nehemia'. Berlin T876), Götz. (54 S.
gr. 8.) M. 1. —

Die auf dem Titelblatt fehlende Jahreszahl giebt uns
der Verf., Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu Pafe-
walk, am Schlufs der ,im Januar 1876' gefchriebenen
Vorrede. Diefe belehrt uns, dafs Prof. Fleifcher in Leipzig
die vorliegende Arbeit als ,druckwürdig' erachtet
habe. So erklärt fich, wie die zur Erlangung des philo-
fophifchen Doctorgrades genügende Schrift in der Vorrede
gleichfam eine vita scriptoris darbietet. Nicht nur
feinen Eltern dankt der Verf., der fein Schriftchen pietätsvoll
dem Andenken der reinen Seele feines Vaters
widmet, fondern auch zahlreichen Wohlthätern und Lehrern
, die fürs Judenthum eifrig flreben und echte und
rechte Menfchen find; wie er dabei mit der Anrede an
den früh verblichenen Vater begonnen hat, fo fchlielst